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Weltverbesserer/Der Jesuitenstaat in Paraguay und anderes

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Textdaten
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Autor: Dr. J. O. Holsch
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Titel: Der Jesuitenstaat in Paraguay und anderes
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 18, S. 298–300
Herausgeber: Adolf Kröner
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Erscheinungsdatum: 1893
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Tommaso Campanellas Sonnenstaat und die Jesuitenreduktionen in Südamerika
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Weltverbesserer.

Von Dr. J. O. Holsch.
IV.
Der Jesuitenstaat in Paraguay und anderes.

Auf die Höhe der Gedanken eines Thomas Morus, dessen „Utopia“ wir in unserem letzten Artikel erörtert haben, hat sich jahrhundertelang kein „Weltverbesserer“ erhoben.

Weder die lawinenartig durch Deutschland rollende Bewegung der Widertäufer und Schwärmer unter Thomas Münzer, noch die süddeutsche Bauernerhebung haben ausgebildete, eigenthümliche wirthschaftliche Grundanschauungen gezeitigt oder sich auf solche berufen. Münzer ließ den Bauern durch seine Sendlinge sagen: „Das Reich Gottes ist vor der Thür; nunmehr sollt ihr den Fürsten nicht mehr gehorchen, sondern sie totschlagen und verbrennen; denn es hören alle Fürsten und Unterthanen, Vornehme und Geringe, Arme und Reiche auf; einer ist dem andern ganz gleich.“ Daß solche Lehren in manchen Kreisen wohl gefielen, leuchtet ein; man kann aber mit dem besten Willen nicht sagen, daß sie besonders neu und vernünftig gewesen wären; sie entsprangen nicht nur einer Verkennung dessen, was die Schrift bezw. Christus unter dem „Reich Gottes“ versteht, sondern auch einer Verkennung des wirklichen Lebens der damaligen Zeit.

Die zwölf Artikel, welche von den süddeutschen Bauern aufgestellt, von Melanchthon nicht gebilligt wurden, tragen zwar – was Luther als „eigennützig“ verwarf – fast durchweg einen sozialen und wirthschaftlichen Charakter, aber sie beschränken sich auf Entlastungsforderungen, entbehren also ebenfalls der klaren, positiven Grundanschauungen von dem Wesen einer künftigen Wirthschaftsordnung. Von einer Umgestaltung der wirthschaftlichen Gesellschaftsordnung war nirgends die Rede, und ausdrücklich findet sich im 12. Artikel die Versicherung, daß die Bauern von ihren Forderungen abstehen wollten, wenn man dieselben auf Grund der Heiligen Schrift als unberechtigt nachweise.

Auch alle die anderen größeren reformatorischen Bewegungen und Erhebungen, durch welche die ganze mitteleuropäische Welt dazumal auf Generationen geschwächt und zerrissen wurde und welche im Herzen Europas in den Dreißigjährigen Krieg einmündeten, hatten zwar durchweg ausgesprochene wirthschaftliche Unterströmungen und Wurzeln, allein nirgends – und das ist hier die Hauptsache – klar ausgesprochene wirthschaftliche Ziele. Es wird auch nie gelingen, was eine gewisse Richtung in der Geschichtsdarstellung gegenwärtig unternimmt, jene geistigen Bewegungen, wie alles Geistesleben überhaupt, aus rein wirthschaftlichen Ursachen heraus zu erklären. Soviel aber ist sicher: die alt hergebrachte Ordnung der Gesellschaft durch die Kirche, oder besser gesagt, durch „die“ Kirche, welche nicht nur das Leben der Geister, sondern durch ihre Feiertage und ihren ausgedehnten Besitz auch das Arbeitsleben wesentlich beherrschte, schien in jenen Jahrhunderten vollkommen aus den Fugen gehen zu wollen, während sich gleichzeitig zur Rettung neue Welttheile mit unbekannten, unendlichen Aussichten eröffneten.

Kein Wunder daher, daß die Kirche ihre wankende Machtstellung durch Eroberungen auf neuen Gebieten zu stützen trachtete. Der Gedanke einer Weltchristianisierung durch die katholische Mission gewann gleichzeitig mit den gegenreformatorischen Bestrebungen Gestalt, und es fanden sich auch die Personen zusammen, welche der Verwirklichung dieses Gedankens ihr Leben verschrieben.

Schon ehe der Jesuitenorden seine Weltstellung gewann, war dieser Gedanke auch sonst da und dort aufgetaucht; es ist darum auch keineswegs ein Zufall, daß derjenige Mann, dessen Utopie nächst derjenigen von Morus das meiste Interesse in dem nächsten Zeitraum beanspruchen darf, ein kalabrischer Dominikanermönch war, Giovan Domenico, genannt Tommaso Campanella (1568 bis 1639). Dieser merkwürdige, an Schicksalen dem Odysseus ähnliche Mann hat zwar zeitlebens an den Lehren des Papstthums gezweifelt und von demselben auch viel zu leiden gehabt – aber sein 1611 niedergeschriebenes und 1620 veröffentlichtes Werk „Der Sonnenstaat oder poetischer Dialog über die Idee des Staates“ trägt doch so sehr das hierarchische Gepräge der katholischen Kirchenorganisation, daß die oberste Regierung im Sonnenstaat wie dort ausdrücklich in den Händen eines Priesterfürsten liegt. Die Schilderungen des gemeinsamen Lebens und Arbeitens erinnern auffallend an diejenigen des Klosterlebens, die Magistrate, zu welchen die in jedem Fache ausgezeichnetsten Menschen verwendet werden, sind zugleich Beichtväter.

Während bei Morus die Gemeinschaft der Güter nur in beschränktem Umfang und mit einem gewissen Spielraum für den Einzelwillen erscheint, ist bei Campanella die Gemeinschaft der Güter, Weiber und Kinder rücksichtslos durchgeführt. Der Einzelne ertrinkt hier förmlich in der Gemeinschaft; diese aber soll so stark auf die geistigen Kräfte der Individuen zurückwirken, daß die „Solarier“ – wie Campanella in einem eigenartigen Ausblick auf die Zukunft glaubt – ihr Alter bis auf zweihundert Jahre bringen, daß sie fliegen lernen, Pflüge mit Segeln, Schiffe dagegen ohne Segel zu lenken verstehen werden u. a. m.

So sehr aber der feurige Süditaliener in der Phantasie von seiner Zeit abschweifte, schon die bloße Thatsache, daß er in dem hinterlassenen Kommentare zu seinem „Sonnenstaate“ durch nicht enden wollende Citate aus der Bibel und aus der Legion der Kirchenväter seine Gütergemeinschaft zu belegen unternommen hat, beweist uns, daß die Wurzeln seiner Gedanken noch in der alten Welt lagen.

Die theokratische Wirthschaftsordnung, welche er dachte und beschrieb, trat gleichzeitig in die Wirklichkeit ein; was der katholische Dominikaner in Süditalien schrieb, das suchten katholische Jesuiten in Südamerika zu verwirklichen.

„Man wird“ – so sagt Gothein mit Recht – „den kühnen Dominikaner eher den Schriftstellern der Gesellschaft Jesu beizählen dürfen als den Scholastikern seines eigenen Ordens. Er traf mit den Jesuiten in dem gemeinsamen Bestreben zusammen, dem System der alten Kirche durch Aufnahme der für sie verwerthbaren Resultate der neuen weltlichen Bildung stärkere Stützen zu verleihen. Sein gewagter Ideenflug nahm oft eine andere Richtung, als die straff organisierte Jesuitenschule ihren Jüngern vorschrieb, schließlich aber trafen sich beider Gedanken immer wieder. [299] In Campanellas Werkchen vom Sonnenstaat ist der Ideenkreis des restaurierten und durch die Renaissancebildung erweiterten Katholicismus am rücksichtslosesten dargestellt worden, die Jesuiten haben ihn in Paraguay am rücksichtslosesten durchgeführt; und insofern ist eine Vergleichung jenes Schemas und dieses Experimentes nicht ohne Interesse.“

Mit diesem ersten geschichtlichen Experimente hat es folgende Bewandtniß.

Am Ende des sechzehnten Jahrhunderts drangen die Missionäre der Jesuiten in den Mündungsländern des Parana ein, jenes großen südamerikanischen Stromes, der als La Plata sich in den Atlantischen Ocean ergießt. Sie erwarben sich vom spanischen Mutterlande allerlei Rechte zu ihren Gunsten, hatten aber mit den schon früher eingewanderten Spaniern zu kämpfen, welche ihrerseits die Eingeborenen auszunutzen suchten; die Jesuiten setzten es schließlich durch, daß aus ihren Stationen, „Reduktionen“ genannt, die Spanier ausgeschlossen wurden. Aus dieser Missionsstationenverwaltung, welche sich zu Cordoba einen Mittelpunkt schuf, der 31 derartige Bezirke unter sich hatte, wuchs das heraus, was man wohl einen „Jesuitenstaat“ nennen kann. Durch die Mission kam nach und nach eine Eingeborenenbevölkerung von im ganzen 100.000 bis 300.000 Seelen in die Macht der Patres; diese Eingeborenen, der Rasse nach gutmüthige Indianer, Guarani genannt, waren sehr leicht zu lenken, und da bei ihnen der Eigenthumsbegriff infolge niedriger wirthschaftlicher Entwicklung noch unausgebildet war, so gelang es den Leitern der Stationen leicht, alle Gegenstände, welche sonst ins Privateigenthum übergehen, für „Tupambak“, d. h. Sache Gottes, zu erklären, abgesehen von dem Gebrauchseigenthum. In den einzelnen Reduktionen war bald die Sorge für den Lebensunterhalt vom Einzelnen auf die Gesamtheit übergewälzt; der Grund und Boden sowie das Weidevieh, welches sehr zahlreich war, wurde nebst Saatkorn den Familien auf bestimmte Fristen überwiesen. Das Zugvieh mußte nach verrichteter Bestellarbeit wieder zurückgegeben werden. Das Fleisch zum Essen wurde jeden zweiten Tag, die Baumwolle zum Verspinnen und das besonders wichtige Salz alle Sonntage, die Kleidung jährlich zweimal vertheilt, das Handwerk systematisch geordnet und beaufsichtigt. Der Handel im Innern war lediglich Tausch der Naturalerzeugnisse durch die Leiter der einzelnen Kolonien. Die Ueberschüsse, welche erzielt wurden, traten nur an einem Punkte, in Buenos Ayres, in den Welthandel ein, und der Erlös daraus floß dem Orden zu. Unter diesen Umständen war ein Geldumlauf innerhalb des Jesuitengebiets nicht nöthig und fand daher auch nicht statt. Das Arbeitsleben war durch straffe Organisation des täglichen Gottesdienstes, der Feste, der Beichten, der Erziehung wohl vorbereitet und geregelt; dies war um so leichter, als nur Siedeldörfer in der Höhe von 2500 bis 8000 Seelen angelegt wurden und also auch die Landbebauer völlig centralisiert und überwachbar waren. Mit ausgesuchter Berechnung wurden alle menschlichen Triebe und ihre Bethätigung in den Dienst des Gemeinwesens gestellt und diesem rücksichtslos unterworfen, so vor allem die Künste, die Feste und öffentlichen Lustbarkeiten. Unverbesserliche Wilde wurden einfach über den Strom geschafft. Die nothwendige Verbindung zwischen der in den Patres verkörperten herrschenden Aristokratie und der Masse stellten die sogenannten „Corregidoren“ dar, Gehilfen der Patres, aus den Farbigen gewählt, welche die Aufsicht bei der Arbeit führten, die Nahrungsmittel vertheilten etc. Sie waren ferner für den Fall eines Krieges Mitbefehlshaber, denn auch hierfür war gesorgt; der Gesamtstaat konnte – in seinen Blüthezeiten – bis zu 30.000 bewaffnete Krieger stellen.

So etwa war der Staat beschaffen, dessen Ordnung von zwei Italienern, Cataldino und Maceta, entworfen worden war und der auch in den Jahren seiner größten Ausdehnung von nur höchstens 100 Personen geleitet wurde. Lange blieb er unbeachtet in jener Ecke Südamerikas, die erst in letzter Zeit allmählich in Westeuropa näher bekannt wird. Er war thatsächlich, wenn man den Ausdruck gebrauchen will, eine große jesuitische Reinertragsunternehmung; die Bestimmung in dem Privilegium Philipps V. (1645), daß der Handel der Jesuiten nur zum Nutzen der eingeborenen Indianer betrieben werden dürfe, wurde selbstverständlich nicht beachtet, und es ist sehr wahrscheinlich, daß von dem auf etwa 3 bis 6 Millionen Mark sich belaufenden jährlichen Reinertrag gegen die Hälfte an den Jesuitengeneral abgeliefert worden ist. Die Indianer waren also hier nicht freie Menschen, sondern lediglich unbewußte Sklaven anderer geworden. Als im Jahre 1750 Spanien und Portugal durch Vertrag ihre Gebietssphären in Südamerika gegenseitig abgrenzten, fielen die Reduktionen der Jesuiten an Portugal. Die Jesuiten aber ließen es auf einen Krieg gegen Portugal ankommen, dessen leitender Minister damals der berühmte Emanuel Pombal war. Pombal veröffentlichte im Jahre 1757 eine mächtig wirkende kurze Denkschrift über die Jesuitenrepublik, welche den ganzen Geist der Gründung und der Gründer bloßlegte und zu thatkräftiger Bekämpfung des Gegners führte. Im Jahre 1768 wurden die Jesuiten in Paraguay an einem Tage fast sämtlich verhaftet und nach dem Kirchenstaate verbracht; die Folge hiervon war, daß auch die Niederlassungen sehr bald verödeten und mit der Bevölkerung die ganze Kulturarbeit wieder auseinanderfiel.

Angesichts der vielfach niedrigen Beweggründe, namentlich auf seiten der spanischen Nachbarn, welche zur Niederwerfung dieses merkwürdigen sozialen Gebäudes inmitten des Urwaldes der südlichen Halbkugel geführt haben, ist man versucht, in das Urtheil des berühmten Verfassers des „Geistes der Gesetze“, des Franzosen Montesquieu, einzustimmen, der sagt: „sie – die Jesuiten – haben die Wilden vereinigt, genährt, gekleidet, und wenn sie nichts gethan hätten, als den Gewerbfleiß unter den Menschen vermehren, so würden sie Großes gethan haben“ – ein Urtheil, das auch der Angehörige des Ordens und Reiches Dobrizzhofer herausfordert, wenn er ganz freimüthig sagt: „Lasset uns lieber darauf denken, wie wir das auch in Europa zustande bringen, was ohne Zwang und ohne Geld bei den Guaranis bewerkstelligt worden ist, nämlich, daß einer für alle und alle für einen arbeiten, daß niemand etwas zu kaufen und zu verkaufen habe, daß der Gebrauch des Geldes aufhöre und daß es eine Wahrheit werde, daß den Göttern alles um die Arbeit feil sei.“ Trotzdem wird man schließlich dem Abbé Raynal recht geben müssen, welcher, obschon ein glühender Vertheidiger der Patres, dennoch den entscheidenden Maßstab für die Leistungen derselben darin erst sehen zu dürfen glaubte, ob sich die Guarani der Auflösung des geschaffenen Staates, d. h. der Vernichtung der Quelle ihres Glücks, widersetzen würden oder nicht. Sie haben es nicht gethan – was Raynal noch nicht wußte. Ihre kindlichen Bittgesuche an die Machthaber des Mutterlandes zeugen nicht von derjenigen Kraft und Ueberzeugung, welche nothwendig wäre, wenn man ein zustimmendes Urtheil zu den Erfolgen der jesuitischen Erziehung und Gesellschaftsordnung darauf gründen wollte. Die Jesuiten hatten die Eingeborenen als Naturkinder gefunden; sie haben dieselben aber nicht zu Männern gemacht, sondern als Kinder künstlich erhalten. In diesem Punkte liegt die Schwäche nicht bloß des ganzen geschichtlichen Experiments, sondern auch des Prinzips, aus welchem dasselbe hervorging. Die Masse der Bürger des jesuitischen Gemeinwesens setzte sich nicht zusammen aus selbständigen, zu freiem Selbstbewußtsein, zu eigener Selbstbeschränkung heraufgeführten Persönlichkeiten; sie waren vielmehr planmäßig zu Menschen zweiten Grades, niederer Ordnung herangebildet, sie waren bewußtlose, unselbständige Wesen, die ihr inneres Leben von anderer Seite erhielten und erhalten mußten, um überhaupt zu sein und sich zu bethätigen. Die ganze Gesellschaft war wohl ein richtig gehender Mechanismus, der auch so lange in Ordnung und Thätigkeit blieb, als die treibende Kraft der Leiter von außen her wirksam war, der aber sofort leb- und bewegungslos zusammenbrechen mußte, als dieser Anstoß wegfiel. Jene Kolonie war kein lebendiger, menschlich selbstbewußter Organismus, in welchem die Einzelglieder neben der nothwendigen und grundlegenden Gebundenheit an das Ganze noch genug Spielraum für die Entwicklung der Einzelpersönlichkeit gehabt hätten.

Wenn man gerecht sein will, kann man nicht umhin, festzustellen, daß die Fehler, welche die Jesuiten bei der äußeren Gründung ihres wirklichen Staates gemacht haben, wohl kaum größere sind als diejenigen, welche die Staats- und Popularphilosophen dieses Zeitraums in der inneren Begründung der Staatstheorie gemacht haben. Die mechanisch-atomistische Weltanschauung, welche sich, von England und Frankreich ausgehend, mehr und mehr auch mit der Untersuchung der Staatstheorien befaßte, war – an unserer heutigen entwickelteren Einsicht gemessen – in ihrer Art keineswegs besser als die Praxis der jesuitischen Missionäre, unter welchen anerkanntermaßen bewährte Menschenfreunde und ehrliche Richter sich befunden haben. Weder [300] die Ansichten eines Hobbes über das Naturrecht noch die in dem „Code de la Nature“ von Morelly (1755) in abstrakten Gesetzesparagraphen ausgesprochenen „Naturwahrheiten“ wären imstande gewesen, irgend ein wirkliches, großes Menschengefüge zusammenzuschweißen und zusammenzuhalten, und es dürfte sehr schwer zu entscheiden sein, ob nicht der „Contrat social“, der „Gesellschaftsvertrag oder die Grundsätze des Staatsrechts“ von Jean Jacques Rousseau weit utopistischeren Inhalts sind als etwa dasjenige, was man aus der Erziehungspraxis der Jesuiten als Kanon herauslesen kann.

Hiermit werden wir aber hinübergeführt auf den Boden der Neuzeit, aus dem sowohl utopistische Ideen als praktische Versuche zu ihrer Verwirklichung zahlreich aufgesproßt sind.