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Wanderburschen-Elend

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Textdaten
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Titel: Wanderburschen-Elend
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 33, S. 560
Herausgeber: Ernst Ziel
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Erscheinungsdatum: 1879
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[560] Wanderburschen-Elend. Vor einiger Zeit fand man in verschiedenen Zeitungen die beunruhigende Nachricht, daß in einigen Gegenden Deutschlands in Folge der andauernden Noth und Arbeitslosigkeit unter den wandernden Handwerksburschen und Fabrikarbeitern die sogenannte „Bettlerpest“ ausgebrochen sei. Es ist diese direct durch ungenügende Ernährung, übermäßigen Schnapsgenuß und häufiges Schlafen im Freien bei großen Marschstrapazen veranlaßte ansteckende Krankheit (richtiger Hungertyphus genannt) vielfach in Krankenhäusern constatirt worden, und durch den Gumprecht’schen Aufsatz in unserer Nr. 24 wurde bereits die Aufmerksamkeit größerer Kreise auf diese immerhin bedenkliche Erscheinung gelenkt. Der Zweck des vorliegenden Artikels ist, einige wohlgemeinte Vorschläge zur Besserung dieses socialen Uebels zu machen.

Es existiren im Deutschen Reiche bereits eine große Anzahl von Vereinen zur Verhütung der Hausbettelei (Berlin, Breslau, Leipzig, München, Hannover, Stuttgart, Darmstadt, Göttingen, Osnabrück etc., die zum Theil auch noch weitergehende Wohlthätigkeitszwecke verfolgen), welche das Aufhören des für die Angesprochenen höchst lästigen, für die Ansprechenden aber demoralisirenden Bettelns der arbeitslosen oder arbeitsunlustigen Wanderburschen anstreben und den Betreffenden zum Ersatz dafür an den errichteten Unterstützungsstellen größtentheils Geldgeschenke verabreichen.

Wenn nun alle diese Vereine, deren von den Regierungen und Behörden befürwortete allgemeine Einführung dringend anzurathen ist, nach dem Beispiele des neubegründeten Vereins in Hannover, statt des Geldes nur Marken vertheilten, für welche die Leute warmes Essen, eventuell Nachtlager mit Morgenimbiß in bestimmten, streng controlirten Herbergen erhalten, so dürfte Folgendes erreicht werden:

a) die Wanderburschen bekämen häufiger etwas Warmes zu essen und ordentliche Nachtquartiere;
b) sie würden weniger Geld zum Ankaufe von Spirituosen übrig behalten und seltener Gelegenheit haben, in schlechte Gesellschaft zu gerathen;
c) durch die Entziehung der baaren Geldunterstützungen würde das Vagabondenleben mit der Zeit für die Meisten den Reiz verlieren.

Allerdings ist hierbei vorausgesetzt, daß die Mitglieder der genannten Vereine den eingegangenen Verpflichtungen streng nachkommen und fremde Bettler consequent abweisen. Ein sehr praktisches, hier und da von Behörden und Vereinen (z. B. in Weimar) mit Erfolg eingeschlagenes Verfahren, arbeitsscheue Subjecte zu bessern, besteht darin, daß dieselben eine bestimmte Arbeit, Holzhacken etc. verrichten müssen, bevor sie das übliche Geschenk erhalten. Einige Vereine haben mit dem Unterstützungs- ein Arbeitsnachweisungsbureau verbunden, welche Einrichtung namentlich für größere Städte zur Nachahmung empfohlen werden darf.

Wenn solche Vereine mit Erfolg wirken wollen, so ist es in erster Linie nöthig, daß sich dieselben mit den Armenbehörden, Innungen und sonstigen Unterstützungsstellen der betreffenden Plätze in Verbindung setzen; auch würde es von großem Nutzen sein, wenn eine Vereinigung sämmtlicher im Reichsgebiete bestehender Vereine zu gemeinsamem Wirken und einem organisirten energischen Kampfe gegen die gemeinschädliche Bettelei und das Vagabondenthum, sowie zur kräftigen Steuerung wirklicher Noth, zu Stande käme.

Um die hierzu nöthigen Schritte einleiten zu können, werden hierdurch zunächst alle desfallsigen Vereinspräsidenten gebeten, ihre Adressen an den Kaufmann Gustav Effenberger in Hannover, der dem Vorstande des dortigen Vereins angehört, einzusenden und die eventuellen Statuten, Geschäftsordnungen etc., sowie eine Notiz über die derzeitige Mitgliederzahl ihrer Vereine freundlichst beizufügen. Der Genannte ist auch gern bereit, die Beantwortung etwaiger Anfragen betreffs der Gründung und Organisation solcher Vereine zu vermitteln.