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Unvollkommenheit

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Textdaten
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Autor: Heinrich Heine
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Titel: Unvollkommenheit
Untertitel:
aus: Romanzero. Zweites Buch. Lamentationen.
Seiten 176-177
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1851
Verlag: Hoffmann und Campe
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Erscheinungsort: Hamburg
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Originalherkunft:
Quelle: Google und Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
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[176]

 VII.
 Unvollkommenheit.

Nichts ist vollkommen hier auf dieser Welt.
Der Rose ist der Stachel beigesellt;
Ich glaube gar, die lieben holden Engel
Im Himmel droben sind nicht ohne Mängel.

5
Der Tulpe fehlt der Duft. Es heißt am Rhein:

Auch Ehrlich stahl einmal ein Ferkelschwein.
Hätte Lucretia sich nicht erstochen,
Sie wär’ vielleicht gekommen in die Wochen.

Häßliche Füße hat der stolze Pfau.

10
Uns kann die amüsant geistreichste Frau

Manchmal langweilen wie die Henriade
Voltair’s, sogar wie Klopstock’s Messiade.

Die bravste, klügste Kuh kein Spanisch weiß,
Wie Maßmann kein Latein – Der Marmorsteiß

15
Der Venus von Canova ist zu glatte,

Wie Maßmanns Nase viel zu ärschig platte.

[177]
Im süßen Lied ist oft ein saurer Reim,

Wie Bienenstachel steckt im Honigseim.
Am Fuß verwundbar war der Sohn der Thetis,

20
Und Alexander Dumas ist ein Metis.


Der strahlenreinste Stern am Himmelzelt,
Wenn er den Schnupfen kriegt, herunterfällt.
Der beste Aepfelwein schmeckt nach der Tonne,
Und schwarze Flecken sieht man in der Sonne.

25
Du bist, verehrte Frau, du selbst sogar

Nicht fehlerfrei, nicht aller Mängel baar.
Du schaust mich an – du fragst mich was dir fehle?
Ein Busen, und im Busen eine Seele.