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Topographia Sueviae: Wildbad

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Topographia Germaniae
Wildbad (heute: Bad Wildbad)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1643, S. 218–219.
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[218]
Wildbad / Thermae ferinae.

Ligt 3. Meil von Marggrafen Baden / vnd 3. Meilen von Tübingen / an der Entz / im Hertzogthumb Würtenberg / zwischen hohem Gebürg / in einem engen Thal / dadurch besagter Fluß / gegen Newburg / mit grossem Getöß rinnet / in welchem gute Fisch / Forellen / vnnd Grundeln gefangen werden. Hat zwey Thor / vnd ligt vor dem Vntern / vnd zur Rechten Seiten die Vorstatt / so grösser / als die Statt ist. Der Boden ist sandig / vnd felsicht / aber rein / da keine Pfützen / oder stinckende Wasser seyn / vnd der Lufft gesund ist. Käyser Carolus V. hat An. 1530. zu Augspurg dieses Stättleins / vnd warmen Bads allhie Freyheiten ernewert / vnnd bestättiget. Vnnd stehet vnter anderm / in dem Käyserl. Freyheitsbrieff / daß / bey Verlierung deß Haupts / die Badgäste miteinander nichts vnfreundliches / frevenlichs / oder thätlichs fürnehmen: Vnd daß die jenige / so einen vngefährlichen Todtschlag begangen / auch andere (außgenommen Mörder / vnd offentliche Strassenräuber / oder dergleichen Vbelthäter) allhie Jar vnd Tag Fried / vnd Freyung haben sollen. Gemeltes Bad / hat fürnemlich Schwefel / darnach Saltz / Niter / vnd Alaun. Fliesset gleichsamb auß einem runden See / etwas mehr / als mittelmässig warm / sonderlich in der Weiberbad: Ist den Männern mehrers / als Weibern / nützlich. Getruncken / eröffnet es die Verstopffungen der Leber / vnd Miltz; treibet auß den Stein auß der Blasen vnd Nieren; stärcket den Magen / vnnd Gedärm / welches Schmertzen es curiret. Machet Lust zu essen. Darinn gebadet / thut es dergleichen; vnd ist wider den Krampff / vnd dergleichen Zustände / heylsam. Hilfft dem kalten [219] Hirn. Jungen / hitzigen / magern / abgezehrten / zornigen / zarten Leuten / etc. bekompt solches Bad nicht zum besten / vnnd pflegt der schwache Magen / wegen Menge deß Schwefels / aufzugeschwellen / vnd der Appetit zum Essen verlohren zu werden: Welches / so es geschicht / muß man bey Zeiten darvon nachlassen: Wie Joh. Guinth. Andernacus de balneis & aquis medicatis p. 81. schreibet / vnnd darbey erinnert / daß der Nahme vom Schwartzwald herkomme / vnd daher vielmehr Wald: als Wildbad solte genant werden. Besihe aber insonderheit von solchem Bad Johan. Widmann / genandt Mechinger / in tr. de baln. therm. ferinar. vnnd von dem obigen Crusium in Annal. Suevicis; der auch sagt / daß dieser Ort An. 1464. verbronnen sey. Es hat allhie auch ein Fürstlich Schloß / vnd darinn auch ein Bad. Vnd waren vor dem jetzigen Krieg viel gute Wirtshäuser allhie.

Steneglius schreibt auß Andernaco, wiewol das Wildbad nicht so gar heiß / oder warm ist / als das Marggrafen Bad / so pflege doch von solchem ein schwacher Mage / von wegen deß vilen Schwefels / zugeschwellen / vnd vergehe jhme der Lust zu dem Essen. Welches so es geschehe / soll man alsbald vom Baden ablassen / Sonsten sol es alle verruckte Sinne widerumb zu recht bringen / sie stärcken / vnd erhalten / wofern sie anders nit von MutterLeibe an / mangelhafft seyn. Waltherus Rivius sagt in seinem speculo, daß das Wildbad diene für alle kalte Anligen deß Haupts / vnd der Nerven / auch für die fallende Sucht / vnd Gicht / stärcke die Sinn / den Verstand / vnnd die böse Gedächtnüß; seye auch fürs Zittern. Anno 1645. im Eingang deß Mayens / seyn allhie die Kirchen / das Ampthauß / 63. Häuser / vnd 33. Scheuren / verbronnen: Wie in der Franckfurtischen HerbstRelation stehet. Daher noch An. 49. als es gar viel Badgäste allda geben / man / der Losamenter halber / nicht zum besten versehen werden können.