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Zedler:Aas

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Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste
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Aaschaour

Band: 1 (1732), Spalte: 27–29. (Scan)

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Aas, lat. Cadaver, ist ein entseelter Cörper, die Ebräer nenneten es כֿﬤﬥﬣ von dem radice כֿﬤﬥ cecidit, a cadere, fallen. Dieses Wort wird gebraucht von Menschen, 1 Reg. I 3, 29. 2 Reg. 9, 37. Es. 27, 19. und von denen Vögeln, desgleichen von andern Thieren, Lev. 22, 8. v. Leigh. Crit. Sacr. V. T. p. 1346. Wer im Alten Testament ein Aas anrührte, ward vor unrein gehalten, vielweniger durffte einer davon essen, Lev. 5, 2. c. 7, 24. c. II. tot. c. 17, 15. Auch der Ort, wo es gelegen, war unrein, c. II, 35. Es hatten die Juden auch ein Gesetz, welches also lautet: Wenn eines erschlagenen Menschen Cörper solte gefunden werden in dem Lande, das dir der HERR dein GOtt zu besitzen giebt, und er liegt auf dem Felde, und man weiß nicht wer ihn erschlagen; so sollen deine Aeltesten und deine Richter hinaus gehen, und von denen um selbige Gegend herum liegenden Städten an messen, bis an den Ort, wo es lieget. Welche unter diesen Städten die nächste ist, deren Aeltesten sollen eine junge Kuh nehmen, die noch nicht unter dem Joche gezogen, und sollen sie hinaus führen auf einen rauhen und steinigen Hügel, darauf weder geplüget noch etwas gesäet worden, und sollen sie erwürgen. Alsdenn sollen herzutreten die Priester, die Kinder Levi, die der HERR verordnet, daß sie ihm dienen, und segnen sollen im Nahmen des HERRN: diese werden dich beschuldigen, und dir die Plagen ankündigen. Und die Aeltesten derselben Stadt werden ihre Hände waschen über der erwürgten Kuh, und werden antworten: Unsere Hände haben dieses Blut nicht vergossen, auch haben es unsere Augen nicht gesehen. HERR, sey deinem Volcke gnädig, welches du erkaufft hast, und räche nicht dieses unschuldige Blut an Israel. Und die Schuld wird alsdenn von ihnen genommen werden. Du aber wirst keinen Theil haben an dem unschuldig vergossenen Blut, so du thust, was vor GOtt gefällig ist. Dieses Gesetze nun gieng nicht nur das grosse Synedrium an, sondern auch die übrigen und Priester in kleinen Städten, v. Selden, de Synedr. V. E. L. III, c. 7, p. 50. Bey andern Völckern waren unterschiedene Arten, die todten Cörper aus dem Weg zu räumen, im Gebrauch. Die Massagetae und Derbitae [28] heben sie gegessen; die Colchi, Parthi etc. aufgehenckt; die Abcasses begraben ihre Todten nicht, sondern stellen sie an statt eines Sarges in einen ausgehölten Stamm, welchen sie an die höhesten Aeste eines grossen Baums hinauf ziehen, und also den erblichenen Cörper in der Lufft begraben. Theuenot. Etliche haben sie ins Wasser geworffen, wie die Lotophagi und Iothyophagi. Ingleichen die Einwohner der Insul Meroe, welche doch auch noch andere Moden hatten, also daß sie ihre Todten entweder in gläserne Särge legten, und bey sich zu Hause aufhuben, oder in irdenen Särgen an den Tempeln herum beysetzten. Strabo Geogr. XVII, p. 1178; Die Hircani haben sie denen Hunden; Die Persae denen Vögeln; Die Magi denen wilden Thieren hingeworffen. Einige Einwohner der Stadt Ispahan, Kibber genannt, führen die todten Cörper in ein Closter, und lehnen dieselbe an eine Mauer: fressen nun die Vögel das rechte Auge aus, so sind sie selig verstorben; wo aber das lincke, so zehlen sie dieselbe unter die Verdammten. Jene nun lassen sie sanft in ein Grab versencken, diese aber, die Verdammten, stürtzen sie hinab in tieffe Gruben. Die Einwohner vom Zeilan pflegen ihre Verstorbenen zu salben und in köstliche Leinwand einzuwickeln. Desgleichen lesen wir auch von denen Egyptern, bey dem Diodor. Sicul. L. I, c. 8. v. Martin Geyerus de Luct. Ebraeor. p. 104, seq. Wie endlich die Römer ihre Todten verbrennet, berichten alle Historien einhellig. In der heiligen Schrifft wird die gottlose Isabel ein Aas genennet, 2 Reg. 9. 37. Hiob sagt von sich selber: Er vergehe wie ein Aas, Iob. 13. 28. GOtt drohete dem Könige in Egypten, daß er zum Aas werden solte, Ezech. 31, 5. c. 32, 5. Simson fand in dem Löwen, so er getödtet, einen Bienen-Schwarm, und wild Honig. Iudic. 14, 8. 9. Der Herr Christus vergleichet sich mit einem Aas, Matth. 24. 28. Wo ein Aas ist, da sammeln sich die Adler. Welches Sprichwort insgemein von der Versammlung derer Gläubigen zu ihrem JEsu verstanden wird: daß gleichwie die Adler häuffig und begierig zu dem Aas flögen; so würden die Gläubigen sich auch dermahleinst zu ihrem Christo versammeln. Nun hat zwar Christus die Verwesung nicht gesehen, ist auch kein Aas im Tode worden, und dennoch hat es ihm beliebet, sich damit zu vergleichen. Einigen unserer Lehrer klinget dis Wort hart, und sind daher bewogen worden, von der eigentlichen Erklärung abzuweichen, und auf die Zerstörung der Stadt Jerusalem zu deuten: Denn solche war ja wohl das Aas, daran der Herr einen Greuel hatte, wie er denn schon ehemals Egypten-Land mit einem Aas verglichen, da er sagt: Du wirst aufs Land fallen, etc. Ezech. 29, 5. Zu diesem Aas nun, nemlich zu Jerusalem, solten sich die Römer, als welche den Adler in ihren Fahnen führeten, versammlen, und es verwüsten, wie Hab. I, 8. stehet: Ihre Reuter ziehen mit grossen Hauffen von ferne daher, als flögen sie, wie die Adler eilen zum Aas. Sonsten hieß dieses Wort bey den alten ein Cörper, der die Ehre eines Begräbnisses nicht verdienete, oder nicht begraben worden war, daher Isidorus sagt: Omnis mortuus aur funus est, aur cadaver. Seinen Ursprung hat es eigentlich vom Essen, u. aus der Mühle her, darinnen man aber nicht mit Fleisch, geschweige umgefallenem Viehe, sondern mit Korn-Früchten zu thun hat, und wird desselben in denen Chur-Sächsischen Mühl-Ordnungen unterm Jahre 1606 u. 1613 gedacht, darunter aber nichts anders als das geringe von dem geschroteten, oder eigentlich das Schrot selber verstanden wird. [29] Man bedienet sich dessen, theils das zahme Vieh damit zu füttern, theils das wilde Vieh damit zu körnen und herbey zu locken, wie die Vogelsteller zu thun pflegen. Nachgehends haben auch die Fischer angefangen, mit Fleisch und Gewürm die Fische an die Angel und ins Garn zu ziehen: die Jagd-Bediente aber, weilen sie gegläubet, wenn alles Wild sich vom Getreyde nehren wolte, daß solches vor die Menschen nicht zulänglich seyn würde, haben das Ludern durch den Koder erfunden. Und da die Obrigkeit denen Abdeckern eine Anzahl Hunde zu verpflegen, insgemein bey Verpachtung der Feld-Meistereyen mit eindinget, deren Verpflegung aber mit Brod allzukostbar wäre; als gebrauchen selbige an dessen statt das umgefallene Vieh, woher es endlich kommen ist, daß das Wort Aas nicht mehr von ordentlicher menschlicher Speise aus Getreydig, sondern nur von Sterblingen gebrauchet wird. Corp. Iur. Sax. Vol. 3. Cameral. f. 113.