Zum Inhalt springen

Wanderlieder (Die Gartenlaube 1870/31)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
<<< >>>
Autor: Albert Traeger
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Wanderlieder
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 31, S. 492–493
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1870
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[492]
Wanderlieder.
Von Albert Traeger. Mit Illustrationen von Emil Schuback in Düsseldorf.


 1. Abschied.

Das grüne Reis auf meinem Hut
Soll mir die Wege weisen,
Die weite Welt mit frischem Muth
Nun wandernd zu durchreisen;
Doch mahnend weht’s, lieb Schwesterlein,
Mich an aus Deinem Strauße:
Die schönsten Blumen blüh’n allein
Daheim im Vaterhause.

O Heimath, wunderbares Wort,
Das Herz nur kann dich deuten,
In ihm hallst du bei’m Abschied fort,
Wie Kirchenglockenläuten;
Stumm mahnt die treue Vaterhand,
Mich treu stets zu bewähren;
O Mutterauge, bis zum Rand
Stehst du voll heller Zähren.

Die junge Magd lehnt unter’m Thor,
Ob sie mein Scheiden dauert?
Wie schwer kommt mir das Wandern vor,
Nun Alles um mich trauert!
Behüt’ Euch Gott, laßt einmal noch
Zum Letzten Euch umfassen – –
Ich kann den Cameraden doch
Nicht länger warten lassen!


Die Abreise.




 2. Der erste Brief.

Wohl und munter, Gott sei Dank!
Alter, laß mich’s selber sehen,
Glaubte schon, er wäre krank,
Und ich will Dir’s nur gestehen,
Daß ich manche lange Nacht
Weinend im Gebet verbracht.

Lies mir das noch einmal laut,
Was er da von mir geschrieben,
Jedes Wort so lieb und traut,
Ja, mein Sohn ist gut geblieben;
Nie vom rechten Wege lenkt,
Wer noch an die Mutter denkt.

Nimm mir seinen Brief in Acht,
Will ihn in die Bibel legen,
Daß der Himmel Tag und Nacht
Walte sein mit Schutz und Segen,
Früh und Abends beim Gebet
Mir mein Kind vor Augen steht.

Was ein Blatt so glücklich macht!
Doch das hätt’ ich bald vergessen,
Der in’s Haus das Glück gebracht,
Trinken soll er jetzt und essen;
Weilt ein Kind der Mutter fern,
Labt sie jeden Wand’rer gern.




 3. Heimkehr.

O Heimath, wunderbares Wort,
Nur der hat dich verstanden,
Wer sich nach deinem Frieden fort
Gesehnt in fremden Landen!
Wie Alles so vertraulich lacht
Mich freudig zu empfangen,
Mir ist, als sei ich über Nacht
Von Haus’ nur fortgegangen.

Was glüht so schämig Dein Gesicht
Und will sich seitwärts kehren?
Du wirst doch Deinem Bruder nicht
Den Willkommkuß verwehren?
Zwar könnt’ es auch ein Freier sein –
Ei, pocht das unter’m Mieder!
Grüß Gott, Du liebes Schwesterlein,
Wie schön treff’ ich Dich wieder!

Der Vater schaut so groß mich an,
Als wollt’ er nicht verstehen:
Ja, ’s ist Dein Junge, und er kann
Dir fest in’s Auge sehen!
Ob’s auf der Wanderschaft mir schon
Nicht immer wollte glücken,
Blieb ich doch stets Dein treuer Sohn,
Du darfst die Hand mir drücken!


[493]

Da strecken sich zwei Arme aus
Nach dem ersehnten Kinde;
O Gott, daß ich im Vaterhaus
Die Mutter wiederfinde!

Und doch, wir waren nicht getrennt,
Wir blieben im Vereine;
Wer sein noch eine Mutter nennt,
Der wandert nie alleine!


Der erste Brief.


Die Rückkehr.