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Ueber den Einfluß verschieden gefärbten Lichtes

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Textdaten
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Autor: –d
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Titel: Ueber den Einfluß verschieden gefärbten Lichtes
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 8, S. 260
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1899
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger G. m. b. H. in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[260] Ueber den Einfluß verschieden gefärbten Lichtes auf die Entwickelung der Pflanzen sind neuerdings eingehende Untersuchungen angestellt worden, die wichtige Resultate ergeben haben. In neuester Zeit hat nun der französische Gelehrte Gal diese Untersuchungen auch auf die Tierwelt ausgedehnt, und zwar waren vorerst die Seidenraupen Gegenstand seiner Beobachtungen. Man hat ja schon mehrfach Beweise dafür, wie pflanzliches und tierisches Leben einander ähneln und ineinander übergreifen, und so konnte man wohl von vornherein annehmen, daß auch auf die Tiere sich ein Einfluß bestimmt gefärbten Lichtes nachweisen lassen würde; dies ist nun wirklich geschehen. Während aber feststeht, daß auf die Pflanzen rotes Licht am günstigsten einwirkt, ergaben die Untersuchungen Gals, daß auf die Entwickelung der Seidenraupe violettes Licht den größten Einfluß ausübte, grünes hingegen den ungünstigsten. Der Wirkung nach sind die Farben in folgender Weise anzuordnen: violett, weiß, blau, rot, gelb, grün.

Was das Gewicht anlangt, so erreichte eine bestimmte Anzahl von Tieren bei violettem Licht im selben Zeitraum und unter sonst gleichen Verhältnissen ein solches von 55,5 Gramm, bei weißem Licht 52,5 Gramm, das niedrigste, 49 Gramm, bei grünem Lichte.

Aber nicht allein auf die Höhe des Körpergewichts erstreckte sich die Einwirkung des verschiedenfarbigen Lichtes, sondern auch auf die Menge und die Güte der Seide und der Eier. Denn die Cocons von Tieren, die im violetten Licht erwachsen waren, waren größer und schöner ausgebildet, und die Eier von den bei violettem Lichte gezüchteten Weibchen zahlreicher. Da die roten Lichtstrahlen Träger der Wärme, die violetten und blauen hingegen chemisch wirksame Strahlen sind, so zeigt sich hier, was Lichtwirkung anlangt, ein großer Unterschied zwischen Pflanze und Tier, und man darf daraus schließen, daß der tierische Organismus, und der ganze tierische Stoffwechselprozeß überhaupt, von außen an ihn herantretenden chemischen Lichteinflüssen weit mehr zugänglich ist als der pflanzliche.

Leicht möglich ist es, wenn man diese Untersuchungen weiter fortsetzt, für die Tierzucht überhaupt daraus Kapital zu schlagen. Jedenfalls sind Seidenraupenzüchtern Versuche nach dieser Richtung sehr zu empfehlen. d.