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BLKÖ:Fürstaller, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Fürst, Nikolaus
Band: 5 (1859), ab Seite: 12. (Quelle)
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Fürstaller, Joseph (Chartograph, geb. zu Gerling im Salzburgischen in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, gest. am Charfreitag 1775). Der Sohn eines Meßners; lebte bis in sein 18. Jahr im väterlichen Hause, wo er ohne Unterricht zu erhalten, zeichnete, und für die Bewohner der Umgebung hölzerne und eiserne Uhren verfertigte, Maschinen und andere Kunstwerke ausführte. Später trat er bei einem Tischler in die Lehre, besuchte aber, von dem Geistlichen in Kaprun, wo sein Vater als Meßner lebte, unterstützt, das Gymnasium in Salzburg. Schon hatte er den Gymnasialcurs beendet, als ihn der Zufall im Gasthofe mit einem Reisenden zusammenführte, der ihn überredete, mit ihm nach Italien zu gehen. F. besuchte nun Venedig, Rom, Neapel und war in letzterer Stadt durch völligen Geldmangel genöthigt, Militärdienste zu nehmen. Der schwere Dienst behagte ihm nicht, er desertirte zweimal, wurde eingebracht und für das erste Mai mit Gassenlaufen bestraft, das zweite Mal zum Tode verurtheilt. Die Fürsprache einer hohen Dame rettete ihm das Leben und er erhielt den Laufpaß. Nach 3jähriger Abwesenheit kehrte er in seine Heimat zurück, erhielt den Meßnerdienst seines mittlerweile verstorbenen Vaters und heiratete. Nun trieb er seine Lieblingsbeschäftigungen, studirte Mathematik, Mechanik, Astronomie, zeichnete, stach in Kupfer, entwarf Karten u. dgl., wodurch er die Aufmerksamkeit des Erzbischofs Sigismund Christoph Fürsten von Schrattenbach auf sich zog. Dieser übertrug ihm nun die Ausführung geometrischer Karten für sämmtliche Pflegegerichte des Erzbisthums und Landes Salzburg, womit F. im Jahre 1765 zu Stande kam, und dafür 420 fl. und ein monatliches Wartegeld von 5 fl. erhielt; auch wurde er von seiner Meßnerstelle in Kaprun nach Bramberg in gleicher Eigenschaft übersetzt. Nun verfertigte er mit bedeutenden Unkosten für die Universität in Salzburg den großen Erdglobus, der sich noch am dortigen Gymnasium befindet. Dafür erhielt er vom Erzbischof einen lebenslänglichen Gnadengehalt von jährlichen 80 fl., und als er in Armuth starb, seine Witwe eine Gnadengabe von 60 fl. Seine chartographischen Werke sind: „Das uralte hohe Erzstift und Fürstenthum Salzburg in seine Pfleg- und Landgerichter abgetheilt und mit denen angrenzenden Orten vollkommener als vorhero entworfen“; – „Atlas Salisburgensis oder wahrhafter geographischer Entwurf aller und jeder in dem uralt hohen Erzstift und des h. Rom. Reichs Fürstenthum Salzburg befindlichen Pfleg- und Landgerichten“ (1765). Dieser Atlas besteht aus 34 Karten; er kam durch Schenkung des Erzbischofes an den Baukommissär Geyer, wurde nach dessen Tode (28. April 1791) öffentlich versteigert und von dem Landschaftskanzler von Schidenhofen (um 7 fl. 30 kr.) erstanden. Wohin er dann gekommen, ist nicht bekannt. Außer diesen Arbeiten vollendete F. eine Mappe vom Pinzgau [13] für die Registratur in Saalfelden, mehrere Handzeichnungen der Salzburger Alpengegenden: „Filzstein“; – „Stamm“; – „Mitter- und Hinterplatten“; – „Gut Poggen“; – eine „Flusskarte zur Ueberwerfung des Salzastroms im Obern Pinzgau“ u. m. A. welche auf dem Schloße Mittersill aufbewahrt wurden. F., ein Zeitgenoß des berühmten Tyrolers Peter Anich (s. d. I. Bd. S. 41), wird allgemein der Peter Anich von Salzburg genannt. Ein trauriges Geschick hinderte die Entfaltung und entsprechende Benützung seines reichen Geistes, der unter andern Umständen Ausgezeichnetes hätte leisten müssen.

Baader (Clem. Alois), Lexikon verstorbener bairischer Schriftsteller des 18. u. 19. Jahrhunderts (Augsb. u. Leipzig 1825) des zweiten Bandes erster Theil S. 55. – Pillwein (Benedict), Biographische Schilderungen oder Lexikon salzburgischer, theils verstorbener theils lebender Künstler (Salzburg 1821, Mayer, 8°.) S. 54. – Salzburgisches Intelligenzblatt vom J. 1800, S. 791 und 1802, S. 673. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allg. Künstler-Lexikon (München 1835) IV. Bd. S. 523.