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Wallensteinischer Theaterkrieg

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
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Autor: Friedrich Schiller
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Titel: Wallensteinischer Theaterkrieg.
Untertitel:
aus: Thalia – Erster Band,
Heft 1 (1785), S. 192–194
Herausgeber: Friedrich Schiller
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1785
Verlag: Georg Joachim Göschen
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: UB Bielefeld bzw. Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[192]

VI.

Wallensteinischer Theaterkrieg.


1) An das unpartheyische Publikum von Henriette Wallenstein. 1784.
2) Berichtigung des Wallensteinischen Impressums vom Theaterregisseur Rennschüb. Mannheim 1784.
3) Antwort auf diese Berichtigung des Wallensteinischen Impressums von Henr. Wallenstein. München 1785.

     Die Beschwerden der Schauspielerin Wallenstein gegen die Intendance der kurf. Nationalbühne zu Mannheim, welche schon die dritte Broschüre veranlaßten, sind seltsam, und offenbar übertrieben. Wenn auch schon der vernünftige Theil[WS 1] des Publikums dergleichen theatralische Hahnengefechte lächerlich findet, so ist doch zugleich eine Person beleidigt, deren Verdienst um diese Bühne zu groß und entschieden ist, als daß man sie in die armselige Farce eines Garderobe-Zanks hätte einmengen sollen. Der Freiherr von Dalberg ist die Seele der Mannheimer Bühne, aber nichts weniger als Despot ihrer Glieder. In der innern Maschine dieses Theaters, welche gröstentheils das Werk seines [193] philosophischen Geistes und seiner patriotischen Bemühungen ist, herrscht keine diktatorische Tirannei. Gar wohl kann es möglich seyn, daß Madame Wallenstein von einer Mitschauspielerin oder ihrem Protektor persönlich verfolgt wurde (denn was vermag nicht oft Rollen- und sogar Kleiderneid bei manchen Theaterdamen?) aber dieser Privatgroll konnte nie in eine solenne und gesezmäßige Unterdrückung ausarten.[WS 2] Herr Rennschüb verdient die Beschuldigung nicht, Madame Wallenstein von dieser Bühne vertrieben zu haben, denn Herr Rennschüb vermag das durchaus nicht. Der Einfluß des Regisseurs erstreckt sich ganz und gar nicht auf Beurtheilung des Verdienstes. Darüber kann nur der Intendant des Theaters entscheiden – und was hätte den Freiherrn von Dalberg veranlassen können, Madame Wallenstein unterdrücken zu wollen? Was den Ausschuß dieser Bühne? Madame Wallenstein ist im Krais ihrer Rollen allerdings zu schäzen, aber ist sie die Künstlerin, welche einen Ostracismus Gefahr laufen könnte?

     Der Troz eines (sogar des unentbehrlichsten) Mitglieds kann in einem Institut nicht geduldet werden, das, schneller als jedes andre, durch aufgehobene Gleichheit zusammenfällt. Madame Wallenstein hätte noch dreimal wichtiger seyn können, als sie es in der That ist, und dieses Theater dennoch verlassen müssen. Gesezt, daß man wirklich durch ihre Entfernung verlor, was man durch die [194] neue Besezung ihres Plazes noch nicht gewonnen hat – so hat dennoch der Freiherr von Dalberg ohne Tadel gehandelt. Wenn Madame Wallenstein, was sie durchaus seyn will, ein Opfer war, so war sie nur ein Opfer ihrer Eitelkeit und nicht der Partheisucht des Intendanten. Doch nun auch kein Wort mehr von dieser kleinsten der Kleinigkeiten.

     Hoffentlich wird sich die Theaterdirektion nicht zum zweitenmal gegen eine so schlagfertige Gegnerin stellen.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Theile
  2. Vorlage: ausarte