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Wenn Schauspieler sich versprechen

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
Autor: Walther Kabel
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Titel: Wenn Schauspieler sich versprechen
Untertitel:
aus: Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens, Jahrgang 1912, Bd. 10, S. 230
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1912
Verlag: Union Deutsche Verlagsgesellschaft
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Erscheinungsort: Stuttgart, Berlin, Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Commons
Kurzbeschreibung:
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Bearbeitungsstand
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[230] Wenn Schauspieler sich versprechen. – Im Jahre 1783 wurde Lessings „Nathan der Weise“ zum ersten Male in Berlin aufgeführt, erlebte aber einen vollkommenen Durchfall, und zwar infolge eines unseligen Versprechens des Darstellers des Sultans. Bekanntlich hat der Sultan dem Tempelherrn zu sagen: „Auch soll es Nathan schon empfinden, daß er ohne Schweinefleisch ein Christenkind erzogen.“

Der Schauspieler versprach sich aber und deklamierte mit Pathos: „daß er ohne Christenfleisch ein Schweinekind erzogen“.

Ein nicht enden wollendes Gelächter erhob sich im Publikum, und als die allgemeine Heiterkeit immer wieder hervorbrach, trotzdem die Darsteller ruhig weiterspielten, mußte der Vorhang mitten im Akt fallen. Doch die Ulkstimmung war einmal da, und einige vorlaute Witzbolde sorgten durch Zwischenrufe stets von neuem für störende Lachsalven. Am Schluß des Stückes blieb es unheimlich still im Theater. Kein Mensch klatschte. „Nathan der Weise“ erschien nicht wieder auf dem Programm.

Erst im Februar 1802 wagte man es mit einer Neuaufführung. Und dieses Mal wurde es ein glänzender Erfolg. Das Gespenst des „Schweinekindes“ schwebte nicht mehr drohend über der Dichtung, wie ein damaliger Berliner Kritiker in seiner Rezension schrieb.

W. K.