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BLKÖ:Kiesewetter Edler von Wiesenbrunn, Raphael Georg

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Kiesling, Leopold
Band: 11 (1864), ab Seite: 252. (Quelle)
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Kiesewetter Edler von Wiesenbrunn, Raphael Georg (gelehrter Musikschriftsteller, geb. zu Holleschau in Mähren 29. August 1773, gest. zu Baden bei Wien 1. Jänner 1850). Sohn des Kreisphysicus Alois Ferdinand K. [s. d. Vorigen], kam, nach zu Olmütz beendeten philosophischen Studien, nach Wien, wo er die Rechte hörte, und dann im Jahre 1794 bei der Reichsarmee in der Kriegskanzlei angestellt wurde. Bis 1801 diente er daselbst als Kanzlist, Registrator und Concipist, im letztgenannten Jahre kam er als Hofconcipist zum Hofkriegsrathe, wurde Hofsecretär und mit Allerh. Entschließung vom 4. November 1807 Hofrath und Referent bei dem Hofkriegsrathe. Er führte anfänglich das Normalien-Departement, später die Kanzleidirection und die Militär-Erziehungs- und Bildungsanstalten, in den Jahren 1813 und 1814 das Sanitätsreferat, und entwickelte in letzterem in den denkwürdigen Kriegsjahren bei der Aufstellung von 39 Haupt- und einer ungewöhnlich großen Anzahl von Garnisons- und Depotspitälern eine so energische Thätigkeit, daß ein amtlicher Bericht über sein Departement schreibt: „es sei in demselben unter Leitung des Hofrathes K. in jenen drangvollen Verhältnissen geleistet worden, was menschliche Kräfte nur immer zu leisten vermögen“. Aber eine andere Seite der Thätigkeit, als die amtliche, ist es, welche im Leben Kiesewetter’s eigentlich näher zu beleuchten kommt. Von früher Jugend an betrieb K. die Musik. Erspielte die Flöte vortrefflich, gab sie aber später auf, und mit einer kräftigen Baßstimme begabt, sang er in musikalischen Kreisen. Nun übte er auch das Fagott, dann die Guitarre; jedoch vornehmlich zum wissenschaftlichen Theile der Musik hingezogen, begann er bei Albrechtsberger das Studium des Generalbasses, später bei Hartmann jenes des Contrapunctes. Im Jahre 1816 begann er seine Sammlung von Partituren alter Musik, wobei ihn hauptsächlich einige damals in Italien lebende musikalische Freunde thätig unterstützten; er ergänzte dieselbe fleißig durch sein ganzes Leben und erwarb manchen kostbaren Schatz. Dabei war sein Haus durch 30 Jahre so zu sagen die Akademie der alten Musik in Wien, wo jährlich einige Male, gewöhnlich im Advent, in der Fastenzeit und besonders in der Charwoche die Meisterwerke eines Palestrina, Allegri, Vittoria, Carissimi, Scarlatti, Jomelli, Durante, Pergolese, Lotti, Caldara, Sebastian Bach, Graun u. v. A. aufgeführt wurden. Seine Neigung für das Sammeln führte ihn endlich zur schriftstellerischen Thätigkeit, und diese ist es, welcher wir mehrere sehr schätzbare Arbeiten verdanken, welche theils selbstständig, theils in einigen in Zeitschriften erschienenen Abhandlungen in die Oeffentlichkeit kamen. Erstere sind: „Ueber die Verdienste der Niederländer um die Tonkunst“ (Amsterdam 1828. 4°.); diese mit vielen Notenbeilagen ausgestattete Abhandlung wurde von der vierten Classe des königlichen Institutes der Wissenschaften, der Literatur und schönen Künste zu Amsterdam mit dem ersten Preise (der großen goldenen Medaille) gekrönt und auf Kosten dieses Institutes gedruckt; durch sie wurde K. auch mit dem Bibliothekscustos der Wiener Hofbibliothek, A. Schmid, bekannt, welcher ihn auf die eben geordnete Abtheilung [253] der Musikwerke in der kais. Hofbibliothek aufmerksam machte. Diese wurde nun von K. kritisch durchgearbeitet, und bildete zum Theile die Grundlage aller seiner späteren, für die Geschichte der Musik so werthvollen Arbeiten; – „Geschichte der europäisch-abendländischen, das ist unserer heutigen Musik“ (Leipzig 1834, 2. Aufl. 1846), wurde in’s Englische von Robert Müller übersetzt und erschien (London 1848, 8°.) im Drucke; – „Ueber die Musik der Neugriechen, nebst freien Gedanken über altegyptische und altgriechische Musik“. In drei Abhandlungen (Leipzig 1838, Breitkopf und Härtel, gr. 4°., mit gezeichneten Beilagen); – „Guido von Arezzo, sein Leben und Wirken. Mit einem Anhange über die, dem heil. Bernhard zugeschriebenen musikalischen Tractate“ (Leipzig 1840, ebd., 4°.); – „Schicksal und Beschaffenheit des weltlichen Gesanges vom frühen Mittelalter bis zu der Erfindung des dramatischen Styles und den Anfängen der Oper“ (Leipzig 1841, ebd., gr. 4“., mit vielen Notenbeispielen); – „Die Musik der Araber nach Originalquellen. Begleitet mit einer Vorrede von dem Freiherrn von Hammer-Purgstall“ (Leipzig 1842, ebd., gr. 4“., mit Zeichnungen); – „Ueber das Leben und die Werke des Palestrina nach Abb. Baini. Nachgelassenes Werk von F. S. Kandler, mit einer Vorrede und mit Anmerkungen, herausgegeben von R. G. Kiesewetter“ (Leipzig 1834, ebd., 8°.); – „Der neuen Aristoxener zerstreute Aufsätze über das Irrige der musikalischen Arithmetik und das Eitle ihrer Temperatur- Rechnungen. Gesammelt und mit einer historisch-kritischen Einleitung, als Vorrede herausgegeben u. s. w.“ (Leipzig 1846, ebd., 8°., mit 8 lithogr. Taf.), davon besitzt die kais. Akademie der Wissenschaften ein mit gedruckten Nachträgen vervollständigtes Exemplar; – in musikalischen Zeitschriften zerstreute Aufsätze und Abhandlungen, und zwar in der Wiener musikalischen Zeitung: „Ueber den Umfang der Singstimmen in den Werken der alten Meister, und über die Veränderungen, die sich im Verlaufe der Zeiten mit dem Stimmungstone ergeben haben“ (Jahrg. 1820); – „Fr. v. Drieberg: Die wahren Grundgesetze der gr. Musik, Eine Antikritik u. s. w. Eine Anzeige“ (1841); – „Das System der Musikschlüssel“ (1841); – in der Leipziger Musikzeitung: „Ueber die Tonschrift S. Gregor’s des Großen“ (1828); – „Ueber Franco von Cölln und die ältesten Mensuralisten; – „Nachricht von einem noch unangezeigten Codex aus dem XVI. Jahrhundert“ (1830); – „Ueber die von Herrn Fétis verrufene Stelle in Mozart’s VI. Quartett“ (1831); – „Die Tabulaturen der älteren Praktiker sammt Einführung der Figural- und Mensuralmusik: 1) die deutsche Tabulatur; 2) die Lauten-Tabulatur; 3) Orgel-Tabulatur (angebliche) in Italien im XVI. Jahrhundert; 4) die Noten-Tabulatur der alten Contrapunctisten; 5) die ital. Tabulatur oder die bezifferten Bässe“ (1831); – „Die wahre Herkunft Josquins des Près“ (1835); – „Der weltliche und volksmäßige Gesang im Mittelalter“ (1838); – „Ueber die Lebensperiode Franco’s (Duplik gegen Herrn Fétis) (1838); – „Controverse mit Herrn Fétis, über die von ihm den Langobarden und den Angelsachsen zugeschriebene Erfindung und Einführung einer musikalischen Notation in der römischen Kirche“ (1843, fortgesetzt und erlediget 1845); – „Compère (eine Zurechtweisung des Herrn Fétis)“ (1837); – „Zur Biographie des Baron d’Astorga“ (1839); – in der Zeitschrift für Deutschlands Musik-Vereine: „Ueber die verschiedenen Methoden, die Harmonie zu lernen“ (1843); – „Zurechtweisung [254] eines Kritikers des großen Palestrina“ (1843); – inDr. A. Schmidl’s Oesterreichischen Blättern für Kunst und Literatur: Ueber „Anton Schmid’s Ottavio dei Petrucci da Fossombrone, den ersten Erfinder des Notendruckes mit beweglichen Typen“ (1846); – in der Zeitschrift Cäcilia: „Ueber Tonmessungen und Temperatur“ (Jahrg. 1842); – „Ueber die musikalischen Instrumente und die Instrumental-Musik im Mittelalter, bis zur Gestaltung unserer dermaligen Kammer- und Orchester-Musik“ (1843); – „S. Stehlin, Tonarten des (römischen) Choralgesanges nebst alten Urkunden u. s. w. Anzeige“ (1842); – „Beurtheilung einer Kritik des Herrn Fétis über Kiesewetter’s Bück: die Musik der Araber ...“ (1845); – „Ueber „Notice sur les collections music. de la Bibliothéque de Cambrai .... par M. de Cousemaker“ (1844); – „Ueber die historische Nouvelle oder das Capitel von den frischen Säelauten“ (1844). Außer vorgenannten gedruckten Werken und Abhandlungen, welche sämmtlich in den Sammlungen der kais. Akademie der Wissenschaften in Wien von dem Autor selbst in Abschriften und Originalien niedergelegt wurden, befinden sich daselbst die nichtgedruckten Arbeiten: „Ueber die Octave des Pythagoras“, eine für die „Cäcilia“ bestimmte 1848 verfaßte Abhandlung; nach Kiesewetter’s Autobiographie wurde davon eine kleine Anzahl Exemplare in Wien gedruckt; – „Eine Anzeige über S. Stehlin’s Untersuchung der 8 gregorianischen Kirchentonarten und der 12 sogenannten alten Tonarten Glarean’s“; – „Die Musik und die musikalischen Kenntnisse der Neugriechen, nach Villoteau und Chrysanthos“; – „Vorbereitung zum Studium der Harmonie“ (1811, Fol.); 1. Heft 35 Seiten Text, 2. Heft Beispiele von Nr. 1–15; – „Die Accordenlehre, nach dem System der Grundharmonie entwickelt, mit einem vollständigen Verzeichnisse aller üblichen oder noch denkbaren Tonverbindungen, einem Stammbaume der großen Tonfamilie, aus dem Systeme hergeleitet und aus demselben entwickelt“ (1811, gr. Fol., 261 Seiten), ein Band Text, dazu die Beilagen: „Beispiele zur Erläuterung des Textes gehörig. Von Nr. 1–38“ 1. Heft; und „Stammtafeln der Accorde, zugleich ein vollständiges Verzeichniß aller, sowohl einfachen, als durch den Vorhalt entstehenden, gebräuchlichen oder noch denkbaren harmonischen Tonverbindungen. Taf. I-LXXXI“; – „System der Grundharmonie im Auszuge“ (gr. 4°., 20 S.). Noch sind seine zwei mit großer Gründlichkeit gearbeiteten gedruckten Kataloge anzuführen, und zwar: „Catalog der Sammlung alter Musik des k. k. Hofrathes R. G. Kiesewetter Edlen von Wiesenbrunn“ (Wien 1847, mit einer Vorrede) und „Gallerie der alten Contrapunctisten“, eine Auswahl aus ihren Werken, nach der Zeitfolge geordnet zu deutlicher Anschauung des Fortschreitens der Kunst; von den frühesten Versuchen harmonischer Verbindungen bis zum Anfange des achtzehnten Jahrhunderts, und dem Aufblühen der neapolitanischen Schule, aus der Periode, der neueren Musik. Alles in verständlichen Partituren aus seinem eigenen Archiv alter Musik zusammengestellt; eine Zugabe zu seinem Hauptcatalog. Was K.’s musikalische Sammlung betrifft, so erhielt laut testamentarischer Verfügung seine herrliche Partituren-Sammlung alter Musik, welche in seinen eben angegebenen zwei Katalogen verzeichnet ist, die k. k. Hofbibliothek unter der Bedingung, daß [255] sie als ein Ganzes beisammen bleibe und für immerwährende Zeiten unter der Bemerkung „Fond Kiesewetter“ aufbewahrt werde. Seine musikalischen Bücher und Schriften, ferner seine musikalisch-literarische Correspondenz, wie auch die Auflagstimmen der Sammlungen wurden dem in der Musik weltbekannten Sammler Alois Fuchs [Bd. IV, S. 390] hinterlassen. Für sein ausgezeichnetes amtliches Wirken wurde K. mit Diplom vom 13. Juni 1843 in den erbländischen Adelstand erhoben; seine wissenschaftliche Thätigkeit blieb aber in der gelehrten Welt nicht unbeachtet; und er wurde von mehreren Gelehrten- und musikalischen Gesellschaften zum Mitgliede ernannt, und zwar von der vierten Classe des kön. Institutes der Wissenschaften, der Literatur und schönen Künste in Amsterdam; von der Akademie der Künste in Berlin (zum Ehrenmitgliede); von der kais. Akademie der Wissenschaften in Wien (am 19. Juni 1849 zum correspondirenden Mitgliede); von der Akademie der h. Cäcilia in Rom (zum Socio onorario); vom französischen Ministerium des öffentlichen Unterrichtes in Paris (zum Correspondenten pour les traveaux historiques ); vom Verein zur Beförderung der Musik in den Niederlanden (zum Verdienstmitgliede); von der Gesellschaft der Musikfreunde des österreichischen Kaiserstaates in Wien (zum Ehrenmitgliede, auch war er einige Jahre Vicepräsident der Gesellschaft), und von den Musikvereinen zu Pesth, Ofen, Prag, Preßburg, Gratz und Klagenfurt (zum Ehrenmitgliede). Die letzten 2 Jahre seines Lebens brachte K. in stiller Zurückgezogenheit zu Baden bei Wien zu, wo er im Alter von 77 Jahren starb. Seine Leiche wurde nach Wien überführt und ist auf dem Währinger Friedhofe beigesetzt. Ueber seine Familie vergleiche das Nähere in den Quellen.

Die feierliche Sitzung der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften am 29. Mai 1852 (Wien 1852, Staatsdruckerei, gr. 8°.) S. 43. – Almanach der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften (Wien, Staatsdruckerei, kl. 8°.) III. Jahrg. (1853), S. 73: Autobiographie [nach dies. gest. zu Wien 4. Jänner 1850, welche Angabe irrig ist]. – Adelstands-Diplom, Wien 13. Juni 1843. – Friedenszeitung (Wien, Fol.) 1850, Nr. 19. – Oesterreichische Blätter für Theater und Kunst. Von L. A. Zellner (Wien, 4°.) 1835, Nr. 39, 43, 48 u. 49: „Oesterreichische Musikgelehrte“. Von Alois Fuchs. – Allgemeine Wiener Musik-Zeitung, herausg. von August Schmidt (Wien, 4°.) 1841, Nr. 51: „Dem Verdienste seine Kronen“. – Allgemeine Zeitung (Augsburg, Cotta, 4°.) 1850, Beilage Nr. 42. – Ergänzungsblätter, herausg. von Dr. Friedr. Steger, Bd. V, S. 712. – Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar 1852, B. F. Voigt, kl. 8°.) 28. Jahrg. (1850), Bd. I, S. 11 [nach diesem geboren 29. August 1779]. – Beilage zum Morgenblatt der Wiener Zeitung 1850, Nr. 21. – Meyer (J.), Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Bd. XVII, S. 1115 [nach diesem geboren 29. August 1774]. – Universal-Lexikon der Tonkunst. Angefangen von Dr. Julius Schladebach, fortgesetzt von Ed. Bernsdorf (Dresden 1856, R. Schäfer, gr. 8°.) Bd. II, S. 595. – Schilling (G. Dr.). Das musikalische Europa (Speyer 1842, F. C. Neidhard, gr. 8°.) S. 187. – Gaßner (F. S. Dr.). Universal-Lexikon der Tonkunst. Neue Handausgabe in einem Bande (Stuttgart 1849, Franz Köhler, Lex. 8°.) S. 483. – Poggendorff (J. C.), Biographisch-literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften (Leipzig 1857, Joh. Ambr. Barth, gr. 8°.) Sp. 1255 [nach diesem geb. 1772, gest. 31. December 1849] – Nouvelle Biographie générale ... publiée sous la direction de M. le Dr. Hoefer (Paris, 1850 et s., Didot, 8°.) Tome XXVII, p. 717 [nennt ihn irrig Kieswetter statt Kiesewetter; nach dieser wäre er am 29. April 1773 geboren]. – Fétis, Biographie universelle des Musiciens. – Coussemaker, Histoire de l’harmonie au moyen age. – Porträt. Hähnisch [256] lithogr. 1847 (Fol.), seltenes Blatt. – Ueber Hofrath Kiesewetter’s Familie. Seines Vaters Alois Ferdinand K. wurde bereits oben in einer besonderen Biographie gedacht. Sein Oheim von väterlicher Seite war Hauptmann im Infanterie-Regimente Nr. 49 und fand 1809 bei der Vertreibung der Franzosen von der schwarzen Lacke nächst Nußdorf den Tod im Kampfe für das Vaterland. – Seine, nämlich des Hofrathes Raphael Georg Tochter Irene (geb. 27. März 1811) glänzt zu ihrer Zeit in Wien als eine meisterhafte Pianistin. Sie ist (seit 23. November 1832) Gemalin des Feldmarschall-Lieutenants und dermaligen Internuntius Anton Freiherrn von Prokesch-Osten. Sie ist im Jahre 1849 von Kriehuber lithographirt. – Von seinen Söhnen war Guido noch vor Kurzem Major und Thalsperre-Commandant zu Malborghetto und Predil bei Tarvis in Kärnthen; ein zweiter aber, Julius (geb. zu Wien 1804, gest. zu Gmunden K. Mai 1862), war, nachdem er mehrere Jahre als Hauptmann im Infanterie-Regimente Graf Nugent Nr. 30 gedient, 1845 zum Major, 1848 zum Oberstlieutenant. 1850 zum Obersten im Regimente und dann zum General-Major vorgerückt, als welcher er in Ruhestand übertrat und den Winter über in Linz, den Sommer aber in Gmunden lebte. Er hat sich in den Jahren 1848 und 1849 bei mehreren Gelegenheiten in den Kämpfen in Ungarn, als bei Eperies, Margitfalva, Iglo, Branitzka, Ibazy, insbesondere aber als Commandant der Leutschauer Garnison, als welcher er die Insurgenten-Division Guyon in Neudorf mit seinen vier Compagnien überfiel, einen blutigen Straßenkampf standhaft unterhielt und erst der unverhältnißmäßig großen Uebermacht des Gegners wich, ausgezeichnet. K. wurde später mit dem Militär-Verdienstkreuze und dem eisernen Kronen-Orden 3. Classe belohnt. Er ist zu Gmunden, 58 Jahre alt, gestorben. [Oesterreichischer Soldatenfreund, herausg. von J. Hirtenfeld (Wien, 4°.) III. Jahrgang (1850), Nr. 28: „Die Vertheidigung des Branisko-Passes“. – Hirtenfeld (J.). Oesterreich. Militär-Kalender (Wien, kl. 8°.) XV. Jahrg. (1864), S. 78 [nach diesem starb K. am 11. Juni 1862]. – Militär-Zeitung, herausg. von Hirtenfeld (Wien, 4°.) 1862, S. 459 u. 485.) – Wappen. Ein von Blau und Roth quergetheilter Schild. In der obern blauen Schildeshälfte steht auf der Theilung ein goldener aufgerichteter Greif mit ausgeschlagener rother Zunge, welcher in der rechten Klaue eine goldene, mit Wasser gefüllte und mit einem goldenen Säulenfuße versehene Schale, an ihrer Säule erfassend, emporhält. Die untere rothe Schildeshälfte durchziehen vier silberne senkrechte Pfähle. Auf dem Schilde ruht ein rechtsgekehrter gekrönter Turnierhelm, aus dessen Krone vier Straußenfedern hervorwachsen und zwar die vorderste (rechte) golden, die zweite blau, die dritte silbern, die äußerste (linke) roth. Die Helmdecken sind rechts blau mit Gold, links roth mit Silber unterlegt.