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Wieder Einer!

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
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Autor: K. (=Ernst Keil?)
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Titel: Wieder Einer!
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aus: Die Gartenlaube, Heft 51, S. 816
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1867
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Heinrich Kaltschmidt
Blätter und Blüthen
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Bearbeitungsstand
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[816] Wieder Einer! Viele von Denen, die der Sturm des Jahres 1848 hinweg aus Deutschland fegte und die jetzt draußen in der Fremde und weit über den Meeren sich mühsam eine neue Existenz erkämpften, werden es mit Trauer vernehmen, daß einer ihrer treuesten Freunde, der Besitzer der Rheinländischen Weinstube in Leipzig, Heinrich Kaltschmidt, nun auch heimgegangen ist. Sein Name hatte nicht nur eine locale Bedeutung. In seiner Restauration versammelten sich einst – wie beim seligen Werner im Hahn – die politischen Flüchtlinge aller Nationen, um unter seinem Vorsitz und mit seinem gewichtigen Rath über die nächsten Ziele ihrer Flucht und die dazu nöthigen Mittel zu berathen. In dem Hinterstübchen seines Locales sind in diesen und in den späteren Jahren bis auf die Neuzeit herauf in Gegenwart der besten deutschen Männer Beschlüsse gefaßt und zur Ausführung gebracht worden, die in ganz Deutschland Aufnahme und Anerkennung fanden. Er selbst, dessen Demokratie nicht erst aus dem achtundvierziger Jahre stammte, nahm an Allem den lebhaftesten und innigsten Antheil und seine Meinung ward oft zur maßgebenden. Mit mehr als gewöhnlicher Bildung und einem haarscharfen Verstande verband er eine Entschiedenheit und Consequenz der Gesinnung, wie sie jetzt in den Zeiten des Rechnungtragens immer seltener wird. Dabei war er ein Mann der That, nicht nur der Phrase. An seinen frischen Grabeshügel können gar Manche hintreten und in sein stilles Haus ihm den Dank nachrufen, daß er sie gerettet vor langjährigem Gefängniß und Zuchthaus, oft mit eigener Gefahr – er hat die eine That mit mehrmonatlichem Gefängniß gebüßt –, oft mit Hülfe seiner nächsten Freunde, oder auch durch seinen klugen Rath und durch geschickte Irreführung der Verfolger von der Spur des edlen Wildes. Selten nur sprach er davon und nur Wenige wissen, was er gethan, zu einer Zeit, wo er selbst noch um seine eigene Existenz kämpfte. Er war eben ein ganzer Mann, und wenn er auch nie eine öffentliche Rolle gespielt: das Andenken an seine stille, aber thatkräftige Wirksamkeit wird sich nicht mit dem Deckel seines Sarges schließen.
K.