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BLKÖ:Flatz, Gebhard

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Fleckles, Leopold
Band: 4 (1858), ab Seite: 264. (Quelle)
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Flatz, Gebhard (Maler, geb. zu Wolfurt, einem Dorfe bei Bregenz in Vorarlberg 11. Juni 1800). Von unaufhaltsamem Kunsttriebe fortgetragen, begann er seine ersten Studien in der Akademie zu Wien, begab sich dann auf eigene beschränkte Mittel angewiesen nach München, wo er Cornelius kennen lernte und dann nach Rom, wo er mit Unterbrechung eines kurzen Aufenthaltes in Innsbruck sich bleibend niederließ und in dieser zweiten Heimath glücklich lebt und schafft.[BN 1] In Rom bildete er sich an Fiesole und Raphael und widmet seine Kunst ausschließlich nur religiösen Gegenständen, so daß sich seine Kunstthätigkeit gleichsam zu praktischem Gebete und werkthätigem Gottesdienste erhebt. Mit Overbeck (dem älteren), dessen inniger Freund er ist, theilt er den Ruhm, zu den besten deutschen Malern der Gegenwart auf religiösem Gebiete zu zählen und der Erreichung des Losungswortes beider: „die Kunst muß eine christliche sein oder vielmehr werden“ emsig nachzustreben. In Rom genießt F. großen Ansehens; berühmte Maler und Bildhauer des In- und Auslandes halten auf sein Urtheil, und österreichische wie fremde Künstler suchen in der hoffnungslosesten Bedrängniß bei F. nie vergebliche Zuflucht. Sein Atelier – in der Regel Samstags dem Besuche der Fremden geöffnet – wird auch außer dieser festgesetzten Zeit besucht. Seine Bilder sind im Vaterlande selten und wandern meistens in das kunstsinnige Ausland nach England und Nordamerika. Bisher sind von seinen Arbeiten bekannt geworden: „Paris wird von Hektor zum Kriege aufgefordert“ (1827), im Museum zu Innsbruck; – „Verklärung des heil. Franziskus“ (1845), Hochaltarbild in der Franziskanerkirche zu Schwatz; – „Allegorie der Menschwerdung Christi“ (1842); – „Madonna mit dem Kinde“ (1843); – „Abraham empfängt die drei Engel“; – „Die kniende Madonna ihr Kindlein anbetend“, wird für das vollendetste gehalten, was F. bisher schuf; – „Fiesole nach einer Vision dir Madonna malend, unter dem Beistande des heil. Lukas und von Engelein bedient“; – „Maria zu Bethanien mit Martha, Johannes und Lazarus die Worte des Herrn anhörend“; – „Christus wendet auf Maria’s Fürbitte den Seelen im Fegfeuer den Gnadentrost des Opferblutes zu“ (1854); – „Heilige Magdalena“ (Eigenth. des Hochw. Hrn. Jos. Willim, im Febr. 1853 im östr. Kstv. ausgestellt); – „Der Stifter der Figlie del sagro cuore di Gesù in Trient (conte Gius. Benaglio), Bischof von Lodi, empfiehlt die Schwestern [265] mit den ihnen anvertrauten Kindern dem Schutze Christi“ (Altarbild für Trient); – „Maria und Joseph beten den neugebornen Heiland an“ (in der Privathofcapelle in Wien); – „Trauer des heil. Joseph, als er im Begriffe steht, Maria zu verlassen“ (als Altarbild im Vorarlberg’schen und als Gemälde in Brüssel); – „St. Franziskus Xaverius auf dem Todtenbette“. In neuester Zeit ist er mit einem Cyclus von fünf großen Bildern für eine Privatcapelle in England beschäftigt. Eines dieser Gemälde mit Figuren, bedeutend über Lebensgröße, war im J. 1858 vollendet, nämlich die „Heimkehr der Gottesmutter und des heil. Joseph mit dem zwölfjährigen Jesus aus dem Tempel“. Auch sind von F. aus früherer Zeit wohlgetroffene und charakteristische Porträte in Gouache auf Elfenbeinpapier vorhanden.

Wiener Zeitung. 1858, Abendblatt vom 4. Juni (Nr. 125): „Aus Rom 27. Mai 1858“ [mit ausführlichen und den neuesten Nachrichten über diesen Künstler, in welchen er als etwa 55 Jahre alt angegeben wird]. – Staffler (Joh. Jak.), Das deutsche Tyrol u. Vorarlberg, topogr. … (Innsbruck 1847, Rauch, 8°.) I. Bd. S. 34 [nach diesem geb. 11. Juni 1811]. – Müller (Fr. Prof.), Die Künstler aller Zeiten u. Völker (Stuttgart 1857, Ebner u. Seubert, Lex. 8°.) II. Bd. S. 69 [bemerkt, „daß F. im Colorit den Vorzug vor Overbeck habe, indem seine Farbe so frei sei, wie die Natur seiner Heimat“]. – Frankl (Ludw. Aug. Dr.), Sonntagsblätter (Wien, gr. 8°.) 1843 (II. Jahrg.) S. 471 [wird seine Madonna mit dem Kinde in der Gesammtordnung ein „Liebliches und trefflich Behandeltes“ genannt]. – Ebenda 1844 (III. Jahrg.) S. 772 und – Ebenda 1847 S. 240: „Skizzen aus Tyrol“ von A. Pichler (S. 242 u. 243) [wird sein historisches Bild, welches sich im. Museum von Innsbruck befindet: „Ferdinand erblickt Philippine Welser am Fenster“ eine „Pinselei“ (!) genannt]. – Tirol. Künstler-Lexikon (Innsbruck 1830, F. Rauch) S. 53 [erscheint daselbst als Flätz]. – Katholische Blätter aus Tyrol. Redigirt von M. Huber (Innsbruck, Wagner) Jahrg. 1853, I. Bd. Nr. 3, S. 61: „Kirchliche Mittheilungen aus Rom“. – Illustrirtes Familienbuch. Herausg. vom östr. Lloyd in Triest. VI. Jahrg. 1855, 2. Hft. S. 51: „Kunst und Künstler in Rom“ von Rob. Waldmüller [enthält eine lebendige, interessante Skizze dieses und noch anderer Künstler, welche in Rom malen].

Berichtigungen und Nachträge

  1. E Flatz, Gebhard [Bd. IV, S. 264]. Der Künstler weilt fortwährend in Rom, übt aber die löbliche Sitte, von Zeit zu Zeit photographische Nachbildungen seiner Werke dem Innsbrucker Landesmuseum einzusenden, ein Vorgang, der Nachahmung verdient. Jeder Künstler, der eine gewisse Bedeutung erreicht, sollte dem Museum oder dem Kunstverein oder in Ermanglung derer einer Anstalt seiner Heimat, die zunächst zur Ansammlung von dergleichen berufen ist, photographische Nachbildungen seiner Werke mit Angabe des Jahres, wann das Werk entstanden, und des Besitzers, der es vom Künstler selbst übernommen, zukommen zu lassen. Eines seiner neuesten Werke ist ein Cyklus von Wandgemälden, den „Lehrgang Christi“ behandelnd.
    Volks- und Schützen-Zeitung (Innsbruck, 4°.) 1864, Nr. 34. – Wiener Zeitung 1867, Nr. 117, S. 562. – Illustrirtes Familienbuch des österreichischen Lloyd (Triest, 4°.) VI. Band (1856), S. 51, im Texte. [Band 26, S. 379]