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Zedler:Aarsen, , van Arßen

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Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste
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Aarwangen

Band: 1 (1732), Spalte: 25–27. (Scan)

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Aarsen, van Aarßen, oder wie andere wollen, Aarsens, ist ein in Holland berühmtes Geschlecht, welches seinen Ursprung aus Brabant führet, und unter Cornelio von Spyck und dessen Sohne, Francisco von Aarsen, Herrn von Sommelsdyck und Gressier der General-Staaten zu grossem Wachsthum und Aufnahme gekommen ist. Sein Herr Vater war ein sehr erfahrner und geschickter Mann, und bedienete eine solche Amts-Verrichtung, daß es ihm gar leicht fiele, seinem Sohne auch Unterricht darinnen zu geben. Er war einer von denen Staats-Leuten, so die vereinigten Provintzen iemals zu Tractirung derer grösten Staats-Sachen gebraucht haben. Er bedienet sich der Anweisung des Herrn von Plessis Mournay in Erkenntniß des Staats von Franckreich mit ungemeinem Nutzen, so daß er von dem berühmten Oldenbarneveld an. 1598, zu der Residenten Stelle in Franckreich vorgeschlagen wurde, dieselbe erhielt, und endlich gar dem an. 1609, mit Spanien geschlossenen Stillstande als Ambassadeur beywohnte. Erwehnter Franciscus war der erste, welcher den Titul eines Ambassadeurs der vereinigten Niederlande führete, und zwar mit solchem Ruhm, daß auch seine Feinde selbst haben bekennen müssen, daß er die Eigenschafften eines vollkommenen Staats-Mannes auf gehörige Art an sich finden liesse. Ja er wurde von dem Frantzösischen Hof selbsten in der Qualité eines Ambassadeurs zu erst erkannt, und Henricus IV declarirte hierauf, daß der Ambassadeur der vereinigten Niederlande immediate nach dem Venetianischen seinen Rang nehmen solte. Da er als Gesandter bey der Republic Venedig und nach diesem in Franckreich sich befand, machte er sich nicht nur bey denen vornehmsten und erfahrensten Staats-Leuten, dem Roni, Sillery, Ieannin, Villeroi und vielen andern durch seine vortrefflichen Meriten beliebt, sondern wurde auch von dem König Heinrich dem IV mit dem Ritter-Orden von St. Michael begnadiget. Er hatte eine Gemahlin, welche gar seine äusserlichen Gaben hatte, und dahero von erwehtem Könige auf eine besondre gnädige Art geliebet wurde; deswegen wollen unterschiedene dieselbe als den Grundstein und Stütze ansehen, auf welchem das Glück Francisci gebauet und unterhalten worden. Die Gemahlin Heinrichs IV war ihm nicht ungewogen, und machte er sich den freyen Zutritt, den er bey ihrem Hof hatte, wohl zu Nutze; massen er viele Maximen einsahe und dadurch das Interesse seiner Principalen zwar mächtig beförderte, sich selbst aber durch allzueifrige Widerstrebung in denen Frantzösischen Absichten, und besonders, weil er die Handlungen derer Frantzösischen Gesandten des du Maurier und Boissise im Haag zernichtete, den grösten Schaden that: denn dieses war die wahrhafte Ursache, weswegen ihm bey der Böhmischen Unruhe im Jahr 1620 auf Befehl Ludovici XIII. die Visite von denen Frantzösischen Ministres, so an etliche Teutsche und Italiänische Höfe abgesendet waren, durchaus versaget wurde. Aus seinen zu Pappier gebrachten Nachrichten erhellet, daß er in Engelland und andern Höfen die Charge eines Ambassadeurs verwaltet, und die von dem Staat mitgegebenen Instructionen und Credentiales selbst ausgearbeitet habe. Woraus deutlich abzunehmen, daß er nicht allein vermögend gewesen, selbst geschicklich zu negotiiren, sondern auch andere Gesandten mit tüchtiger Anweisung zu versehen. Er hielt die Parthey des Oranischen Hauses, und erweckte sich dadurch viele Feinschafft, welche ihm aber nicht viel schadete. Der Printz von Oranien [26] Wilhelm der II, setzte indeß ein solches Vertrauen auf ihn, daß er ihn nach Engelland sendete, seine Vermählung mit der dasigen Printzeßin zu Stande zu bringen, welche er auch glücklich zu Stande gebracht. Die Verstellungs-Kunst hat er ungemein begriffen, und wuste unter der Holländischen Aufrichtigkeit und Einfalt vieles zu verbergen. Mr. du Plessis Mornay nahm solches gar deutlich wahr, und ließ sich dennenhero verlauten, er würde die Leute auf eine geschickte Weise zu betrügen wissen. Richelieu selbst gab ihm das Zeugniß, daß er so viele Erfahrung und Staats-Klugheit besässe, als der Cantzler von Montferrat Traiano Viscardi, und der Schwedische Cantzler Oxenstirn. Er verließ dieses Zeitliche in hohen Jahren, und hinterließ seinem Sohne, dem Hn. von Sommelsdyk, ein ungemein Vermögen, durch welches er Gouverneur in Niemägen, und Obrister über ein Regiment wurde. Dieser hinterließ auch zween Söhne, Franciscum und Cornelium, von welchen der erstere bey der Uberfahrt aus Engelland nach Holland an. 1695 im Wasser umkam; der letztere aber an. 1688 durch mörderische Hand sein Leben zu Surina, wo er Gouverneur war, enden muste. Dieser Cornelius heyrathete die älteste Tochter des Marquis von St. Andre-Mombrun, und zeugete mit derselben Franciscum von Aarsen, welcher annoch lebet, und Vice-Admiral von Amsterdam ist. Da aber oben erwehnet worden, wie Francicus von Aarsen auch an die Republic Venedig geschickt worden, so muß auch noch angemercket werden, was derCardinal Pallavicin, dem Pater Paolo, vorgeworffen praefat. de l’historie du Concile de Trente, so Amelot de la Houssaye ediret; wie er nemlich von dem Herrn von Zuilichem, Secretario des Printzen von Oranien, einen Brief besitze, worinnen dieser erzehle, daß, als er zu Venedig einer hefftigen Unterredung, so daselbst zwischen den Herrn von Sommelsdyck, Holländischen Abgesandten, und dem Pater Paolo, vorgefallen wäre, beygewohnet, der Pater gegen diesen Ministre sich also vernehmen lassen: Er empfinde eine überaus grosse Freude hierüber, daß er das Glück habe, den Gesandten einer Republic zu sehen, welcher den Pabst vor den veritablen Anti-Christ halte. Und bringet der Autor des Buches, so betitult ist: Cancellaria Secreta Anhaltina, noch einige Fragmenta von diesen Briefen zum Vorschein, woraus man unter andern so viel ersiehet, wie Franciscus von Aarsen, als er nach Venedig gegangen, nicht weniger mit Credentialien versehen gewesen, um mit den Protestantischen Cantons in der Schweitz zu tractiren, woher ihm besondere Ehren-Bezeugungen wiederfahren; weswegen er auch würcklich ein Jahr hernach, als gewisse Deputirte von denen Schweitzern auf den Dordrechtischen Synodum waren geschicket worden, bey jenen seine Dancksagung ablegte, daß die Protestantischen Städte und Gemeinden keinen von ihren Priestern auf nur erwehnten Synodum geschicket hätten. Cancell. Anhalt. p. 151. Auch kan zu dem, was oben bereits von der Ungnade gedacht worden, worein er zuletzt bey dem König in Franckr. gefallen, noch hinzugefüget werden, was Maurier erzehlet, wie nehmlich Mr. de Boissise an. 1618 vom Könige Ordre erhalten habe, sich in dessen Nahmen bey denen General-Staaten über den Libellum Famosum zu beschwehren, welcher von Francisco Aarsens zu grossem Aergerniß und Verunehrung des Königl. Staats-Ministerii geschrieben, unterzeichnet und heraus gegeben worden wäre. Wannenhero es scheint, es sey die Klage darauf mit gegründet gewesen, was man nehmlich das Frantzösische Staats-Ministerium beschuldiget [27] hatte, daß dasselbe den König dahin zu bereden sich angelegen seyn lassen, damit er sich zu denenjenigen schlagen möchte, welche an dem Consilio schmiedeten, wie man die vereinigten Niederlande wiederum unter das Spanische Joch ziehen möchte. Wicquefort de L’ Ambassadeur L. I, p. 461. L. II, p. 722, und 958. Memories d’ Amelot de la Houssaye.