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BLKÖ:Habsburg, Maximilian II.

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 7 (1861), ab Seite: 103. (Quelle)
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263. Maximilian II., deutscher Kaiser (geb. 1. August 1527, gest. 12. October 1576). Sohn des Kaisers Ferdinand I. [Bd. VI, Nr. 81] aus dessen Ehe mit Anna von Ungarn und Böhmen [Bd. VI, Nr. 24]. Gemalin: Maria, Tochter des Kaisers Karl V. (geb. 21. Juni 1528, gest. 26. Februar 1603), ihm vermält am 13. September 1548. Kinder. Aus dieser Ehe stammen 15 Kinder, von denen sechs, u. z. Ferdinand, Friedrich, Karl, Wenzel Maria, Maria und Eleonora in der Kindheit gestorben sind; die übrigen aber sind in chronologischer Folge: Anna (geb. 1. November 1549, gest. 26. October 1580) [Bd. VI, Nr. 25]; Rudolph II. (geb. 18. Juli 1552, gest. 10. Jänner 1612); Ernst (geb. 15. Juni 1553, gest. 20. Februar 1595) [Bd. VI, Nr. 79]; Elisabeth (geb. 5. Juni 1554, gest. 22. Jänner 1592 [Bd. VI, Nr. 71]; Mathias (geb. 24. Februar 1557, gest. 20. März 1619) [s. d. Nr. 258]; Maximilian III. (geb 12. October 1558, gest. 23. October 1620) [s. d. Nr. 264]; Albrecht (geb. 13. November 1559, gest. 13. Juli 1621) [Bd. VI, Nr. 13]; und Margaretha (geb. 25. Jänner 1567, gest. 5. Juli 1633) [s. d. Nr. 193]. Wahlspruch. Um einen Adler, der eine mit Bändern umwundene Weltkugel in den Klauen hält, die Devise: „Providebit Dominus“. Hervorragende Lebensmomente. Maximilian wurde in Spanien unter der Aufsicht seines Oheims, des Kaisers Karl V., erzogen. Der Kaiser gewann den strebenden und denkenden Jüngling so lieb, daß er ihm seine eigene Tochter Maria vermälte. Im Jahre 1546 kämpfte Max im Schmalkaldischen Kriege, im folgenden Jahren eröffnete er den Reichstag zu Augsburg. Als im Jahre 1548 Kaiser Karl seinen Sohn Philipp nach Deutschland kommen ließ, weil er die Absicht hatte, seine Wahl zum römischen Könige durchzusetzen, übernahm Maximilian die Regierung in Spanien, welche ihm aber ebenso wenig zusagte, als er mit seinem edlen und sanften Charakter durchaus nicht für die unter scharfer Zuchtruthe gehaltenen und daran gewöhnten Spanier paßte, er kehrte also 1551 wieder nach Deutschland zurück. Am 20. September 1562 wurde er zum Könige von Böhmen, [104] am 24. November d. J. zum römischen Könige gewählt, und am 30. November gekrönt. Bei seiner Wahl zum römischen Könige gerieth er mit dem Papste in Zwiespalt, weil er statt die von diesem geforderte Obedienz zu leisten, ihm einfach seinen Respect vermelden ließ. Hatten seine Vorfahren bisher von ihrer Hoheit sich etwas vergeben, er sei ein Gleiches zu thun nicht gesonnen. Am 8. September 1563 erhielt er zu Preßburg die ungarische Krone. Im Jahre 1564 bestieg Maximilian den deutschen Kaiserthron, und alsbald begann der Krieg mit den Türken von Neuem, weil diese den mit Ferdinand I. geschlossenen Waffenstillstand mit dessen Tode auch als erloschen betrachteten. An diesem Kriege nahm der Kaiser selbst Theil, im Uebrigen führte denselben glücklich sein tapferer Feldherr Lazar Schwendi. Nach dem Augsburger Reichstage vom Jahre 1566, indem auch das Reich den toleranten Kaiser werkthätiger, als es sonst zu geschehen pflegte, unterstützte, wurde der Kampf mit mehr Nachdruck geführt und war insbesondere dann von Erfolgen begleitet, nachdem Soliman (4. September 1566) plötzlich gestorben und sein Sohn Selim ihm als Sultan gefolgt war. In diese Zeit fallen auch die Kämpfe mit dem ehrgeizigen und ruhelosen Johann Sigmund Zapolya, denen jedoch Schwendi’s siegreiches Vorschreiten bald ein Ende machte, worauf Johann Sigmund genöthigt war, den königlichen Titel, den er bisher geführt, mit dem eines Wojwoden zu vertauschen, einzelne Gebietstheile abzutreten und den Rückfall Siebenbürgens nach seinem unbeerbten Tode zuzugestehen, welche letzte und wichtigste Bedingung auch alsbald eintrat, als Johann Sigmund am 14. Mai 1571 starb. In Deutschland waren es die Grumbach’schen Händel, welche den Kaiser zu ernsten Maßregeln zwangen. Diese von dem fränkischen Edelmanne Wilhelm von Grumbach vereint mit Ernst von Mandelslohe und Wilhelm von Stein erregten Händel, tragisch durch den Mord des Würzburger Bischofes Melchior von Zobel, und bedeutend durch den Beistand, den Herzog Johann Friedrich der Mittlere von Sachsen den Unruhestiftern leistete, nöthigten den Kaiser, dem Churfürsten August die Execution aufzutragen und gegen die Rädelsführer die Reichsacht zu verhängen. Grumbach und mehrere seiner Mitschuldigen wurden (18. April 1567) hingerichtet, Herzog Johann Friedrich gefangen und auf offenem Wagen mit einem Strohhute auf dem Kopfe nach Wien gebracht, worauf er zu lebenslänglicher Haft, vorerst in Neustadt, dann in Steyer verurtheilt wurde, in welcher er auch nach 28 Jahren starb. Im Uebrigen verfloß die Regierung des Kaisers in Ruhe; erst gegen sein Lebensende trübte sich neuerdings der politische Horizont. In Polen war Sigmund August, ohne von seinen drei Frauen, Barbara Radziwill und zwei österreichischen Prinzessinen, den Erzherzoginen Elisabeth [Bd. VI, Nr. 70] und Katharina [Bd. VI. Nr. 159], beide Schwestern des Kaisers, einen Nachfolger hinterlassen zu haben, gestorben (7. Juli 1572). Mit ihm erlosch das alte und glorreiche Geschlecht der Jagellonen. Maximilian, von einer starken Partei und vom römischen Hofe aufgemuntert, bewarb sich um den ledigen Thron, aber während er mit sich selbst berathschlagte, ob er die Krone für sich oder seinen Sohn Maximilian Ernst erwerben sollte, wählte eine andere Partei den französischen Prinzen Heinrich von [105] Anjou, der aber schon nach wenigen Wochen, als sein Bruder Karl IX. in Paris gestorben, sich heimlich aus dem Lande stahl, ohne der Aufforderung der Stände, zurückzukehren, Folge zu leisten. Der Senat wählte nun neuerdings den Kaiser Max, aber der mächtige Adel den siebenbürgischen Wojwoden Stephan Bathory, der auch unverweilt vom Throne Besitz nahm und sein Wahlrecht mit den Waffen in der Hand zu behaupten entschlossen war. Der Kaiser hielt nun einen Reichstag in Regensburg und schien entschlossen, den Kampf Polens aufzunehmen, als er unerwartet – erst 49 Jahre alt – am nämlichen Tage zu Regensburg starb, an welchem er den Abschied des geschlossenen Reichstages öffentlich verkünden ließ. Sein Tod wurde allgemein und mit Recht tief betrauert. Der Kaiser selbst, aufgeklärt und in Religionssachen von einer Toleranz, die für seine Zeit um so bewunderungswürdiger erscheint, suchte eben durch sein Verhalten in diesen Fragen den bisher tief getrübten Reichsfrieden zu erhalten, was ihm auch, so lange er lebte, vollkommen gelang. In seinen Erblanden gestattete er die freie Uebung der protestantischen Religion. Gegen die Religionsverfolgungen in Frankreich und den Niederlanden zeigte er entschiedenes Mißfallen, sprach sich gegen die Pariser Bluthochzeit mit Entrüstung aus und schlug die Zumuthung des Königs von Frankreich, den Deutschen jede Unterstützung der Hugenotten zu verbieten, rundweg ab. Als Kaiser stand er über den Parteien, den Zwiespalt zwischen Protestanten und Katholiken suchte er, wo er konnte, zu beheben und selbst die getrennten Glieder der reformirten Kirche wieder einander zu nähern. Als Fürst und Mensch verband der Kaiser Lebhaftigkeit des Charakters mit Würde, Milde mit Ernst, Freimuth mit Gerechtigkeit und Tiefsinn mit Wohlwollen und Herablassung. In Geschäften besaß er eine solche Gewandtheit, daß sein Reichs-Vicekanzler Weber das für des Kaisers Räthe wenig schmeichelhafte Urtheil fällte: „seine Räthe sämmtlich sind Schüler gegen ihn, er weiß mehr, denn sie alle zusammen.“ Seine Kaltblütigkeit in großen Gefahren hat er in früher Jugend bewiesen, wie er im Türkenkriege als Kaiser eine bei seinem milden Charakter nicht erwartete Thatkraft entwickelte. Die in seiner Ehe erzeugten Kinder sind schon oben sämmtlich angeführt; vor seiner Verheiratung mit Karl’s V. Tochter Maria lebte er im zärtlichen Verhältnisse mit Anna von Ostfriesland, einer Hofdame seiner Mutter Anna von Ungarn. Die aus diesem Bunde entsproßene Tochter Helene Scharseg, ebenso berühmt durch ihre Schönheit als Klugheit, war die Gemalin des Hofkriegsrathes Andreas Eberhard Freiherrn von Rauber, berühmt durch seinen, wie die Sage erzählt, fünfthalb Schuhe langen Bart und seine Leibesstärke, welch’ letztere ihm auch in einem Ritterspiele, in welchem er nach Kampfesvorschrift seinen Gegner in den Sack stecken sollte, zur schönen Helene verholfen hatte. Von diesem Vorfalle rührt auch das noch gebräuchliche Sprichwort. „Jemand in den Sack stecken“.

I. a) Selbstständige Werke. Warhafftige Beschreibung, welchergestalt Maximilian und dero Gemahl zu Böheimischen König und Königin in Prag den 20. Sept. 1502 gekrönet seynd worden (s. l. 1562, 4°.). – (Boehme, Joh. Gottlieb) Dissertatio historica de Maximiliani erga rem evangelicam indulgentia (Lips. 1779, 4°.). – Brunus (C.), De electione Maximiliani II. gratulatio (Monach. 1566, 12°.). – Hantschmann (Jacob), De symbolo Maximiliani II. Dominus providebit [106] libri duo (Lipsiae 1591, 4°.). – Justinianus (J.), Commentariolus memorabilis facti Maximiliani regis Bohemiae (Basil. 1564, 12°.). – Oberleitner (Karl), Aufzeichnungen zur Geschichte Maximilian’s II. (Wien 1859, Staatsdruckerei) [schließt sich an desselben Verfassers Schrift: „Oesterreichs Finanzen und Kriegswesen unter Ferdinand I.“ an. Der erste Abschnitt umfaßt die Kriegsrüstungen und die Finanzlage 1565–1570; der zweite Abschnitt enthält Beiträge zu Kaiser Maximilian’s II. Charakter]. – Reysen und Bottschaften, welche auff gnädigsten Befelch Keyser Ferdinandi und Maximiliani II. glücklich vollendet hat Aug. Gisl. Busbequius [WS 1] sampt beygefügten Rathschlag, welchen Herr Carle, Graf zu Mansfeld vor der Festung Gran ritterlich ins Werk gerichtet hat (Frankfurt am Mayn 1596, 8°.).
I. b) In anderen Werken Zerstreutes. Anzeiger aus dem südlichen Böhmen (Budweis, 4°.) 1855 (4. Jahrg.) Nr. 9: „Ein Jugendstreich Maximilian’s II.“, erzählt von Ferrante. – Archiv für Geschichte, Statistik u. s. w. von Hormayr) 1823, Nr. 90 u. 91: „Leichenbegängniß weiland Kaiser Maximilian’s II., gehalten zu Prag am 22. März 1577“. – Chronique et histoire universelle contenant les choses plus memorables avenues des quatre souverains empires royaumes republiques etc. Dressée premiérement par Jean Carion, puis augmentée ... par Ph. Melanchthon et Gaspar Peucer et reduit en cinq livres ... plus deux livres ... comprenant les choses ... avenues ... sous l’empire de Charles cinquième, Ferdinand I., Maximilian II. et Rodolphe II. 2 Bde. (Jac. Stoer 1595, 8°.) [Bd. II, S. 320 bis 340 handelt von Max II.]. – Frankfurter Konversationsblatt 1841, Nr. 117, S. 466: „Ein Brief Maximilian’s II. [an Schwendi, ddo. Wien 22. Februar 1573]. – Frankl (L. A.), Sonntagsblätter 1846, S. 802: „Maximilian II. und sein Gartenaufseher. Von Franz Gräffer“. – Goldast, Constitut. Imperial. Tom. II [enthält gleichfalls einen Brief an Schwendi, ddo. 22. Februar 1574; beide Briefe, eigenhändige Schreiben des Kaisers, setzen den hochsinnigen Charakter dieses edlen, von mehreren Schriftstellern ein zweiter Titus und mit Recht so genannten Kaisers in das vollste Licht]. – Hormayr, Oesterreichischer Plutarch, VII. Bd. S. 5–29, wiederabgedruckt in der „Austria. Oesterr. Universal-Kalender“ für das J. 1855, S. 52. – Allgemeine Moden-Zeitung, herausg. von Dr. J. A. Bergk (Leipzig, 4°.) 1823, Nr. 2: „Entschlossene Rettung in großen Gefahren“. [Eine Episode aus dem Leben des Kaisers Max II.; abgedruckt in Pappe’s „Lesefrüchten“ 1823, Bd. 2, Stück 26; – im „Sammler“ (Wien, 4°.) 1815, Nr. 113 u. 114; – in der „Biene“ (Neutitschein, gr. 8°) 1854, Nr. 42 – und in der „Flora“ (München, 4°.) 1823, Nr. 52.] – Oesterreichische Zeitschrift für Geschichts- und Staatskunde von Joh. Paul Kaltenbäck, Jahrg. 1835, Nr. 12 u. 13: „Das Nachtlager zu Granada. Versuch einer kritischen Forschung“. Von Th. G. von Karajan. [Max II. als Regent in Spanien, Anfangs April 1549. Aus einem Briefe des Joh. Justiniani, 1554, Basel]; – Jahrg. 1836, S. 152: „Kaiser Max II. intercedirt bei dem Churfürsten August von Sachsen für den gefangenen Caspar Peucer“; S. 332: „Maximilian II. erneuert frühere Verordnungen, keine geistlichen Güter ohne höhere Genehmigung zu veräußern“ (Prag 20. Juni 1575); S. 352: „Maximilian II. erneuert das Verbot, daß keine adeligen Güter an Ausländer ohne höhere Erlaubniß verkauft werden, ebenso Häuser in Wien“ (20. August 1565); S. 364: „Advocaten-Ordnung (Korneuburg 23. December 1570); S. 400: „Maximilian’s II. Mandat in Betreff von Erlaubniß-Scheinen für alle nach Oesterreich Reisenden zur Abhaltung des herrenlosen Gesindels“ (Wien 21. Mai 1571).
II. Porträte. 1) Blaschke sc. (8°.); – 2) D. Custos sc., aus der Ambraser-Sammlung (gr. Fol.), ganze Figur; – 3) P. Soutman p., R. Gaillard sc. (8°.); – 4) H. S. Lautensack fec. 1555 (Fol.), im Alter von 28 Jahren [ein schönes und kostbares Blatt]; – 5) M. Rota sc. 1573 (Fol.).
III. Medaillen. 1.) Augsburger Reichstag vom Jahre 1566. – 2) Sterbemedaille vom Jahre 1576. – Vergleiche übrigens das „Verzeichniß der von dem k. k. Feldmarschall-Lieutenant Ludwig de Traux in Wien hinterlassenen Münz- und Medaillen-Sammlung“ (Wien 1856, 8°.) Nr. 138–143, 743–747 und 2714 bis 2718.

Anmerkungen (Wikisource)