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BLKÖ:Nugent-Westmeath, Jacob Robert Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 20 (1869), ab Seite: 426. (Quelle)
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Nugent-Westmeath, Jacob Robert Graf (k. k. Feldmarschall-Lieutenant und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Castel-Nugent in Irland im Jahre 1720, gest. zu Prag 29. März 1794). Entstammt einer alten irischen Familie, die noch zur Stunde in mehreren Linien [vergl. S. 428 die Quellen] in Irland, Oesterreich und Frankreich blüht. Graf Jacob kam schon im Alter von 15 Jahren in die kais. Armee. Zwei Jahre später, 1737, zog er in den türkischen Feldzug und hatte das Unglück, von der Pest befallen zu werden. Als man seine Krankheit erkannt hatte, brachte man ihn in ein von dem Lager ganz entferntes alleinstehendes Zelt. Beim Erwachen fand N. einen Zettel, worauf ihm Nachricht von seiner Krankheit gegeben und zugleich mitgetheilt wurde: er werde alles Nöthige erhalten, dürfe sich aber nicht aus dem Zelte entfernen, denn wenn er unter die Mannschaft ginge, würde er ohne Weiters erschossen werden. N.’s gute Natur half ihm das schreckliche Uebel überstehen, aber diese barbarische Behandlungsweise kam ihm sein lebenlang nicht aus dem Gedächtnisse. In einiger Zeit kam N. in den Generalstab, machte die verschiedenen Grade durch und war bei Beginn des siebenjährigen Krieges (1756) bereits Oberstlieutenant. Als der König von Preußen die Festung Olmütz belagerte, tag es dem Feldmarschall Daun sehr daran, über den inneren Zustand der Festung genau unterrichtet zu sein. Er wünschte, daß ein Officier das Wagniß unternehme, in die Festung zu schleichen, sich von den Verhältnissen derselben genau zu überzeugen und darüber nach bewerkstelligter Rückkehr Bericht zu erstatten. [427] Oberstlieutenant Nugent unterzog sich dieser Aufgabe und löste sie mit ebensoviel Klugheit als Entschlossenheit. Am 10. Juni verließ er allein das Lager von Ewanowitz; in Prerau, wo General St. Ignon seine Position hatte, nahm er eine Abtheilung von 100 Reitern mit, mit diesen machte er auf das Sorgfältigste seine Bewegungen, recognoscirte die feindlichen Positionen auf verschiedenen Puncten, schlich sich Nachts bei Dollein bis auf 300 Schritt einem feindlichen Piket unbemerkt nahe, griff es entschlossen an, schlug sich mit seinen Leuten durch und kam über Kloster Hradisch glücklich in die Festung. Nachdem er in derselben von dem Commandanten alle nöthigen Instructionen erhalten hatte, kehrte er in ähnlicher Weise in’s Lager zu Feldmarschall Daun zurück. Die ansehnliche, von General Bülow befehligte Abtheilung, welche in Folge dieses Berichtes Feldmarschall Daun in die Festung zur Verstärkung derselben zu werfen beschlossen hatte, wurde wieder von dem Grafen N. geführt, der seine ebenso schwierige als gefährliche Aufgabe neuerdings mit seltener Umsicht und Kühnheit löste. Im dritten Feldzuge[WS 1], 1759, zeichnete sich N. im Februar zu Hirschfeld bei dem Angriffe der preußischen Vorposten aus. Er führte bei dieser Gelegenheit die dritte Colonne und warf die Preußen aus dem Orte, den sie mit Uebermacht besetzt hielten. Bei der Belagerung von Dresden im Juni 1760 richteten die in den Vorstädten placirten Batterien in der Stadt großen Schaden an. Feldmarschall Daun ordnete nun auf die Nacht vom 22. Juni einen Angriff dieser Batterien an, den General Angern auszuführen Befehl hatte. Graf Nugent war es nun, der den Angriffsplan entwarf und seine Dispositionen so geschickt genommen hatte, daß alle feindlichen Batterien zerstört und deren Geschütze vernagelt wurden. Dieser gelungene Ausfall, bei dem jedoch Oberst Nugent gefangen wurde, hatte aber die schleunige Aufhebung der Belagerung zur Folge. N. wurde für diese Waffenthat in der 9. Promotion (vom 21. November 1763) mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet. In der darauffolgenden Friedenszeit wurde N. im diplomatischen Dienste verwendet, und zwar erhielt er im Jahre 1764 den Gesandtschaftsposten in Berlin, indem er mittlerweile auch zum General-Major befördert wurde. Im Jahre 1767 rückte er zum Feldmarschall-Lieutenant vor und erhielt die Inhaberstelle des Infanterie-Regiments Nr. 56. In den Jahren 1778 und 1779 machte N. noch den bayerischen Erbfolgekrieg mit und leistete auch in demselben, namentlich bei Behauptung des wichtigen Postens von Turnau vortreffliche Dienste. Die letzte Stelle, welche N. bekleidete, war die eines Stadt- und Festungscommandanten von Prag, in welcher Eigenschaft er auch im Alter von 74 Jahren starb. Der Graf war viele Jahre seines Lebens, seit der Belagerung Dresdens im Jahre 1760, schwer leidend; er hatte sich bei dem Ausfälle auf die feindlichen Batterien bei den Anordnungen dazu sehr erhitzt, dann, müde vor Anstrengung, unter freiem Himmel sich niedergelegt und bei dieser Gelegenheit durch Erkältung ein Nervenübel zugezogen, in Folge dessen er am ganzen Körper ein Zittern und eine solche Schwäche bekam, daß er jedesmal auf das Pferd und von demselben heruntergehoben werden mußte. Nichtsdestoweniger blieb er im Dienste und machte alle Strapazen des Krieges mit. Man rühmt den Grafen als einen [428] Meister in der Lagerkunst, in Marsch- und Situationskenntnissen und im Entwerfen großer Operationen, dabei war er sehr mittheilsam, fand ein Vergnügen darin, Andere in seinen Kenntnissen zu unterrichten, die es mit Dank anerkannten, wie er sein Wissen ihnen faßlich und mit Erfolg mittheilte. In Hirtenfeld’s Werk über die Ritter des Maria Theresien-Ordens wird Graf Jacob Robert als Vater des im Jahre 1862 verstorbenen Grafen Laval N. [siehe den Folgenden S. 430] bezeichnet, während nach dem „Gothaischen Almanach der gräflichen Häuser“ 1862, S. 608, in dem ausführlichen genealogischen Artikel über das Grafengeschlecht Nugent ein solcher des Namens Jacob Robert gar nicht erscheint und als Vater des Feldmarschalls Grafen Laval ein Graf Michael Anton N. (gest. 1812) angegeben wird. Letzteres ist das richtige [vergleiche die Aufklärung über diesen Punct unten die Quellen: Zur Genealogie des Grafengeschlechtes Nugent].

Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) S. 181 u. 1731.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage:Felzuge.