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BLKÖ:Habsburg, Ferdinand (Graf von Tirol und der Vorlande)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 6 (1860), ab Seite: 193. (Quelle)
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86. Ferdinand, Erzherzog von Oesterreich, Graf von Tirol und der Vorlande (geb. zu Linz 14. Juni 1529, gest. zu Innsbruck 24. Jänner 1595), Sohn des Kaisers Ferdinand I. [s. Nr. 81] und seiner Gemalin Anna [s. Nr. 24], Tochter Wladislaus IV., Königs von Ungarn und Böhmen. Wurde vortrefflich erzogen und that sich in den zu seiner Zeit beliebten ritterlichen Uebungen glänzend hervor. Im Jahre 1547 stellte ihn sein Vater an die Spitze der Verwaltung in Böhmen, welche er bis zur Krönung Maximilian’s II. (1562) leitete. Von seinem Geschicke in Führung der Waffen gab er in Ungarn, im Feldzuge gegen die Türken (1556), mehrfache Proben. Im Jahre 1566 führte Ferdinand seinem Bruder, dem Kaiser Maximilian II., mehrere Regimenter Reiterei zu, als Soliman zum zweiten Male in Ungarn einfiel. Diese Regimenter hatte Ferdinand auf eigene Kosten errichtet und unterhalten. Dem Rufe seines Oheims, des Kaisers Rudolph, zu folgen, der ihm im Jahre 1595 das Obercommando über das Heer gegen die Türken übergab, verhinderte ihn der Tod. Bei einem Turniere in Augsburg im J. 1550 verliebte er sich in die schöne und anmuthige Philippine Welser, Tochter eines angesehenen Patriziers dieser Stadt. Ohne Vorwissen seines Vaters, dessen Einwilligung zur Heirath der Patrizierstochter zu erlangen er nie hoffen durfte, vermälte er sich 1557 mit ihr, die ihn durch die Macht ihrer Schönheit und Anmuth gefesselt hatte. Als der Vater die Sache erfuhr, war er über seinen Sohn und dessen Gemalin sehr aufgebracht. Der Erzherzog aber, um ihn zu versöhnen, stellte vereint mit seiner Gemalin eine Urkunde (31. Juli 1559) aus, worin er und sie sich verpflichteten, ihre nur wenigen Personen bekannte Verbindung stets geheimzuhalten, beide ferner auf die Nachfolge der aus dieser Ehe entstammenden Kinder in den Erbfürstenthümern [194] verzichteten und nur die Ansprüche auf eine angemessene Versorgung derselben stellten. Der Kaiser erklärte darauf in einer eigenhändigen Urkunde vom 1. August 1559, daß, soferne die also heimlicher Weise und ohne sein Wissen und Willen geschlossene Heirath kräftig und beständig sei, welches er Gott dem Allmächtigen und dem Urtheile der heiligen Kirche befehle, die aus dieser Ehe entspringenden Kinder den Namen von Oesterreich mit dem habsburgischen Wappen führen, die Söhne für den unverhofften Fall, daß der ganze männliche Stamm des Hauses Oesterreich aussterben sollte, in die Erbkönigreiche und Erblande succediren und daß alle Kinder sammt ihren Nachkommen von allen Abgaben frei sein sollten. Das Versprechen des Erzherzogs, die Ehe geheim zu halten, wurde von ihm so gewissenhaft beobachtet, daß er seine Kinder, nachdem sie im Beisein einiger vertrauten als Zeugen nöthigen Personen getauft waren, aussetzen und finden und mithin als Findlinge aufziehen ließ. Um aber die Abkunft der Kinder zu constatiren und spätere Mißverständnisse zu vermeiden, führte er sorgfältig ein (jetzt im Statthaltereiarchive in Innsbruck aufbewahrtes) Buch, in welchem er mit eigener Hand die Namen seiner Kinder und Alles, was sich bei ihrer Geburt zutrug, einschrieb und von seiner Gemalin durch eigenhändige Unterschrift bestätigen ließ. Ferdinand hing fortwährend mit inniger Liebe an seiner nur aus Neigung gewählten Gattin, und als er nach dem Tode seines Vaters im Jahre 1567 die Regierung von Tirol erhielt, wohnte sie auch fortwährend in seiner Nähe auf dem Schlosse Ambras bei Innsbruck. Da ihm die Geheimhaltung seiner glücklichen Ehe immer lästiger wurde, wandte er sich an den Papst Gregor XIII. und bat, von dem seinem Vater geleistetem Eide enthoben zu werden, was ihm auch, sobald die Giltigkeit der Ehe durch Zeugen außer Zweifel gestellt war, im Jahre 1576 gewährt wurde. Philippine starb wenige Jahre darnach am 13. April 1580. Aus dieser Ehe gingen nebst zwei in der Kindheit verstorbenen Kindern hervor: Andreas von Oesterreich [siehe Nr. 17] und Karl von Oesterreich, welcher nachmal die Markgrafschaft Burgau als Apanage erhielt. Nach dem Tode Philippinen’s vermälte sich Ferdinand zum andern Male mit Anna Katharina, Tochter Wilhelm’s, Herzogs von Mantua [siehe Nr. 31], welche ihm auch drei Kinder gebar. Anna, Gemalin des Kaisers Mathias und Stifterin der kais. Gruft bei den Kapuzinern in Wien [s. Nr. 28]; Anna Katharina, welche im Kloster, und Maria, welche schon in der Kindheit starb. Seine zweite Gemalin überlebte den Erzherzog um viele Jahre und starb, nachdem sie die Hand des Kaisers Mathias ausgeschlagen, ihm aber dafür ihre Tochter vermält hatte, im Kloster im Jahre 1620. Ferdinand ist auch der Stifter der berühmten Sammlung im Schlosse Ambras in Tirol (derzeit in Wien), welche die Waffen der berühmtesten Kriegsmänner seiner und der nächstverflossenen Zeit enthält und einzig in ihrer Art ist. Ferdinand’s Rath, Jacob Schrenkh von Notzing, war der erste, der diese berühmte Sammlung in lateinischer Sprache beschrieben hat. Neuere Werke über dieselbe sind. „Die k. k. Ambraser-Sammlung, beschrieben von Dr. Ed. Freiherrn von Sacken“. 2 Theile (Wien, 1855, Braumüller, 8°.), wichtig durch seinen Text und das Bilder-Prachtwerk: „Die vorzüglichsten Rüstungen und Waffen der k. k. Ambraser-Sammlung in Original-Photographien, [195] von Andr. Groll. Mit historischem und beschreibendem Texte von Dr. Ed. Freiherrn von Sacken“ (Wien, Braumüller, gr. 4°.), wovon bisher eilf Lieferungen erschienen sind.

Thaten und Charakterzüge berühmter österreichischer Feldherren (Wien 1808, Degen’sche Buchhandlung, kl. 8°.) Bd. I, Abthlg. 1, S. 91. – Hormayr (Jos. Freih.), Taschenbuch für vaterländische Geschichte. Der gesammten Folge XXXVI., der neuen Folge XVIII. Jahrg. (1847) S. 24–52 [mit dem Porträte Philippinens] – Bergmann (Joseph), Medaillen auf berühmte und ausgezeichnete Männer des österreichischen Kaiserstaates vom XVI. bis zum XIX. Jahrhunderte (Wien 1844–1857, 4°.) Bd. I, S. 133 – S. 102 und 103 über Anna, Philippinens Mutter – S. 102 und 162 über Franz, Philippinens Vater, ebenda über Hanns und Katherina Welser – S. 101 u. f. 107, 162, II. Bd. 135 und 239 über Philippine Welser und ihre Kinder. – Wiener Jahrbücher der Literatur, Bd. LXXX, Anzeigeblatt S. 30–37: „Urkunden über die eheliche Geburt, den Geburtsort, die Namen und Taufzeugen der vier Kinder des Erzherzogs Ferdinand und seiner Gemalin Philippine Welser. Aus einer quellenmäßigen Abschrift der „Bibliotheca Tirolensis“ des Baron Di Pauli von Treuheim, mitgetheilt von Joseph Bergmann“. – Urania. Taschenbuch auf 1818, S. 116 und 127: „Philippine Welser von Augsburg“. – Hormayr’s Archiv für Geschichte. 1828, S. 451. – Philippine Welserin. Geschichte aus dem 16. Jahrhundert (Berlin 1797, 8°.). – Bellus (Nic.), Oesterreichischer Lorbeer-Crantz (1625).