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BLKÖ:Ferg, Franz de Paula

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Ferenczy, Therese
Band: 4 (1858), ab Seite: 184. (Quelle)
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Ferg, Franz de Paula (Landschaftsmaler und Aetzer, geb. zu Wien 2. Mai 1689, gest. zu London 1740). Besuchte anfänglich die Schulen in Wien, widmete sich aber später der Kunst, für die er eine vorherrschende Neigung besaß. Sein Vater, selbst ein mittelmäßiger Maler, schickte den Knaben nach Wiener-Neustadt zu einem gewissen Baschueber, der, ein talentloser Schmierer, eher das Talent des Knaben zu vernichten, als zu bilden geeignet war. Nachdem F. mehrere Jahre in dieser elenden Schule zugebracht, rief ihn sein Vater nach Wien zurück und wünschte, daß sein Sohn sich in der historischen Malerei versuche, allein seine Neigung hatte sich bereits für die Studien eines Callot und Seb. Le-Clerc entschieden. Ein günstiger Zufall führte ihn in das Haus des Malers Johann Graf, und bald darauf wurde er auch mit dem berühmten Landschaftsmaler Orient bekannt. Letzterer achtete das aufstrebende Talent des Jünglings in so hohem Grade, daß er ihm eine Wohnung [185] in seinem Hause antrug, und ihn selbst mit den nöthigen Geldmitteln unterstützte. Er hatte nun in seiner Ausbildung so große Fortschritte gemacht, daß er von dem Maler Alexander Thiele eine Einladung erhielt, zu ihm nach Dresden zu kommen. F. säumte nicht, seine Kunstreise anzutreten. 18. Oct. 1718 verließ er Wien. Mehrere Jahre hatte F. in Sachsen verlebt und große Fortschritte in der Kunst gemacht, als er eine Wanderung nach London zu machen beschloß. In London verliebte sich F. in die Tochter eines armen Porträtmalers und diese Liebe war die Quelle aller seiner künftigen Leiden. Kaum ward das Mädchen seine Gattin, als sie ihm durch ihre Ränkesucht und unerträglichen Launen die bittersten Stunden bereitete und durch ihren Hang zur Verschwendung ihn dem Bettelstabe nahe brachte. F. verlor durch diese Verbindung das dem Künstler so nöthige Gut einer kummerlosen Lage. Er mußte nun schnell arbeiten, und, um Geld zu gewinnen, seine Arbeiten tief unter ihrem Werthe verkaufen. Dieser nagende Kummer, der mit ihm zu Bette ging und mit ihm erwachte, untergrub seine Gesundheit und führte im Alter von 51 Jahren seinen Tod herbei, den er sich, wie er an seinen Freund Thiele schrieb, sehnlichst gewünscht hatte. Nach dem „Neuen Zeitungs- und Conversations-Lexikon“ (Wien 1812, gr. 8°.), wurde er vor seinem Hause todt liegend gefunden. Seine Oelgemälde sind selten. Die Belvedere-Gallerie besitzt von ihm zwei Oelbilder auf Kupfer gemalt, italienische Jahrmärkte vorstellend mit vielen kleinen Figuren und Gruppen. Er malte Landschaften, Marinen, Fischereien, Marktscenen, Stillleben u. d. m. Die Landschaften seines Lehrers und Freundes A. Thiele staffirte er mit Figuren, und besitzt deren mehrere die Dresdner Gallerie. Viele seiner Bilder wurden von tüchtigen Kupferstechern als Wagner, Th. Major, Couché, Keill, Geyser, Vivarez u. A. in Kupfer gestochen. F. selbst gab eine kleine Suite radirter Blätter: „Caprici fattiper F. F.“ (London 1726, 8 Blätt.) heraus, welche äußerst selten sind, und Landschaften, Ruinen, Fontainen mit niedlichen Figuren vorstellen.

Wiener Modezeitung, herausgeg. von Schickh 1835, S. 1209: „Franz Ferg. Ein Beitrag zu Oesterreichs Kunstgeschichte“ von Budik [mit der unrichtigen Bemerkung, daß Fergs Biographie in Gräffers Oestr. National-Encyklopädie fehle, sie befindet sich daselbst, wie die folgende Nachweisung zeigt]. – Oestr. National-Encyklopädie (von Gräffer und Czikann), (Wien 1835) VI. Bd. und Suppl. S. 436. – Dlabacz (Gottfried Johann), Allg. historisches Künstler-Lexikon für Böhmen (Prag 1815, 4°.) I. Bd. Sp. 388 [nach diesem 1698 geb., was unrichtig und überhaupt schwer zu erklären ist, wie der in Wien geborne und gebildete Ferg in das Lexikon böhmischer und mährischer Künstler kommt]. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1835 u. f., 8°.) IV. Bd. S. 280. – Fiorillo (J. D.), Geschichte der zeichnenden Künste in Deutschland und den vereinigten Niederlanden (Hannover 1815 u. f., gr. 8°.) [nennt den Künstler zu wiederholten Malen]. – Müller (Fr. Prof.), Die Künstler aller Zeiten u. Völker (Stuttgart 1857, Ebner und Seubert, Lex. 8°.) II. Bd. S. 30 [mit Beifügung seines Monogrammes]. – Annalen der bildenden Künste für die österr. Staaten, herausg. von H. Rud. Fueßli (Wien 1801, Schaumburg) I. Thl. S. 7. – Hagedorn, Lettre à un amateur p. 180–88. – Descamps, Vies des Peintres flamands, allemands etc. IV. Bd. S. 269 u. f. [Descamps charakterisirt F. wie folgt: „F. stellte wie Berghem und Wouwermann ländliche Feste dar. Seine Gemälde sind mit Ruinen und schöner Baukunst geziert; der Marmor und die Steine sind weder trocken noch kalt. Das Colorit hatte auf früheren Bildern italienische Wärme und Gluth, aber dann beobachtete er die Natur genauer und folgte ihrem Rathe. Seine Figuren sind mit Geist behandelt, ohne jedoch die Zartheit Wouwermanns zu besitzen.“] – Porträt. Unterschrift: Franciscus Ferg natus Vindobonae MDCLXXXIX. den. Londini MDCCXL unterm [186] Rand des Blattes: Se ips. pinx. Dresdae. J. F. Pause sc. Lipsiae 1767.