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BLKÖ:Miltner, Franz Karl

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Milow, Stephan
Band: 18 (1868), ab Seite: 331. (Quelle)
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Miltner, Franz Karl (Archäolog, geb. zu Schlan in Böhmen 21. Jänner 1797). Die unteren Schulen und das Gymnasium besuchte er in seiner Vaterstadt, Philosophie und die Rechte hörte er zu Prag. Im Jahre 1820 hatte er die Studien beendet, und nun trat er in Privatdienste, wurde im Jahre 1824 Verwalter in Berkowitz, dann in anderen [332] Orten, bis er im Jahre 1827 Magistratsrath in seiner Vaterstadt Schlan wurde. Von Schlan kam er im Jahre 1829 als Civil- und Bergrichter auf die bei Schlan gelegene Herrschaft Smečna, wo er bis zum October 1849 diente. Nun trat er in Staatsdienste über, wurde im December 1849 Kreishauptmann zu Smichow, im Jahre 1854 Stadtrath und Kreishauptmann in Pisek, worauf er im Jahre 1862 in den Ruhestand versetzt wurde. Von früher Jugend betrieb er mit besonderem Eifer geschichtliche Studien, vornehmlich über sein Vaterland Böhmen, ferner Archäologie und Numismatik. Schon im Jahre 1819 arbeitete er für die Zeitschrift „Hyllos“ archäologische Aufsätze. Im Jahre 1820 lernte er Palacky, bald darauf Hanka [Bd. VII, S. 301] und Jungmann [Bd. X, S. 319] kennen. Auch befreundete er sich um diese Zeit mit Vinařicky, den er in seinen historischen Arbeiten in anregender Weise förderte. Für die Erhaltung kirchlicher und anderer baulicher Denkmäler, und für Erbauung von Schulen war M. unermüdet thätig; so ist unter seinen Bemühungen nach dieser Seite hin in letzterer Zeit anzuführen die Restauration der romanischen Kirche zu Kopanin im Smichower Kreise, die Errichtung der neuen Schule zu Smichow, der Haupt- und Realschule zu Pisek. Für diese seine Wirksamkeit ehrte ihn die Bürgerschaft hin und wieder in ihrer Weise. Beraun verlieh ihm im Jahre 1852 das Ehrenbürgerrecht, Smichow im Jahre 1855, Pisek im Jahre 1861. Für die Smichower Kleinkinder-Bewahranstalt erwarb er durch eine Lotterie ein ansehnliches Capital. Auch ist M. ein fleißiger und sorgfältiger Sammler alterthümlicher Objecte aller Art, von Münzen und Medaillen, und hat dem böhmischen Museum schon manches werthvolle Geschenk, unter anderen die Münzen des Fürsten Vladivoj, bisher ein Unicum in seiner Art, zum Geschenke gemacht. Dafür wieder hat ihn das Museum zu seinem wirklichen Mitgliede (1855) erwählt. Er selbst besitzt eine reichhaltige – nach jener des Museums und der Kilian’schen die bedeutendste – Münzensammlung, welche nahezu 3000 böhmische und über 7000 andere Münzen und Medaillen enthält. In Folge dessen wurde er Ehrenmitglied der archäologischen Section des Museums und des Vereins für Numismatik in Prag. Aus seiner reichen Büchersammlung aber holte sich Jungmann in zweifelhaften Fällen Rath, und gedenkt nicht selten derselben in seiner „Historie literatury české“. In Pisek war M. auch als Mitglied des geologischen Vereins und im Jahre 1850 als Mitglied des Ausschusses für Gründung einer čechischen Nationalbühne thätig. Von seinen Arbeiten hat er, obgleich er auch nach dieser Seite hin nicht unthätig ist, noch nichts öffentlich erscheinen lassen, es ist aber bekannt, daß er an einer Geschichte seiner Vaterstadt Schlan und ihrer Umgebung arbeitet, und auch reiche Materialien zu einer historischen Topographie des Piseker Kreises gesammelt hat. –