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Wem nicht die rot und weißen Fahnen

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
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Autor: Rudolf Lavant
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Titel: Wem nicht die rot und weißen Fahnen
Untertitel:
aus: Eichenlaub und Fichtenreis
Herausgeber: Wilhelm Achilles
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1901
Verlag: Verlag von Wilhelm Achilles
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Erscheinungsort: Leipzig-Eutritzsch
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons,
S. 21–22
Kurzbeschreibung:
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Bild
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Bearbeitungsstand
fertig
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[21]

16. (1886.)

     Mel.: Sind wir vereint zu guter Stunde etc.

     1. Wem nicht die rotundweißen Fahnen, wenn sie sich rauschend blähn im Wind, ein ernstes, feierliches Mahnen an hohe, schöne Ziele sind, hold, wie ein Lächeln rosenmundig, frisch, wie der Blütenschnee im Hain, der mag vielleicht des Turnes kundig, doch wird er nie – ein Turner sein.

     2. Es prahlen Viele auf den Gassen, die, ehe noch ein Jahr versinkt, von ihrer Fahne treulos lassen, wenn ihnen Neues lockend winkt; doch, wen sein Herz nicht hält, der gehe – und ihr, die ihr zu trauern schient, bedenkt, er hat, wie [22] man’s auch drehe, den Namen Turner nie verdient.

     3. Und ist er doch im tiefsten Grunde der Seele dieses Namens wert, dann seid gewiß, es kommt die Stunde, da er zurück von selber kehrt. Für Jahre mag ihn Andres binden, für Jahre blendet ihn der Schein, doch kann er kein Genügen finden, er müßte denn – kein Turner sein.

     4. In wem der volle Zauber waltet der guten Sache, stark und mild, der fühlt, daß sie ihn umgestaltet im Innersten nach ihrem Bild, der weiß und fühlt, daß er ergeben der Herrlichen zu jeder Frist, daß er fortan mit Leib und Leben, mit Herz und Sinn – ein Turner ist.

     5. Es kennt noch manches Ziel die Erde, das in der Seele klingt und singt, für das mit lächelnder Geberde man auch das herbste Opfer bringt; du darfst für solche Ziele brennen, denn solche Teilung ist kein Zwist, doch wirst du immer dir bekennen, daß du zuerst – ein Turner bist.

     6. Was er als Knabe sich erkoren mit leichtem Blut und leicht bewegt, wozu als Jüngling er geschworen, als sich der Ernst in ihm geregt, was in der Mannheit strengen Jahren, das Herz ihm schwellte kühn und frei, das halte fest in Silberhaaren der Greis: daß er – ein Turner sei!

     7. Und in der letzten bangen Stunde, wenn seine Kerzen still verglühn, soll auf dem festgeschlossnen Munde ein mildes Lächeln noch erblühn; denn Bilder voller Frieden lenken die Seele ab von Kampf und Not – er sieht in seine Gruft sich senken die Turnerfahne weiß und rot!