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BLKÖ:Müller, Heinrich Friedrich

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Müller, J.
Band: 19 (1868), ab Seite: 355. (Quelle)
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24. Müller, Heinrich Friedrich (Kunsthändler, geb. im Hannover’schen 1. Mai 1779, gest. zu Wien 15. September 1841[WS 1]). Widmete sich dem Handelsgeschäfte und kam im Jahre 1805 nach Wien, wo er im Jahre 1807 die Hohenleithner’sche Kunsthandlung übernahm, welche er seit 1811 unter seinem Namen fortführte. Nun begann er eine Thätigkeit, durch welche er sein Geschäft in überraschender Weise hob und Unternehmungen anfing, welche ebenso den Namen seiner Firma weit über die Grenzen des Reiches bekannt machten, wie sie sich durch ihren Geschmack und die Nettigkeit der Ausführung hervorthaten. Bis zu seiner Zeit waren die Bilderbücher der Jugend nicht nur geschmacklos in ihrer Ausstattung, sondern meist auch baar jedes geistigen Gehaltes. Müller widmete diesem Gegenstande seines Verlags volle Aufmerksamkeit und es gelang ihm, diese Elementarbücher des Unterrichts in einer Ausstattung [356] zu Tage zu fördern, welche alles bisherige weit übertraf. Er beschäftigte für diesen Zweig seine Geschäftes treffliche Meister, wie z. B. die Kupferstecher Benedetti[WS 2] [Bd. I, S. 268], Blaschke [Bd. I, S. 426], Maler Loder [Bd. XV, S. 363], ferner die Kupferstecher Panheimer, Steinmüller, Stöber Vater und Sohn u. A., und bald waren Müller’s Bilderbücher so gesucht, daß sich auswärtige Firmen auf diesen Zweig warfen und Amelang in Berlin, Cnobloch in Leipzig und andere Leipziger und Nürnberger Firmen mit Arbeiten, welche jenen Müller’s nacheiferten, hervortraten, und in dieser Richtung eine Reform ohne Gleichen bewirkten. Die neueste Zeit endlich hat mit den schönen colorirten Anschauungsunterrichtsbüchern und mit den illustrirten Jugendbüchern des O. Spamer’schen Verlags einen Höhepunct erreicht, der lange nicht überboten werden dürfte. Einen zweiten Artikel des Müller’schen Verlags bildeten die Spiele, die ihrer Mannigfaltigkeit, sinnigen Einrichtung und zierlichen Ausstattung halber bald weit und breit gesucht, und in kurzer Zeit ein bedeutender Ausfuhrartikel, namentlich nach dem Norden Europa’s wurden. Ein sehr beliebter Artikel waren ferner die durch ihre luxuriöse Ausstattung und originelle Einrichtung weltberühmt gewordenen Neujahrswünsche, Ziehbilder und Kunstbilleten, die in vielen Tausenden in die Fremde gingen und selbst an den Höfen von Berlin, London u. a. sich großer Beliebtheit erfreuten. Auch zur Ausführung dieser niedlichen Blätter wurden tüchtige Künstlerkräfte herbeigezogen, und die Grabstichel eines Axman [Bd. I, S. 96], John [Bd. X, S. 235] lieferten in diesem Genre kleine Meisterstücke, die heut zu Tage als Seltenheiten gesucht und gut gezahlt werden. Nicht minder bedeutend war die Erzeugung von Stickmustern, welche Müller betrieb. Er und eine Berlinerhandlung dürfen als eigentliche Gründer und Verbreiter dieses Geschäftszweiges angesehen werden. Ueber 3000 Blätter gingen von diesem Artikel unter Müller’s Firma in alle Länder Europa’s. Besonders bedeutend war die Ausfuhr nach England und Rußland. Nicht selten waren mehr als anderthalb hundert Coloristen in Müller’s Solde mit Anfertigung dieser Muster beschäftigt. In der Wiener Gewerbe-Ausstellung des Jahres 1839 erhielt M. in Anerkennung der Vorzüglichkeit seiner Leistungen in diesem Zweige die silberne Medaille. Als der Wiener Kunstverein in’s Leben trat, an dessen Begründung auch M. Antheil hatte, besorgte er zum größten Theile selbst die Geschäfte desselben, und that dieß sechzehn Jahre hindurch in der thätigsten uneigennützigsten Weise. Im Jahre 1845 verband M. mit seinem Kunstgeschäfte eine Musikalienhandlung, welche in kurzer Zeit sich neben den alten Firmen der Residenz zu behaupten verstand. Wie ernst er es mit seiner Aufgabe nahm, erhellet aus dem Verlage von Tonwerken, die seine Firma trugen, unter denen nur beispielsweise: David’s „Columbus“, Flotow’s „Martha“ u. dgl. m. genannt seien. Müller’n gebührt das unbestreitbare Verdienst im Gebiete der Jugendschriften und der Kunst, in letzterer namentlich in einer Richtung, in welcher sie bis vor ihm wenig oder gar nicht beachtet worden und nun doch zur Verschönerung der Häuslichkeit ihr Contingent gestellt hat, Erhebliches geleistet zu haben. – Sein Sohn Karl Müller[BN 1] ist Bibliothekar und Gallerie-Inspector der Bibliothek und Gallerie Sr. kais. [357] Hoheit des Erzherzogs Albrecht, und hat ein Werkchen, betitelt: „Studien zur Geschichte Oesterreichs im novellistischen Gewande“ (Wien 1857, Pichler’s Witwe u. Sohn, 8°.), herausgegeben, das eine ebenso sinnige und angenehme, als belehrende Lectüre bildet.

Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar, Bernh. Fr. Voigt, kl. 8°.) XXVI. Bd. (1848), S. 613. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. III, S. 726. – Oesterreichischer Courier (Wiener allgemeine Theater-Zeitung), herausgegeben von Adolph Bäuerle, 41. Jahrgang (1848), Nr. 231, S. 931, „Nekrolog“, von Weidmann.

Berichtigungen und Nachträge

  1. S. 357, erste Spalte, 7. Zeile von oben, ist hinzuzufügen: Karl Müller ist in Wien am 18. November 1868[WS 3] im Alter von 55 Jahren gestorben. [Band 19, S. 500]

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: 1848. Korrigiert nach Hinweis im Artikel Straßer, Joseph, Band 39, S. 273.
  2. Michael und Thomas Benedetti
  3. 19. November 1868 (laut Hinweis im Artikel Straßer, Joseph, Band 39, S. 273)