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Zürich (An Hügin)

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Textdaten
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Autor: Joachim Ringelnatz
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Titel: Zürich (An Hügin)
Untertitel:
aus: Reisebriefe eines Artisten, S. 115, 116
Herausgeber:
Auflage: 5.–9. Tausend
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1928 (EA 1927)
Verlag: Ernst Rowohlt
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Erscheinungsort: Berlin
Übersetzer:
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Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[115]
ZÜRICH
(An Hügin)


Frage ich mich: Führ ich
Gern ein zweites Mal dorthin
Nach (Hamburgli-) Zürich?? –
Merk ich doch, daß ich im Zweifel bin.

5
Ungeachtet dessen – immerhin!


Wer, wie ich, die ganze Stadt
Und die weitere Umgebung
Zwecks privater Schiller-Neubelebung
Oberhalb und unterhalb durchbummelt hat,

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Der kommt aus der hohlen Gasse

Tagelang oft gar nicht mehr heraus.
Doch ist dort auch eine ganze Masse
Ernster Künstler und auch sonst zu Haus
Und vertragen sich wie Katz und Pack und Maus.

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Ihnen, mir, auch anderen wahrscheinlich,

Ist die Stadt zu übertrieben reinlich.
Nirgends Pferdefrüchte auf dem Pflaster.
Nirgends Sünde, nirgends Laster.
Und die Polizei berührt uns peinlich.

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In den Kneipen sah ich beim Walliser

Anfangs lauter breitgenährte Spießer,
Immer sechs um einen Patriarchen,
Und ihr Sprechen klang mir erst wie Schnarchen.

[116]

Aber bald entdeckte ich, Gott sei Dank,

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Daß sie doch trotz ihrer Meistermienen,

Wachgehalten vom politischen Dreiklang,
Freier, schöner waren, als sie schienen.

Ja, sie schwimmen wirtschaftlich im Glücke,
Hamstern zentnerschwere Frankenstücke,

30
Zahlen winzi-niedli-kleine Rappen.


Hmm!
Das Glück geht ihnen durch die Lappen,
Und ihr Unglück hält sich fern.
Immerhin: ich würde doch sehr gern

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Wieder einmal frische Luft dort schnappen.


O daß die ewig nicht so friedlich bliebe
Die kriegverschonte, teure Schweiz!

Ich grüße Zürich einerseits und andrerseits
Und viele Freunde dort, die ich sehr lieb habe.