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Zum 10. November

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
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Autor: Lorenzo Pedretti
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Titel: Zum 10. November
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 46, S. 664–665
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1859
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[664]
Zum 10. November.

Die Redaction der Gartenlaube hat es sich stets angelegen sein lassen durch geeignete Beiträge die Erinnerung an Schiller, den Liebling der deutschen Nation, wach zu halten und auf jede Weise zu fördern. Der Besuch im Schillerhause (1853, Nr. 13), Schiller in Volksstedt (1855, Nr. 27), Schiller’s Eltern (1855, Nr. 39), Schiller’s Frau (1855, Nr. 19), das Schillerfest in Leipzig (1855, Nr. 51), Weimar’s Dichter (1856, Nr. 24), Erinnerungen an Schiller’s Familie (1857, Nr. 40), das Schillerhaus in Lauchstedt (1857, Nr. 26) legen Zeugniß davon ab. Wir dürfen zudem bei den Lesern der Gartenlaube voraussetzen, daß ihnen die Lebensschicksale ihres Lieblingsdichters bekannt sind, und verzichten deshalb darauf, ihnen diese nochmals vorzuführen.

Wenn wir trotz dieser vielfachen Beweise der Verehrung heute zur Feier des Tages dem Unvergeßlichen nochmals den Tribut unserer Liebe in Wort und Bild zollen, so folgen wir damit nur dem Drange unseres Herzens und den gerechten Anforderungen der deutschen Nation, die mit Recht verlangt, daß die Presse das Andenken eines Mannes feiere, der so viel und so schön zum geistigen Aufschwung der Nation beigetragen. In Schiller feiern wir unsere edelsten Bestrebungen, unser sittlich-größtes Ringen und deshalb ist uns Alles – Alles, was uns das Andenken dieses Mannes zurückruft und derer, die ihn am nächsten standen, so unendlich lieb und werth.

Indem wir die bekannten Bildnisse der Eltern Schiller’s und seiner Frau nochmals vorführen (wenigstens den Lesern des Jahrgangs 1855 schon bekannt), freut es uns, heute in nebenstehendem Bilde das Portrait des sechsundzwanzigjährigen Dichters geben zu können, das nach dem allgemeinen Urtheile als das einzig ähnliche aus jener Zeit betrachtet werden kann. Das Original-Oelgemälde von Reinhardt befindet sich bekanntlich im Besitze des in Leipzig lebenden Dichters Adolf Böttger, der davon auch eine gute Lithographie fertigen ließ.

[665]

Friedrich von Schiller.
im sechsundzwanzigsten Jahre, nach einem Original-Oelgemälde von Reinhardt.


Helle Freudenfeuer flammen
Von den Höhen in das Land,
Haus’ bei Hause tritt zusammen,
Alles drückt sich froh die Hand.

5
Fackeln leuchten, Fahnen wehen,

Rede, Sang, und Festgelag:
Denn es will das Volk begehen,
Schiller, Deinen Ehrentag!

Wo die deutschen Laute klingen,

10
Ueber Land und über Meer,

Wo sie deutsche Lieder singen –
Deutsche Lieder hell und hehr –
Dir gilt heut’ des Volkes Rufen,
All’ sein Lieben und sein Ruhm,

15
Schiller, dessen Lieder schufen

Ihm ein ewig Heiligthum.

Männer hast Du für die Wahrheit,
Für das heil’ge Recht bewehrt.
Hast das Ringen nach der Klarheit

20
Des Gedankens sie gelehrt,

Sie zum höchsten Ziel geleitet,
Und bekämpft den blinden Wahn,
Hast in edlem Streit bereitet
Edler Freiheit eine Bahn.

25
Auf den häuslichen Altären

Opfern deutsche Frauen Dir,
Denn Du lehrtest sie verklären
Sich mit hoher Anmuth Zier.
Ordnend und mit sinn’gem Walten

30
Geh’n sie durch des Gatten Haus,

Bauen es durch ihr Gestalten
Ihm zur schönsten Heimath aus.

In das Herz der deutschen Jugend
Schlug Dein Dichten flammend ein,

35
Auf dem Weg zu aller Tugend

Wolltest Du ihr Führer sein.
Ahnend beben ihre Herzen,
Sehnend wogt’s in ihrem Sinn,
Aber aus des Zweifels Schmerzen

40
Führst Du sie zum Schauen hin.


Ueber alle goß Dein Schaffen
Füllereichen Segen aus:
Für das Leben gabst Du Waffen,
Süßen Frieden für das Haus. –

45
Deutsches Volk! Es galt sein Lehren,

Und sein ganzes Ringen Dir.
Willst Du Deinen Seher ehren,
Halte hoch, hoch sein Panier!

 L. Pedretti.