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Zimmerische Chronik/Band 1/Kapitel 54

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aus: Zimmerische Chronik
Seite: Band 1. S. 346–354
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[346]

Von den grafen von Kirchberg und von fraw Ita von Dockenburg, geporn gräfin von Kirchberg.

* [1220] Des ursprungs halb der graven von Kirchberg[1]
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findt man nachvolgende mainung geschriben, das under ainem perg, nit weit von Ulm gelegen, darauf das schloß Kirchberg erbawen, vor und ehe das landt zu Schwaben zu christenglauben genzlich bekert, ain haidtnischer tempel gestanden sei, der enden, da iez die pfarrkirchen zu Under-
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Kirchberg. Gleich bei disem tempel hetten die graven von Wullenstetten iren sitz, der noch heutigs tags den namen Nider-Kirchberg oder Niderburg behalten hat. Dise graven waren fürnem und mechtig an landt und leuten, darumb sie von allen [1221] umbseßen geeret und bevor gehalten wurden.
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Es begab sich noch in der haidenschaft, das ainer under inen, graf Hercules von Wulenstetten, der sich insonderhait und für andere wider die christenhait gesetzt, durch die gnad Gottes erleuchtet und zu christenglauben bekert ward, der auch volgends die andern agnaten seins geschlechts ime
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nachzuvolgen bewegt. Es wardt sein grims herz so güetig, das er alles, so er vorhin den Christen mit gewalt abgetrungen, widergab, oder andern armen leuten umb Gottes willen mültigclichen widerumb außtailt, auch die Christen

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[347] hinfüro nach seinem vermegen handthabet und beschirmet, insonderhait wider die von Ulm, das der zeit noch ain dorf was und selbiger zeit zu dem andern mal von dem christenglauben abgefallen. Darneben ließ er zerbrechen den
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hieobgesagten haidnischen tempel, pawet darauß ain christenliche kirchen in der ehre der muetter Gottes, auch nennet er sich und sein geschlecht nit mehr von Wulenstetten, sonder mit dem newen glauben schepft er im ain newen namen und nennet sich von dem perg, darauf er die kirchen
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het gebawen, das ist von Kirchperg. Es ward ime in sein wappen gegeben ein bischofliche infel, von wegen das dieser graf Hercules, oder ein anderer seins geschlechts, anfengclichs, oder bei seinen zeiten, ain christenlicher patriarch sol worden sein, der lange zeit bei dieser kirchen zu
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Under-Kirchperg sein patriarchen-residenz soll gehapt haben. Über vil zeit hernach hat ainer diß geschlechts das schloß zu Under-Kirchperg abgebrochen oder sonst abgeen lassen und umb mehrer sicherhait willen hünder sich uf den hochen berg gebawen, daher es vor vil zeiten Ober-Kirchperg ist
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genennt worden. Man findt, das ie und allwegen diese grafen sich wol bei der christenhait gehalten und mehrmaln umb des Christi glauben willen ir bluet vergossen, daher sie vor vil jharen von der römischen kirchen für andere grafen höchlichen gefreit worden. Ußer was ursachen auch
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die mörin in ir wappen kommen, darvon findt man gar ain schöne historia. * * [1214] Es ist ain conventual vor jaren im closter zu Wiblingen gewest, mit namen herr Dietegen[2], der hat das herkommen der edlen grafen von Kürchperg, so vil im
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bewist und von den alten, die zu seiner zeit[3] gelept, erfaren künden, beschriben. Der sagt auch, das ain graf von Kürchperg seinen leiplichen vatter hab umbgebracht, erzellt aber das weitleufiger mit etwas andern[4] und merern umbstenden, und namlich so sein umb die jar ailfhundert in leben gewest
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zwen gebrüder, grave Otto und graf Hartman von Kürchperg, die haben [1215] das closter Wiblingen anno 1109[5] gestift, auch inen und iren nachkommen dahin die begreptnus geordnet. Deren ainer het ain son verlassen, wie man das

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[348] den jaren nach rechnen kan, mit namen grave Wilhalmen, ußer dem ain sollicher großer, starker und gerader herr worden, das sich menigclich ab im verwundert, dieweil er sich aim gemainen risen hett mögen vergleichen. Neben
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dem ist er auch ains kecken und unverzagten gemüts gewest, welches er in schlachten und streiten hin und wider wol erwisen; dann er ainsmals uf ainen tag in aim streit zwelf wolbewerter man mit aigner hand erlegt, derhalben er dann bei den römischen kaiser und königen, die zu seinen
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zeiten gelept, in großer achtung gewest. Aber es begegnet dem theuren helden ain großer unfal (villeucht hat er [sich][6] seines glicks und wolfart zu vil überhept), das er in ainem großen zorn und unbesinten weis seinen leiblichen vatter im schloß zu Kürchperg an ainer stegen umbbracht[7], und, wie die alten
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fürgeben und schreiben, so ist das unschuldig blut des alten grafen etlich hundert jar uf der stegen gesehen worden, das es nit het mögen ußgedilket werden und also bliben ist biß umb die jar ungefärlich nach Cristi gepurt 1440. Als nun diser graf Wilhalm sein vatter, wie iez gehert, entleipt,
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do ist er vor der fründtschaft und andern ain lange zeit in großer unsicherhait gestanden, iedoch ist es[8] zuletst zu aim vertrag kommen, do hat er die buß uf sich genommen, die er auch willigclich und gedultigclich volbracht, namlich so hat er ime zwen großer eisiner ring umb die lenden lassen
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schmiden, die hat er gen Rom also getragen und sich in sollicher buß dem bapst Eugenio dem dritten gestellt, ist geschehen ungefärlich umb die jar 1140 uf ainem osterabent. Man schreibt, demnach dem bapst seins herkommens und wesens, dergleichen auch des unfals[9], der im in entleibung seines
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vatters begegnet, nach lengs sie bericht worden, darneben auch sein adenlich und ansehenliche person, sampt der großen rew und laid, auch der schweren buß, augenscheinlichen gesehen, do hab er ain große erbermbde mit ime gehapt und ain besonders mitleiden, und demnach er in selbs beicht
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gehert, hab er ine uf den abend wider zu im beschaiden; iedoch, ine zu versuchen, ob er ain vertrawen zu im, hab er ime befolhen, er solle ime in seiner herberg ain hennen kochen lassen und, damit er was craft widerum entpfahe,

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[349] die essen, ußer dem abzunemen, das er in großer abstinenz[10] und abbruch gelept und geraist hat. Sollichen bevelch hab der graf mit willen angenommen und auch verricht, seie gegen abents, uf zeit und dag, wie er beschaiden, widerum
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zum bapst kumen; der hab ime allerlai ding absolviert und mit großen gnaden von ime abscheiden lassen. Als er nur widerum haim in deutsche land kommen, do hat er im ain klains heuslein am berg zu Kirchperg bawen lassen, darin hat er die übrigen tag seines lebens in ainem abgesonderten
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leben und mit großen abbruch zugepracht, auch sich hinfüro kainer zeitlichen hendel mer beladen. Man findt, das er seiner unmenschlichen that halben von ainem unmentschlichen kaiser, der zu seinen zeiten gelept, gestraft worden, und namlichen so sei im das wappen geendert worden, das
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er und seine nachkommen ein merin in ainem rotten mantel füren söllen, wie dann etlich under den grafen [1216] von Kürchperg das wappen ain lange zeit also gefürt haben. Dieselbig linia aber ist vor langen jaren auch abgangen, ußer dem wol abzunemen, das diser graf Wilhalm verheurat
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gewest, auch kind verlassen. Wer aber sein weib vom geschlecht gewesen, das ist lenge halb der zeit in vergess kommen, und zu verwundern, das wir dennost bei so großer liederlichkait unser vorfaren noch sovil wissen. * * [1460] Wir haben noch ain deutschen grafen, der
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umb ain so grose missethat vor jaren ist gen Rom gewalet, daselbs gebeicht und gnad erlangt, das war ein mechtiger graf von Rottenburg an der Tauber. Derselbig, als er in ainer großen landstheure ain schewer mit bettlern und armen leuten erfure, do ließ er die anzünden und alles mit
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ainander verbrennen, zu gedenken, er hab damit wellen der welt und der gemainen landtschaft seins erachtens dises unnutzen volkes abhelfen. Aber baid hernach do fing[11] es in an übel zu rewen. Darvor zoge er gen Rom, entpfieng daselbs vom bapst buß, und da ward im eingebunden, das
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er für solche sein begangne missethat ein closter sollte in deutschen landen stiften und bawen. Das nam er gutwilligclich uf und volbrachts auch, nemlich so stiftet er das closter Teutsch[12], gegen Cöln über gelegen, beschach mit hilf und rat seines bruders, erzbischof Heriberten, des ersten
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curfürsten zu Cöln. Ich gedenk, seitmals diser graf so faist

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[350] gewest, do hab im der bapst die schwere bürdin ufgeladen; dessen war unser magerer Schwab von Kürchperg vertragen, der hets nie vermögt. Wie nutzlich solche bußen seien den nachkommen [1461] und den geschlechtern gewest, die
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hiedurch verarmet und zu endtlichen verderben geraten, das hat ain ieder verstendiger wol zu bedenken. Man waist nit grundtlich, ob die unmilte that dises grafen von Rotenburgs, oder das kürchpergisch parricidium elter sei[13], ist weiter zu erkundigen, ad revidendum. Vor jaren hat ain
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bischof von Menz, genannt Hatto[14], gleicher gestalt ein schewer mit armen leuten verbrennt, darzu auch grave Albrechten von Bamberg ganz verrätterlich und wider trawen und glauben bei dem römischen könig Conradten[15] uf den flaischbank gelifert, darvon ain besondere historia. Das
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wolt weder bapst oder kaiser straffen, zu letst do kam der zorn Gottes über in, das er den meusen understand zu entpfliehen in meusturn in Rein. Aber es half in die flucht auch nit, er ward von den meusen umbracht. Der turn stet noch zu gedechtnus der sach. *
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* [1216] Der parricida von Kürchperg soll graf Conrat der elter gehaisen haben und zu Augspurg mit dem schwert gericht sein worden. Also sagt man, die mörin in seinem wappen soll ain ganzen frawenrock one flügel anhaben und in der ainen hand ain stehhelm, uf dem rechten helm aber
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ain bischofshuet mit zwaien spitzen und zwaien knöpfen zwüschen zwaien pfawenschwenzen, soll beschehen sein umb die jar Cristi 1289. Hernach über etlich und achtzig jar hat grave Egon von Metsch die grafschaft Kürchperg ererbt mit aim heurad ainer erbtochter (dann der zeit zwo[16] linien

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[351] der grafen von Kürchperg), und ist mit ainer dochter, Udalhilden von Metsch, die grafschaft Kürchperg bald hernach uf die burggrafen von Maidenburg komen, von denen uf die fürstlichen grafen von Görz, von denen wider uf Metsch,
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und dann von denen widerum zu dem alten stammen der grafen von Kürchperg. Also gat das zeitgut umbher von aim zum andern, und ist nichts bestendigs. Damit will ich den nachkommen ursach geben, hievon ain merers und ain weitleufigers zu erkundigen. Von disen grafen von
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Kürchperg het Jacob von Ramingen[17] der elter vil geschriben und sollichs, wie er anzeicht, ußer iren alten briefen gezogen und in ordnung gepracht, darauß ich disen kurzen bericht und thail genommen. Er hat iezgeherten sein tractat herr Hannsen Jacoben Fugkern zugeschriben, darauß, do es mit
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ainem fleiß und juditio beschehe, vil mögt genomen werden. * * [1407] Anno 1072 hat graf Dietrich von Lützelburg auch also in ainer gehe seinen brueder, graf Conraden, umbgebracht, darüber er aber ain solliche rew und laidt gehapt, das er über mer gefaren, des willens, die überige zeit seines
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lebens zu erhaltung des gelopten lands zu verschleißen. Aber es war villeucht der will Gottes nit, das er hinüber keme geen Jerusalem, sonder er und alle, die bei im uf dem schiff, die ertranken im mere. Beschreibt brueder Hörman, ain barfüeser, der anno 1350 gelept und geschriben biß uf
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seine zeiten. * * [1513] Darbei zu sehen, wann ains menschen verstand mit zorn überwunden, das ain solche blindhait darauß volgt, das aintweders der mentsch sich mit der red oder mit der that manichmal gegen seinen nechsten fründen vertieft,
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welches hernach, da gleich ain großer rewkauf darauf kompt, nit leüchtlich wurt gebessert oder vergessen. * * [1216] Es hat noch heutigs tags fürnem burger zu Ulm, haisen die Gregken, sollten haisen die Grecken, id est de Greci, die sein ires herkommen Kriechen. Die, sagt man,
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sie seien vor vil jaren mit aim grafen von Kürchperg ußer welschen landen kommen, haben sich hernach zu Ulm nider-

1 [352] gelassen, von den dann die iezigen Grecken entsprungen. Also haben wir in Italia sonderlich deren geschlechter vil, die sich des deutschen ursprungs rüemen. *

* [1223] Es hat diß geschlecht in volgenden jaren zwen
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unfell gehapt, das ein, das ein graf von Kirchperg seinen leiblichen prueder erstochen, darum er auch perpetua infamia notiert worden, zum andern so haben sie zu vil reuchlichen ire güeter den clöstern hin und wider angehenkt, insonderhait dem closter Wiblingen bei Ulm, da sie auch
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die begrebnus haben, in somma, es hat inen den grösten stoß geben, wie auch andern geschlechtern mer begegnet. Es habens die scharben alles an sich gezogen. Also ist den grafen von Hailigenberg und andern mehr beschehen. Ich sag nit, das unrecht sei, den clöstern geben und den
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gotzdienst uffnen, aber sie mit gewalt wellen reich machen und sie mit dem zeitlichen wellen ins ewig befürdern, das lob ich nit; dann wie die arzet sprechen, »quod natura paucis sit contenta«, ita etiam monasteria et homines vere ecclesiastici tantum elemosina quotidiana et victu exiguo
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deberent esse contenti, sed horum mendicorum jam videmus latibula esse regum pallatiis longe excellentiora. * * [1217] Man findt, das ainest den grefinen von Kirchberg vil wunders begegnet und oft umb unschuldt sein bezigen worden; erfindt sich warlichen in der historia mit
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sant Uten oder Iten[18], ist ain grefin von Kirchperg gewesen. Die ist in ir jugendt dem mechtigen grafen Hainrichen von Dockenburg vermehelt worden, und als sie etliche jar bei ainandern gewesen, do hat uf ain zeit die grefin ir klaider und kleinater uf dem schloß, genannt der Rappenstain, von
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wegen das vil rappen in demselbigen felsen ir wonung hetten, an die sonnen gelegt, und als sie dessen nit achtung geben, do kam derselbigen rappen ainer und name ußer allem gerait und kleinatern nichs anders, dann den ring, damit sie ir herr, graf Hainrich, ainest het vermehelt, und trueg den
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seinen jungen in das nest[19]. Füegt sich eben sollicher zeit, das der graf seiner[20] jeger ainem befalch, wiltpret zu schießen. Der kam von ungeschicht, demnach es ain große wildtnus daselbst umbher, in das tal, do er dise junge rappen het

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[353] gehört schreien. Er stig hinauf zum nest, name die jungen rappen auß; bei denen fandt er auch den mehelring. Den nam er zu sich und vermaint, ime wer damit groß glück beschert. Er stackt den ring zu seinem großen unfahl an
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ain finger. Nit lang darnach, als der jeger wider geen hof kam, erkannten die andern diener den ring und vermainten nit anders, dann es het im die grefin den ring geben. Es stande nit lang an, die schwetzer brachtens für den grafen. Der erschrack übel darab und wolts nit glauben, aber die
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klapperleut die prachten im den jeger sampt dem ring under augen. Dem zog einer den ring ab der handt und überantwurt in dem grafen. Der wardt gleich so gar erzürnt, das er ohne ainiche weitere erkundigung oder verhöre den jeger eim wilden ross ließ anbinden und sollichs den perg
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herab laufen. Damit wardt er über steck und stauden gefüert und allerdings verschlaift. Es war nit genug an der grausamen that, der graf wente ie, es gieng mit der grefin, seinem gemahl, und dem jeger nit recht zu, darumb in großem zorn und in der gehe eilet er ins frawenzimmer und
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ohne ainich weiter bedenken oder barmherzigkait do ergreift er sein gemahl, würft die zum höchsten des schloß zum laden hinauß, und wiewol kain wunder, da schon die from grefin von höche des falls erstickt oder zerschmetteret und das kain glidt oder pain bei dem andern bliben were,
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iedoch so befalch sie in allem irem trüebsal und fallen sich und ir unschuldt dem allmechtigen mit großem ernst. Der behüetet sie auch wunderbarlichen, das sie ohne allen schaden und verserrung ires leibs hinab kam. In demselbigen wilden und rauchen tobel blib die grefin etlich jar, enthielt
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sich in ainem holen felsen, und war ir narrung anders nichs, dann schlehen und holzöpfel. Nach langer zeit kam des grafen jeger ainer, ohne zweifel ußer sonderer schickung Gottes, mit ainem laithundt in das bemelt tobel biß zu der hile, darin die grefin sich enthielte. So baldt er sein frawen
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angesprochen und erkant het, da eilet er mit großen frewden widerumb ins schloß, sagt seim herren alle sach, wie er sie lebendig und gesundt, aber in großer armut in dem holen felsen gefunden, die ime darbei ir unschuldt zu erkennen geben. Grave Hainrich wolts lang nit glauben, das
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sie noch bei leben sein könte, ließ sich doch den jeger [1218] bereden, das er mit ime dahin gieng. Also fürt der jeger den grafen biß zu der höle, do gieng die grefin her-

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[354] auß, inen entgegen. Der graf fiel ir zun füeßen und bat sie umb gnad und verzeihung, bekannt darbei, das er ir größlich unrecht het gethon. Sie hieß ine wider ufsteen und vergab ime. Der graf füert sie widerumb ins schloß
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hinauf, do wolt er ohne alles verziehen den, der im sein gemahl vorhin mit der unwarhait angeben, tödten lassen, aber die from grefin widergalt im sein boshait mit guetem, wolt nit, das etwar von iren wegen den todt leiden sollt. Darzu sprach sie zu graf Hainrichen: »Ir hapt mich umb
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unschuldt von euch geworfen, darumb will ich auch bei euch und der vergiften welt, darauß ich geworfen worden, lenger nit bleiben, sonder hab mir ain andern gemahl ußerwellt, der mir seel, leben und ehr hat errett.« Begert darauf an graf Hainrichen, das er ir ain wonung in der Owen, als man
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über das Hürnlin geet, bei unser lieben Frawen capellen bawen wellte. Das beschach. In derselbigen wonung hat sie die überigen zeit ires lebens mit großer andacht verbracht, und ligt zu Vischingen begraben. Der allmechtig hat vil zaichen durch sie bei irem leben und auch hernach
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gewürkt. Iren herren, grave Hainrichen, hat sie überlept. Man sagt, sie hab ußer irer zellen uf ires herren grab sehen künden, und ainsmals in ainer nacht do sei ir das liecht und alles feur erloschen, do hab sie zum grab gesehen und zum todten grafen gesagt: »Hainrich, raich mir ain liecht!« do
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seie ir der graf gehorsam gewest, ußerm grab ufgestanden und hab ir ain prinendt liecht gebracht, sprechendt:
»Nim hin, Ita, das liecht von meiner handt!
Grave Hainrich von Dockenburg bin ich genannt.«
Gleich seie er widerumb ins grab an sein rhue gangen. Sie
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ist gar für ain hailige und gotzförchtige fraw geachtet worden, und hat noch ain basen gehapt, Anna genannt, war ain grefin von Schlüsselberg und aptissin im closter Schlüsselow, ein hailige fraw. Dieselbig, wie sie sterben sollen, hat sie bevolchen, man söll ir das grab nit zumachen, dann
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ir bas, Anna von Zollern, werdt nach ir aptissin, aber im ampt nit lang leben, sonder ir baldt nachsterben, damit sie baidt in ain grab kommen. Das alles beschach. Die grefin von Zollern wardt eptissin erwellt, lebt aber nur ain monat, da wardt sie zu ir, wie sie bevolchen und vorhin
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geweissagt, begraben. Der allmechtig seie inen allen gnedig und verleihe uns auch ain selligs endte! Amen. *



  1. Kirchberg] diese überschrift wurde beigefügt.
  2. Dietegen] weder Heuchlinger im Templum honoris, noch Braig in seiner Geschichte der Abtei Wiblingen gedenken dieses Dietegen.
  3. zeit] hs. zeiten.
  4. andern] hs. ander.
  5. 1109] nach Stälin a. a. o. II 406 wurde das kloster Wiblingen im jahre 1093 gestiftet.
  6. sich] ergänzt.
  7. umbbracht] nach dem chronicon des Johannes Vitoduranus, im Archiv für schweizerische Geschichte XI, 152, geschah die mordthat im jahre 1339; darnach wäre die z. 27 folgende zahl 1140 zu berichtigen.
  8. es] hs. er.
  9. unfals] hs. unfls.
  10. abstinenz] hs. obstinenz.
  11. fing] hs. feug.
  12. Teutsch] d. i. Deutz.
  13. elter sei] die stiftung der abtei Deutz fällt schon ins jahr 1002 (s. Ennen, Geschichte der Stadt Cöln I, 724), der kirchbergische mord dagegen nach anmerk. zu s. 348, 14 ins jahr 1339.
  14. Hatto] über ihn und diese sage s. Lilienthal, Fabula, qua Hatto II a muribus corrosus vulgo circumfertur, Jenae 1707, auch in dessen Selecta historica et literaria, Königsberg, 1715; Vollandus, De Hattone II archiepiscopo Moguntino, Lipsiae 1753; Liebrecht, La tour des souris (Der Mäusethurm), in Académie royale de Belgique. Extr. du t. XXI, n08 II et 12 des Bulletins; derselbe in Wolfs Zeitschrift für Mythologie II, 405—412; V. Grohmann, Apollo Smintheus s. 76 ff.; E. Dümmler, Die Sage vom Mäusethurm, in Grenzboten, Jahrg. 1867, s. 343 ff.; derselbe in Zur Volkskunde. Alte und neue Aufsätze (1879) s. 1 ff.
  15. könig Conradten] da könig Conrad I im jahre 918 starb, Conrad II im jahre 1024 könig wurde, erzbischof Hatto sodann von 968—969 regierte, so liegt hier ein irrthum des chronisten oder seiner quelle vor.
  16. zwo] hs. zu.
  17. Jacob von Ramingen] über ihn s. Mone, Quellensammlung I (47) ff.; die deutschen Handschriften der k. Hof- und Staatsbibliothek zu Muenchen, nr. 926. Die genannte schrift des Jacob von R. scheint verloren zu sein. Einen Joannes de Rammingen nennt Bucelin, Germaniae topo- chrono- stem- matograph. Partis II pars III, als quelle; ein Gotfrid von R. ist erwähnt bei Mone a. a. o. s. (48).
  18. historia mit sant Uten oder Iten] die bekannte erzählung von Ida von Tockenburg; s. Stälin a. a. o. II, 404, anmerk. a.
  19. nest] hs. nechst.
  20. seiner] hs. seinem.