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BLKÖ:Libay, Karl Ludwig

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 15 (1866), ab Seite: 62. (Quelle)
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Libay, Karl Ludwig (Landschaftsmaler, geb. zu Neusohl in Oberungarn 13. Mai 1816). Entstammt einer adeligen, in den Türkenkriegen verarmten Familie, welche sich ursprünglich Lippay schrieb. Sein Vater [s. d. Folgenden] war ein sehr geschickter Goldarbeiter, seine Mutter eine Deutsche, aus Erlangen gebürtig. L. sollte das Kunstgewerbe seines Vaters erlernen und trat, nachdem er das Gymnasium beendet, bei ihm in die Lehre. Nachdem er vier Jahre bei demselben, der selbst in seiner Weise ein Künstler war, gelernt, sollte er seine weitere Ausbildung bei einem Geschäftsfreunde seines Vaters fortsetzen. Durch einen Zufall hatte sich seine Ankunft in Wien so verspätet, daß er daselbst seinen Platz besetzt fand, und er die Zwischenzeit zum Besuche der k. k. Akademie der Künste benützte. So begann er im Jahre 1835, damals 21 Jahr alt, seine Kunststudien, und zwar unter Gsellhofer [Bd. V, S. 403] in der Vorbereitungsschule, unter Ender [Bd. IV, S. 38] und Kupelwieser [Bd. XIII, S. 392] im historischen, unter Mösmer im Landschaftsfache. Die Fortschritte, welche L. in der Kunst machte, bewogen seine Eltern, ihm die Einwilligung zu geben, sich ganz der Kunst zu widmen Anfänglich neigte sich L. vornehmlich zur Historienmalerei, wie noch mehrere Studienköpfe, Porträte und andere Bilder aus dieser ersten Zeit seines künstlerischen Schaffens darthun. Bis dahin hatte er mit den Ersparnissen, die er als Goldarbeitergehilfe gemacht, sich fortgeholfen, denn die Vermögensverhältnisse seiner Eltern gestatteten es ihnen nicht, ihn thatkräftig zu unterstützen und so war er auf seine Kraft angewiesen. Die Kunst ging denn nun wieder nach Brot, und wenn er sich sieben bis acht Stunden des Tages durch Privatunterricht aus den verschiedenartigsten Gegenständen die erforderlichen Mittel [63] zum Lebensunterhalt verschaffte, waren die Fittige des schaffenden Genius wohl schon stark erschlafft. Da brachte die Vermittlung eines ihm befreundeten Künstlers, des Landschaftsmalers Johann Fischbach [Bd. IV, S. 236], eine freundlichere Wendung im Leben unseres Künstlers hervor. Durch Fischbach wurde L. im Hause des Grafen Breuner empfohlen und zum Zeichnungslehrer[WS 1] der jungen Grafen berufen. Da er bei Breuner, wie auch in anderen Häusern, wo er seine Kunst lehrte, meist mit dem Landschaftsfache sich beschäftigte, so wendete sich L. selbst allmälig diesem Kunstzweige zu, worin ihn sein freundschaftlicher Verkehr mit Fischbach wesentlich förderte. Er arbeitete nun Vedutten in Aquarell und Zeichnenmanier und bei seiner feinen Empfindung für Form und schöne Auffassung, mit denen er strenge Naturwahrheit verband, vollendete er bald Arbeiten, die, eigenthümlich in ihrer Art, bei Kennern und Kunstfreunden großen Beifall fanden. Das zur Förderung künstlerischer Zwecke überhaupt wenig geeignete Jahr 1848 führte unseren Künstler nach Ischl, wo seine Aquarelle die Aufmerksamkeit der höchsten Kreise erregten. Seine Kunst und der Umgang mit einem in seinem Fache gleichbeliebten Virtuosen, mit Dessauer [Bd. III, S. 255], öffnete ihm die Salons, die ihm manche Beschäftigung gaben. Im Jahre 1849, da in Oesterreich nach den Nachwehen des blutigen Herbstes und Winters des vergangenen Jahres, noch immer wenig Aussichten für künstlerische Arbeiten sich zeigten, begab sich L. nach München, wo er an dem Maler Bürkel einen wohlwollenden Freund und in einem Kreise von Künstlern wie Spitzweg, Voltz, Schleich, Vermersch, Kirner, Flüggen u. A, viele Anregung zu künstlerischem Schaffen fand. Ein mehrmonatlicher Aufenthalt in Nürnberg machte ihn mit den gediegensten Werken der alten deutschen Kunst bekannt. Dann kehrte er über Regensburg nach Ischl zurück und wählte seit dem Jahre 1851 seinen bleibenden Sommeraufenthalt in Gastein, wo ihm die Großartigkeit der Natur reichen Stoff zu Studien, und sich ihm von dort, als dem Mittelpuncte der Alpenwelt, auch Gelegenheit bot zu Kunstausflügen nach Tirol, Kärnthen und in die herrlichsten Alpengegenden Oesterreichs. Den Winter über lebte L. in Wien. Ein Auftrag Sr. kais. Hoheit des Erzherzogs Johann, der L. in Gastein kennen gelernt, ermöglichte L. eine Reise nach Italien. Der Erzherzog wünschte nämlich eine Folge ihm aus seiner Jugend in Erinnerung gebliebener und werthgewordener Puncte seiner italienischen Heimat gezeichnet zu besitzen. Mit Empfehlungsschreiben an den Großherzog von Toscana versehen, machte sich L. im Herbste 1851 sofort auf den Weg, vollendete in Florenz die ihm gewordene Aufgabe und reiste dann nach Rom, wo er den Winter verlebte und in den unerschöpflichen Sammlungen wie in den Prachtdenkmälern der Baukunst immer wieder neuen Stoff zu Studien und Arbeiten vorfand. Im März 1852 setzte er seine Reise fort, besuchte Neapel und machte Ausflüge nach Sorrento, Amalfi, Pästum und kehrte nach einem längeren Ausenthalte in diesen Gegenden mit einer an Studien reichen Mappe in sein Vaterland zurück. Seine Arbeiten fanden allgemein Beifall und von den verschiedensten Seiten liefen Bestellungen ein. Fast jedes inländische Kunstalbum besitzt Blätter dieses Meisters, in den Sammlungen der Herren Erzherzoge Johann und Rainer, des Herzogs von Brabant [64] in Brüssel, des Fürsten Corolath in Preußen, des Vicomte St. Pierre in Paris, des Obersten von Parischnikow in Moskau, des Gutsbesitzers Schultz in Hannover, des Kaufmanns von Arthaber in Wien und noch mehrerer anderen Privaten befinden sich aber ganze Suiten von Studien und Ansichten L.’s. Eine interessante und künstlerischer Seits von reicher Ausbeute begleitete Episode bildet seine Reise nach Egypten, welche von October 1855 bis Ende Mai 1856 währte. Joseph Graf Breuner, der den Künstler aus den Tagen seines Zeichenunterrichtes kannte, schlug ihm vor, ihn auf seiner Reise in den Orient zu begleiten. Libay nahm an und in der verhältnißmäßig kurzen Zeit von 71/2 Monaten besuchte er die merkwürdigsten Puncte des alten Wunderlandes Egypten und nahm die wichtigsten Puncte, welche sowohl malerisch, als von ethnographisch-landschaftlichem Gesichtspuncte durch das Bild gefesselt zu werden verdienten, auf. Nach seiner Rückkehr von diesem Ausfluge setzte ihn die Munificenz des durch seine Vorliebe für Kunst und Künstler allbekannten Grafenhauses Breuner in die Lage, diese egyptischen Studien im Farbendrucke herauszugeben. In der That erschienen auch – nachdem L. eine dreijährige Thätigkeit an die Herausgabe seines Werkes gewendet – dieselben unter dem Titel: „Reisebilder aus dem Orient“, 60 Blätter in gr. Fol., nach seinen Zeichnungen von Alt und Nowotny lithographirt, in Farbendruck, mit einer Karte und erklärendem Text aus der Feder des Orientalisten Consul von Kremer in Kairo. Es finden sich darin neben mehreren ethnographischen Ansichten, wie z. B.: „Ein Bazar in Kairo“, ein anderer „Bazar in Bengusef“, eine „Schule in Esneh“, „die Residenz des Berberfürsten zu Derr in Nubien“, die farbenreichsten Landschaftsbilder von Nilgegenden, die „Ansicht von Sint“, die Prachtbauten aus den Zeiten der Araberherrschaft, „die Moschee Barkauk bei Kairo“, „die altegyptischen Tempel zu Edfu, Denderah und Philae“ u. dgl. m. Das Prachtwerk (Preis 124 Thlr.) erschien im Selbstverlage des Künstlers. Zwei andere Werke desselben sind: „Das Album von Tirol, Salzburg und Salzkammergut“, 50 Blätter in Qu. Fol., in Tondruck ausgeführt (Wien, bei Paterno), und „Wildbad Gastein“, 10 Ansichten, nach seinen Originalen in Stahlstich ausgeführt von verschiedenen Künstlern (Salzburg, bei Baldi). In den Jahren 1853 und 1854 verlautete es von mehreren Seiten, daß L. als Zeichnenlehrer an einer Wiener Realschule angestellt werden würde. In der That war auch ein solcher Antrag im Zuge, als aber an maßgebender Stelle bekannt wurde, daß L. Protestant sei, wurde alles rückgängig. Es ist nicht möglich, auch nur annäherungsweise ein vollständiges Verzeichniß der Arbeiten Libay’s hier mitzutheilen. Jedoch sollen die bedeutenderen, die in Kunstausstellungen zu sehen waren, hier angeführt werden. In den Monatsausstellungen des österreichischen Kunstvereins waren ausgestellt, in den Jahren 1851 und 1852: „Ansicht der Piazetta“; – „Ansicht der Casa d’Oro am Canal grande in Venedig“ (65 fl.); – „Ansicht eines Canals bei Murano“; – „Die Engelburg“; – „Villa bei den Gärten von Salust“; – „Bei Gastein“; – „Neapolitanisches Kohlenschiff“; – „Pästum“, sämmtlich Bleistiftzeichnungen und Eigenthum des Herrn von Arthaber; – „Ansicht des Palastes Pitti in Florenz“; – „Palast Pitti, gesehen aus den Gärten von Beboli“; – „Kloster St. Mathieu bei Florenz“; – „Orangerie in Poggio“; – „Castello bei Florenz“; – „Der [65] Gennara im Park von Castello“; – „Petreja und Poggio, Lustschlösser des Grossherzogs von Toscana“; – „Pisa“; – „Palast Vitelli bei Pisa“, alle 10 Blätter Eigenthum Sr. kais. Hoheit des Erzherzogs Johann; – „Der Schleierfall am Wege in’s Nassthal“; – „Gastein von der Solitude aus gesehen“, beide Bleistiftzeichnungen, Eigenthum Sr. kais. Hoheit des Herrn Erzherzogs Rainer; – im Jahre 1855: „Villa Pizzo am Como-See“, Bleistiftzeichnung; – „Pass Luegg im Salzburgischen“, Bleistiftzeichnung (30 fl. B. V.); – „Das Dorf Tirol bei Meran“, Aquarell. Aus seiner früheren Periode aber, als L. noch der Historienmalerei huldigte, sind noch einige Bildnisse, Studienköpfe und Historien bekannt, u. a.: „Das in einer alten Rüstkammer schlafende Mädchen“; – „Der H. Martin“, ein 10 Fuß hohes Altarbild in einer Dorfkirche in der Nähe von Neusohl; – „Der junge Slovak“, ein schon 1838 gemaltes allerliebstes Genrebild; – „Die Kalkbrenner im Neusohler Comitate“, u. dgl. m. In neuerer Zeit beschäftigte sich L. mit einer Sammlung von Studien in Ungarn, welche vollendet mit einem historisch-ethnographischen Texte als Seitenstück zu seinen Bildern aus dem Orient veröffentlicht werden sollen. L., dessen Werke, wie bereits oben gesagt wurde, in den weitesten Kreisen bekannt wurden, hat auch mannigfache Auszeichnungen in Anerkennung seiner künstlerischen Leistungen erlangt. Allen voran gilt der Platz einem eigenhändigen Schreiben Humboldt’s, ddo. Berlin 9. März 1858, worin es unter anderem von L.’s Bildern heißt: „Der mir sehr befreundete Eduard Hildebrandt, der selbst Egypten ... durchreist, hat (von ihren Bildern) gleichen künstlerischen Eindruck wie ich empfangen und sich unter Ihrem egyptischen Himmel heimisch gefunden. Herr Graf Joseph Breuner, den Sie begleitet, hat sich ein großes Verdienst um die Kunst durch den Schutz erworben, den er Ihrem Werke schenkt“. Der Sultan, der König von Dänemark und der Herzog von Sachsen haben L. mit ihren Orden, Se. Majestät der Kaiser von Oesterreich, ferner Hannover, England, Sachsen, Württemberg und Sachsen-Weimar ihn mit ihren goldenen Medaillen für Kunst und Wissenschaft ausgezeichnet.

Wiener Zeitung 1858, Nr. 27, S. 354; Nr. 63, S. 872. – Ungarns Männer der Zeit. Biografien und Karakteristiken hervorragendster Persönlichkeiten. Aus der Feder eines Unabhängigen (Prag 1862, A. G. Steinhausser, 8°.) S. 128 [heißt daselbst unrichtig: Livay]. – Slovník naučný. Redaktor Dr. Frant. Lad. Rieger, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Ladisl. Rieger (Prag 1859, Kober, Lex. 8°.) Bd. IV, S. 1266 [nach diesem ist L. am 13. Mai 1814 geboren]. – Ungarische Nachrichten (Pesther politisches Blatt) 1864, Nr. 137. – Fremden-Blatt (Wien, 4°.) 1865, Nr. 237. – Zeit-Bilder (ein Pesther Unterhaltungsblatt in deutscher Sprache, 4°.) 1861, Nr. 11, S. 175. – Handschriftliche Mittheilungen des Dr. L. A. Frankl.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Zeichungslehrer