Zum Inhalt springen

BLKÖ:Meidinger zu Meidinger und Lauterbach, Karl Freiherr von

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Nächster>>>
Meier
Band: 17 (1867), ab Seite: 277. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
Karl von Meidinger in Wikidata
GND-Eintrag: 117003506, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Meidinger zu Meidinger und Lauterbach, Karl Freiherr von|17|277|}}

Meidinger zu Meidinger und Lauterbach, Karl Freiherr von (Naturforscher, geb. zu Trier 1. Mai 1750, gest. zu Wien im Jahre 1820), Sohn des Johann Friedrich Freiherrn von Meidinger [s. d. Vorigen]. Im Elternhause unter der unmittelbaren Leitung seines tüchtigen Vaters und an den Schulen Wiens erhielt er seine wissenschaftliche Ausbildung. Bergrath Scopoli unterrichtete ihn in der Naturgeschichte und der berühmte Naturforscher Freiherr von Jacquin [Bd. X, S. 26] in der Botanik. Die Naturgeschichte aller drei Reiche war seine Lieblingswissenschaft. und um sich in ihr insbesondere zu vervollkommnen, machte er zu wiederholten Malen Reisen in fremde Länder. Im Staatsdienste erlangte er die Stelle eines k. k. niederösterreichischen Landrechtssecretärs, und in Anerkennung seiner Leistungen auf wissenschaftlichem Gebiete erwählte ihn die Gesellschaft naturforschender Freunde in Berlin zu ihrem Mitgliede. Als Fachschriftsteller hat er mehrere Werke theils selbst verfaßt, theils übersetzt, theils Werke Anderer herausgegeben. Sie sind in chronologischer Folge: „Bemerkungen aus der Naturgeschichte. 3 Jahrgänge; aus dem Lateinischen des J. Ant. Scopoli“ (Wien 1770–1781, Gerold, 8°.), diese Uebersetzung besorgte Meidinger in Gemeinschaft mit Fr. Chr. Günther; – „Abhandlungen von Naturalienkabinetten, oder Anleitung, wie Naturalienkabinette u. s. w. eingerichtet werden müssen; aus Linné’s „Amoenitates“ übersetzt und mit Anmerkungen herausgegeben“ (Wien 1772, Krauß, 8°.); – „Naturgeschichte aller Edelgesteine. Aus dem Lateinischen des Joh. Wilh. Baumer übersetzt“ (Wien 1774, Heubner, gr. 8°.); – „Oekonomisch-praktische Abhandlung von dem Torfe oder brennbarer Erde“ (Prag 1775, Gerle, 8°.); – „Anfangsgründe der systematischen und praktischen Mineralogie; aus dem Lateinischen des Joh. Ant. Scopoli, mit Anmerkungen“ (Prag 1775 [W. Vogel in Leipzig], gr. 8°.); – „Geschichte der Fische; aus dem Lateinischen des Ant. Gonan“ (Wien 1781, Gerold, gr. 8°., mit 4 K. K.); – „Merkwürdige Anmerkungen von dem Gelde und Banken, nebst einem Verzeichniss der bei der Handlung und Schifffahrt gebräuchlichen Redensarten und Wörter; aus dem Schwedischen von Zettersten“ (Wien 1783, Heubner, 8°.); – „Icones piscium Austriae indigenarum collegit vivisque coloribus expr. edidit V Decades“ (Viennae 1785–1794, Beck, Fol. maj.); – „Beschreibung einiger seltenen grossen versteinerten Pektiniten“ (Wien 1786, Hartmann, 4°., mit K. K.); – „Physikalisch-chemische Abhandlung vom Idrianischen Quecksilbervitriol; aus dem Lateinischen des J. A. Scopoli“ (München 1786, Lindauer, 8°.); – „Anfangsgründe der Chemie; aus dem lateinischen des Joh. Ant. Scopoli“ (Wien 1786, Mösle, 8°.); – „Abhandlung von den Bienen und ihrer Pflege; aus dem Lateinischen des J. Ant. Scopoli“ (Wien 1787 [[[BLKÖ:Schaumburg, Karl|Schaumburg]] u. Comp.], 8°.); – „Versuch einer naturgemässen Eintheilung des Mineralreichs für Anfänger“ (Wien 1787, Hörling, gr. 8°.); – „Versuch einer deutschen systematischen Nomenclatur aller in den letzten Ausgaben des Linné’schen Natursystems befindlichen Geschlechter der Thiere“ (Wien 1787, Trattner, gr. 8°.); – „Akademische Vorlesungen über die Naturgeschichte. Das Thierreich“ (Wien [Leipzig, bei Wienbrack] 1791, 8°.); – „Chemisch-mineralische Versuche über die Bäder und Gebirge von Baaden. Aus dem Italienischen des Joh. Seraph. Volta“ (Wien 1792, Höfling, 8°.); „Anfangsgründe [278] der analytischen und systematischen Mineralogie. Aus dem Italienischen des J. S. Volta, mit Anmerkungen“ (Wien 1793, Al. Doll, gr. 8°.); – „Nähere Beleuchtung der Erfindung, Zucker aus Runkelrüben zu erzeugen“ (Wien 1799, gr. 12°.), diese Schrift gab er unter den Chiffern seines Namens K. F. v. M–r heraus; – „Naturgeschichte des Kupfers u. s. w., oder Anleitung zu dessen Kenntniss und Gebrauch, von Benedict Franz Johann Ritter von Hermann. 2. verbess. Aufl. von Meidinger, mit Zusätzen und Anmerkungen“ (Wien 1801, Heubner, gr. 8°.); – „Methode einer chemischen Nomenclatur für das antiphlogistische System von Morveau, Lavoisir, Berthollet und de Fourcroy. Nebst einem neuen System u. s. w. der chemischen Zeichen von Hassenfratz und Adet. Aus dem Französischen“ (Wien 1801, Camesina [Heubner], 8°., mit 7 K. K.); – „Vollständige Abhandlung über die Lohgerberei“ (Leipzig 1802, Brockhaus, gr. 4°., mit 15 K. K.); – „Ueber die Verfälschung des Indigos, nebst dem chemischen Mittel, sie zu entdecken, zum Unterricht für Fabrikanten“ (Wien 1802, Trattner, 8°.). Ueberdieß lieferte M. mehrere Aufsätze naturwissenschaftlichen Inhalts in die „Realzeitung“ und in die „Vaterländischen Blätter“. Gleich seinem Vater machte auch Freiherr Karl mehrere nicht unwichtige Erfindungen, deren Ausbeutung jedoch einer späteren Zeit vorbehalten blieb. Im Jahre 1795 gab er in einer gedruckten Proclamation Nachricht über einen von ihm erfundenen künstlichen Bergtheer (Asphalt), der sich zu verschiedenen Zwecken sehr nützlich verwenden ließ. Ferner gelang es ihm, nach zweijährigen mühsamen Versuchen, die französische Erfindung, das sogenannte Pfund- oder Sohlenleder in 14 Tagen gar zu machen, zu ergründen und in erheblicher Weise zu vervollkommnen. Dann erfand er im Jahre 1802 eine Art Firniß gegen die Entzündbarkeit der Gebäude, mit welchem auch günstige Versuche angestellt wurden. Im Jahre 1818 trat Baron Meidinger, der übrigens seit Jahren leidend war und an einer Achselkrücke mühevoll einherhinkte, in den Ruhestand über, den er aber nur zwei Jahre genoß, denn im Jahre 1820 starb er im Alter von 70 Jahren. Sein Werk über die Fische ist der trefflich gestochenen, sehr schön colorirten naturgetreuen Abbildungen wegen noch immer sehr geschätzt, und wird von Bücherkennern weit über jene des hochgepriesenen Bloch erhoben.

Voigt (Adauctus a S. Germano), Acta literaria Bohemiae et Moraviae (Pragae 1774, Joh. Karl Hraba, 8°.) p. 427 et 435 [daselbst heißt er beides Mal: Meidingen Herr zu Meidingen und Lauterbach, was irrig ist, denn sein Name lautet: Meidinger zu Meidinger und Lauterbach]. – Gräffer (Franz), Wiener Dosenstücke (Wien 1852, 8°.) Zweite Ausgabe, I. Theil, S. 17; „Zu Baron Meidinger’s Andenken“. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 628. – Poggendorff (J. C.), Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften (Leipzig 1839, J. A. Barth, gr. 8°.) Bd. II, Sp. 102. – (De Luca) Das gelehrte Oesterreich. Ein Versuch (Wien 1776, Ghelen’sche Schriften, 8°.) I. Bds. 1. Stück. S. 337. – Megerle von Mühlfeld (Joh. Georg), Memorabilien des österreichischen Kaiserstaates oder Taschenbuch zur Rückerinnerung an die merkwürdigsten vaterländischen Ereignisse seit dem Regierungsantritte Sr. Majestät des Kaisers Franz des Ersten (Wien 1825, J. P. Sollinger, 8°.) S. 263.