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Von wem ist die Anekdote nun wahr?

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
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Autor: C. Sp.
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Titel: Von wem ist die Anekdote nun wahr?
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 35, S. 560
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1868
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[560] Von wem ist die Anekdote nun wahr? Dr. Gwinner in seinem Buche: „Arthur Schopenhauer, aus persönlichem Umgang dargestellt,“ (Leipzig 1862) erzählt von dem Philosophen Folgendes: „Um ein Uhr ging Schopenhauer zu Tisch im Englischen Hof. (Der Philosoph lebte bekanntlich in Frankfurt am Main.) Bei der Mahlzeit, sprach er gern, doch verhielt er sich aus Mangel an tauglicher Tischgesellschaft öfter beobachtend. So legte er z. B. eine Zeit lang täglich ein Goldstück vor sich hin, ohne daß die Tischnachbarn wußten, was er damit wollte; nach aufgehobener Tafel nahm er es wieder zu sich. Endlich darüber zur Rede gestellt, erklärte er: ‚das sei für die Armenbüchse, wenn die am Tische sitzenden Officiere (Preußen und Oesterreicher) nur ein einzig Mal eine andere ernsthafte Unterhaltung auf die Beine brächten, als über Pferde, Hunde und Frauenzimmer.‘“ – In einem ältern Buch: „Der französische Soldat unter Napoleon, von E. Blase, (aus dem Französischen, Leipzig, 1839) finde ich die Anekdote so erzählt: „Wir lagen bei Breslau im Cantonnement, ein Theil unseres Regiments, bei dem ich stand, in Oels, wo wir Officiere im besten Wirthshaus unsre gemeinschaftliche Tafel hielten. Zu den Officieren unseres Regiments gehörte auch ein Capitain R., ein schweigsamer, wunderlicher, aber sehr geistreicher Mann. Bei der Tafel in Oels legte dieser täglich, wenn er sich mit uns zu Tische setzte, ein Vierzigfrancsstück vor sein Couvert. Nach dem Dessert nahm er das Goldstück wieder weg, steckte es in seine Börse und entfernte sich. Auf unsere oft wiederholte Frage nach dem Grunde dieses Manövers, erwiderte er: ‚Ihr werdet es erfahren, wenn wir abmarschiren,‘ mit welcher Antwort wir uns einstweilen bescheiden mußten. Endlich beim letzten Mittagstisch in Oels erklärte er: ‚An den Officiertafeln dreht sich die Conversation immer nur um Dienstangelegenheiten oder um Liebesabenteuer oder Gewinnst und Verlust im Spiel, nach meinem Geschmack höchst langweilige Gegenstände. Ich hatte mir nun vorgenommen, das Goldstück den uns bedienenden Marqueuren zu geben, wenn ich einmal das Glück haben sollte, über andere Dinge sprechen zu hören. Es wurde mir niemals zu Theil, und ich habe mein Goldstück behalten.‘“

C. Sp.