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Alexander von Humboldt’s Tod und Leichenbegängniß

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Textdaten
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Autor: Max Ring
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Titel: Alexander von Humboldt’s Tod und Leichenbegängniß
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 22, S. 315–318
Herausgeber: Ferdinand Stolle
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1859
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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Alexander von Humboldt’s Tod und Leichenbegängniß.

Der Fürst der Wissenschaft, der erhabene Herrscher von Gottes Gnaden im Reiche der Geister ist nicht mehr.

Alexander von Humboldt starb am 6. Mai 1859.

Neunzig Jahre waren ihm geschenkt, ein seltenes Alter von ungeschwächter Kraft. Die Natur, welche sich in ihm erschaute und durch ihn erfaßte, schien zu zögern, ihr eigenes Meisterwerk und Organ zu zerstören.

Ihm wurde ein ungewöhnliches Glück zu Theil, neidlose Anerkennung seiner Zeitgenossen, Unsterblichkeit, während er noch lebte.

An seiner Leiche trauert die ganze Welt, nicht Länder, sondern [316] Erdtheile. Das Vaterland hilft seiner Familie, fremde Nationen seinem Volke um ihn trauern.

War er auch kein Initiator in der Wissenschaft, wie Newton, kein Entdecker, wie Lavoisier, kein Begründer neuer Systeme, wie Linné und Cuvier, so war er dafür der geistige Brennpunkt, der all’ die vereinzelten Strahlen sammelte, ein Meer der Erkenntniß, in das alle Ströme und Quellen mündeten. Was er von ihnen empfing, gab er ihnen tausendfältig wieder.

In Ihm feierte die deutsche Universalität ihren höchsten Triumph.

Wie Goethe eine Weltliteratur, so schuf Humboldt eine Weltwissenschaft.

Er schlang ein geistiges Band um die fernsten Regionen, einen Freundschaftsbund um die edelsten Geister aller Völker, der vom Osten zum Westen, vom Nordpol bis zum Südpol reichte. Er bildete jene Kette von Forschern und Beobachtern, die durch ihn zu einem gemeinschaftlichen Wirken erst verbunden wurden. Der Mathematiker in seiner einfachen Studirstube, der Astronom auf seiner nächtlichen Sternwarte, der kühne Reisende, welcher die Wüste durchirrte oder mit Lebensgefahr die nie erstiegenen Gipfel der Bergesriesen maß, der Seefahrer auf dem unergründlichen Ocean blickten auf ihn als den Leitstern und die Magnetnadel, welche ihnen den Weg vorzeichnete. Von ihm erhielten sie Inspiration, Lehren, Richtung und in den meisten Fällen geistige und selbst materielle Unterstützung. Sein Auge verfolgte sie auf ihren Bahnen, sein Rath ebnete ihren Pfad, sein Name reichte hin, um sie zu schützen und ihnen das mühevolle Werk zu erleichtern.

Was sie erforscht, erhielt durch ihn erst seine Deutung; was sie gefunden, durch ihn erst seinen Werth und seine Stellung in der Wissenschaft.

Stets behielt er das Ganze im Auge; er blieb der Mittelpunkt jenes großen wissenschaftlichen Kreises, von dem aus diese Radien nach der äußersten Peripherie liefen und wiederkehrten. Durch diese Stellung gelang es ihm, das Zerstreute zu sammeln, das Zerstückelte zu einen, das Chaos zu ordnen, die ohne Plan umhergeworfenen Bausteine zu jenem unsterblichen Tempel zusammenzufügen, den er selbst Kosmos, d. h. Schmuck, nannte.

So wurde der Gelehrte zum Dichter, der ja die in tausend Stücke gebrochene Welt zur Einheit der Idee erheben soll, zum Künstler, der den rohen Stoff durch die schöne Form und die meisterhafte Vollendung der Sprache beherrschte und verklärte.

Aus diesem innigen Verständniß der Natur und aus einer tiefen Weltauffassung entsprang Humboldt’s Liebe zur Menschheit, die im engeren wie im weiteren Kreise herrlich strahlte. Seine Humanität bekundete sich in der regen Theilnahme für den Einzelnen, wie für das ganze Volk.

Im Gegensätze zu den meisten deutschen Gelehrten, welche entweder aus geistigem Dünkel oder aus Bequemlichkeit sich in ihrer Studirstube isoliren, lebte Humboldt seinen Freunden, der Gesellschaft und dem Staate, dessen Entwickelung er mit warmem Herzen verfolgte.

Er war der treueste und gefälligste Freund, aber auch bis zur Selbstverleugnung human gegen jeden Fernerstehenden, bei dem er ein redliches Wissen oder Streben voraussetzen durfte. Die Zahl der jungen Männer, welche ihm Förderung und Unterstützung auf ihrer Laufbahn zu verdanken haben, ist Legion. Niemand ging ungetröstet oder ohne Hülfe von seiner gastlichen Schwelle. Seine Stellung und seinen Einfluß, der sich bis in die höchsten Regionen und zu den fernsten Ländern erstreckte, benutzte er nur, um wohlzuthun.

Sein gesellschaftliches Talent war ohne Gleichen, da er die Gabe der Unterhaltung, verbunden mit dem reichsten Wissen, in einem bewunderungswürdigen Grade besaß. Ihm allein war es verliehen, im fürstlichen Salon, wie im einsamen Zwiegespräch zu bezaubern, gelehrt, und doch nicht pedantisch zu sprechen, klar und liebenswürdig, und doch nicht seicht und oberflächlich zu sein.

Diesem einzigen Talent hatte Humboldt zum Theil seine außerordentliche Stellung zu dem preußischen Königshause zu verdanken.

Er war der Freund und Gesellschafter seines Monarchen, ohne darum minder der Freund seines Volkes zu sein.

Mit der aufrichtigsten Liebe zu dem Könige, mit der treuesten Loyalität verband er das lebendigste Gefühl für Freiheit.

Am Hofe lebend wurde er darum nicht zum Höfling, indem er stets den „Muth der Ueberzeugung“ sich bewahrte. Zu einer Zeit, wo die Rückschrittspartei das Ruder des Staates in ihren Händen hielt, sprach er kühn für die Freiheit der Lehre und Wissenschaft. Er war, wie ein berühmter Universitätslehrer ihn bezeichnete, ein Bollwerk, an dem sich die Wogen der Reaction brachen; seine bloße Existenz eine Bürgschaft für den Fortschritt auf geistigem Gebiete. So lange diese Sonne an dem Himmel der Wissenschaft in Preußen leuchtete, konnte es nicht völlig Nacht werden.

So lebte, wirkte und arbeitete Humboldt für die Welt, wie für sein Vaterland.

Geistig noch frisch, fühlte er jedoch in dem letzten Jahre eine bedeutende Abnahme seiner körperlichen Kraft. Der Unermüdliche und Rüstige klagte jetzt öfters über Schwäche, mit einer Ahnung, die bei ihm fast an Gewißheit grenzte, sprach er von der Nähe seines Todes und daß er das Jahr 1860 nicht mehr erleben würde. Schon seit dem October des vergangenen Jahres litt Humboldt an einem bedenklichen Lungenkatarrh, der ihn jedoch nicht hinderte, mit rastloser Thätigkeit seine gewohnten Arbeiten zu vollenden. Erst am 21. April dieses Jahres steigerte sich das Uebel zu einer solchen Höhe, daß er sich gezwungen sah, das Bett zu hüten. Die herbeigerufenen Aerzte hielten zwar die Krankheit an sich nicht für gefährlich, wohl aber den immer mehr zunehmenden Schwächezustand. Die Gefahr, in welcher der hochgeehrte Greis schwebte, erregte sogleich die allgemeinste Theilnahme. Wie bei dem Erkranken eines mächtigen Herrschers wurden von dem Augenblicke an, wo sich das Leiden verschlimmerte, Bulletins über sein Befinden durch die öffentlichen Blätter und Zeitungen täglich ausgegeben. Aber weder die sorgfältigste Pflege, noch die Kunst der vorzüglichsten Aerzte vermochte den befürchteten Ausgang abzuwenden. Bis zum letzten Augenblicke bei voller Besinnung, hatte die Schwäche dermaßen zugenommen, daß er am Morgen seines Sterbetages die Sprache verlor. An dem Nachmittage des 6. Mai um 2 Uhr 32 Minuten hatte Humboldt zu leben aufgehört. Er starb in der Armen seiner nächsten Anverwandten, umgeben von seiner Dienerschaft. Der selbst schwer erkrankte Kammerdiener Seiffert konnte nicht zugegen sein, um seinem Herrn im letzten Augenblicke beizustehen.

Sogleich wurde die Nachricht von Humboldt’s Tode dem Prinz-Regenten auf seinen ausdrücklichen Befehl überbracht. Schon während der Krankheit hatte es der hohe Fürst an den rührendsten Beweisen seiner Theilnahme nicht fehlen lassen, indem er dem verehrten Patienten noch wenige Tage vor seinem Ende einen längeren Besuch abstattete und die liebenswürdigsten Worte voll Trost und Hoffnung an ihn richtete. Auf die erhaltene Trauerkunde eilte jetzt der Regent nach dem Sterbezimmer, jenem einfachen Schlafgemache, worin der größte Gelehrte seiner Zeit so eben seinen unsterblichen Geist ausgehaucht hatte. Vor dem schlichten Bettgestell aus Fichtenholz neigte der Fürst demüthig sein Haupt, tief ergriffen von dem gewaltigen Eindrucke.

Die irdische Majestät beugte sich vor der Majestät des Todes; das Herrscherthum brachte seinen Zoll dem Könige der Geister dar, auf dessen bleiche Stirn die unsichtbare Krone der Unsterblichkeit, die Glorie der Wissenschaft bereits sich strahlend herniedergelassen hatte.

Es war dies ein historischer Moment, die geschichtliche Anerkennung, daß Preußen jetzt wie immer im Schutze und in der Achtung der Wissenschaft seinen Beruf und seine Größe findet.

Am nächsten Tage wurde die Leiche in den einfachen Sarg gelegt und in dem bekannten Bibliothekzimmer Humboldt’s, umgeben von Palmen und tropischen Gewächsen, unter denen der Lebende einst so gern gewandelt, öffentlich ausgestellt. Der Andrang des Publicums aus allen Ständen war ein großer; Jeder beeilte sich, noch einmal die verehrten Züge zu sehen und der Erinnerung einzuprägen.

Es war ein ergreifender Anblick.

Mit ehrfurchtsvollem Schauer betrat die Menge jene geheiligten Räume, welche der größte Genius der Gegenwart so lange Zeit bewohnt. Zwei Diener hielten die Todtenwacht und erzählten unter Thränen, wie geduldig der Verblichene seine Leiden bis zum letzten Augenblicke ertragen. Sein Tod war so sanft, wie das Einschlafen eines Kindes, ohne jeden schmerzlichen Kampf.

Ein unaussprechlicher Friede ruhte auf den ausdrucksvollen Zügen, welche die Hand der Verwesung zwar schon berührt hatte, aber noch nicht auszulöschen im Stande gewesen war.

Auf Befehl des Prinz-Regenten hatte der Oberhofmarschall Baron von Stillfried das Programm der Leichenfeier, wie dies sonst nur beim Ableben eines gekrönten Hauptes gebräuchlich ist,

[317]

Der Prinz-Regent von Preußen am Sterbelager
Alexander von Humboldt’s.

[318] entworfen und durch die Zeitungen veröffentlicht. Darnach sollte die Leiche zunächst nach dem Dome gebracht, daselbst eingesegnet und dann nach dem Erbbegräbnisse der Familie Humboldt in dem ihr zugehörigen Gute Tegel geführt werden.

Schon am frühen Morgen des festgesetzten Tages, Dienstag, den 10. Mai, verkündigte das Strömen der Bevölkerung ein ungewöhnliches Schauspiel. Vor dem Trauerhause in der Oranienburgerstraße, längs der großen Friedrichsstraße und den Linden bis zum Dome bildete die Menge ein dichtes Spalier, welches in schweigender Ehrfurcht den Leichenzug des großen Todten Stunden lang erwartete. Man sah es den meisten Gesichtern an, daß nicht Neugierde, sondern wahre Theilnahme Alle beseelte. Trotz des großen Gedränges fand nicht die geringste Störung statt; die Zuschauer beobachteten die würdigste Haltung. Die meisten Läden waren geschlossen, und aus vielen Häusern wehten große schwarze Trauerfahnen.

Um halb neun Uhr ertönten die Glocken der Kirchen, und der Zug setzte sich in Bewegung. Derselbe wurde von der Dienerschaft des Verewigten und der ganzen Humboldt’schen Familie eröffnet; hierauf folgte die Deputation der Studirenden mit ihren Marschällen, welche weiße Stäbe mit Trauerflören trugen. Ihnen schlossen sich die Lehrer sämmtlicher Schulen und wissenschaftlicher Anstalten an. Eine gedämpfte Trauermusik stimmte den Choral: „Jesus meine Zuversicht“ an. Dem Sarge voran ging die Geistlichkeit, vertreten durch die freisinnigen Prediger Sydow und Jonas, an ihrer Spitze der Generalsuperintendent Dr. Hoffmann.

Jetzt kam der Leichenwagen, gezogen von den Pferden des königlichen Marstalls, zu beiden Seiten desselben gingen die Hoflakaien in ihrer prachtvollen Staatsuniform und sechzehn Palmenträger, die Palme des Friedens in ihren Händen schwingend.

Beim Anblicke des Sarges grüßte das ganze Volk mit entblößtem Haupte die sterblichen Ueberreste des Unsterblichen. Auch die Augen der Männer wurden feucht; denn Jeder fühlte tief den unersetzlichen Verlust für die Wissenschaft, den zunächst seine Vaterstadt und mit ihr die ganze Welt erlitten.

Dem Leichenwagen zunächst wurden die Insignien des schwarzen Adlerordens und anderer Auszeichnungen, die dem Verewigten zu Theil geworden, von den Grafen Fürstenberg-Steinheim, Dönhoff und Baron von Zedlitz auf rothsammtenen Kissen nachgetragen. Hierauf folgten die leidtragenden Familienglieder, an ihrer Spitze der General von Hedemann, der Neffe des Verstorbenen.

In unabsehbarem Zuge schloß sich jetzt das Staatsministerium, die Generalität und die höchsten Chargen des Hofes an, darunter die Generäle von Wrangel und Graf von der Gröben. Durch zahlreiche Deputationen waren die beiden Häuser des Landtages vertreten, denen sich aus eigenem Antriebe eine Menge von Abgeordneten zugesellt hatten. In ihrer mittelalterlichen Tracht schritten die Professoren der Universität, geführt von dem Rector Dove und den vier Decanen. Eben so zahlreich hatte sich die Akademie der Wissenschaften und Künste eingefunden, Männer von einem Weltruhm, welche jetzt dem Ersten unter Seinesgleichen in tiefer Trauer folgten.

Der Magistrat der Stadt, deren Ehrenbürger Humboldt war, betheiligte sich ebenfalls durch eine Deputation, unter der sich der Stadtverordnete Fürst Radziwill befand. Die Aeltesten der hiesigen Kaufmannschaft, die Gerichtsbehörden, mehrere Vereine und Körperschaften, unzählige Privatpersonen, welche Freundschaft, Verehrung und innere Theilnahme herbeigeführt, kurz die gesammte Intelligenz und Bildung nicht allein von Berlin, sondern der preußischen Monarchie trauerte um Humboldt. So bewegte sich der unübersehbare Zug langsam und feierlich, mitten durch die ehrfurchtsvolle Menge, nach dem Dom, wo ihn an der eigens dazu errichteten Estrade der Regent und die sämmtlichen Prinzen und Prinzessinnen des königlichen Hauses erwarteten. Sobald der Sarg sichtbar wurde, begrüßte der Fürst und die fürstlichen Personen mit entblößtem Haupte die Leiche. Zugleich stimmten die hier vereinigten Gesangvereine der Residenz den ersten Vers des Liedes an: „Im Arm der Liebe ruht sich’s wohl, wohl auch im Schooß der Erde.“ Mächtig und ergreifend klang die schöne Melodie, von hundert Sängern gesungen, während Fürst und Volk in stummer Andacht tief ergriffen lauschten.

Sobald die herrlichen Töne verklungen, wurde der Sarg in die Kirche getragen. Hier vor dem Altar, um den ein grüner Hain von Blatt- und Nadelpflanzen, Palmen und exotischen Gewächsen plötzlich entstanden war, ruhte der Sarkophag auf einer Erhöhung, vor der der Regent und die Prinzen Platz nahmen, während zu beiden Seiten sich die höchsten Hofchargen aufstellten, die Leidtragenden aber zunächst dem Fürsten blieben.

Jetzt begann die Trauer-Liturgie, die der General-Superintendent Dr. Hoffmann mit den Worten intonirte: „Selig sind die Todten, die im Herrn sterben.“ Die sich anschließende Rede desselben Geistlichen gab nur allgemeine Umrisse von dem Leben und Wirken des großen Verstorbenen. Der Redner verweilte besonders bei seinen menschlich edlen Eigenschaften, seinem Wohlthätigkeitssinn, von dem er rühmte: „Im Verborgenen folgen ihm viele Thränen nach. Mit den Thaten der Liebe ging der Verewigte meist stille Wege und liebte es nicht, daß man davon die hüllende Decke wegzog. Ich bin ihm begegnet auf diesen stillen Wegen und kenne sie. Noch besser aber kennt sie Der, welcher auch den Trunk Wasser nicht vergißt. Das aber wissen Viele, wie er aufstrebenden Kräften in der Wissenschaft die Bahnen zu ebnen bemüht war, und mit unermüdlicher Güte Einfluß und äußere Mittel dafür verwandte, wie er neidlos, was Andere forschten, nicht nur anerkannte, sondern zur Geltung brachte.“

Ein solches Zeugniß aus dem Munde des Priesters dürfte vor Gott mehr gelten und lauter sprechen, als jene gläubige Frömmigkeit, welche der Redner, wenn auch nur leise andeutend und mit christlicher Liebe entschuldigend, an Humboldt zu vermissen glaubte.

Nach der Beendigung des Trauergottesdienstes blieb der Sarg bis zu seiner Beerdigung in Tegel hier im Dome aufgestellt. Am nächsten Tage erfolgte daselbst die Bestattung in Gegenwart der Familie und vieler nähern Freunde.

Durch den herrlichen Park, der jetzt im schönsten Frühlingsschmucke prangt, wurde die Leiche von Männern der Gemeinde Tegel zu dem Erbbegräbniß getragen, und unter frommen Gebeten und Thränen eingesenkt.

Dort ruht der große Todte an der Seite seines berühmten Bruders Wilhelm von Humboldt in der Gruft, über der sich das Bild der Hoffnung von Thorwaldsen’s Meisterhand erhebt.

Sein Andenken ist unvergänglich und sein Name wird leben, so lange Wissenschaft und Bildung auf Erden lebt. –

Max Ring.