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BLKÖ:Nugent-Westmeath, Laval Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 20 (1869), ab Seite: 430. (Quelle)
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Nugent-Westmeath, Laval Graf (k. k. Feldmarschall, Ritter des goldenen Vließes, Commandeur des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Ballynacor in Irland 3. November 1777, gest. zu Bošiljevo bei Karlstadt 21. August 1862). Ueber Geburtsort und Jahr, wie über den Namen des Vaters geben die verschiedenen Quellen verwirrende Angaben. Nach der österreichischen National-Encyklopädie wäre Graf Laval im Jahre 1770, nach dem Brockhaus’schen Conversations-Lexikon gar erst 1780 und in Prag, nach dem gothaischen Kalender im Jahre 1777 und in Irland geboren. Dieser letztere gibt im Jahrgange 1863, im Nekrologe. S. 1066, einen Grafen Michael Anton, k. k. Feldzeugmeister u. s. w., als des Grafen Laval Vater an, während nach anderen Quellen der k. k. Feldmarschall-Lieutenant und Maria Theresien-Ordensritter Graf Jacob Robert des Grafen Laval Vater war. Endlich wird in dem Hirtenfeld’schen Werke über die Maria Theresien-Ordensritter der Name des Vaters und Sohnes Nugent-Westmeath zu Nugent-Westenrath entstellt. Graf N. ist wirklich ein Sohn des Grafen Michael Anton [vergleiche darüber S. 428 die Quellen] und trat am 1. November 1793 als Corpscadet in das Ingenieurcorps, wurde in demselben am 1. März 1794 Oberlieutenant und am 15. April 1796 Capitän. Als solcher leitete er voll Umsicht die Vertreibung des Feindes aus den Verschanzungen bei Budesheim und Kempten. Am 1. März 1799 kam er in gleicher Eigenschaft zum General-Quartiermeisterstabe, wohnte dem Feldzuge d. J. in Italien bei, zeichnete sich bei der Einnahme der Citadelle von Turin und der Feste Serravalle, wie im folgenden Jahre bei den Gefechten zu Brassy, auf den Höhen zwischen Cele und Varaggio, bei Arbizola marina und Savonna bei Santa Croce (10. April) u. s. w. aus. Am 1. Juni 1800 rückte er zum Major im Corps vor, am 31. Juli schloß er mit dem französischen General-Adjutanten Reille den Vertrag über die Demarcationslinie am Po, hatte wesentlichen Antheil an der Wiedereinnahme von Quasto und erprobte seine bereits bewährte Tapferkeit von Neuem in dem darauffolgenden Gefechte und in der Schlacht am Mincio am 25. und 26. December. In der 66. Promotion (vom [431] 18. August 1801) wurde der Graf für seine Bravour, namentlich bei Santa Croce, mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet. Am 1. September 1805 wurde Graf N. zum Oberstlieutenant im General-Quartiermeisterstabe und am 17. Juni 1807 zum Obersten im Infanterie-Regimente Rukawina Nr. 61 befördert; bei Beginn des Feldzuges 1809 aber am 16. Februar in gleicher Eigenschaft zum General-Quartiermeisterstabe übersetzt und von Erzherzog Johann zum Chef des Generalstabes ernannt. Schon wenige Monate nachher, am 24. Mai, erfolgte seine Beförderung zum General-Major in seiner Anstellung, worauf er im November desselben Jahres in Pension trat und in derselben bis 1. Juli 1813 verblieb, an welchem Tage wieder seine Eintheilung in die active Armee erfolgte. In der Zwischenzeit begab sich der Graf im Jahre 1812 auf Allerh. Befehl zur englischen Armee in Spanien. Nach seiner Rückkehr aus Spanien trat er, wie oben erwähnt, in den Activdienst zurück und das Jahr 1813 eröffnete seiner Thätigkeit ein weites und dankbares Feld. Der Graf hatte den Vorschlag gemacht, mit einem kleinen Corps die Verbindung durch Croatien mit dem adriatischen Meere zu eröffnen, dadurch Dalmatien abzuschneiden, dem Feinde Croatien zu entreißen, die Bewohner des Landes zum Kampfe für Oesterreich aufzurufen und dadurch wie durch die gleichzeitige Unterstützung der Engländer zur See den Feind im Rücken zu bedrohen. Nachdem dieser Vorschlag wegen Mangel an Truppen unberücksichtigt bleiben mußte, erbot sich der Graf, mit nur Tausend Mann diesen Zug zu unternehmen und auszuführen. Und in der That, der Graf führte dieses Unternehmen mit ebensoviel Kühnheit als Umsicht aus. Bei Agram überschritt er, mit seiner Brigade die Avantgarde des Feldmarschall-Lieutenants von Radiwojevich bildend, die Save, rückte nach Karlstadt, bewog hier ein Bataillon Szluiner, dem Kaiser den Eid der Treue zu erneuern, bewirkte durch seine Bevollmächtigten ein Gleiches in den übrigen fünf Regimentsbezirken, brachte auf seinem Marsche nach Novigrad ein Bataillon Oguliner zur Rückkehr unter die alten Fahnen Oesterreichs und setzte sich durch Vorrücken gegen Bošiljevo mit dem englischen Capitän Cadogan in Verbindung, wodurch die Communication der feindlichen Armee mit Dalmatien unterbrochen war. Auch in Istrien bereitete er die Erhebung vor, und als bei Jellschane der übermächtige Feind ihn von zwei Seiten angriff, schlug er denselben auf der einen Seite bis Adelsberg, auf der anderen bis Triest zurück. Durch wohlberechnete Manöver wußte er dann eine starke feindliche Abtheilung von ihrer Haupttruppe abzuziehen, wendete sich nach Istrien, rückte gegen Triest vor und nöthigte den Gegner zum Rückzuge. Hierauf verfolgte er den Vicekönig, der sich von Adelsberg über Prewald nach Wippach zog, über Optschina und schlug dessen Arrièregarde bis St. Giovanni zurück, nöthigte den Feind, seine feste Stellung bei S. Croce zu verlassen und über Görz hinter den Isonzo zu gehen und vereinigte sich an diesem Flusse mit den Generalen Starhemberg und Fölseis. Am 13. October besetzte er die Stadt Triest und zwang am 8. November die feindliche Besatzung im dortigen Castell zur Capitulation. Drei Tage später schiffte er sich mit seinen Truppen ein, landete bei Ravenna, griff am 26. December Forli und Cervia an, [432] nahm die dortigen Besatzungen größtentheils gefangen, erstürmte am 8. Jänner 1814 das Dorf Cesenatico, brachte dann das Castell zur Uebergabe, beobachtete am unteren Po die Bewegungen Murat’s, schloß eine militärische Uebereinkunft mit dem neapolitanischen General Livron, rückte am 8. Februar in Modena ein und ernannte hier eine provisorische Regierung im Namen des rechtmäßigen Gebieters. Bei Parma, Reggio und an anderen Orten sehen wir ihn dann mit gewohntem Muthe fechten, bis der Friede von Paris die Feindseligkeiten beendigte. Das Commandeurkreuz des Maria Theresien- mit Handbillet des Kaisers aus Langres vom 1. Februar 1814, dann jenes des Leopold-Ordens, ähnlicher Auszeichnungen von fremden Souveränen nicht zu gedenken, belohnten den kühnen General für die Mühen und Gefahren der Feldzüge 1813 und 1814. Am 30. April 1815 zum Feldmarschall-Lieutenant und dann zum Inhaber des Infanterie-Regiments Nr. 30 ernannt, übernahm Graf Nugent in dem Feldzuge gegen Murat, dessen zweideutige Haltung er schon früher in einer Denkschrift an Lord Castlereagh aufgedeckt hatte, den Befehl über die Division, welche den rechten Flügel der Armee des Feldmarschall-Lieutenants Baron Bianchi bildete, bewirkte durch sein Einrücken in Rom den Beitritt der dortigen Regierung, folgte dann der Bewegung der Hauptarmee auf Neapel, bedrohte den Rückzug Murat’s, schlug die Neapolitaner bei Ceprano, San Germano und Mignano und blieb hierauf als Truppencommandant in Neapel. Im folgenden Jahre erhielt er die Würde eines wirklichen geheimen Rathes und zugleich erhob ihn der h. Vater in den römischen Fürstenstand. Im Jahre 1817 trat er auf Befehl seines Kaisers als Generalcapitän von Neapel in die Dienste des Königs Ferdinand, kehrte aber nach drei Jahren, am 1. April 1820, in österreichische Dienste zurück. Als Militärcommandant im Küstenlande leitete der Graf in den Jahren 1834 und 1835 die Befestigungsarbeiten Triests, der istrischen Küste und der Inseln, überwachte den Bau eines großen Dampfschiffes zu Porto Ré, wurde am 18. September 1838 zum Feldzeugmeister befördert, 1839 zum commandirenden General in Mähren und Schlesien, 1840 zum commandirenden General in der Banal-Warasdin-Karlstädter Grenze ernannt und erhielt 1842 dieselbe Bestimmung für Innerösterreich. Im Jahre 1848 wurde ihm auf sein eigenes Ansuchen der Befehl über das für Italien bestimmte Armee-Reservecorps übergeben, um mit demselben zu der Armee des Feldmarschalls Grafen Radetzky zu stoßen. Aber ehe er noch Zeit und Gelegenheit fand, etwas Entscheidendes zu unternehmen, nöthigte ihn eine schwere Erkrankung, die Armee zu verlassen. Kaum genesen, übernahm der greise Feldherr die Organisirung eines Reservecorps an der steirisch-ungarischen Grenze, mit welchem er im December von Radkersburg nach Ungarn aufbrach, um den rechten Flügel der Donauarmee zu bilden. Er nahm am 13. Februar 1849 Essegg ein und rückte gegen Peterwardein, um diese Festung zu blockiren, kehrte aber, nachdem der Feldzeugmeister Baron Jellačić das Obercommando der Südarmee übernommen hatte, in sein Generalcommando zurück und betrieb nun die Aufstellung, Ausrüstung und Einübung der Reservearmee in Pettau mit solchem Eifer, daß er schon am 8. Juli Mit dem ganzen [433] 16.000 Mann starken Corps über Radkersburg nach Ungarn aufbrechen konnte. Er rückte in Körmend ein, operirte von hier aus in mehreren Colonnen auf Groß-Kanisza und traf am 5. August in Fünfkirchen ein, wo sich das ganze Armeecorps vereinigte. Später übernahm er den Oberbefehl über das Cernirungscorps vor Komorn und ließ bereits alle Anstalten zu einer förmlichen Belagerung treffen, als die Uebergabe des Platzes erfolgte. Bald darauf, am 16. October 1849, wurde Graf Nugent zu der höchsten militärischen Würde eines Feldmarschalls erhoben. Im Jahre 1855 starb nach vierzigjähriger Ehe seine Gemalin Johanna, geborne Duchessa di Sforza-Riario, und mehr und mehr stellten sich nun auch bei ihm selbst die Beschwerden des hohen Alters ein. Dieß hinderte ihn jedoch nicht, auch noch dem Feldzuge im Jahre 1859 als Volontär beizuwohnen. Im Juni 1862 befand er sich gerade auf seiner Herrschaft Bosiljevo bei Karlstadt, als er an einer Brustentzündung bedenklich erkrankte. Er wurde mit den h. Sterbesacramenten versehen und erhielt durch einen hiezu delegirten Priester vom h. Vater den apostolischen Segen und die Absolution. Zeitweise trat dann eine Erleichterung ein, doch nur vorübergehend, und am 21. August hatte Nugent’s Heldenherz ausgeschlagen. Während seiner langen militärischen Laufbahn hat dieser „älteste, vielerprobte und unermüdliche Soldat der kaiserlichen Armee“ – wie ihn das kaiserliche Handbillet an seinen Sohn nennt – auf mehr als hundert Schlachtfeldern seinen Muth und seine Umsicht erprobt. Mit der Thatkraft des Kriegers verband er den Scharfblick des Feldherrn, und wie er zu rechter Zeit durch kühne überraschende Züge den Feind verwirrte und besiegte, so wußte er unter anderen Verhältnissen geduldig und besonnen den methodischen Krieg zu führen und bewährte sich auch hier als Meister. Obgleich gewohnt, an der Spitze der Heere zu stehen, vertauschte er bisweilen ungeachtet seines hohen Ranges diese oberste Stellung freiwillig mit einer untergeordneteren und minder glänzenden, sobald er überzeugt war, hierdurch seinem Kaiser und dem Vaterlande nützliche Dienste erweisen zu können. Ueberhaupt bezeichnete ihn in allem seinen Handeln ein wahrhaft ritterlicher Sinn, und bis in sein hohes Greisenalter bewahrte er sich für seinen Monarchen, für Oesterreich und für jedes gute Recht die Begeisterung der Jugend. Der Held liegt in der Familiengruft im alten Frangipanischen Schlosse Tersatto bei Fiume, Eigenthum der Familie Nugent, bestattet. Ueber die Familie des Feldmarschalls und den gegenwärtigen Stand derselben vergleiche S. 428 die Quellen.

Literarisches Wochenblatt (Brockhaus, 4°.) 1820, Nr. 63, S. 252: „Der Graf von Nugent“. – Hirtenfeld (J.), Oesterreichischer Militär-Kalender (Wien, Gerold, 8°.) XIV. Jahrgang (1863), S. 193 [nach diesem gest. am 21. August 1862). – Zeitung für Norddeutschland 1862, Nr. 4163 [nach dieser gest. am 23. August 1862]. – Inn-Zeitung 1862, Nr. 203. – Oesterreichische Militär-Zeitung, redigirt von J. Hirtenfeld (Wien, 4°.) 1862, S. 245, 550, 558. – Oesterreichischer Soldatenfreund (Wien, gr. 4°.) 1849, S. 326: „Zur Abwehr“. – Illustrated London News, Sept. 16, 1862, p. 271 [mit Abbildung des Wappens]. – Vehse (Eduard Dr.), Geschichte des österreichischen Hofs und Adels und der österreichischen Diplomatie (Hamburg, Hoffmann u. Campe, kl. 8°.) Bd. X, S. 79, in der Anmerkung, S. 233. – Wiener Zeitung 1862, Nr. 194, im amtlichen Theile: Condolenz-Schreiben Sr. Majestät des Kaisers an den Sohn des Verblichenen, Grafen Albert N., k. k. Oberst; Nr. 201: Trauergottesdienst in der Augustiner [434] Hofkirche; Nr. 195: Nekrolog. – Hirtenfeld (J. Dr.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) S. 672, 1131, 1743 u. 1748. – Strack (Joseph). Die Generale der österreichischen Armee. Nach k. k. Feldacten und anderen gedruckten Quellen (Wien 1850, Jos. Keck u. Sohn, 8°.) S. 87. – Szöllösy (Joh. N. v.), Tagebuch gefeyerter Helden und wichtiger kriegerischer Ereignisse u. s. w. (Fünfkirchen 1837, bisch. Lyc. Buchdr., 8°.) S. 340 [nach diesem geboren am 28. August 1776. Szöllösy gibt nicht an, woher er dieses bestimmt angegebene, von allen übrigen ganz abweichende Geburtsdatum entlehnt hat]. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Bd. XXIII, S. 1362. – Nouvelle Biographie générale ... publiée par MM. Firmin Didot frères sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris 1850 et seq., 8°.) Tome XXXVIII, p. 355. – Biographie des hommes vivants (Paris 1818, L. G. Michaud, 8°.) Tome IV, p. 552. – Biographie nouvelle des Contemporains etc. Par MM. A. V. Arnault; A. Jay; E. Jouy; J. Norvins et autres hommes des lettres (Paris, librairie historique, 8°.) Tome XV, p. 146. – Porträte. 1) Lithogr. von Kriehuber (Wien, Neumann, gr. Fol. u. 4°.); – 2) Stif pinx., E. Kaiser del. 1843 (Halb-Fol.); – 3) ohne Schrift. Stahlst. (von Krepp?). Zu haben bei Hofmann u. Krepp, Josephstadt Nr. 14, mit Vorbehalt der Verfielfältigung (sic) und des Nachdrucks (12°.).