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BLKÖ:Grimani, Peter

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Grisellini, Franz
Band: 5 (1859), ab Seite: 352. (Quelle)
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Grimani, Peter (Doge von Venedig, geb. in Venedig 1677, gest. ebenda 7. März 1752). Aus einer ausgezeichneten Venetianer Familie stammend, erhielt er [353] eine gediegene Bildung, widmete sich den Diensten der Republik und wurde Senator, Statthalter in Friaul, außerordentlicher Gesandter am Hofe der Königin Anna von England, dasselbe am Wiener Hofe, wo er die Allianz der Republik mit Kaiser Karl VI. gegen die Türken verhandelte, Procurator von St. Markus und seit 1741 Doge, als solcher der 116. der Republik und Nachfolger Ludovico Pisani’s. G. glänzte als Redner, ebenso als philosophischer, als welcher er sich bewährte, da er in der königl. Akademie zu London, deren Mitglied er war, in Gegenwart Newtons über die Astronomie mit Geist und Begeisterung sprach; wie als politischer, als welcher er im Senat und im großen Rathe die wichtigsten Staatsangelegenheiten voll Energie und mit staatsmännischer Weisheit darlegte und vertheidigte. Als nach Kaiser Karls VI. Tode Europa’s Mächte meineidig an der großen Maria Theresia handelten, und gerade Italien der Kriegsschauplatz wurde, auf welchem die Rechte der Tochter Karls VI. ausgefochten werden sollten, bewahrte Venedig streng seine Neutralität. Unter den mannigfachen Streitigkeiten, welche G. mit dem päpstlichen Stuhle auszutragen hatte, gedenken wir einer zu Oesterreich in naher Beziehung stehenden. Es handelte sich um das Patriarchat von Aquileja, für welches das Besetzungsrecht Oesterreich und Venedig, jedes für sich, geltend machten. Papst Benedict XIV. wurde zum Schiedsrichter erwählt, und erließ am 19. Nov. 1749 ein Breve, nach welchem Venedigs Senat für jenen Theil des Gebiets, das der Republik gehörte, das Besetzungsrecht besaß, zugleich aber für den Oesterreich gehörigen Theil ein apostolischer Vicar bestellt wurde, um die österreichischen Unterthanen der Jurisdiction des venetianischen Patriarchen zu entziehen. Diese Lösung der Streitfrage mißfiel dem Senat, welcher protestirte. Benedict XIV., um diese Protestation unbekümmert, ernannte am 27. Juni 1750 zum Bischof in partibus und apostolischen Vicar von Aquileja den Grafen d’Artimis, Canonicus von Basel. Die Republik rief nun ihren Gesandten aus Rom zurück und rüstete. Da traten die Könige von Frankreich und Sardinien als Vermittler auf und die Sache wurde in folgender Art beglichen: Das Patriarchat von Aquileja wurde aufgehoben, die Diöcese in zwei Erzbisthümer getheilt, deren eines, das von Udine, vom Senat, das zweite, von Görz, von Oesterreich besetzt wurde. G. war als Staatsmann ein Freund und Förderer der Wissenschaften, und dies zu einer Zeit, als die italienische Sprache und Literatur noch sehr an der geistigen Versunkenheit des 16. Jahrhunderts kränkelte. G. war Mitglied der Arcadier, in deren gesammelten Dichtungen die seinigen mit dem Namen Almiro Elettreo vorkommen. In seinem Nachlasse befanden sich 12 große Octavbände, in welchen seine Erlässe, Berichte und öffentlichen Reden, in den wichtigsten Angelegenheiten des Staates vorgetragen, gesammelt waren. Grimani besaß eine reiche und sehr werthvolle Bibliothek, welche, wenn er von den Staatssorgen ausruhen wollte, sein geliebtes Asyl war. Bei seiner großen Gelehrsamkeit und Bücherkunde erklärt es sich, daß in den Werken der zeitgenössischen Schriftsteller des In- und Auslandes seines Namens so oft und stets in rühmlicher Weise gedacht wird und mehrere derselben ihm gewidmet sind. Die Universität von Padua ehrte ihn und sich, als sie anläßlich seiner Wahl zum Dogen die Errichtung einer Statue mit einer rühmenden Inschrift beschloß. Als G. im hohen Alter von 75 Jahren starb, hielt Monsignor Bartol. Schiantarello in Gegenwart des Senates die [354] Leichenrede; der Leichnam wurde in der Familiengruft zu S. Andrea della Certosa bestattet.

Dandolo (Girolamo), La caduta della repubblica di Venezia ed i suoi ultimi cinquant’anni. Studii storici (Venedig 1856, Naratovich, 8°.) S. 140 [nach diesem gest. 24. Febr. 1752]. – Daru, Histoire de Venise ... V. Bd. XXXV. Buch, S. 182–200. – Biografie dei Dogi di Venezia (Venedig, Grimaldo, 4°.) Seconda edizione. II. Bd.: „Centoquindicesimo Doge di Venezia“ [daselbst befinden sich auch Abbildungen von drei Medaillen, geprägt zu Ehren des Dogen Peter und mehreren seiner Verwandten, eines zweiten Peter (geb. 7. Juli 1699, gest. 1759), der ein tüchtiger Seemann war; und Franz G., auf den die Denkmünze im J. 1761 geprägt worden]. – Porträt. Unterschrift: Pietro Grimani. A. Nani dis. e inc. 4°. (Venedig 1855).