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Am Fischotterbau

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
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Autor: Karl Brandt
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Titel: Am Fischotterbau
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 10, S. 164
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1896
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[157]

Am Fischotterbau.
Nach einer Originalzeichnung von O. Vollrath.

[164] Am Fischotterbau. (Zu dem Bilde S. 157.) Der gefährlichste Fischräuber unserer Gewässer ist der Otter, und wo er seine Wohnung aufgeschlagen – sei es an einem Teiche, sei es an einem Bache – kann sehr bald der Fischer merken, daß er eine unliebsame Konkurrenz bekommen hat. Der Teich wird leer, der Bach fischarm. Aber wenn auch der Fischer allen Grund hat, ihm wegen seiner Thaten zu grollen, so zieht der Otter doch durch seine körperliche Gewandtheit im Wasser, durch seine Schwimmkünste und seine pfeilgeschwinden eleganten Bewegungen in den klaren Fluten die Augen und die Herzen an ebenso wie Reineke, den der Jäger haßt und der Beobachter liebt. Doch ein Otter ist ein heimliches Tier und es ist nur ein glücklicher Zufall, ihn im Freien beobachten zu können.

Obgleich er im Körper nur etwa so stark wie ein Fuchs, aber langgestreckter, muskulöser und bedeutend niedriger auf den Läufen ist, muß er im Wasser eine Kraft haben, die ans Wunderbare grenzt. Ich habe nämlich vor Jahren an der Weser ein über fußlanges Stück vom Kopfe eines Lachses gefunden, der mindestens 16 bis 18 Pfund gewogen hatte und, wie die Spuren bewiesen, von einem Fischotter ans Land geschleppt und zum Teil verzehrt war. Wenn man bedenkt, daß ein Lachs die Kraft hat, ein zehn Fuß hohes Wehr mit Leichtigkeit zu überspringen, und sich dann vorstellt, daß ihn ein Räuber, der nicht viel schwerer ist als er selbst, in seinem eigenen Elemente angreift, packt und überwältigt, so muß man vor der Kraft und Gewandtheit des Otters staunen. Gewöhnlich sind es jedoch nur kleinere Fische, die er fängt und sofort an Ort und Stelle verzehrt. Ganz kleine Fische verschluckt er im Wasser, mit mittelschweren und starken schwimmt er ans Land. Die geringeren nimmt er zwischen die Pfoten und beißt, beim Kopf anfangend, Stück für Stück ab, ohne sich um die Gräten zu bekümmern, während er bei stärkeren Fischen geschickt das Fleisch von den Gräten zu trennen weiß.

Er hat die Gabe, sehr lange unter Wasser bleiben zu können, und ein Beobachter schreibt, daß der Otter, wenn er sehr weite Strecken unter Eis fortzutauchen gezwungen wäre, unter Wasser ausatmete und die sich hierdurch unter dem Eise bildende Luftblase, die aus dem Wasser schon wieder etwas Sauerstoff aufgenommen hätte, wieder einatmete und so fort, bis er eine freie Stelle fände. Im allgemeinen sind aber die Luftblasen, die aufsteigen, wo ein Otter unter Wasser schwimmt, kein Atem, wie vielfach geglaubt wird, sondern Luft, die zwischen Grannen und Wollhaar hängen geblieben ist und nach und nach entweicht. Diese Luft verleiht auch dem Tiere die auffallend helle Farbe, die es unter Wasser hat. – Der Künstler Otto Vollrath aus München, selbst ein großer Jäger vor dem Herrn, führt uns auf seinem Bilde eine Scene aus einer Fischotterjagd vor mit den beiden Erdhunden, welche heute in Deutschland die beliebtesten sind, dem englischen Foxterrier und dem Teckel. Der Jäger hat die Spur des Otters, die leicht an den Schwimmhäuten kenntlich ist, am sandigen Ufer des Baches gefunden, hat seine Hunde gelöst, und stromaufwärts suchend, haben dieselben unter dem dichten unterspülten Wurzelwerk einer mächtigen Schwarzpappel das Versteck ihres Wildes gewittert. Die Fluchtröhre liegt aber halb unter Wasser, und da die Hunde geradeaus nicht an den Feind kommen können, bemühen sich beide, sich von oben und seitwärts durchzuarbeiten. Sobald der Otter aber merkt, daß es draußen nicht geheuer ist, gleitet er fast unhörbar in die Flut und sucht tauchend seinen Feinden zu entrinnen. Aber der Jäger hat aufgepaßt – er sieht das Wasser sich kräuseln und eilt, so rasch er kann, nach einer seichten Stelle des Baches, wo das Wasser rauschend über die Kiesel läuft. Fast gleichzeitig mit ihm ist auch der Otter schon dort, doch es knallt und Raby Trickster und Erdmann stürzen sich ins Wasser und packen und würgen ihren Todfeind. Karl Brandt.