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Venus Anadyomene

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
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Autor: Richard Dehmel
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Titel: Venus Anadyomene
Untertitel:
aus: Aber die Liebe
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1893
Verlag: Dr. E. Albert & Co. Separat-Conto
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Erscheinungsort: München
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans dieser Ausgabe auf Commons
S. 204-205
Kurzbeschreibung:
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Bild
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Bearbeitungsstand
fertig
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[204]

 VENUS ANADYOMENE

 
Das ist die alte Stimme wieder,
aus langen Träumen jung erwacht;
sie sang die allerersten Lieder,
trunken und schüchtern, – sie singt und lacht:

5
     „Ueber dem grünen Roggenmeere

     wiegte die Glut zwei Pfauenaugen,
     blühend roch die brütende Leere;
     tief im grünen Roggenmeere
     lag ein Knabe mit blauen Augen.

10
Das war, als du noch Fehle hattest,

noch alte Furcht und fremde Scham,
als du noch keine Seele hattest,
die nur aus Deinem Blute kam.
     Aber du sahst die Falter leuchten,

15
     mit flackernden Flügeln bunt sich greifen;

     träumte dir von zwei dunkelfeuchten
     Augen, und die sahst du leuchten
     unter bunten, flatternden Schleifen.
[205] Das war die Zeit des Schaums der Säfte,

20
die Aehren stäubten gelben Seim,

vieltausendjährige Ueberkräfte
erregten schwellend einen Keim;
     ahntest unterm andern Kleide
     andre nackte Glieder klopfen,

25
     deine Hände flackerten beide,

     in die einsam heiße Haide
     quoll ein erster Samentropfen.
Das that die Sehnsucht dieser Erde,
die opfernd um die Sonne schweift;

30
sie sprach das allererste Werde, –

beichte! die Sprache der Mannheit reift.“