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BLKÖ:Neipperg, Adam Adalbert Graf von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Neilreich, August
Band: 20 (1869), ab Seite: 146. (Quelle)
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Neipperg, Adam Adalbert Graf von (k. k. Feldmarschall-Lieutenant, Commandeur des Maria-Theresien-Ordens, geb. zu Wien 8. April 1775, gest. zu Parma 22. Februar 1829). Sohn des Grafen Leopold Johann Nepomuk [s. d. S. 157] aus dessen dritter Ehe mit Maria Ludovica Gräfin Hatzfeld-Wildenberg-Werther. Graf Adam Adalbert – der Kürze halber weiter nur Graf Adam genannt werden soll – entstammt einer alten Adelsfamilie, über deren Genealogie S. 152 in den Quellen, leider nur dürftige Daten folgen sollen. Die Erziehung erhielt Graf Adam auf der zu ihrer Zeit berühmten Karlsschule in Stuttgart; 16 Jahre alt, trat er als Cadet in das 6. Huszaren-Regiment und kam mit demselben bald darauf gegen die Brabanter Patrioten in’s Gefecht. Er kämpfte nun bei Jemappes (6. November 1792), bei Neerwinden, Löwen, Valenciennes und zeichnete sich überall durch seinen Muth aus; auch war er bald zum Lieutenant befördert worden, indem er bisher als Fähnrich dem Huszaren-Regimente zugetheilt gewesen. Im Reitergefechte bei Cerffontaine, in welchem er durch einen Stich am rechten Arme verwundet worden, gab er neuerdings solche Proben seiner Tapferkeit, daß er außer seinem Range zum Oberlieutenant vorrückte. Bald darauf erhielt er den Auftrag, den berüchtigten Volksrepräsentanten Drouet, der den König Ludwig XVI. auf seiner Flucht aufgehalten hatte, als er am 3. October 1793 von Blankenstein-Huszaren gefangen genommen worden, in’s Hauptquartier nach Hautmont zum Feldzeugmeister Wenzel Graf Colloredo zu führen. Gegen Ende 1793 wurde Graf Adam in den Generalstab übersetzt, dem Feldzeugmeister Grafen Kaunitz zugewiesen, in welcher Stellung er an den vielen Actionen, in der ersten [147] Hälfte des Jahres 1794 ausgezeichneten Antheil nahm. Es war nöthig, an die Commandanten der holländischen Festungen Bergen up Zoom, Breda, Gertrudenburg, Herzogenbusch und Grove und an jene der hinter der Aa aufgestellten englischen Armee geheime schriftliche Befehle zu überbringen. Am 1. September gab der commandirende Feldzeugmeister Clerfayt dem Grafen Neipperg diesen wichtigen Auftrag, der mit einer kleinen, aus Huszaren und Uhlanen zusammengesetzten Reiterabtheilung denselben auch glücklich vollführte. Aber bei seiner Rückkehr zur Armee fand er alle Wege vom Feinde verlegt. Als er sich am 14. September bei dem Dorfe Doelen durchschlagen wollte, gerieth er in einem Kampfe, nachdem er bereits acht Wunden erhalten und von einem Säbelhiebe in’s rechte Auge besinnungslos vom Pferde gestürzt war, in Gefangenschaft. Nach einer anderen Tradition wäre der in feindliche Gefangenschaft gerathene N. von den Männern der Schreckenszeit für einen Emigranten gehalten worden und habe durch wüthende Mißhandlung ein Auge verloren. Später wurde er freigegeben. Seine schweren Wunden entzogen ihn ein ganzes Jahr dem activen Dienste; wieder frei geworden, trat er erst bei dem Angriffe der Mainzer Linien am 29. October 1795 dem Feinde entgegen, um die Colonne des Feldmarschall-Lieutenants Schmerzig auf ihren Angriffspunct zu führen. Für sein tapferes Verhalten bei dieser Gelegenheit wurde Graf N. zum Hauptmann befördert. Nun kam der Graf zur Armee nach Italien und nahm an allen Gefechten und sonstigen Versuchen, den Entsatz von Mantua zu bewirken, Theil; nach dem Rückzuge Alvinczy’s wurde der Graf dem Feldmarschall-Lieutenant Loudon in Tirol zur Leitung der Geschäfte des Generalstabes beigegeben. Auch auf diesem Posten bewährte Graf Adam seinen schon oft erprobten Muth, seine Umsicht und Geistesgegenwart, so daß ihm die Tiroler Stände unter gleichzeitiger Ueberreichung der silbernen Ehrenmedaille ihren Dank für die dem Lande in so bedrängnißvoller Zeit geleisteten Dienste aussprachen. Die glänzendste Periode in dem Kriegsleben des Grafen ist aber jene der Feldzüge vom Jahre 1799 bis zum Abschlusse des Luneviller Friedens am 9. Februar 1801. Er war zuerst dem General Vukassovich als Generalstabs-Officier zugetheilt, als solcher leitete er bei der Einnahme von Rocca d’Anfo den Angriff auf die Vortruppen des Feindes und that sich in der Schlacht von Cassano so hervor, daß Suwarow und Melas seinen Muth in den Schlachtrelationen rühmten. Ferner recognoscirte der Graf am 28. April die verschanzte Stellung des französischen Generals Serrurier bei Verderio und entwarf den Angriffsplan, der mit der Gefangennahme der ganzen von Serrurier befehligten Division endete. Nach der Einnahme von Mailand wurde Graf N. zum Major im Generalstabe ernannt. Ueber seinen Vorschlag fand die Beschießung Casale’s statt, welches sofort vom Feinde geräumt wurde; als sich darauf die Division Vukassovich mit dem Corps des Feldmarschall-Lieutenants Keim zu Turin am 27. Juni 1799 vereinigte, wurde Neipperg Chef des Generalstabs bei Letzterem und erhielt den Auftrag, die piemontesischen Truppen zu organisiren. Neue Umsicht bewährte der Graf im Treffen bei Rivoli vor Turin am 16. September 1799, in welchem er, der die fünfte Colonne führte und dem Feinde in den Rücken fiel, den Sieg zu [148] unseren Gunsten entschied. Eine nicht minder schöne Waffenthat ist des Grafen in Gemeinschaft mit Major Mesko [Bd. XVI, S. 424] in der Nacht vom 7. bis 8. April 1800 ausgeführte Bewältigung des Mont Cenis, bei welcher 340 Franzosen und 18 Kanonen in unsere Hände fielen. Der Graf hatte die Leitung des Ganzen über sich, führte aber überdieß persönlich die dritte von den fünf Angriffscolonnen, überfiel das Hospital und nahm den Brigadechef Caffre nebst einem Theile seiner Leute gefangen. Neue Proben seines Heldenmuthes gab der Graf an dem für unsere Waffen unglücklichen Tage bei Marengo (14. Juni 1800), in welchen Melas bei dem dritten Angriffe besiegt wurde; dann wurde der Graf an Bonaparte abgeschickt, um einen Waffenstillstand vorzuschlagen und im Juli nach Paris gesendet, um als Secretär des Feldmarschall-Lieutenants Grafen Saint Julien bei den angeknüpften Friedensverhandlungen zu fungiren. Noch kämpfte er im genannten Jahre am Mincio, fiel in dieser Schlacht (25. u. 26. December 1800) mit seinen Huszaren – denn nach seiner Rückkehr aus Paris war N. bei Ott-Huszaren eingetheilt worden – dem Feinde in die Flanke und trieb ihn aus den bereits genommenen Schanzen wieder heraus, sich in denselben behauptend, bis um Mitternacht der Rückzug angetreten wurde. Für diese Waffenthaten, insbesondere für sein entschlossenes und standhaftes Verhalten am Mincio wurde der Graf in der 66. Promotion (vom 18. August 1801) mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet. Anfangs April 1803 wurde N. k. k. wirklicher Kämmerer und im August 1805 Oberstlieutenant bei Ott-Huszaren. Mit dem Regimente in Italien stehend, machte er den unglücklichen Feldzug d. J. mit, focht am Tagliamento, bei Cormons und Idria. Am 16. Jänner 1806 wurde er Oberst und Commandant des 1. Huszaren-Regiments Kaiser Franz und führte in dieser Eigenschaft das Commando des Neutralitäts- und Grenz-Cordons an der Weichsel und Politza anläßlich des zwischen Frankreich, Preußen und Rußland geführten Krieges. In dieser Stellung blieb er bis October 1808. Als zu Anfang des Jahres 1809 Erzherzog Ferdinand Este zum Commandanten des 7., in Galizien aufgestellten Armeecorps ernannt wurde, ward ihm Graf N. mit Befehl vom 15. Februar d. J. als General-Adjutant beigegeben. Nach Ausbruch des Krieges rückte der Graf zum General-Major vor und leitete im Jahre 1810 den Marsch der aus der französischen Kriegsgefangenschaft zurückkehrenden österreichischen Krieger durch Deutschland. Nun auf das diplomatische Parket berufen, ging er im Juli 1811 als Gesandter nach Stockholm. Dort hatte er sich mit seiner ersten Frau, Therese Josephine Walpurgis Gräfin Thurn-Valsassina, einer geschiedenen Remondini, vermält, die ihm in der vierjährigen Ehe vier Kinder geboren hatte. Als kaiserlicher Gesandter am königlich schwedischen Hofe fand N. vollends Gelegenheit, sein ganzes diplomatisches Talent zu entfalten. So hatte er vornehmlich zu dem Tractate von Oerebro mitgewirkt, vermittelst dessen Schwedens Beitritt zur Coalition erzielt wurde. Von Stockholm begab sich Graf N. 1813 in das Hauptquartier des Feldmarschalls Fürsten Schwarzenberg nach Gitschin. Dort mit dem Interims-Commando der zweiten leichten Division betraut, hatte er die Aufgabe, mit demselben die schlesische und sächsische Grenze [149] zu beobachten. Mit einem Corps von nur 6000 Mann hatte er eine 30 Meilen lange Grenze zu beschützen. Seinen umsichtig ausgeführten Dispositionen gelang es, diese Aufgabe zu lösen. Am 17. August brachen 4000 Polen in’s friedländische Gebiet ein und drängten Neipperg’s Vorposten bis Wüst-Olbersdorf zurück; eine andere feindliche Colonne drang bis Gabel vor, wo am Abend des 18. Napoleon eine Armee von 18.000 Mann vereinigt hatte. Neipperg konnte ihm nur 2000 Mann, also ein Drittel seines ganzen Corps, entgegenstellen, dann eine zweite, von Oberst Zichy befehligte Abtheilung von auch nicht mehr denn 2000 Mann mußte den General Vandamme, der 6000 Mann commandirte, in Kreibiz aufhalten, während eine dritte Abtheilung unter Oberstlieutenant Derra die dreifach überlegene Brigade Brunneau bei Wüst-Olbersdorf am weiteren Vorrücken hindern sollte. Neipperg mußte also den ganzen nordwestlichen Theil Böhmens gegen eine Uebermacht von 30.000 Franzosen schützen und während er die Flanke der zur Hauptarmee marschirenden Alliirten deckte, die Verbindung der letzteren mit dem Heere Blücher’s unterhalten. Neipperg hatte diese schwierige Aufgabe vollkommen gelöst. Er hatte nämlich Napoleon glauben gemacht, daß ihm nur die Vorhut der alliirten Hauptarmee gegenüber stehe. Als dann Napoleon, der seinen Irrthum inne geworden, nach der Lausitz zurückkehrte und die Haupteingänge Böhmens stark besetzen ließ, griff Neipperg Rumburg an, überfiel Niemes, beunruhigte die feindlichen Stellungen auf allen Puncten, vertrieb die Franzosen am 26. aus Wartenberg und Neuschloß, überfiel Kratzau und lieferte mit seinen Streifcommanden dem Gegner am 28. bei Gabel, Reichenberg und Bielstein siegreiche Gefechte. Als am letztgenannten Tage Feldmarschall-Lieutenant Graf Bubna das Commando der Division übernahm, hatte doch Graf Neipperg an dem ferneren ruhmvollen Wirken mit seiner Brigade großen Antheil, er vertrieb am 29. den Feind neuerdings aus Reichenberg und verfolgte ihn bis Einsiedel, lieferte ihm bei Stolpen einige Wochen später, am 23. September, ein glänzendes Gefecht, bemächtigte sich am 9. October der Schanze bei Pillnitz, behauptete am 18. das wichtige Pausdorf und verfolgte die geworfenen Franzosen über Connewitz nach Zwenkau. Für diesen ruhmvollen Antheil an der Vertheidigung und an dem wenige Tage zuvor erfochtenen entscheidenden Siege in der Völkerschlacht bei Leipzig wurde der Graf im Capitel des Maria Theresien-Ordens des Jahres 1815 mit dem Commandeurkreuze des Ordens decorirt, auch ward ihm die große Auszeichnung zu Theil, die freudige Nachricht von dem Siege der Völkerschlacht nach Wien zu überbringen, wo er am 24. October unter dem Jubel der von dem Franzosenjoche für immer befreiten Bevölkerung den feierlichen Einzug hielt. Mit Beginn des nächsten Jahres, 1814, entsendete ihn sein oberster Kriegsherr nach dem südlichen Italien. Dort hatte der Graf wieder Gelegenheit, sein diplomatisches Talent zu entfalten, denn es war ihm gelungen, den König Joachim Murat zur Unterzeichnung des Tractates vom 14. Jänner zu überreden, in Folge dessen Murat mit den Verbündeten gemeinschaftliche Sache machte und eine Armee in’s Feld stellte, deren Abfall ihn ein Jahr später wehrlos denjenigen überlieferte, mit denen er sich verbunden [150] hatte. Nicht so glücklich war der Graf mit dem neuen, ihm übertragenen Auftrage, den Prinzen Eugen Beauharnais zu überreden, dem Beispiele seines Schwiegervaters, des Königs von Bayern, zu folgen und jeden weiteren Widerstand aufzugeben, da ein solcher durch den Sturz und die Abdankung Napoleon’s ohnehin nutzlos geworden war. Eugen ließ sich nicht dazu herbei, sondern wollte, da sein Herr und Kaiser im Unglücke war, umsomehr die Sache desselben mit den Waffen weiter vertheidigen und die Rechte der Kaiserin-Regentin und ihres Sohnes unterstützen. Was aber der Diplomatie nicht gelungen war, das hatte die Gewalt der Ereignisse zu Stande gebracht. Nun begab sich der Graf nach Frankreich, um an den Siegen der Verbündeten seinen ferneren Antheil zu nehmen. Im Monat Juli 1814 befand sich Graf Neipperg mit einem Commando in der Umgegend von Genf als die Kaiserin Maria Louise sich nach den Bädern von Aix in Savoyen begab. Kurz zuvor, am 5. Juli, hatte er Befehl erhalten, die Kaiserin auf dieser Reise in das Savoyenbad zu begleiten. Diese Reise war nicht ohne einige besorgnißerregende Zwischenfälle beendet worden, in welchen sich der Graf als ritterlicher Begleiter der von so hohem Glücksstande niedergestürzten Fürstin zu bewähren Gelegenheit fand. Nach einem sechswöchentlichem Aufenthalte zu Aix unternahm Maria Louise eine Reise durch die Schweiz, auf welcher der Graf ihr steter Begleiter blieb. Gegen Ende des Sommers kehrte die Exkaiserin nach Wien zurück. Noch hatte sie nicht alle Hoffnungen für sich, noch weniger aber jene für ihren Sohn aufgegeben. Wohl war schon die Trennung von ihrem Gemal und von Frankreich für immer in’s Werk gesetzt, aber nun galt es, ihr den Besitz der kleinen italienischen Staaten zu sichern, deren Fürstin sie bis an ihr Lebensende geblieben war. Aber auch da stellten sich verschiedene und mächtige Hindernisse entgegen. Einer der französischen Bevollmächtigten, der Herzog von Dalberg, sprach es ganz offen aus: „Die Erzherzogin Maria Louise dürfe Parma nicht bekommen und die Verbündeten würden es nie zugeben, daß das Geschlecht Bonaparte im Besitze eines unabhängigen Fürstenthums bleibe“. Nun bot sich dem Grafen N. Gelegenheit dar, seinen Eifer und seine Treue für die unglückliche Fürstin zu erproben. Er verfaßte zu diesem Zwecke ein Memoire, in welchem er die Prätensionen, die Spanien auf Parma erhoben hatte, bekämpfte und die Rechte des Hauses Habsburg auf die Herzogthümer Parma geltend machte. Der gegen die Fürstin an den Tag gelegte Widerstand löste sich endlich dahin auf, daß ihr die Herzogthümer überlassen wurden, sie jedoch sich von ihrem Sohne trennen mußte, der in Wien unter der Obhut seines Großvaters bleiben sollte. Der Erzherzogin wurde eingeräumt, ihren Sohn jährlich zu besuchen. Alle diese Dispositionen wurden mit einem Male durch Napoleon’s Flucht von Elba beirrt. Die Besorgniß einer Flucht des jungen Napoleon zwang zu den größten Vorsichtsmaßregeln. Der junge Napoleon und seine Mutter wurden nach Schönbrunn gebracht, wo ihnen ihre Wohnung in nächster Nähe des Kaisers Franz angewiesen ward. In dieser Zeit gelang es dem Grafen Neipperg, die Exkaiserin zur Abgabe einer Erklärung zu bestimmen, in welcher sie bezeugt, daß sie in die Pläne Napoleon’s durchaus nicht eingeweiht sei und daß sie sich in den [151] Schutz der Alliirten begebe. Der Graf handelte damals bereits als Bevollmächtigter der Erzherzogin auf dem Wiener Congresse, auch hatte ihn die als Herzogin von Parma bereits anerkannte Exkaiserin schon im März 1815 zu ihrem Oberststallmeister und Oberbefehlshaber ihrer Truppen ernannt. Napoleon’s Flucht von Elba hatte auch den König Murat zum Bruche seines Bündnisses mit den Alliirten veranlaßt, er stellte sich Oesterreich entgegen und nun wurde Graf Neipperg mit dem Commando des Vortrabes der wider den König von Neapel aufgestellten österreichischen Armee betraut. Murat’s Loos war bald entschieden. Neipperg schloß am 20. Mai mit Carascosa die Capitulation ab und zog an der Spitze zweier Reiter-Regimenter um Mitternacht vom 21. zum 22. Mai in Neapel ein, dessen Militär-Gouverneur er bis Juni blieb. Nach diesem kurzen Feldzuge ward die durch ihn befehligte Division nach dem südlichen Frankreich beordert. Er weilte dort nur kurze Zeit und kehrte nach ungefähr sechsmonatlicher Abwesenheit nach Wien zurück, wo er dann seinen Posten bei Maria Louise wieder antrat. Der Abschluß der Angelegenheiten Maria Louisens war während der mit dem Tage von Waterloo zum Abschlusse gebrachten Katastrophe ausgesetzt worden. Graf Neipperg hatte jedoch während seiner Abwesenheit mit Maria Louisen einen lebhaften Briefwechsel unterhalten und war ihr immer mit seinem Rathe an die Hand gegangen. Als sich nun die Erzherzogin nach Napoleon’s zweitem Falle allen ihr vorgelegten Bedingungen unterworfen hatte und man überzeugt war, daß von ihr kein Widerstand mehr zu befürchten sei, da kam der Congreß mit dem schon lange vorher gefaßten Entschlusse zu Tage, der ihren Sohn der Erbfolge beraubte. Die Acte vom 9. Juli 1815 bestimmte, daß der Heimfall der Staaten von Parma nach Abrede unter den verbündeten Fürsten entschieden werden sollte. Durch dieselbe Acte ward Maria Louise als Herzogin von Parma, Piacenza und Guastalla erklärt und ihr die Souveränität über dieses Land übertragen. Aber erst ein Jahr darnach ward es Maria Louisen gestattet, sich nach Parma hinzubegeben. Der General Neipperg folgte der Herzogin von Parma in ihre neuen Staaten mit unbeschränkter Vollmacht. Seit April 1815 hatte Maria Louise alle ihre Rechte auf die Verwaltung der Herzogthümer ihrem Vater abgetreten. Im Februar 1816 ernannte sie den Grafen Neipperg zu ihrem Ehrencavalier und übertrug ihm die Leitung der diplomatischen Angelegenheiten ihrer Herzogthümer, die er bis an sein Ableben behielt. Maria Louisens Gemal, der Exkaiser Napoleon, starb zu Sanct Helena am 5. Mai 1821. Einige Monate darnach – nach einer Angabe am 15. August – soll Neipperg’s Vermälung auf die linke Hand mit der Erzherzogin stattgefunden haben. Als im Frühjahre 1821 die piemontesischen Unruhen ausbrachen, erhielt Graf Neipperg das Commando aller auf dem rechten Ufer des Po befindlichen k. k. und alliirten Truppen und trug durch den raschen Marsch auf Tortona zur Herstellung der Ruhe in Piemont kräftig bei. Den Rest seines Lebens widmete er der Verwaltung des Landes seiner Fürstin, in welchem sein Name noch heute unter den Italianissimi im guten Andenken steht. Die unumschränkte Gewalt, die ihm eingeräumt worden, hatte der Graf nur zum Besten des Landes angewendet, in allen seinen [152] Handlungen sprach sich eine große Mäßigung und Toleranz aus. Der Graf war schon längere Zeit leidend, ohne jedoch sein Leiden viel zu beachten. Er hatte im Herbste 1828 seine Fürstin nach Wien begleitet und dort stellten sich die ersten bedenklicheren Zeichen seiner Krankheit ein. Von Wien folgte er der Erzherzogin zu einem Besuche in Piemont, wo er mit ihr in einem der Lustschlösser des Königs von Sardinien wohnte. Mit einem Male nahm die Krankheit einen so gefährlichen Charakter an, daß die Aerzte an seiner Genesung verzweifelten. In diesem leidenden Zustände wurde der Graf zunächst nach Turin und, da er dort nicht bleiben wollte, auf einer Tragbahre nach Parma geschafft, wo er kurze Zeit darnach schon seinen Geist aufgab. Der Graf war erst 54 Jahre alt geworden. Er war ein treuer Diener seines Fürsten, ein tapferer und glücklicher General. Freund und Feind gestehen ihm zu, daß er mit den seltensten Geisteskräften und glänzendsten Talenten eine vielseitige Bildung verband. Wie schon bemerkt, hinterließ er aus seiner ersten Ehe mehrere Kinder, von denen – vergleiche die Stammtafel – nur mehr Graf Erwin Franz am Leben ist. Der Sohn seiner zweiten – morganatischen – Ehe, Wilhelm Albrecht, begründete ein neues, nunmehr (seit 1864) fürstliches Geschlecht, nämlich jenes der Montenuovo, welcher Name eigentlich nur eine Verwälschung des alten deutschen Neipperg (Neuberg) ist.

Maestri (Ferdinando), Elogio del conte A. A. Neipperg (Parma 1829, 4°.). – Oesterreichische militärische Zeitschrift, herausg. von Major Schels (Wien, 8°.) Jahrgang 1830, III. Bd. S. 254: Nekrolog. – Oettinger (Ed. Maria), Gräfin Kielmansegge und Kaiser Napoleon Buonaparte I. Geschichtlicher Memoiren-Roman. (Brünn 1865, Fr. Karafiat, 8°.) Bd. IV, S. 22 u. f. [Oettinger gibt in seiner „Bibliographie biographique universelle“ (Bruxelles 1854, Stiènon, schm. 4°.) Bd. II, Sp. 1299, den 22. Jänner 1829, statt des 22. Februar, als des Grafen Sterbetag an.] – Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) S. 631, 1122, 1743 u. 1748. – Szöllösy (Joh. Nep. v.), Tagebuch gefeyerter Helden und wichtiger kriegerischer Ereignisse der neuesten Zeit u. s. w. (Fünfkirchen in Ungarn 1837, bisch. Lyc. Druckerei, 8°.) S. 175. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliographisches Institut, gr. 8°.) Bd. XXIII, S. 171. Nr. 4. – Nouvelle Biographie générale ... publiée par MM. Firmin Didot frères, sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris 1850 et seq., 8°.) Tome XXXVIII, p. 623. – Biographie des hommes vivants ou histoire par ordre alphabétique de la vie publique de tous les hommes qui se sont foit remarquer par leurs actions ou leur écrits (Paris 1816, L. G. Michaud, 8°.) Tome IV, p. 539. – Biographie nouvelle des Contemporains etc. Par MM. A. V. Arnault; A. Jay; E. Jouy; J. Norvins (Paris 1820 et s., librairie historique, 8°.) Tome XV, p. 54. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 33; Bd. VI, S. 365. – Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar, Bernh. Friedr. Voigt, 8°.) VII. Jahrgang (1829), 2. Theil, S. 918, Nr. 624 [nun erscheint er im VIII. Jahrg. (1830) auf S. 932 unter Nr. 612 noch einmal als am 22. Februar 1830 gestorben, was ein Irrthum ist]. – Schlosser (F. C.), Geschichte des achtzehnten Jahrhunderts und des neunzehnten bis zum Sturze des französischen Kaiserreichs (Heidelberg, 8°.) Dritte Aufl. Bd. VI, S. 301, 303; Bd. VII, S. 516, 1044, 1215 u. 1219. – Hamburger literarische und kritische Blätter (4°.) 1829, S. 239 [nach der englischen Zeitschrift: „Miscellany“]. – Porträte. 1) C. Schule sc. 1816 (8°.); – 2) C. Callegari del., P. Toschi sc. (Fol.), schönes und seltenes Blatt.