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Unterleibstyphus

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Textdaten
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Autor: Professor Dr. E. Heinrich Kisch
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Titel: Unterleibstyphus
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 50, S. 851, 854–855
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1894
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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Unterleibstyphus.

Von Professor Dr. E. Heinrich Kisch.

Welch machtvollen Einfluß die zielbewußte öffentliche und private Gesundheitspflege auf Eindämmung und Vernichtung von Volkskrankheiten übt, welch unendlichen Segen aber auch das Eindringen der Erkenntnisse der Gesundheitslehre in die breitesten Schichten der Bevölkerung stiftet – das folgt in schlagender Weise aus der Geschichte der Verbreitung des Unterleibstyphus während der letzten Jahrzehnte. Wenn in München, das noch vor zwanzig Jahren vom Typhus so durchseucht war, daß viele Fremde das Weichbild der Stadt ängstlich zu meiden suchten, wenn in Wien, wo um dieselbe Zeit die Sterbeziffer dieser verderblichen Krankheit sich noch erschreckend hoch erwies – wenn dort gegenwärtig, nachdem eine gründliche Reinigung des Bodens und gehörige Versorgung mit reinem Trinkwasser zu stande gekommen ist, der Typhus zu den höchst vereinzelt vorkommenden Erkrankungen gehört, so giebt diese Gesundung, welche noch in vielen anderen Städten Deutschlands, Englands und Nordamerikas ganz auffällig nachzuweisen ist, ein unwiderlegliches Zeugnis ebenso für den Fortschritt der Wissenschaft und die Wirksamkeit hygieinischer Maßregeln wie für die Einsicht und Opferwilligkeit jener Gemeinden. Doch nicht allenthalben ist diese zu finden und nicht überflüssig erscheint Mahnung und Belehrung, um die Trägen aufzurütteln und den Lässigen ihre Pflicht vorzuzeichnen.

Denn es genügt nicht, wie in jener finsteren Zeit der Vergangenheit, wenn die Seuche wütet, die „Gottesgeißel“ mit Demut zu erdulden, zu beten und Buße zu thun; sondern die Losung lautet, bei drohender Gefahr selbst Hand anzulegen, den Grund zu erforschen und rastlos zu arbeiten, es gilt: „allen Gewalten zum Trutz sich erhalten“. Der Einzelne und die Gesamtheit müssen in edlem Streben wetteifern, die Ergebnisse der Wissenschaft zu verwerten, das Entstehen der Krankheit zu verhüten oder ihrer [854] Ausbreitung entgegen zu wirken. Die Forschungen der Gegenwart haben nun dargethau, daß an dem Entstehen des Unterleibstyphus vorzugsweise gewisse kleinste Lebewesen ursächlich beteiligt sind, welche das typhöse Gift fortpflanzen. Diese Typhusbacillen, nur bei schärfster Vergrößerung unter dem Mikroskope wahrnehmbare, sehr bewegliche Spaltpilze in Stäbchenform, sind regelmäßige Begleiter der in Rede stehenden Krankheit und es wird angenommen, daß sie teils aus den Entleerungen von Typhuskranken stammen, teils aus gewissen faulenden Stoffen, welche den Erdboden durchsetzen, daß sie auf mannigfaltigen Wegen, besonders durch Nahrungsmittel, Luft und Wasser in den menschlichen Körper gelangen und diesem das Gift mitteilen. Sorgfältig gesammelte Erfahrungen in vielen Typhusseuchen haben dargethan, daß das in den Entleerungen der Kranken befindliche Gift sich durch lange Zeit, mehrere Monate und selbst Jahre lang, in verheerender Weise wirksam erhält, besonders dann, wenn nicht durch ausgiebige Spülung mit Wasser oder reichlichen Zutritt frischer, wechselnder Luft auf Verdüunung und Entfernung des Giftstoffes hingezielt wird, dieser vielmehr durch Wärme, Feuchtigkeit, in Zersetzung begriffene Stoffe einen günstigen Nährboden bekommt. Krankenwärter, die ihre Hände nicht sorgfältig reinigen, Wäscherinnen, welche sich mit der Wäsche der Kranken beschmutzt haben, Trinkwasser, das aus einem auf diese Weise verunreinigten Brunnen stammt, Milch, die mit solchem Wasser gemischt wurde, übertragen und verbreiten hauptsächlich das typhöse Gift, sind die Ursache der Entwicklung einer Epidemie. Dieses Krankheitsgift entwickelt sich aber auch selbständig in faulenden Substanzen, besonders wenn Wärme und eine nicht zu große Menge von Flüssigkeit die Brutstätten dafür günstig gestalten, die Fäulnis und Gährung im Boden fördern, und die Verbreitung geschieht am häufigsten durch das Trink- oder Nutzwasser. Senkgruben in der Nachbarschaft der Wohnräume, Schlammablagerung in den Abzugskanälen, Behälter mit faulenden Pflanzenstoffen, in der Nähe befindliche Friedhöfe sind oft als Entwicklungsstätten des Typhusgiftes unwiderleglich nachgewiesen worden. Weniger sicher ist die Annahme von dem besonderen Einflusse des Standes des Grundwassers auf Beförderung und Verbreitung des Krankheitskeimes, obgleich gewichtige Forscher einen solchen Zusammenhang betonen und meinen, daß ein tiefer Grundwasserstand die Verbreitung des Typhus am meisten begünstige, ein hoher Grundwasserstaud der Ausbreitung der Krankheit hinderlich sei. Ergebnis der Beobachtung ist es ferner, daß die Zahl der Typhuserkrankungen im Herbste am größten, im Frühjahre am geringsten ist, daß ein besonders heißer und trockener Sommer die Krankheit mehr fördert, als wenn die Sommermonate kühl und reich an Regen sind.

Wie bei jeder Krankheit ist auch beim Typhus die persönliche Empfänglichkeit des Einzelnen für das Krankheitsgift von Ausschlag gebender Wichtigkeit. Nicht jedermann ist gleich empfänglich, den Giftkeim in sich aufzunehmen und zur Entwicklung zu bringen. Eigentümlicherweise ist gerade das beste Lebensalter dieser Erkrankung am meisten unterworfen und sind sonst gesunde kräftige Individuen für dieselbe empfänglicher als zarte schwächliche Personen. Hingegen ist es sicher, daß mäßig lebende, die körperliche Reinlichkeit sehr sorgsam pflegende Menschen seltener ergriffen werden als solche, welche an ihre Verdauungsorgane große Zumutungen stellen, sich dem Trunke ergeben, in schlecht gehaltenen Wohnungen leben und sich minder rein halten. Viel vermag der Einzelne darum durch geeignete Lebensweise und zweckentsprechende Verhütungsmaßregeln zu thun, um sich zur Zeit einer Typhusepidemie vor Erkrankung zu schützen. Da Wasser, Milch und andere Nahrungsmittel sowie die Luft hauptsächlich die Verbreiter des Giftes sind, so muß der Mitteilung des letzteren auf den bezeichneten Wegen vorgebeugt werden. Verdächtiges Wasser darf in dem Zustande, wie es aus dem Brunnen oder der Leitung zum Gebrauche gelangt, weder getrunken, noch zum Waschen, zum Mundausspülen etc. benutzt, sondern es muß vor der Benutzung gründlich gekocht und dann abgekühlt werden. Durch die Siedehitze werden die im Wasser enhaltenen Schädlinge am sichersten vernichtet, während alle Zusätze von Wein, Fruchtsaft es zwar wohlschmeckend, aber nicht frei von den Giftkeimen machen. Ein gutes wohlschmeckendes Ersatzmittel für solch abgekochtes Wasser sind die natürlichen, an Kohlensäure reichen, keimfreien Sauerbrunnen, an denen ja in Deutschland und Oesterreich-Ungarn kein Mangel herrscht, die aber allerdings noch immer ein viel zu kostspieliges Getränk bilden. In gleicher Weise wie das Wasser muß die Milch vor dem Genusse abgekocht werden, während andere Nahrungsmittel, wie Brot, Obst, vor jeder Verunreinigung sorgfältig zu schützen sind. Ebenso ist für Reinhaltung der Luft durch gehörigen Wechsel derselben in den Wohnräumen, durch Vermeiden der Ueberfüllung der Schlafstätten, durch Entfernung aller Ablagerungen von Abfällen, Dünger und Schmutz aus der Umgebung der Häuser zu sorgen. Was der Einzelne nicht zu leisten vermag und was die Aufgabe eines gut geleiteten Gemeinwesens bildet, das sind die Vorbeugungsmaßregeln, welche in Beschaffung eines guten, von Fäulnisstoffen freien Trinkwassers, am besten von Hochquellwasser, in geregelter und schneller Abführung der Auswurfstoffe, in Reinhaltung der Straßen, in geeigneter Vorsorge für Armenpflege und Krankenbehandlung, in entsprechender Anlage der Kirchhöfe bestehen.

In letzterer Beziehung scheint bei der in jüngster Zeit so lebhaft erörterten Frage, ob es zweckentsprechender und für die Gesundheit der Bevölkerung angemessener sei, die Leichen zu verbrennen statt zu begraben, der Hinweis von Wichtigkeit, daß in vielen Städten gerade die Friedhöfe den Anlaß zu stetig sich erneuernden Typhusepidemien geben. Es geschieht dies besonders dann, wenn der Friedhof hoch gelegen und auf einem für Wasser durchlässigen Boden errichtet ist, während unterhalb desselben an vertiefter Stelle die Wohnhäuser erbaut wurden. Da bringt das Wasser, welches auf der Begräbnisstätte faulende, in Zersetzung befindliche Stoffe aufgenommen hat, in den Untergrund der Häuser und verbreitet von hier durch die Brunnen oder mittels der Luft die schädlichen Keime, welche das Typhusgift dem Menschen zuführen. –

Ist ein Typhusfall vorgekommen, so müssen alle Bemühungen dahin gerichtet sein, daß derselbe vereinzelt bleibe, daß es von ihm aus nicht zu Massenerkrankungen komme. Der Erkenntnis entsprechend, daß die Entleerungen eines solchen Kranken das typhöse Gift fortpflanzen, muß man dieses möglichst gründlich zu vernichten trachten. Das geschieht am zweckmäßigsten, wenn man den Ausleerungen gleich frisch bereitete starke Kalkmilch in derselben Menge zusetzt und alles eine halbe Stunse stehen läßt; Kalkmilch wird aus gelöschtem Kalk durch Aufgießen von Wasser und Umrühren rasch hergestellt, ist übrigens auch schon zubereitet sehr billig in jeder Apotheke und jedem Droguengeschäfte zu haben. Ferner muß man in den Aborten selbst für reichliche Wasserspülung und Zusatz von fünfprozentiger Karbollösung oder zweiprozentiger Lysollösung sorgen, die beschmutzte Wäsche des Kranken, getrennt von der anderen Wäsche, in ebensolche desinfizierende Lösungen legen und dann sorgfältig mit kochendem Wasser brühen, endlich muß man mit peinlicher Genauigkeit darauf achten, daß jede mit dem Kranken in Berührung kommende Person sich grüudlich reinigt, namentlich die Hände wiederholt mit Seife wäscht und daß in dem Krankenzimmer weder eine Speise gekocht, noch von Gesunden genossen wird. Wo die Verhältnisse es nicht gestatten, diese Vorbeugungsmaßregeln im Hause durchzuführen, oder wo die Gefahr der Uebertragung auf viele andere Personen vorliegt, wie in Gasthäusern, Schulgebäuden, Erziehungsanstalten, Kasernen, dort ist es geboten, den Kranken zu entfernen und in ein für ansteckende Krankheiten besonders zugerichtetes Spital zu bringen. Die verlassene Wohnung ist dann einer eingehenden Reinigung zu unterziehen, der Fußboden soll gehörig mit Seife abgewaschen, die Zimmerwände mit Brot abgerieben. das gebrauchte Bettzeug (Matratzen, Federbetten, Wäsche) mit Dampf behandelt werden. So geliugt es, die Umgebung des Kranken zu schützen.

Der Unterleibstyphus selbst ist eine der schlimmsten, das Leben bedrohenden Fieberkrankheiten, schleichend im Beginne, heimtückisch im Verlaufe, unberechenbar in den Folgen. Bevor das Gift, das in den Körper eingedrungen ist, sich durch den Sturm der fieberhaften Erscheinungen kundgiebt, verlaufen gewöhnlich zehn bis vierzehn Tage des Unbehagens, welches zumeist nicht als Vorläufer einer ernsten Erkrankung angesehen wird, ein Umstand, der manches Ungünstige mit sich briugt. Die Empfindung von Mattigkeit, Unlust zur Arbeit, Kopfweh, Appetitlosigkeit sind Erscheinungen, welche auch für den Arzt kein sicheres Zeichen geben, und erst das Thermometer bringt die Entscheidung. Die Erhöhung der Körperwärme hat nämlich beim Beginne des Typhus einen kennzeichnenden Verlauf, sie zeigt in der ersten Krankheitswoche von Tag zu Tag eine Steigerung, wobei des Morgens ein Abfall und des Abends eine Erhöhung der Temperatur stattfindet. Nun werden auch [855] die Störungen des Allgemeinbefindens, die Benommenheit des Kopfes, Schwindelgefühl, Schwäche, Durst so heftig, daß der Kranke das Bett aufsuchen muß, das er wohl zumeist durch Wochen hütet, in dem er, von Fieberhitze ergriffen, ruhig und teilnahmslos, still und betäubt liegt, oder von Wahnvorstellungen umgaukelt, sich wild herumwirft, mit Armen und Beinen gegen die Verfolger sich wehrt oder ihnen durch einen Sprung zu entrinnen sucht. Die Kräfte des Kranken, der von tief eingreifenden Darmleiden gequält wird, dessen Herz zu erlahmen droht und dessen Lungen häufig angegriffen sind, verfallen sehr rasch und erliegen auch nicht selten den gewaltigen Veränderungen, welche der gesamte Stoffwechsel durch das eindringende und sich verbreitende Krankheitsgift erfahren hat. Im günstigen Falle treten gewöhnlich zu Ende der dritten Woche die heiß ersehnten Zeichen der Besserung auf: die Körperwärme zeigt sichtlichen Rückgang, namentlich in den Morgenstunden, der Schlaf ist natürlich, ruhig, das Bewußtsein wird klarer, der Puls ist kräftiger, der Schmerz und die Spannung im Unterleibe lassen nach, das Atmen wird freier, das Gesicht erhält einen belebteren, teilnehmenden Ausdruck, und der Kranke kommt erst jetzt zum Bewußtsein, daß er schwach und elend ist. Der Arzt wird sich dann beruhigter aussprechen, wenn die Quecksilbersäule des die Körpertemperatur sorglich kontrollierenden Thermometers, welche dauernd hoch, zuweilen über 41° C. hinaufgeschnellt war, durch mehrere Tage des Abends nicht über die Norm (37° bis 37,4° C.) gestiegen ist; aber selbst dann wird er noch der Gefahren und Rückfälle gedenken, welche den Typhuskranken auch in der Rekonvalescenz bedrohen.

Im ganzen Verlaufe der Krankheit ist sorgliche Wartung und achtsame Pflege, peinliche Durchführung der geeigneten hygieinischen Maßnahmen nicht nur von großer Wichtigkeit, sondern geradezu von entscheidendem Erfolge. Das Krankenzimmer muß fleißig gelüftet werden, die Fenster müssen offen sein oder zum mindesten muß die Thüre zum Nachbarzimmer geöffnet werden, in welch letzterem offene Fenster die rasche Erneuerung der Luft vermitteln; die Temperatur des Zimmers muß gleichmäßig auf geringer Höhe gehalten werden, sie darf nicht über 15 bis 16° C. sein, denn Kühle ist dem fieberheißen Kranken eine Wohlthat. Die Beleuchtung soll nicht grell sein, zu starkes Licht soll durch dunkle Vorhänge gedämpft, heftiger Lärm, Geräusch der Straße nach Möglichkeit abgehalten werden. „Mitleid wallt auf weichen Sohlen“, sagt der Dichter. Die Pflegerin muß sich dies vor Augen halten, mit Ruhe und Sicherheit alles ausführen, was dem Kranken förderlich ist oder zur Erleichterung dient, sie muß ihm den Wunsch von den Lippen lesen und seinem Verlangen zuvorkommen. Wie viel Segen bringt eine leichte Hand, welche das Bett unermüdet herrichtet, die Unterlage erneuert, das Lager bequem gestaltet, dem Kranken den Schweiß vom Antlitz trocknet, ihm Kühlung zufächelt, seine trockenen Lippen mit frischem Wasser netzt, ihm Erfrischungen reicht, den heißen Körper mit feuchten Tüchern kühlt und all die tausend kleinen, aber doch so bedeutenden Liebesdienste erweist, deren der hilflos Daliegende dringend bedarf. Und erst die Ernährung des Kranken! Sie kann nur in der vom Arzte mit Berücksichtigung aller Umstände verordneten Weise geschehen, aber die zarte Fürsorge der Pflegenden hat einen großen Spielraum. Getränk kann und soll recht häufig gereicht werden, auch wenn es der Kranke nicht verlangt, reines kaltes Wasser oder Eiswasser jede halbe Stunde ein paar Löffel voll, oder Wasser mit Fruchtsäften (Himbeer-, Citronensaft), Reiswasser, Milch, kräftige Fleischbrühe, Gerstenschleim-, Haferschleimsuppe u. s. w., je nach dem Zustande der Verdauung und der Neigung des Kranken. Zuweilen, namentlich wenn sich Zeichen von Schwäche der Herzthätigkeit, wie sehr schwacher Puls, Kaltwerden der Füße und Hände, große Mattigkeit, Ohnmacht, kundgeben, ist wiederholtes Reichen von kräftigem Wein, Ungarwein, Portwein, Champagner, Cognac, starkem schwarzen Kaffee, Thee und anderen Reizmitteln notwendig und wirkt manchmal geradezu lebenrettend. Sowohl um in solchen Augenblicken plötzlich eintretender Herzschwäche rasch und thatkräftig einwirken zu können, wie auch um den Kranken, welcher in Geistesverwirrung sich zu schädigen vermag (mancher Typhuskranke ist schon im Fieberwahne zum Fenster hinausgesprungen), gehörig zu bewachen, ist es unerläßlich, daß Tag und Nacht eine Warteperson den Typhösen behüte. Diese sorgsame Wartung ist eine wesentliche Ergänzung und Unterstützung der ärztlichen Thätigkeit am Krankenbette. Sie ist auch nötig, um, wo dies angezeigt erscheint, das Fieber durch abgekühlte Bäder, durch kalte Waschungen und Einpackungen herabzusetzen, ein Verfahren, welches geeignet ist, manche schwere Erscheinung im Verlaufe der Krankheit zu mindern, das aber immerhin so eingreifend wirkt, daß die Anwendung desselben nur auf ausdrückliche Verordnung und nach genauer Bestimmung des Arztes erfolgen darf. Fürsorgliche Wartung ist endlich auch dann notwendig, wenn das Fieber geschwunden ist und der Kranke sich in Rekonvalescenz befindet, denn dieser ist dabei sehr leicht geneigt, durch Diätfehler verhängnisvolle Rückfälle zu erleiden. Hier heißt es, dem Andrängen des zu neuem Leben Erwachten und zu kräftigen Lebensäußerungen Hinstrebenden mit liebevollem Ernst entgegenzutreten, ihn nicht zu viel zu frühe aufstehen, nicht zu zeitig feste Speisen genießen, nicht zu viel sich geistig beschäftigen zu lassen. Je mehr es gelingt, schädliche Einflüsse fernzuhalten, Wohnung, Pflege und Ernährung nach den Gesetzen der Gesundheitslehre zu gestalten, um so günstiger verläuft im allgemeinen der Typhus und um so geringer ist auch die Gefahr für die Umgebung des Kranken.