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BLKÖ:Herberstein, Joseph Franz Stanislaus

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 8 (1862), ab Seite: 346. (Quelle)
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Herberstein, Joseph Franz Stanislaus (Staatsmann, geb. 13. November 1757, gest. 34. März 1816). Von der ältern österreichischen Linie, Sohn des Grafen Joseph Johann Nepomuk (geb. 25. Jänner 1727, gest. 14. December 1809) aus dessen Ehe mit Maria Philippina Anna Freiin von Moltke (geb. 23. Jänner 1732, Todesjahr unbekannt, lebte aber noch 1804). Graf Joseph erhielt eine gründliche [347] wissenschaftliche Bildung, trat in den Staatsdienst, in welchem er sich schon 1781 durch seine tüchtigen Arbeiten dem Kaiser Joseph II. bemerkbar machte. Indem er die verschiedenen Dienstesstufen in rascher Folge zurücklegte, erhielt er die geheime Rathswürde, wurde erst Vice-, und im Jahre 1816, seinem Todesjahre, wirklicher Präsident der k. k. Hofkammer, wurde auch mit dem goldenen Kreuze des von Kaiser Franz I. gestifteten Civil-Ehrenkreuzes ausgezeichnet. Der Graf besaß ausgebreitete Kenntnisse im Fabrikswesen, war mit den Lehren der verschiedenen Systeme der Finanzwissenschaft vertraut und brachte in den Arbeiten des ihm übertragenen wichtigen Geschäftszweiges seine Ansichten öfter in umfassenden Abhandlungen, welche auch gedruckt wurden, zum Ausdrucke. Ein Kenner der Kunst, zählte er zu den hervorragendsten Mitgliedern der Akademie der bildenden Künste in Wien. Zurückgezogen von der Gesellschaft, nur seinem Berufe und den Studien lebend, ging sein Leben buchstäblich in Arbeit auf, der er sich auch dann nicht entschlug, als er auf dem Sterbebette lag. Ueber seine Eigenschaften als Mensch und Mitbürger gibt das in den Quellen angeführte Werk „Oesterreichs Pantheon“ ein erhebendes Bild. Nach dem Tode seines Großvaters mütterlicher Seits, des Feldmarschalls Grafen Moltke, dessen Universalerbe er geworden, fügte er dessen Namen und Wappen dem seinigen bei und nannte sich Herberstein-Moltke. Aus seiner 1810 mit Louise Gräfin Kolowrat geschlossenen Ehe hinterließ er nur einen Sohn, den Grafen Otto (geb. 24. December 1811), mit dessen am 15. September 1831 erfolgtem Ableben der jüngere in zehn Nebenäste gespaltene Hauptstamm erloschen ist.

Oesterreichs Pantheon. Gallerie alles Guten und Nützlichen im Vaterlande (Wien 1830 u. 1831, M. Chr. Adolph), Bd. II, S. 92. – Wißgrill (Frz. Karl), Schauplatz des landlässigen Nieder-Oesterreichischen Adels (Wien 1800, Schuender, 4°.) Bd. IV, S. 295 [nach diesem geb. 13. November 1757]. – Ersch und Gruber, Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste, II. Section, 6. Theil, S. 124 [nach dieser geb. 13. September 1757]. – Hormayr, Vaterländisches Taschenbuch, 7. Jahrg. (1826), S. 336–362: „Ahnentafel der Herbersteine“ [daselbst heißt es S. 357 über Grafen Joseph: „Mehrere gelehrte und geschätzte Abhandlungen von ihm sind gedruckt worden“].