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BLKÖ:Beckh-Widmanstetter, Alois Joseph Franz Xaver von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 55 (1887), ab Seite: 258. (Quelle)
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Widmanstetter (Beckh-Widmanstetter), Alois Joseph Franz Xaver von (Director des k. k. Fabriksproducten-Cabinets, geb. zu Gratz 13. Juli 1754, gest. in Wien 10. Juni 1849). Ein Sohn des Johann Andreas Karl, studirte er zu Gratz und übernahm nach seiner Ausbildung die Leitung der ihm nach dem frühen Tode des Vaters zugefallenen Buchdruckerei. Das Interesse an diesem Geschäfte ward ihm verleidet, als im Jahre 1784 das der Familie Widmanstetter 1650 ertheilte, den Beckh-Widmanstetter 1668 erneuerte Privilegium der alleinigen Ausübung der Buchdruckerkunst in Steiermark im Verwaltungswege mit einem Federzuge aufgehoben wurde. Dasselbe konnte nach Gewährung der Preßfreiheit wohl nicht mehr bestehen; an Stelle der einfachen Aufhebung aber die Ablösung treten zu lassen, wäre vom Standpunkte des Rechtes entsprechend und billig gewesen. Die zahlreichen Versuche der Abwehr blieben ohne Erfolg. Dies verbitterte den seiner Naturanlage nach unzugänglichen und zu Sonderlichkeiten geneigten Mann. Im weiteren Verlaufe kam es mit dem Erbsanwärter der ein Fideicommiß bildenden Buchdruckerei zu Zwiespältigkeiten, die auch dann, als der Anwärter, des Haders müde, der von Alois angestrebten Pecunialisirung des Fideicommisses zustimmte, noch fortdauerten. Schon vorher hatte Widmanstetter seine Buchdruckerei und Buchhandlung verpachtet. Dann verkaufte er beide 1807 an seinen namhaftesten Concurrenten [259] Andreas Leykam, der durch die Vereinigung der zwei größten Officinen die Führung unter den Gratzer Buchdruckern übernahm. Aber auch nach der Verpachtung und dem Verkaufe der Buchdruckerei blieb Alois von Beckh-Widmanstetter, bekannter unter dem Namen „Widmanstätten“, dessen er sich gewöhnlich bediente, in den technischen Fächern und im Gewerbewesen thätig, nur hatte er nach eben erwähntem administrativen Machtspruch keine Lust, noch ferner dem eigenen, von seinen Vorfahren durch zwei Jahrhunderte in Blüte erhaltenen Geschäfte seine geistigen Kräfte zu widmen. Er machte nun, theilweise im Auftrage der Regierung, Reisen durch Oesterreich, Deutschland, Frankreich, England und Italien, und zwar, soweit dies thunlich war, als Fußwanderer. Als Erzherzog Johann 1815–1816 England bereiste, befand sich Widmanstetter in dessen Begleitung. Vermöge seiner Länderkenntniß galt derselbe als einer der tüchtigsten Gewerbekundigen in Oesterreich. Daraus wird es erklärlich, daß bald nach Beginn des gegenwärtigen Jahrhunderts bis in die 1830er-Jahre oft in technischen Fragen sein Rath eingeholt wurde, so bei Errichtung des polytechnischen Institutes, bei den meisten öffentlichen Bauten, besonders von Brücken in der Residenz, bei Einführung der Sparherde, bei allen Privilegienverleihungen und wo immer es galt, zweckmäßige Neuerungen oder wichtige Erfindungen im Gebiete praktischer Technik auf heimischen Boden zu verpflanzen. 1804 übernahm er die Leitung der k. k. privilegirten Pottendorfer Spinnfabrik und führte dieselbe bis 1807, in welchem Jahre Kaiser Franz das dann bis 1816 zu Wien bestandene k. k. Fabriksproducten-Cabinet errichten ließ, zu dessen Director Beckh-Widmanstetter bestellt wurde. Dieses neue Museum mit seinem Anschauungsunterrichte konnte allein den zunehmend steigenden Bedürfnissen nicht lange genügen. Es galt, eine technische Hochschule zu errichten. Die Gründung einer solchen ward durch das polytechnische Institut in Wien zur Wirklichkeit. Die Absicht, Alois von Widmanstetter zum ersten Director zu bestellen, ließ die Regierung wegen seines bereits vorgeschrittenen Alters fallen, und er trat mit einer Jahrespension von 2000 fl. 1817 in den Ruhestand. Wissenschaftlich thätig aber blieb der unverwüstlich regsame Mann bis in sein höchstes Greisenalter. Als Naturforscher ist er bekannt durch die nach ihm benannten „Widmanstetter’schen Figuren“, welche er durch Aetzen mit Salpetersäure im Jahre 1808 an einem Agramer Meteoreisen entdeckte. Der äußeren Erscheinung nach war er klein und unansehnlich, aber von zäher, ausdauernder Lebenskraft. Man erzählte von ihm, daß er noch als neunzigjähriger Greis in Gesellschaft seiner damals achtzigjährigen Schwester, der Priorin des Gratzer adeligen Damenstiftes, von Wien über den Semmering nach Gratz zu Fuß ging, denn die Postwagen mochte er einmal nicht leiden. Er war unvermält geblieben. Vermöge seiner Sonderlichkeiten verfiel er in den späteren Tagen seines Lebens einer stetig zunehmenden Vereinsamung. „Die Ereignisse des Jahres 1848“, schreibt Hofrichter, „wirkten zerstörend auf die ohnedies abnehmenden Lebenskräfte des Greises, welcher der Ruhe bedurfte, statt derselben aber Kanonendonner und Gewehrfeuer, Geheul des aufgehetzten Pöbels und alle Gräuel eines Bürgerkrieges in seiner nächsten Nähe sah und [260] hörte und infolge dessen sichtlich dahinsank, bis im 96. Lebensjahre der Tod ihn erlöste.“

Haydinger (Wilhelm Ritter von). Bemerkungen über die zuweilen im geschmiedeten Eisen entstandene kristallinische Structur, verglichen mit jener des Meteoreisens. In den Sitzungsberichten der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften mathematisch-naturwissenschaftlicher Classe, Bd. XV, 3. Heft, S. 354–360 [mehrmals genannt die „Widmanstetter’schen Figuren“]. – Hofrichter (Joseph Karl). Alois Beckh von Widmanstetter. Biographische Skizze in den Mittheilungen des historischen Vereines für Steiermark. II. Heft (1851), S. 144 –150. – Poggendorff (J. C.). Biographisch literarisches Handwörterbuch zur Geschichte der exacten Wissenschaften (Leipzig 1863, J. A. Barth, gr. 8°.) Bd. II, Sp. 1315. – Pokorny (Alois Dr.). Illustrirte Naturgeschichte des Mineralreiches [„Widmanstetter’sche Figuren“]. – Schlossar (Anton Dr.). Erzherzog Johann von Oesterreich und sein Einfluß auf das Culturleben der Steiermark (Wien 1878). Im Register öfter citirt.