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BLKÖ:Krejčí, Joseph (I.)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 13 (1865), ab Seite: 190. (Quelle)
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Krejčí, Joseph (I.) (Tonkünstler, geb. zu Milostin im Rakonitzer Kreise Böhmens 6. Februar 1822). Zeigte in früher Jugend Talent für die Musik und erhielt auch von guten Meistern Unterricht in derselben. Im J. 1837 begab er sich nach Prag, um sich zum Lehrer auszubilden, zugleich besuchte er die Orgelschule, welche damals unter Vitásek’s Leitung stand und an der Führer Unterricht ertheilte; obgleich der jüngste Schüler, erhielt K. schon im ersten Jahre eine Auszeichnung. Auch genoß er kurze Zeit Vitásek’s Privatunterricht; als aber dieser starb, studirte er fleißig theoretische Werke über Musik, und praktisch übte er sich, indem er in den Prager Kirchen Orgel spielte. Zugleich begann er zu componiren und schrieb vornehmlich für die Militär-Capellen. Am 1. März 1844 wurde er Organist in der Kreuzherrnkirche. Nun betrieb er auch, um ein Lehramt zu erlangen, mit Eifer pädagogische Studien und machte Vorbereitungen zur Herausgabe eines Blattes für Pädagogen und Organisten, zu welchem Zwecke er eine Reise nach Deutschland unternahm, Dresden, Leipzig, Dessau, Magdeburg und Berlin besuchte und daselbst mit Tonkünstlern und Compositeuren Verbindungen anknüpfte. Nach seiner Rückkehr ging er an die Ausführung seines Vorhabens, und am 1. October 1848 erschien die erste Nummer seiner Zeitschrift „Cecilia“, welche aber in den Wirren jener Tage schon nach einem halben Jahre zu erscheinen aufhörte. Um diese Zeit wurde er zum Lehrer des praktischen Orgelspiels und der Harmonie an der neu errichteten čechischen Schule ernannt, und behielt diese Stelle drei Jahre, bis die Schule ob Mangels an Geldmitteln aufgelöst wurde. Schon seit dem Jahre 1849 war er Chordirector bei St. Jacob und hob während des zehnjährigen Dienstes auf diesem Posten das Orchester an dieser Kirche aus seinem Verfalle zu einem der ersten in Prag. Es wurden dort classische Werke böhmischer und fremder Meister mit einer Gediegenheit zur Aufführung gebracht, daß Krejči’s Ruf bald nicht nur in Böhmen, sondern auch im Auslande sich verbreitete. Als Mitglied verschiedener Musikvereine suchte er die Instrumental- und Vocal-Musik so viel wie möglich zu fördern. Im Jahre 1853 wurde er Chormeister in der Kreuzherrnkirche, in der er ein Jahrzehend früher als Organist seine musikalische Laufbahn begonnen hatte. Seine Bedeutung in der Musikwelt nahm immer mehr zu, so daß er bei großen Musikfesten, wie bei der Jubelfeier des [191] Prager Conservatoriums, 1856, oder auch bei anderen festlichen Gelegenheiten, wie bei der Jubelfeier des Königgrätzer Bischofs, mit der Leitung des musikalischen Theiles, oder doch sonst mit einer wichtigen musikalischen Aufgabe betraut wurde. Mit dem Prior Weiß und dem Dr. Šebka verband er sich zu dem Zwecke, um für die Passionswoche in jedem Jahre die Aufführung eines großen classischen Tonwerkes zu veranstalten, wie dergleichen Aufführungen auch bereits in den Jahren 1861, 1862 und 1864 stattgefunden haben; eine Einrichtung, welche den Sinn für classische Musik hob und auch sonst für die Läuterung der etwas gesunkenen Musikzustände in Prag förderlich war. Im Jahre 1858 wurde er nach Pietsch zum Director der Prager Orgelschule ernannt und entwickelt auf diesem Posten einen solchen Eifer, daß die Anstalt von Zöglingen aus England, Belgien, Dänemark, Polen und aus anderen Ländern besucht wird. Mit seinen Compositionen trat er bereits im Jahre 1850 vor das Publicum und von Zeit zu Zeit veröffentlicht er deren, meist aber aus dem Gebiete der Kirchenmusik. Von seinen bisher erschienenen Arbeiten sind anzuführen: „Drei Stücke für die Orgel mit obligatem Pedal“, Op. 1; – „Praktischer Unterricht im Orgelspiel“, Op. 4; – „Fünf Pastoral-Vorspiele für die Orgel“, Op. 8; – „Čechische Chöre, weltlicher Gattung“, Op. 9; – „Männergesangs-Quartetten für Hochzeiten und Leichenfeier“, Op. 10; – „34 Passionsstücke für den Palmsonntag und den Charfreitag, auf vier Stimmen“, Op. 15; – „Čechische Gesänge für Bassstimmen mit Begleitung des Pianoforte“, Op. 16; – „Erste kurze Festmesse in F-dur“, Op. 18; – „Missa solennis in D-moll für 4 Solostimmen, Chor und grosses Orchester“, Op. 20; – „Messe in F-molI“, Op. 22, zum ersten Male aufgeführt bei Gelegenheit der Einweihung der Karlskirche; – „Veni sancte Spiritus für 4 Singstimmen, 2 Violinen, Viola, Violoncelle, Contrebass und Orgel, Flöte, 2 Clarinetten, 2 Hörner, Trompeten und Pauken ad libit.“, Op. 24; – „Vierte Messe in A-molI, für Männerstimmen“, Op. 25; – „Veni sancte spiritus in D-dur“, Op. 29; – „Grosses Te Deum in D-dur“, Op. 30; – „2 Antiphonae de Sancto Francisco für 4 Männerstimmen“, Op. 32; – „Compositionsmuster zur Abfassung von Präludien“, Op. 33; – „Erste grosse Sonate in F-moll für die Orgel mit drei Claviaturen“, Op. 34. K. ist zur Stunde als Chormeister der Kreuzherrnkirche und als Director der Orgelschule des Prager Conservatoriums thätig.

Slovník naučný. Redaktor Dr. Frant. Lad. Rieger, d. i. Conversations-Lexikon. Redigirt von Dr. Franz Lad. Rieger (Prag 1859, Kober, Lex. 8°.) Bd. IV, S. 981. –