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Zimmerische Chronik/Band 1/Kapitel 32

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aus: Zimmerische Chronik
Seite: Band 1. S. 175–185
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[175]
* [1548] Von großer untrew zwaier margrafen von Baden, und welcher gestalt die grafen von Eberstain umb ir halbe grafschaft kommen. Item von göttlicher straf über die marggrafen und von erlöschung des
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hollstain-schleswigischen fürstlichen hauses.
In vorigem capitel ist gehert, welcher maßen die ufrürigen graven und herren des lands zu Schwaben von könig Rudolfen und seinem anhang irer ungehorsame halber sein gestraft worden, welches doch alles von anfangs here
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von dem margrafen von Baden hergerürt. Hernach hat sich margraf Rudolf bei dem römischen könig ußgesent, seine helfer und helfershelfer hat er stecken lassen, die sein im bericht ußgeschlossen worden, wie auch bei unsern zeiten von herzog Ulrichen zu Würtenberg zu ußgang des
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schmalkaldischen kriegs beschach, welches dann die grafen, herren und vom adel wol gewar worden, so von kaiser Carln und dem haus Österreich insonderhait sein berupft worden[1]. Wie nun die zwelf obgenannten grafen- und herrengeschlechter gegen könig Rudolfen den kürzer ziehen und
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gnad begerten, do ward doch die vecht nach langem dahin bedetinget, das under andern puncten, so die grafen und herrn zur straf musten annemen, die dem könig ain fußfal thon und personlichen die ungnad musten abbitten. Das beschach. Damit entstand irenthalben hernach ain[2]
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sprichwort, das noch in den alten geschriften gefunden wurt, des inhalts, hab sollichs zu erhaltung langwüriger gedechtnus disen commentarien einverleiben wellen:
Die zwölf apostel an der zal
Teten künig Rudolfen den fußfal.
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Nun waren aber in diser vecht die grafen von Eberstain sonderlich mer, dann andere, verdieft, darum ließ inen könig Rudolf das schloß Alteneberstain belegern und dahin nöten, das es ufgeben und darauf zerstört ward. Solchen nachtail erlitten sie von irer nachpurn wegen, der margrafen
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von Baden, zu denen sie getrewlichen in nöten gesetzt und mit irem großen nachtail und schaden die bei iren reichslehen hetten helfen erhalten. Was dank darum bei den nachkommen gewest, oder wie sie das deren graven nachkomen haben lassen genießen, darvon hat man ain wunder-

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[176] barliche histori, die, von wegen das sich noch dergleichen sachen mögten begeben, disem werk soll inserirt werden. Grave Hainzmann von Eberstain[3] hat bei seiner hausfrawen, ain grefin von Ötingen, zwen söne überkommen und ain
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dochter, under denen sönen der elter, graf Wilhelm, ain schenkin und freiin von Erpach genommen, der junger graf, Wolf, ist unverheurat bliben, auch im selbigen stand also gestorben. Die dochter, fröle ....[4], het ain margrafen von Baden, genannt Bernhart, genommen, dem hat sie das alt
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und recht Eberstain so dozumal noch ain burgstall, wie es auch noch heutigs tags ist, sampt Cuppenhaim, Burgeberstain, Hafeneberstain und andern dörfern und güter mer zu ehestewer zugepracht. Also unfürsichtig und unbedacht sein die alten gewest, das sie ire ligende güter so
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leuchtlichen und one alle not haben lassen zertrennen und von ainandern kommen. Aber die zwen gebrüder, graf Wilhelm und graf Wolf, haben sich ganz ainig und brüderlich mit ainandern gehalten, und in mitler zeit, als grave Wilhelm etlich söne und kinder bei seiner hausfrawen, der schenkin
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von Erpach, bekommen, do ist graf Wolf zum hailgen land geraist und etwas lenger, dann gepreuchlich megte sein, uf der fart gebliben. Interim do hat der allmechtig sein bruder, graf Wilhelm, angriffen, das er gleich kurz an der pestilenz hingangen. Do tringt sich margraf Jacob von [1549] Baden,
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des obgenannten margraf Bernharts bruder, in die vormundschaft; der gab auch der witfrawen (die ain fromme, ainfeltige fraw war und wenig bedacht, was noch hernach mögte folgen) so glatte wort, das sie guts willens darein bewilliget und im die underthonen in der grafschaft in
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vormundsweis schweren ließ. In etlicher zeit hernach so kumpt graf Wolf ab seiner rais wider zu land und erfert, was in seinem abwesen fürgangen. Darab nimpt er ain große beschwerd und vermaint, es sei im von der witfrawen zu ainer besondern verachtung beschehen. Das war nur der anfang,
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darauß hernach vil mangels erfolgt; dann margraf Jakob nam sich der witfrawen wider iren schwager, graf Wolfen,

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[177] an und ließ sich die gut fraw verhetzen, iren kindern zu großem nachtail; verstand die sachen nit, wohin die raichen möchten, oder wie es der margraf mit iren kinder und ir gemaint. Dargegen aber so zoch der ander bruder, margraf Bernhart,
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sein schwager, graf Wolfen, zu sich, erpot sich, ime allen fürschub und beistand zu thon, domit er bei dem seinen vor der witfrawen pleiben mögt. In somma, es ward die comödia so artlich von den baiden geprüdern margrafen gespilt, das es weder graf Wolf oder auch die witfraw merken
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konte, von weswegen der turnier angesehen. Kam letstlich darzu, das graf Wolf also erbittert ward, (was die ursachen in specie seien gewest, ist zu unser zeiten in ain vergess kommen) das er in ainer unbesinten oder unbedachten weis seinem stammen und namen zu unwiderbringlichem nachtail
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seinen halben tail an der grafschaft Eberstain seinem obbemelten schwager, margraf Bernharten, umb . . . . gulden zu kaufen gab. Das war die braut, darum so lang war gedanzt und darumb sich die baid margrafen geprüder nit wenig bis anhero hetten[5] bemühet und inen auch iezo nach
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irem gefallen geraten war. Margraf Jacob, der vormünder, sahe durch die finger und ließ den kauf geschehen. So kamen margraf Bernhart und graf Wolf kurzlich hernach gen Eberstain; da trangen sie die witfrawen, mit dem margrafen Bernharten, dem keufer, ain newen burgfriden zu
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schweren. Was sollt die gut witfraw thon? sie war verlassen[6] von iedermann; ire agnaten und nechste fründ, die schenken von Erpach, waren ir zu weit gesessen; so lies sie ir tutor, margraf Jacob, auch stecken und wolt sich der sach wider sein bruder nit beladen. Damit saß sie zwüschen
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zweien stüelen, und hatten sie ire baide schweger, der margraf und graf Wolf, also geschwinde überrumpelt, das sie eben thun must, was sie wollten und begerten. Darum auch hernach die grafen von Eberstain diser that halben zu ewiger gedechtnus kain sone mer Wolf haben genannt;
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soll auch also bei den eltern[7] grafen entschlossen sein. Aber wie dem, der margraf Bernhart nimpt das halb schloß Eberstain, wie man noch sicht, das es ainest ist underschaiden gewest, auch die halb grafschaft zu seinen handen als das sein. Es steet nit lang an, als graf Wolf der dorechten,
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ungetrewen handlung halb bei menigclichem veracht und

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[178] verhasst. Do sucht der margraf Bernhart, sein schwager, der vorhin sein bester gesell war gewest, ain ursach an den grafen, (vileucht het ine die that gerawen gehapt, das sich der margraf vor ime besorgen müßen) facht ine; er wurt
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gen Durlach gefürt und daselbs in ainer strengen gefengnus etliche jar biß in sein todt enthalten. Und ist dem margrafen Bernharten nit allain dise geschwinde handlung glücklichen abgangen, wie oblaut, sonder auch der kaufschilling und was er graf Wolfen het umb die halb grafschaft sollen
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bezalen, das ist im aller besteckt und bliben. Hat dem grafen darum zu essen geben und ine in der gefengnus darum erhalten: ein groß exempel ainer namhaften und fürnemen untrew. Über etlich zeit haben die hernach volgenden grafen von Eberstain dennost so vil bei den
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margrafen erhalten, das sie inen das schloß zum halben tail widerum haben zu lehen verlihen; aber die halb grafschaft bleibt in der margrafen hend und wurt die ganz grafschaft durch ain gemainen amptman in baider herren namen verwalten; der ist inen baiden geschworen. Was sich die
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grafen leiden müßen und ducken, auch groß unruhen und unrichtigkaiten, die ußer solcher gemainschaft volgen, darvon wer vil zu sagen, und ist in diser historia neben anderm zu vermerken, das graf Wolf in der gefengnus zu Durlach gestorben, welches Durlach und andere reichslehen dises
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grafen vorelter denen margrafen hetten wider den römischen könig Rudolfen helfen erhalten, auch darob ir gut und blut hetten zugesetzt. Das war iezo der dank, der den nachkommen darum gesagt und erwisen wardt. Grave Wilhelm von Eberstain hat bei unser zeiten
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allerhand ratschlag lassen hierüber in der stille vergreifen, ob diser kauf graf Wolfens het mögen mit recht widertriben werden, und ist nit one; es ist in der ganzen sach nit für ein nestel rechts oder fuegs im rechten, gült auch der kauf nit. So sein die margrafen anders nichs dann pessimae
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fidei possessores, die auch ain solliche[8] ungetrewe [1550] und arglistige handlung weder gegen Gott oder der welt gebürlich künden verantwurten, als nomine tutorio unschuldige witwen und waisen umb das ir zu bringen. Iedoch hat bemelter graf Wilhelm bei den merertail verstendigen an
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rath erfunden, das er sich desshalb in kain rechtfertigung

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[179] einlassen, werde, als zu besorgen, nichts oder doch wenig erhalten künden, allain lenge halben der zeit, die hiezwüschen verschinen; zum ander seie im auch nit wenig zu bedenken, ein rechtfertigung wider den fürsten, dessen lehenman er
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seie, anzufahen und sein lehenspflicht durch die gelerten erst disputiren lassen, sonder es sein den grafen andere mittel und weg an die hand zu nemen geraten worden, die ich iezmals faren laß. Hiebei ist sich hochlichen zu verwundern, das die alten grafen von Eberstain den kauf nit
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haben understanden mit recht zu cassiren, und zugesehen haben, das sich die zeit also zu irem grosem prejuditio und nachtail hat verjäret, ein große liderlichkait! Über etliche vil jar hernach do hat margraf Cristof von Baden grave Bernharten von Eberstain das burgstall Alteneberstain wollen
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zustellen; dieweil im aber der margraf allain den berg und nit die nechsten zugeherigen dörfer darbei einraumen, er die gute gelegenhait verabsumpt und damit gar unweislich gehandlet; dann ain solliche hernach sich niehmals widerum begeben wellen.
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Aber dise ungetrewe handlung, darvon hieoben gesagt, ist dennost sonst für und für in den eltern grafen von Eberstain unvergesslich gelegen, daher befindt sich, das in dem bischofkrieg zwaier curfürsten von Menz grave Hanns von Eberstain der alt bei pfalzgraf Friderichs parthei und
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margraf Carls feind ward und ime vil dörfer abbrannte und großen schaden zufüegte. So ist auch hernach wenig fals mer (da man die sachen etwas neher besehen wil) bei den margrafen gewest. Dises margraf Jakobs son, der eberstainischer formünder gewest, margraf Carle, wiewol es ain
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redlicher fürst, noch so stand im der unfal zu im pfalzgrevischen krieg, das er in freiem feld gefangen wardt, zu seiner erledigung ain große somma gelts geben must, zu dem auch die statt Pforzhaim der Pfalz aignen und von der zu lehen tragen, als auch noch uf heutigen dag beschicht. Neben
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dem hat sich auch der unfal in dem holsteinischen heurat reuchlichen erwisen. Solchs hat die gestalt. Es vermehlet im herzog Gerhart [von][9] Schleswig und von Holstain margrafen Carls von Baden schwester, genannt Anna. Matheus Marschalk nennt sie Agnes[10]. Es ward die hochzeit zu Baden

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[180] mit fürstlichem bracht gehalten, und blib der herzog ain zeit lang am Reinstram, da im zu Haidelberg beim curfürsten, auch anderswa vil ehr als ainem frembden ward erzaigt. Hiezwüschen war die margrefin, bemelts herzogen
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gemahel, schwanger; die nam er auch bald hernach mit sich uf den weg nach Holstain. Es wuchs ir der leib in maßen, das sie im sibenden monat nach der hochzeit zwaier zweiling, ains herrn und ains fröles, im land zu Holstain gepare, dessen herzog Gerhard hochlich erfrewt, dergleichen
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auch sein ganze landtschaft. Aber es het der hemelt herzog noch ain bruder, der hieß Adolf, was ein strenger fürst. Der welt dise gepurt nit passiren oder gut haißen, sonder beschwert die fürstin, sein bruders weib, hoch, uf mainung, als ob die kinder nit seines bruders weren, sonder het die
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von ainem andern vor der hochzeit erlangt und ufgelesen. Darauß ward ain wilder handel und das man vil damit trib, er kunt nit rubig sein; vileucht war er ir sonst find, oder het nit ger gesehen, das sich der bruder mit ir het als ainer ußlenderin verheurat. Derhalben verordnet er zu ir nit
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wenig edler frawen, auch ander ußer den stetten, die alle gelegenhait und wie es umb die geschwai und ire kinder ain gestalt, mit vleiß sollten erkundigen. Die besichtigten die kinder, sagten auch alle, sie weren herzog Gerhards. Zu dem warden die arzet und doctores in der medicin
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derhalben befragt; die sagten ainhellig, das ain solche gepurt ußer naturlichen ursachen, die sie auch damit waren anzaigen, wol mögte beschehen; dann wer wolte anders, und ob es gleich nit war gewest, gesagt, die fürstin beschempt und also etliche fürsten des reichs uf sich haben geladen? Aber
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dise zeugnus der weiber und dann der arzet mögte bei dem fürsten, herzog Adolfen, sovil nit verfahen, das er sich ab seiner gefassten und fürgesetzten mainung wollt weisen lassen, sonder behart mit großem schmerzen und herzenlaid seines bruders, herzog Gerhards, und vilen in der
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landtschaft, denen nit lieb ward, das sich die fürsten also selbs verklainerten und zu schanden machten. So waren die margrafen von Baden der fürstin zu weit gesessen, die kunten ir wenig hilfs oder beistands erweisen. Darauß volgt, das sie zuletzst vor dem ufsatz ires schwagers lenger in
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Holstain nit bleiben kunte, sonder weichen must; zog derhalben widerum herauß gen Baden. Irem gemahel, herzog

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[181] Gerhard[11], war dises trewlichen laid, raiset ir nach herauß, der mainung, das er sie bei iren fründen, den [1551] margrafen, widerumb holen wollt und beiwonung thon. Aber der from fürst starb under wegen im Niderland zu Emmerich.
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Des wurden die kinder von ainandern gsondert, das frewlin ward in ain frawencloster gethon, so starb der jung herr auch bald hernach, also das ain unfal über den ander kam, und blib den margrafen die kappen, das menigclich von inen, auch irer dochter, schwester und basen sagt. Und wiewol
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es naturlich ist, das die weiber zun zeiten gleichwol sollten im sibenden monat geperen, auch die kaiserlichen recht vermögen, das ain ieder eheman ain solche gepurt als legitimam[12] annemen muß, so musten doch die margrafen hiebei sichtbarlichen die straf Gottes greifen und sich in irem aignen
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unfal getresten, wie sie mögten, und musten mit irem unfal und verdienten straf andere geschlechter der zeit auch unfelig machen, das sich dann sonderlichen bei disen herzogen von Holstain erzaigt und ain ursach gewest, das ir geschlecht zu abgang geraten. Man sagt, dise margrefin hab den
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herzogen von Schleswig und Holstain gar ungeren genommen und soll ain anderer im spil sein gewest, nemlich herr Hanns freiherr von Hewen. Der war am margrafenhof erzogen worden; sein vatter hieß her Petter, war ain ritter, sein muter Anna war grave Haugen von Werchberg[13] und
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Hailgenberg und dann ainer burgrefin von Nürnberg dochter. Denselbigen her Hannsen von Hewen soll dise margrefin haimlichen genommen haben. Darbei laß ichs bleiben. Ob dann schon nit vil glücks darbei gewest, das ist kain wunder. So bald sie widerum herauß kam uß Holstain, do
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ward sie eingesetzt und die übrige zeit ires lebens zu ..... fenglichen enthalten. Sie starb in der gefengnus (ward doch zuvor blindt) in großer miseria und ellend; darvon mögt ain rechte tragödia geschriben werden. Und wiewol dise sachen lenge halben der zeit bei uns in ain vergess kommen
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und geschwigen, so wurt es doch in den holstainschen historien als ain ehehafte behriben und sonderlichen von hern Johannsen Petersen[14] in seinen alten verzaichnussen vorfonden.

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[182] Man schreibt, es hab herzog Adolf das absterben des jungen herren mit groser betrübtnus ufgenommen, zudem der dodt seins bruders, herzog Gerhards, in nit wenig het bekommert, auch allererst sahe, wie es hinauß wollt,
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nemlich den abgang seines geschlechts besorgendt, wie es sich dann hernach mit ime über etlich jar geendet hat, wie folgen wurt. Aber es war sein rewkauf und sein leid vil zu spat. Iedocht, damit an ime nichts erwunde, do verheurat er sich ußer rath seiner ritterschaft und des lands mit ainer grefin
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von Mansfeldt. Das beschach im jar nach Cristi gepurt 1433. Aber er überkam kaine kinder, zu gedenken, es wer der will Gottes also und ain sondere straf, seitmals er vorhin seinem bruder die erben und kinder missgont, das er auch one leibserben sollte absterben. Das beschach hernach
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anno 1459, das er starb und kainen leibserben verließ. Do fiel das herzogtum Schleswig als ain manlehen widerum an die cron Denmark, doher es zu lehen herrüret. Aber mit dem herzogtum Holstain do fiel ain großer zweifel ain, wem das sollte zugeheren. Etlich vermainten, es wer ain lehen
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vom römischen reich, dem wer es haimgefallen, oder aber es geherte uf die manliche linia und nechst agnaten. Dozumal lept grave Otto von Schawenburg mit vil sönen, als grave Adolfen, Erichen, Ernsten, Bernhardt, Ottone, Hainrichen, Antonio und Johannsen. Derselbig alt herr, graf
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Otto, war der nechst von den manlichen agnaten, iedoch herzog Adolfen ser weit verwant, dann sich die linien[15] vor vil jaren hetten getailt, het auch mit so vil sönen ain solliche oder vileucht ain grösere landtschaft gebraucht und under sie ußtailen kenden. Darneben aber war könig Cristian
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von Denmark verhanden, mit baiden seinen brüder, grafen Gerhardten und Mauricio von Oldenburg, die waren herzog Adolfen, des verstorbnen, schwester söne, und het auch bemelter herzog Adolf seinem vetter, grafen Cristian von Altenburg, zu dem königreich Denmarkt, als im das war von den
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Denmarker nach absterben könig Cristofs angebotten worden, verholfen; und war der ganz adel in grosem zweifel, welchen sie zu ainem erbherren sollten behalten, oder dem das von rechts wegen sollt zugeheren. Ain tail hankt sich an den könig und sucht beschürmung von ime, die ander hielten
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sich an grafen und bedrachten die wolthaten, so die graven

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[183] von Schawenburg dem land zu Holstain hievor zum oftermal bewisen. Sie sein derhalben zu allen tailen zu Lübeck zusammen kommen, aber es ward nichts ußgericht. Letstlich kamen sie zu Oldenslo wider zusamen; do hat sie der
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bischof Arnold von Lübeck, der lehenherr des lands zu Holstain, so von des remischen reichs wegen aldo, nachfolgender gestalt verglichen, namlich so ward grave [1552] Otto von Schawenburg mit drei und vierzig tausent guldin vom land zu Holstain abgewisen, das er guts willens von aller seiner
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vorderung und gerechtigkait abstande. Darnach hat der adel und die landtschaft den obgemelten könig von Denmark zu irem herren erwellt, haben im auch darauf gehuldiget und geschworen, gleichwol nit als aim kinig von Denmark, sonder als aim fursten von Holstain. Ist beschehen im jar
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nach Cristi unsers herren gepurt 1460. Also, wie iezo gemelt, sein die herzogen von Holstain auch mit den margrafen von Baden in unfal kommen, und, wie zu achten, ainer des ander entgelten müßen. Das ich aber widerum uf der margrafen von Baden
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sachen kom, so het margraf Carle ain son, hieß Cristof, der war ain loblicher, fridlicher und verstendiger fürst, bei kaiser Maximiliano in aim hohen ansehen und glauben, aber er wolt seinen sönen zu lang leben; sie gaben gleichwol sein übelhausen für. Do legten sie ine gefangen uf Alten-
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Baden. Darzu halfen etlich Großhannsen von der landtschaft, und triben nur die zwen jungen margrafen den handel. Das waren margraf Philips[16] und margraf Ernst; die waren dem vatter so ußetzig; die andere söne namen sich der sach nichs an, waren auch ainstails nit zu lant. Und ist
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also der frum, alt margraf etlich jar verwart biß in sein ende gelegen. Er starb anno 1527, und het leicht gefellt, es hetten in die bauren, seine aigne underthonen, in der beurischen ufrur, anno 1525, mit gewalt ledig gemacht und wider eingesetzt. Es haben denost die margrafen von
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Brandenburg mer ursach gehapt, iren vatter, margraf Fridrichen, in verwarung zu haben, und das menigclichen vor ime gesicheret seie, dieweil er sogar unbesint war; darzu man sagt, das im sein vilfaltig rennen und stechen und die sorgclichen großen fel, die er vilmals gethon, ain ursach gewest. Nach
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absterben des margraf Casemiri do nam in margraf Jerg,

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[184] sein son, widerum ußer der verwarung, und regirt in ainem schein; aber er lept doch nit lang darnach. Wie margraf Philips mit seinem aignen vatter gehandlet, also that er hernach mit seinem leiblichen bruder, margraf Bernharden, der
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mertails im Niderland bei fraw Margrethen, der gubernantin, zu hof. Der übersach auch die schanz und ward vom bruder gefangen. Wollt er nur wider ledig sein, do must er sich aller administration des lands verzeihen, gleichwol im dargegen ain järliche competenz an gelt geordnet ward. Ehe
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nun die sachen gar verbriefet und ufgericht, so ersicht margraf Bernhart sein gelegenhait, reisst auß und kam darvon. Darauf bracht er durch fraw Margrethen bei kaiser Carlen ain andern vertrag zuwegen, und musten ime die zwen bruder sein gepürenden tail verfolgen lassen. Bei lebzeiten
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margrafen Philipsen do het er das statthalterampt in Lützelburg; hernach starb margraf Philips, ain ungetrewer Franzos, bei denen er von jugend uferzogen, und verließ nit mer dann ain dochter, war herzog Wilhelmen von Bayrn verheurat. Die entzog den margrafen alle irs vatters barschaft
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und groß gut, das kam alles in Bayrn. Nach seinem dodt ward margraf Bernharten der tail Margrafen-Baden. Von margraf Ernsten ist sonst vil in diser historia geschriben. Wie bald aber derselbig sein dochter, fraw Elsbeth, dem Salamanca, graf Gabrieln von Ortenberg, versprach, do
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entpfieng sein bruder, der margraf Bernhart, ain sollichen unwillen darab, das er in seinem alter erst ain französische grefin ußer dem lützelburgischen geschlecht, des namens von Brienne und Ligni, zur ehe nam. Bei der überkam er zwen söne, die noch leben, margraf Philiperten und margraf
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Cristoffen. Domit entgieng margraf Erensten diser tail an der margrafschaft, die ime sonst bliben were; welches alles, so das recht erwogen, wunderbarliche verhengnussen Gottes sein; dann die baid jung margrafen sich verheurat, der ain mit herzog Albrechten von Bayrn schwester, von dero er
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söne und döchteren, der ander und junger aber hat vermehelt ain königin von Schweden, des königs Gostavi dochter. So het margraf Ernst nur ain ainzigen son von der Rosenfelderin verlassen, genannt margraf Carl. Der hat von baiden seinen gemahln, des unsinnigen margraf Albrechts
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von Brandenburg schwester, und dann ainer jungen pfalzgrefin, auch etliche söne und döchteren. Von seiner haushaltung, und wie die geraten oder glück darbei sein werde,

1 [185] do werden noch die nachkommen von sagen künden, dann die gaistlichen güter, wo sie bei den weltlichen erwarmen, selten fürschlagen. *



  1. worden] hs. wurden.
  2. ain] hs. in.
  3. Hainzmann von Eberstain] Berthold III von Eberstein heirathete Margaretha von Öttingen; deren sohn Wilhehm nahm die freiin Margaretha von Erbach zur frau.
  4. ....] der name läßt sich weder durch die ebersteinischen, noch durch die badischen stammtafeln, mit welchen die folgenden angaben überhaupt in vielfachem widerspruche stehen, ergänzen. Eine Kunigunde von Eberstein heirathete den markgrafen Rudolf I von Baden.
  5. hetten] hs. hette.
  6. verlassen] hs. verlannsen.
  7. eltern] hs. eller.
  8. solliche] hs. sollichen.
  9. von] fehlt in der hs.
  10. Agnes] so hieß sie; sie war nicht die schwester, sondern die tante des markgrafen Carl I.
  11. Gerhard] hs. Gerhards.
  12. legitimam] hs. ligitimam.
  13. Werchberg] d. i. Werdenberg.
  14. Petersen] Chronica der Lande Holsten, Stormarn, Ditmarschen und Wagern. Frankf. 1557. 20.
  15. linien] hs. linie.
  16. margraf Philips] hs, margrafs Philips.