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Waffenhändler in Tanger

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Textdaten
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Autor: Gustav Diercks
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Titel: Waffenhändler in Tanger
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 47, S. 793, 804
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1896
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[793]

Waffenhändler in Tanger.
Nach dem Gemälde von S. Viniegra.

[804] Waffenhändler in Tanger. (Zu dem Bilde S. 793.) Der Orient hat vielleicht nirgends in dem Maße seinen ursprünglichen Charakter bewahrt wie in Marokko, dessen Bewohner sich geflissentlich gegen alle Kultureinflüsse der Außenwelt abzuschließen gesucht haben. Unerschöpflich ist daher die Fülle des Interessanten, das sich dem Auge des Europäers dort bietet. Die Natur, die Vegetation, die Landschaft einerseits, die urwüchsigen Kulturzustände, die starke Rassen- und Völkermischung, die eigentümlichen Gewohnheiten und Gebräuche, das häusliche wie das öffentliche Leben gewähren so unendlich viele malerische Vorwürfe, daß es überraschend ist, wenn Marokko nicht noch viel mehr, als es bisher der Fall war, von Künstlern, und zwar nicht bloß von spanischen, sondern auch von solchen anderer Nationen besucht wird.

Viniegra, einer der hervorragendsten Genremaler des heutigen Spaniens, hat auf dem Bilde, das unsere Nummer bringt, einen besonders anziehenden Gegenstand der Darstellung, den Laden – wenn man dies Wort dafür anwenden darf – eines arabischen Waffenhändlers gewählt. Derartige Verkaufsstellen bilden stets kleine Museen, in denen man Erzeugnisse aller Teile der mohammedanischen Welt und vieler Jahrhunderte in buntem Durcheinander vereinigt findet. Der schlaue, in einen prachtvollen weißen Haik gehüllte Händler beobachtet mit scharfem Blick die beiden armen Mauren, die mit lebhaftem Interesse die alte Steinschloßflinte untersuchen. Die Ciselierung der letztern, die schöne eingelegte Arbeit mag den Wunsch nach ihrem Besitz in den beiden Männern erwecken, und sie sind, wie alle Marokkaner, gute Kenner von Waffen, denn ihre Bemerkungen erregen sichtlich die Aufmerksamkeit des Händlers.

Noch ist nach dem Preise nicht gefragt worden, und der dürfte nicht gering sein, denn nach den übrigen Gegenständen und der reichen Tracht des Kaufmanns zu urteilen, sind seine Verkaufsgegenstände mehr für die Reichen und für die Ausländer bestimmt und demgemäß bewertet, als für die armseligen Riffkabylen und die Wanderhirten der mittleren Provinzen des Reiches. Sie mögen ihre Waffen in Tetuan oder bei den Händlern der kleinen Duars kaufen und nicht bei dem reichen Mohammed Jbn Jakub Jbn al Ahmar! Beiläufig wird er ihnen daher herablassend einen Preis zurufen, der sie nicht einmal veranlassen wird, mit ihm zu feilschen, und eine halbe Stunde später wird ein fremder Reisender kommen und gern den doppelten Preis zahlen, um die wertlose Waffe dann zur Erinnerung an seine Streifzüge durch die fremdartige Welt des Orients in seinem Heim aufzuhängen und seinen Freunden und Verwandten über ihren Wert, ihre früheren vornehmen Besitzer, die kriegerischen Feste, auf denen sie abgefeuert worden, Wunderdinge zu erzählen. G. Diercks.