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Wenn junge Leute heut' beisammen sitzen

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
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Autor: Rudolf Lavant
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Titel: Wenn junge Leute heut beisammen sitzen
Untertitel:
aus: Eichenlaub und Fichtenreis
Herausgeber: Wilhelm Achilles
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1901
Verlag: Verlag von Wilhelm Achilles
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Erscheinungsort: Leipzig-Eutritzsch
Übersetzer:
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Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons,
S. 65–67
Kurzbeschreibung:
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Bild
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Bearbeitungsstand
fertig
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[65]

b) Heiteres.
47.


     Mel.: Kommt mich einmal ein guter Freund besuchen etc.

     1. Wenn junge Leute heut’ beisammen sitzen, wie das der Zufall in der Kneipe fügt, so rauchen sie aus ihren Meerschaumspitzen und schwatzen dies und das und das genügt. Fängt aber Einer dann etwa vom Turnen an, so zieht man [66] ein verdrossenes Gesicht; die Zeit des Turnens sei, so meinen sie, vorbei, „und überhaupt – es imponirt mir nicht!“

     2. Hat man am Tage seine neun, zehn Stunden, wobei ’s Trepp ab, Trepp auf geht immerzu, geschäftlich sich nach Möglichkeit geschunden, so will der Mensch am Abend seine Ruh. Wenn ins Variété ich zur Erholung geh, so fühl’ ich dort mich immer äußerst schlau; recht gut gefällt mir’s auch, nach junger Leute Brauch, bei Bockmusik und zünftigem Radau.“

     3. Der Andre meint: „Es ist mir zu beschwerlich, am Abend noch dem Turnen mich zu weih’n; die Sache ist zudem nicht ungefährlich – man bricht zu guter Letzt Arm oder Bein. Hat sich der Mensch erhitzt und schauderhaft geschwitzt, so zieht er wohl, ist’s draußen kalt, im Nu für seine Turnerlust sich etwas auf der Brust, vielleicht sogar die Lungenschwindsucht zu.“

     4. Der Dritte sagt nach kurzer Überlegung: „Wer schwitzen will, dampft im Sophienbad, und hab ich sonst Bedürfnis nach Bewegung, kann ich sie haben ja – ich fahre Rad. Man rollt von Ort zu Ort, auch ist’s ein feiner Sport, der Erste Beste kann da mit nicht thun, doch bei der Turnerei ist Hinz und Kunz dabei – mir ist die ganze Sache zu commun!“

     5. Ein Vierter spricht: „Was ist denn zu erzielen bei eurem Turnen? Eine Hand voll Horn! Da lob’ ich mir doch das Lawn-Tennis-Spielen, das zierlich ist von hinten und von vorn; und diesem Spiele weiht sich selbst die Weiblichkeit, die es sogar zum Lieblingssport erkor; auch kommt so nebenbei bei dieser Spielerei manch hübsches, kleines Techtelmechtel vor.“

[67]

     6. Der Fünfte raunt mit äußerst schlauen Mienen: „Was brauch’ ich Muskeln denn von Stein und Stahl? Ich habe wahrlich keine Lust, zu dienen, und stelle heuer mich – zum dritten Mal. Ist dieser Schmerz vorbei und bin ich glücklich frei, ist dieses nächste hohe Ziel erreicht, wenn diese Rücksicht fällt, die mich gefangen hält, dann fang ich auch zu turnen an – vielleicht.

     7. Der Sechste spricht mit schüchternem Erröten; „Ich habe immer gerne turnen sehn, doch hab’ ich meine Abende von nöten – wann soll ich denn zu meiner Kleinen gehn? Der kleine Herzensdieb hat mich zum Fressen lieb, sie ist mein Glück und obendrein mein Stolz, und ladet Mondenschein zum Promeniren ein, so will sie immer in das Scheibenholz.“

     8. „Nun ja, es ist die alte Schmach und Schande!“ knurrt dann der Turner. „Wißt ihr, was ihr seid in meinen Augen? Eine faule Bande, und jeder von euch Sechsen thut mir leid. Wer nicht in seinem Wert das deutsche Turnen ehrt, wer da nicht hineilt, wo sein Banner weht, der ist ein halber Mann, den man nicht achten kann!“ Dann nimmt er seinen weichen Hut und – geht.