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BLKÖ:Mayer, Johann (1754–1807)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 18 (1868), ab Seite: 127. (Quelle)
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59. Mayer, Johann (Arzt und Naturforscher, geb. zu Prag 6. Februar 1754, gest. ebenda 5. Juni 1807). Nachdem er bereits mit sieben Jahren den Besuch der lateinischen Schulen begann und er in Betreff des Unterrichtes selbst bemerkt, „daß der mönchische Geist seiner Zeit viel Einfluß auf ihn hatte und er glücklich genug war, nicht ganz davon angesteckt, durchgekommen zu sein“, erlangte er schon im Alter von 17 Jahren die philosophische Doctor- (oder wie sie damals noch hieß, Magister-) Würde und mit 20 Jahren jene der Arzneikunst. Dabei war er während seiner Jugendjahre der Aufsicht seiner Mutter [128] überlassen, da sein Vater, ein Wundarzt, frühzeitig gestorben war. Die Lehrer, unter denen er sich gebildet, waren unter Anderen Thaddäus von Bayer [Bd. I, S. 196], Klinkosch [Bd. XII, S. 101], Kramer und Marherr [Bd. XVI, S. 441], vollendeten Studien trat er sofort in die Praxis, in welcher es ihm, da er seine Studien fortsetzte und in der Behandlung der Kranken mit aller Umsicht vorging, in kurzer Zeit gelang, den Ruf eines geschickten Arztes sich zu verschaffen. In seinen Mußestunden beschäftigte er sich mit Herstellung anatomischer Präparate und mit der Ordnung seiner Fossilien- und Pflanzen-Sammlungen, die er ununterbrochen vermehrte. Sein Ruf als Arzt überschritt bald die Grenzen seines Vaterlandes, König Stanislaus August von Polen berief ihn, um sich seiner Kunst zu bedienen, an seinen Hof und ernannte ihn, da er seine Geschicklichkeit erprobt hatte, zum Hofrathe. Diese Ernennung wäre seinem Biographen in den „Abhandlungen der kön. böhm. Gesellschaft der Wissenschaften“ zufolge bereits im Jahre 1777 erfolgt, da M. erst 23 Jahre alt war. Das möchte denn doch ein Irrthum und wahrscheinlich ein Druckfehler sein. Statt des mittleren Siebeners dürfte ein Neuner richtig stehen und diese Ernennung zum Hofrathe im Jahre 1797 – in welchem M. 43 Jahre zählte – erfolgt sein, wie ihm denn auch im nämlichen Jahre der Titel eines kais. Rathes zu Theil wurde. Als Arzt war er nicht bloß der Liebling der Reichen und Vornehmen, sondern noch vielmehr die Vorsehung und Hilfe der Armen, denen er Nahrung, Arznei, Pflege unentgeltlich angedeihen ließ. Die Wissenschaft, insbesondere jene der Natur, war ihm Trost und Erholung, obgleich auch sie nicht stark genug war, ihn einer Melancholie zu entreißen, die sein Wesen zu Zeiten verschleierte und die sich in dem Schlusse eines Aufsatzes kundgibt, in welchem er Mittheilungen über sein Leben macht und den er mit den bitteren Worten von La Mothe le Vayer endete: „Si du fond de néant j’avois prevû mon etre, et dieu m’avait laissé le maitre de mon sort, je n’aurai jamais voulu naitre“. Mit Fachmännern und Gelehrten des Auslandes unterhielt M. einen lebhaften Briefwechsel, wodurch er zur Kenntniß der wichtigsten Entdeckungen in der Naturwissenschaft gelangte, und zu immer neuen Forschungen und Beobachtungen angespornt wurde. Sein Antheil an den geistigen Bestrebungen in seinem Vaterlande Böhmen war ungemein groß, denn sein Nekrolog sagt es ausdrücklich, daß die königlich böhmische Gesellschaft der Wissenschaften großentheils ihm ihre Gründung und erste Einrichtung verdanke, indem die frühere von Born begründete Privatgesellschaft ihre Arbeiten mit dem 6. Bande der Abhandlungen geschlossen hatte und wegen Born’s Abgang von Prag ihrer gänzlichen Auflösung nahe war. Nicht minderen Antheil hatte er an der Entstehung und Förderung der Gesellschaft patriotischer Kunstfreunde in Prag. In dieser Hinsicht heißt es auch in seinem Nekrologe: „Echter Patriotismus, gepaart mit dem reinsten, edelsten Sinne für alles Gute und Nützliche, ließen ihn lange noch vor der wirklichen Entstehung der Gesellschaft vorhersehen, von welch praktischen Vortheilen ein Institut dieser Art werden könnte. Oft besprach er sich darüber mit ihrem Präsidenten und kann daher auch gemeinschaftlich mit ihm als einer der ersten Stifter des ganzen Unternehmens mit Recht angesehen werden, [129] an dessen Fortschritten er übrigens bis zu seinem Ende ununterbrochen fortfuhr, durch Herleihung von interessanten Kunstwerken, durch jährliche Beiträge zur Subscription auf Werke lebender Meister, kurz durch Aufmunterung jeder Art ebenso warm als thätig theilzunehmen.“ Im Gebiete der Naturwissenschaft auch schriftstellerisch thätig, hat er ebensowohl Werke fremder Gelehrten übersetzt oder herausgegeben, oder aber seine eigenen Beobachtungen und Erfahrungen niedergeschrieben und veröffentlicht. Diese seinen theils selbstständig erschienenen Werke, theils in gelehrten Sammelschriften veröffentlichten Abhandlungen sind, und zwar erstere: „Dissertatio inaug. historico-naturalis medica de iis quae generationem animalis concernunt“ (Pragae 1775, 8°.), auch im 2. Bande der von Dr. John herausgegebenen „Dissertationes select. medic. Pragens.“; – „Reisen des Tiresias“ (Frankfurt und Leipzig 1776, 8°.), erschien anonym; – „Momus unter den Menschen“ (1777, 8°.); – „Emerigeon, besonderes Mittel wider das Podagra. Aus dem Französ.“ (Dresden 1780, 8°.); – „Untersuchung des Liebwerder Sauerbrunnens in Böhmen, unweit Friedland“ (Prag 1786, 2. Aufl. Dresden 1787, 3. Aufl. 1791, Walther, 8°.); – „Sammlung physikalischer Aufsätze, besonders die Böhmische Naturgeschichte betreffend“, 5 Bände (Dresden 1791–1799, Walther, gr. 8°.), nur die ersten vier Bände sind von Mayer, der fünfte ist von F. A. Reuß; – „Alex. Volta’s Schriften über die thierische Elektrizität. Aus dem Italien.“ (Prag 1793, Calve, 8°.); – „Fortsetzung oder Schreiben an J. M. Vasali über die thierische Elektrizität. Aus dem Italien.“ (ebd. 1796, 8°.); – „Abhandlung über die Kräfte der thierischen Elektrizität auf die Bewegung der Muskel, nebst einigen Schriften von Valli, Carminati und Volta über diese Gegenstände. Aus dem Italienischen des A. Galvani übersetzt und herausgegeben“ (Prag 1793, Calve, mit 4 K. K., 8°.); – „Beiträge zur Geschichte der meteorischen Steine in Böhmen“ (Dresden 1805, Walther, gr. 8°.). Ueberdieß gab er heraus: Karl Anton Rösler’s „Bergmännische Nachrichten über die Gebirge und den Bergbau in Joachimsthal. Mit Anmerkungen“ (Dresden 1792, Walther, gr. 8°.); – Jos. Gardini’s „Dissertatio de electrici ignis natura“ (Dresden 1793, Walther, 8°.), mit einer Vorrede; auch deutsch: „Abhandlung von der Natur des elektrischen Feuers“ (Dresden 1793); – „Briefe des Herrn Abtes Spalanzani an Herrn Thouvenel über die organische und unterirdische Elektrizität. Aus dem Italien.“ (Prag 1794, 8.). Die in gelehrten Sammelwerken abgedruckten Aufsätze sind aber: in den Abhandlungen der kön. böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften: „Bemerkungen über natürliche Gegenstände der Gegend um Schüttenhofen in Böhmen und eines Theiles der benachbarten Gebirge“ (1779, S. 132), auch besonders abgedruckt; – „Abhandlung von der Pichurim-Rinde“ (1782, S. 66); – „Abhandlung von den Würmern der Menschen“ (1782, S. 77); – „Ueber die Elektricität der Vögel“ (1782, S. 82); – „Nachricht von verschiedenen Knochen nicht einheimischer Thiere, so in Böhmen gefunden worden“ (1784, S. 260); – „Botanische Beobachtungen“ (1785, S. 46, u. 1787, S. 314, mit ill. K. K.); – „Chemische Versuche mit einigen Steinarten“ (1786, S. 242); – „Beschreibung einiger seltenen Pflanzen (Taschenkraut, Lackblume, Meersenf)“ (1786, S. 235, mit 2 K. K.); – „Woher hat Böhmen in älteren Zeiten sein Kochsalz genommen? u. s. w.“ (1788, S. 249); [130] – „Beschreibung und Abbildung einer seltenen Art Huflattig“ (1790, S. 207); – in Schreber’s Naturforscher: „Insectenbeschreibungen“ (Stück 15); – „Beobachtungen über die Befruchtungstheile einer besonderen Ullva“ (Stück 17); – „Abhandlung von den polnischen Opalen und Weltaugen“ (Stück 19 u. 21); – in den Schriften der Berliner naturforschenden Gesellschaft: „Versuch einer Beschreibung der Gegend von Slupe in Mähren“ (Bd. III, 1782); – in den Physikalischen Arbeiten einträchtiger Freunde in Wien, im I. Jahrg. (1783): „Beschreibung der Poa Bohemica; einer Grasart“ (im 1. Quartal); – „Beschreibung des haarigen Fingerhuts (Digital plumosa) (im 4. Quartal); – in den Abhandlungen der Churpfälz. phys. ökonomischen Gesellschaft auf das Jahr 1779: „Botanische und ökonomische Beobachtungen“. Ueberdieß mehrere kleinere Aufsätze in den meisten in Böhmen erschienenen Zeitschriften, in Richter’s „Chirurgischer Bibliothek“, in Voigt’s „Magazin der Naturkunde“ u. dgl. m. M.’s Verdienste um die Wissenschaft wurden auch in gelehrten Kreisen anerkannt. Die kais. Akademie der Naturforscher zu Erlangen, die churfürstl. pfälzische phys. ökonomische, die kön. sächsische ökonomische zu Leipzig, jene der naturforschenden Freunde zu Berlin, haben ihn unter ihre Mitglieder aufgenommen und die königl. böhmische Gesellschaft der Wissenschaften bei ihrer Gründung zu ihrem beständigen Secretär gewählt. M. starb im vollen Mannesalter, erst 53 Jahre alt, nachdem er, wie es in seinem Nachrufe heißt: sein ganzes Leben, seine Kräfte, seine Studien, seine Gesundheit und seine Leiden dem Wohle der Kranken geweiht hat“.

Versuch einer Biographie Johann Mayer’s (Prag 1808, 8°.) [von einer Frau verfaßt]. – Abhandlungen der kön. böhm. Gesellschaft der Wissenschaften (Prag 1811, 8°.), von den Jahren 1805, 1806, 1807, 1808, 1809, S. 33. – Neue Annalen der Literatur in dem österreichischen Kaiserthume (Wien, Ant. Doll, 4°.) II. Jahrg. (1808), Intelligenzblatt October, Sp. 165. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 613. – Baur (Samuel), Allgemeines historisch-biographisch-literarisches Handwörterbuch aller merkwürdigen Personen, die in dem ersten Jahrzehend des neunzehnten Jahrhunderts gestorben sind (Ulm 1816, Stettini, gr. 8°.) Bd. II, Sp. 26. – Elwert (Joh. Kasp. Ph.), Nachrichten von dem Leben und den Schriften jetztlebender deutscher Aerzte, Wundärzte, Thierärzte, Apotheker und Naturforscher (Hildesheim 1799, Gerstenberg, gr. 8°.) Bd. I, S. 338–346. – Poggendorff (J. C.), Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften (Leipzig 1859, Joh. Ambr. Barth, gr. 8°.) Bd. II, Sp. 94. – Porträte. 1) Von einer Dame gezeichnet und nach dieser Zeichnung in Kupfer gestochen, mit der Unterschrift: Par son Savoir il prolonge nos jours | Par son Esprit il sait les rendre courts | le 10 Mars 1796; – 2) W. Schuldes gest., mit der Unterschrift: Johann Mayer, der Arzt; – 3) ein Schattenriß, welcher sich bei dem „Versuch einer Biographie Johann Mayer’s“ (Prag 1808) befindet. – Denkmal. Sein Bruder Joseph, ein gleichfalls ausgezeichneter Naturforscher, setzte ihm einen einfachen Denkstein mit der Inschrift: Johann Mayer | der Arzt | geboren in Prag | den 6. Februar 1754 | gestorben den 5. Juni 1807[WS 1]. |Sein dankbarer Bruder.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: 1897.