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BLKÖ:Klinkosch, Joseph Thaddäus

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Klingmann, Philipp
Band: 12 (1864), ab Seite: 101. (Quelle)
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Klinkosch, Joseph Thaddäus (Arzt und Naturforscher, geb. zu Prag 24. October 1734, gest. ebenda 16. April 1778). Der Unfall, der ihn im Alter von zwei Jahren traf, daß er durch einen Fall vom Tische sich den Fuß verrenkte und in Folge dessen zeitlebens hinkte, rettete ihn für die Wissenschaft. Als nämlich sein Vater mit Freunden sich berieth, welches Gewerbe er den Sohn erlernen lassen sollte, gab sein Hinken den Ausschlag, denn die Freunde riethen, ihn auf die lateinische Schule zu schicken, was denn auch geschah, da im Gelehrtenstande ein krummer Fuß nichts zu bedeuten habe. K. besuchte nun die Jesuitenschule, und von Kindheit an mit einer seltenen Fertigkeit in mechanischen Arbeiten ausgestattet, benützte er die freie Zeit, welche ihm die Schule ließ, zu dergleichen, auch trieb er Musik und da er großes Talent dafür besaß, bildete er sich – ohne Meister – gleich für mehrere Instrumente, als Geige, Harfe u. dgl. m. aus. Nach beendetem Gymnasium und philosophischen Studien begann er das Studium der Rechte, betrieb es aber nur ein Jahr lang; schon im folgenden, 1751, vertauschte er es mit jenem der Medicin. Nun war es vornehmlich die Anatomie, die ihn anzog und der er mit besonderem Eifer oblag; 1761 erlangte er die Doctorwürde und trat dann in die Praxis. Aber schon in kurzer Zeit wurde ihm das Lehramt der Anatomie an der Prager Hochschule übertragen und K. kündigte seine Vorträge nach der Sitte der älteren Professoren mit einem ausführlichen Programme an, welchem eine [102] gelehrte Abhandlung über Brüche und die Entdeckung einer neuen Gattung von Bauchbrüchen angeschlossen war. Auch später bediente sich K. desselben Mittels, um seine Wissenschaft zu fördern, es wurde ihm aber die weitere Ausgabe von solchen Programmen untersagt. Seine Geschicklichkeit als Arzt, welche namentlich zur Zeit der Seuche in den Jahren 1770 und 1771 sich bewährte und seine gelehrten Arbeiten machten seinen Namen in weiteren Kreisen und weit außerhalb der Grenzen seiner Heimat bekannt. Männer wie van Swieten und Albrecht von Haller, Alexander Volta und Ingenhouß verkehrten brieflich mit ihm und schon 1775 ernannte den Gelehrten die königl. Akademie der Wissenschaften von Göttingen zu ihrem Mitgliede. Im Jahre 1777 verließ er zum ersten Male – nachdem er schon ein berühmter Mann geworden – seine Heimat, besuchte Wien, wo ihn die Kaiserin Maria Theresia huldvoll empfing und die damaligen Wiener Gelehrten achtungsvoll aufnahmen. Beglückt über den Erfolg dieser ersten Reise, welcher nun in kleinen Zeiträumen noch andere nach Deutschland folgen sollten, kehrte er in seine Vaterstadt zurück, wo ihn aber schon im folgenden Jahre der Tod in der Vollkraft seines Lebens – er zählte erst 44 Jahre – seinen Freunden, der leidenden Menschheit und der Wissenschaft entriß. Seine Schriften – wenngleich nur Dissertationen – haben höheres wissenschaftliches Interesse und sind folgende: „Positiones de actionibus naturalibus“ (Pragae 1755, 4°.); – „Theses physiologicae de sensibilitate et irritabilitate ex experimentis factis deductae“ (ebd. 1761, 4°.); – „Programma, quo F. Th. K. divisionem Herniarum, novamque Herniae ventralis speciem proponit. ...“ (ebd. 1764, 4°.) – „Quaestio medica an foetus in utero materno per os nutriatur“ (ebd. 1764, 8°.); – „Programma quo J. Th. K. sectiones et demonstrationes suas anatomicas ... et anatomen partus capite monstroso proponit“ (ebd., cum tab., 4°.); – „Programma quo anatomicam monstri bicorporei monocephali descriptionem proponit“ (ebd. 1767) cum tabulis aen., 4°.); – „Quaestio academica ex physiologia num jam verus usus pulmonis in machina humana notus sit.“ (ebd. 1771, 4°.); – „De excessu vis vitalis et vasorum variisque inde in machina animali pendentibus phaenomenis“ (ebd. 1772) 8°.); – „De natura crustae inflammatoriae in sanguine misso adparentis“ (ebd. 1773, 8°.); – „Programma quo Hydrocephalum foetum rariorem ejusque causam proponit“ (ebd. 1773, 4°.); – „De arenulis in lotio adparentibus ut infallibili salutaris morborum eventus signo prognostico“ (ebd. 1774, 8°.); – „De vera natura cuticulae ejusque regeneratione“ (ebd. 1775, 8°.); – „Dissertationes medicae selectiores Pragenses quas collegit et edidit Jos. Thad. Klinkosch“. Vol. Ium (Pragae et Dresdae 1775, 4°.); – „Observatio de sensibilitate tendinis et raro cotis morbo“ (Pragae 1775, 4°.); – .„Dissertatio de utero deficiente“ (ebd. 1777, 8°.); – „Dissertatio de utero retroflexo morbo gravidis perniciosissimo“ (ebd. 1777, 8°.). In den Abhandlungen einer Privatgesellschaft in Böhmen sind abgedruckt sein „Schreiben, den thierischen Magnetismus und die sich selbst wieder ersetzende Kraft betreffend“ (Bd. II); – „Schreiben, den beständigen Electricitätsträger betreffend“ (ebd., Bd. III, S. 199) und „Beschreibung eines Electricitätsträgers ohne Harz [103] und Glas“ (ebd., S. 391); auch hat er aus dem Italienischen Volta’s „Beschreibung einer neuen electrischen Geräthschaft, Electrophor genannt“ (Prag 1777, 8°.) herausgegeben. Klinkosch, von dessen Fertigkeit für mechanische Arbeiten bereits Erwähnung geschah, sann ununterbrochen auf neue Erfindungen und verfertigte sich zu seinen wissenschaftlichen Arbeiten mancherlei Gerätschaften. Kurz vor seinem Tode noch vollendete er für die Erzherzogin Maria Anna [Bd. VII, S. 26, Nr. 212], diese durch ihre Liebe für Wissenschaft und Kunst so hervorragende Prinzessin, einen Elektrophortisch; auch studirte er an einer Maschine, welche die menschliche Stimme nachahmen sollte, wie sie ein paar Jahrzehende später Kempelen [Bd. XI, S. 138) erfand. Daß der Böhme Diwisch den Wetterleiter als solchen (vor Franklin) erfunden, hat Pelzel in seinen „Abbildungen böhmischer und mährischer Gelehrten“ (Bd. III, S. 179) nachgewiesen, Klinkosch aber war es, der im Jahre 1773 den ersten Wetterleiter in Böhmen auf dem gräfl. Nostitzischen Schlosse zu Mieschitz aufgerichtet hat.

Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 226. – Meusel (Johann Georg), Lexikon der vom Jahre 1750 bis 1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller (Leipzig 1806, Gerhard Fleischer, 8°.) Bd. VII, S. 82 [nach diesem geb. 1735]. – Hecker (J. F. C.[WS 1] Dr.), Geschichte der neueren Heilkunde (Berlin 1839, Th. Chr. Ferd. Enslin, 8°.) S. 551. – Poggendorff (J. C.), Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften (Leipzig 1839, J. Ambr. Barth, gr. 8°.) Sp. 1275. – (De Luca) Das gelehrte Oesterreich. Ein Versuch (Wien 1776, Ghelen’sche Schriften, 8°.) I. Bandes 1. Stück, S. 263 [nennt ihn irrig Klinkotsch] – Dlabacz (Gottfried Joh.), Allgemeines historisches Künstler-Lexikon für Böhmen und zum Theile auch für Mähren und Schlesien (Prag 1815, G. Haase, 4°.) Bd. II, Sp. 71. – Porträt. Unterschrift im Medaillongürtel: Joseph Thaddaeus Klinkosch. A. Niderhofer sc. (8°.).

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Hecker (J. F. E.