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BLKÖ:Matauschek Ritter von Benndorf, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 17 (1867), ab Seite: 95. (Quelle)
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Matauschek Ritter von Benndorf, Joseph (k. k. Feldmarschall-Lieutenant, geb. zu Kaschau in Ungarn 23. August 1776, gest. zu Pötzleinsdorf bei Wien 22. October 1863). Ein Sohn des Garnisons-Artillerie-Hauptmanns Karl M. In frühester Kindheit für den Soldatenstand erzogen, kam er in jungen Jahren nach Prag in die Artillerieschule des 1. Feldartillerie-Regiments. Beim Ausbruche des Krieges mit Frankeich im Jahre 1793 ließ sich M. am 8. Juli g. J. im Regimente Callenberg, später Froon Nr. 54, als Gemeiner anwerben. Es war dieß gegen den Willen des Vaters geschehen, der aus seinem Sohne einen wissenschaftlich gebildeten Artillerie-Officier heranziehen lassen, aber ihn nicht in der gewöhnlichen Waffe dienen sehen wollte. Durch seinen Fleiß und Eifer wurde er in kurzer Zeit Regiments-Cadet. M. stand im 3. Bataillon, welches zu Anfang des Jahres 1794 als Besatzung in die Festung Ypern befehligt wurde, Die Besatzung, fünfthalbtausend Mann stark, besaß, als am 1. Juni die Franzosen die Festung einzuschließen begannen, nur mehr auf 14 Tage Munition und 100 Geschütze, meist unbrauchbar und sehr geringen Kalibers. Das Belagerungscorps, unter Moreau’s Befehl, betrug 20.000 Mann. Endlich mußte die Festung sich ergeben. Die 35 Officiere wurden von der übrigen Mannschaft getrennt, in das Innere Frankreichs unter Escorte getrieben, in Gefängnisse gebracht und eines Tages alle auf den Richtplatz geführt, um guillotinirt zu werden. M., der bereits Fähnrich war, befand sich unter diesen Opfern. Ein Kapuziner, der als Feldcaplan [96] im Regimente diente, ließ es sich nicht nehmen, um als Martyrer durch seinen standhaften Tod den Uebrigen als aufmunterndes Beispiel zu dienen, das erste Opfer des Henkers zu sein. Kaum war das Haupt des heldenmüthigen Priesters vom Rumpfe getrennt, als Gemurmel unter dem Volke entstand, welches sich von Secunde zu Secunde verstärkte. Es war die Nachricht vom Sturze Robespierre’s eingetroffen, mit dem die Schreckensherrschaft ein Ende nahm. Die Hinrichtung wurde sofort unterbrochen, die Gefangenen nicht mehr in die dumpfen feuchten Kerker gesperrt, sondern in eine Kirche gebracht, mehreren sogar erlaubt, unter Escorte in die Stadt zu gehen, um Lebensmittel einzukaufen. Unter diesen Letzteren befand sich auch M., dem die Kenntniß der französischen Sprache trefflich zu Statten kam. Mit 17 seiner Leidensgefährten faßte er nun den Plan, sich selbst durch durch die Flucht zu befreien. In der Nacht vom 26. April 1795 führten sie auch ihr Vorhaben aus, erreichten nach zahlreichen, glücklich überstandenen Gefahren endlich die französische Grenze und gelangten durch die Schweiz in das Hauptquartier der kaiserlichen, am Oberrhein aufgestellten Armee. Erzherzog Karl nahm die Geretteten huldvollst auf, ließ sie reich bewirthen und jedem 300 Gulden zur Equipirung ausfolgen. Im Feldzuge des Jahres 1796 stand das Regiment, in welchem M. diente, im Corps des Feldzeugmeisters Wartensleben, und war bei Benndorf nächst Neuwied aufgestellt. Im hartnäckigen Kampfe, als es galt, bei Cöln und Neuwied den Rhein zu forciren, wurde M. von zwei Säbelhieben schwer am Kopfe verwundet und mußte vom Schlachtfelde getragen werden. Im Stifte Kremsmünster, wohin die verwundeten Officiere gebracht wurden, genas er von seiner Wunde. In der Zwischenzeit wurde er Lieutenant und am 16. März 1799 Oberlieutenant. In diesem Jahre befand sich sein Regiment im Corps des Generals Simbschen, welches in der Schweiz gegen die Franzosen operirte. Daselbst nahm er an dem hartnäckigen Gefechte um die Schanze von Wasen Theil, und war mit seiner Compagnie einer der ersten, welche den denkwürdigen Ueberfall beim Luciensteige bewerkstelligten. Am folgenden Tage bei den fortgesetzten Kämpfen während des Rückzuges über Chiamat, Disentis, Ilanz nach Chur, erhielt M. eine Schußwunde in das linke Bein, die ihn neuerdings kampfunfähig machte. Nach dem Luneviller Frieden kam sein Regiment nach Eger. Im Jahre 1805 nahm er mit demselben an der unglücklichen Capitulation von Ulm Theil. Einige Tage früher war er zum Capitän vorgerückt. Am 15. Februar 1809 wurde er zum Hauptmann befördert und focht in diesem denkwürdigen Kriegsjahre bei Thann, Landshut, Eckmühl, Regensburg, Lambach und Ebelsberg. Auch stand das Bataillon des Regiments bei Aspern im Centrum, welches die eisernen Reiter Napoleon’s vergebens zu durchbrechen sich bemühten. Bei Wagram endlich, nachdem Stabsofficiere und alle Hauptleute bereits gefallen waren, commandirte M. als Hauptmann das Regiment, verlor bei dieser Gelegenheit ein Pferd unter m Leibe, und erhielt zwei Wunden, eine durch einen Bajonnetstich im Oberschenkel und die zweite durch eine Musketenkugel am rechten Arm. Im Feldzuge des Jahres 1813 commandirte M. bei Culm (30. August) das 2. Bataillon seines Regiments, eroberte bei einem Bajonnetangriffe an der Spitze [97] seiner Schaar mit eigener Hand einen feindlichen Adler und machte 7 Officiere und 107 Mann zu Gefangenen. Im Jahre 1815 aber, als nach der Schlacht bei Leipzig unsere[WS 1] Heere dem französischen auf dem Fuße folgten, und überall durch ausgeplünderte gebrandschatzte Gegenden kamen, da entfaltete M. bei den Requisitionen eine bewunderungswürdige Thätigkeit, ohne jemals den Pflichten der Humanität zuwider zu handeln. Ein ihm damals zu Montbeillard am 25. August 1815 von Max Freiherrn von Wimpffen ausgestelltes Zeugniß zählt zu den schönsten Belegen dieses so reichen Soldatenlebens. Nach der Besetzung von Paris wurde M. Platzcommandant von Maçon, es war das dieselbe Stadt, in der er vor 20 Jahren bereits unter der Guillotine gestanden, um hingerichtet zu werden. Im Jahre 1824 rückte M. zum Major im Regimente, im Jahre 1831 zum Oberstlieutenant vor, und erhielt im folgenden Jahre das Grenadier-Bataillonscommando. Als im Sommer des Jahres 1835 die Monarchen von Oesterreich, Rußland, Preußen und Sachsen in Teplitz zusammen kamen, wurde M. mit seinem Grenadier-Bataillon dahin befehligt und versah zugleich die Functionen eines Platzcommandanten. Bei dieser Gelegenheit richtete sich die Aufmerksamkeit des Feldmarschall-Lieutenants Grafen Clam-Martinitz [Bd. II, S. 379], ersten General-Adjutanten Sr. Majestät des Kaisers, auf ihn, und seine Ernennung zum Obersten und Platzcommandanten von Wien, welche schon im Jahre 1836 eintrat, war die unmittelbare Folge. So hatte M. 42 Jahre im Regimente gedient, alle Grade vom Gemeinen bis zum Obersten in demselben durchgemacht und mit demselben in den Feldzügen 1794, 1796, 1797, 1799, 1800, 1805, 1809, 1813, 1814, 1815, in den Niederlanden, in Deutschland, am Rhein, in der Schweiz und Frankreich mitgekämpft. Auf seinem neuen Posten entwickelte er eine große Energie, unter Anderen gedenkt sein Ritterstands-Diplom vom Jahre 1842 seiner thätigen und glücklichen Mitwirkung um die Verschönerung der Stadt Wien, insbesondere durch die Regulirung des Grabens. Auf diesem Posten traf ihn das denkwürdige Jahr 1848. M. war damals 72 Jahre alt, aber keinen Augenblick säumte er, die öfter lebensgefährlichen Pflichten seines gerade damals ebenso wichtigen als schwierigen Dienstes zu erfüllen. Als in den Märztagen die Herrengasse beim Landhause von Soldaten abgesperrt wurde, erhielt er im Gesichte eine gefährliche Verwundung, in Folge welcher er im Sommer 1849 operirt werden mußte. Vom 13. März bis 15. April hatte der Greis sein Hauptquartier auf der Hauptwache am Hofe aufgeschlagen. Als im October die Truppen die Stadt räumten, erhielt M. den Auftrag, mit seinem Personale sich in’s Invalidenhaus zu begeben und in den drohendsten Augenblicken stellte er der Rebellion den eisernen Willen des überzeugungstreuen Kriegers entgegen. So verweigerte er dem Rebellen-General Bem die Uebergabe der Stückgießerei und jene der im Invaliden- und Transport-Sammelhause versammelten Soldaten. Obgleich unter den Schutz des Reichsrathes gestellt, war er doch immer bedroht, und so oft er sich zeigte, thätlichen Insulten ausgesetzt. Es muß in dieser Hinsicht auf die in den Quellen angedeuteten[WS 2] Aufzeichnungen „aus dem Leben eines österreichischen Veteranen“ gewiesen werden, worin die peinliche Lage des alten Generals ausführlich geschildert [98] wird. Am 1. März 1849 trat M. nach einer 56jährigen Dienstzeit, aber auch nur nominell in Pension, denn er stand während der mehrjährigen Krankheit des Feldzeugmeisters von Wöber dem Präsidium des Judiciums vor, und als Feldmarschall-Lieutenant Freiherr von Lebzeltern diesen Posten antrat, versah M. während mehrerer Sommer bis zum Jahre 1857 dessen Stelle. Zu solchen Zügen eines unermüdlichen Diensteifers gesellen sich nicht minder bemerkenswerthe einer liebenswürdigen Humanität, wie z. B. unter anderen der folgende, daß M. durch vier Jahre den Dienst für seinen Major Graf Allemagna verrichtete, damit derselbe nicht pensionirt werde, weil der letztere arm war und eine große Familie hatte. Im Alter von 87 Jahren entschlief er ruhig, dem Priester, als er ihm Muth zusprechen wollte, antwortete er: „Wie sollte ich mich vor dem Tode fürchten, habe ich ihm ja tausend Mal in’s Auge gesehen; ich bin Christ und Soldat“. M.’s mannigfache im Felde und im Frieden um den Staat erworbene Verdienste wurden schon im Jahre 1824 durch die Verleihung des erbländischen Adels mit dem Ehrenworte Edler von und dem Prädicate Benndorf, im Jahre 1842 aber durch die Erhebung in den Ritterstand gewürdigt. M. war seit 22. Mai 1894 mit Elisabeth Freiin Mülz von Waldau, deren Vater mehrere Kronlehen in Böhmen im Gebiete von Eger besaß, vermält. Aus dieser Ehe stammen zahlreiche Kinder, von denen mehrere in der kaiserlichen Armee als Officiere dienten.

Adelstands-Diplom vom 9. Februar 1824. – Ritterstands-Diplom vom 13. Juni 1842. – Hirtenfeld (J.), Oesterreichischer Militär-Kalender (Wien, kl. 8°.) XVII. Jahrg. (1866), S. 121–136: „Aus dem Leben eines österreichischen Veteranen“. – Wappen. Ein von Gold und Grün in die Länge getheilter Schild; im rechten goldenen Felde ragt aus der Theilungslinie ein halber schwarzer goldgekrönter Adler mit ausgeschlagener rother Zunge hervor. Im linken grünen Felde sieht man ein pfahlweise gestelltes, mit der Spitze aufwärts gekehrtes blankes Schwert mit goldenem Gefäße. Auf dem Schilde ruhen zwei zueinandergekehrte goldgekrönte Turnierhelme. Auf der Krone des rechten Helms erhebt sich ein schwarzer einköpfiger goldgekrönter einwärtsgekehrter Adler mit ausgeschlagener rother Zunge und ausgespannten Flügeln; aus der Krone des linken Helms aber wallen drei Straußenfedern, und zwar eine schwarze, goldene und grüne. Die Helmdecken rechts sind schwarz, jene links grün, beiderseits mit Gold belegt.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: unserere.
  2. Vorlage: angedeutenden.