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Zwei Stiefmütter

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Textdaten
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Autor:
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Titel: Zwei Stiefmütter
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aus: Die Gartenlaube, Heft 31, S. 530
Herausgeber: Ernst Keil
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Erscheinungsdatum: 1877
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[530] Zwei Stiefmütter. Auf dem Versandtschuppen der Eisenbahn in Altona befinden sich ein Hund und eine Katze. Es sind Angestellte der Eisenbahn und ihr Dienst ist, für Fernhaltung von Ungeziefer zu sorgen. Die Katze ist älter als der Hund, dieser aber ist von kleinauf in ihrer Gesellschaft gewesen, und so mag es gekommen sein, daß zwischen den Beiden die größte Eintracht herrscht. Die Thiere fressen aus einem Napfe, spielen mit einander und balgen sich. Dieselben theilen ein Lager und stehen für einander ein, wenn ein Feind auf den Schuppen kommt; der Hund darf nur anschlagen, husch ist die Katze an seiner Seite. Beide sind weiblichen Geschlechts und haben vor einigen Wochen Junge geworfen. Dadurch ist die Freundschaft nicht im Geringsten gestört. Nach wie vor liegen die Thiere auf einem Lager und die Liebe, die dieselben bisher gegenseitig für sich hatten, theilen sie jetzt auch gemeinsam ihren Jungen mit; namentlich macht die Katze nicht den geringsten Unterschied zwischen den eigenen und den Jungen des Hundes.

Ganz so liebevoll thut der Hund nicht mit den Kätzchen. Derselbe duldet dieselben bei sich und daß sie an seinem Kopfe herumkriechen, spielt jetzt auch mit den Kätzchen; ich habe aber nicht bemerkt, daß er dieselben beleckte. Daß die Kätzchen bei dem Hunde sogen, habe ich ebenfalls nicht gesehen; es wird aber von den Schuppen-Angestellten auf das Bestimmteste behauptet, und darauf hin darf ich das wohl als gewiß bezeichnen. Ich sah die Kätzchen sehr viel bei den Zitzen des Hundes, mit den Hündchen in der Reihe, liegen. Daß die Hündchen bei der Katze Nahrung nahmen, habe ich gesehen, und fast immer liegen zwei der Hündchen an den Zitzen der Katze. Diese hat zwei, der Hund fünf Junge. Ich dachte, das Verhältniß würde so lange bestehen, als die jungen Thiere nicht sehen könnten, aber es hat sich darin nichts geändert, seitdem die Thiere das Augenlicht haben. – In der ersten Zeit wurde versucht, die Familien zu trennen; man setzte die Katze mit ihren Jungen auf ein Lager neben dem gemeinschaftlichen. Die Katze blieb daselbst aber keinen Augenblick und der Hund holte sofort die jungen Katzen nach dem alten Lager. Ebenso machte die Katze es, wenn ein Hündchen aus dem Lager gesetzt wurde. Jetzt sind dieselben ihr schon zu groß und schwer.