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Topographia Saxoniae Inferioris:Lawenburg

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Topographia Germaniae
Lawenburg (heute: Lauenburg/Elbe)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1653, S. 152–153.
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Lawenburg / Leoburgum.

Melchias Nehel / in Chronographia Decennali, vnnd beygefügter Chorographischen Beschreibung der Länder etc. meldet von diesem Ort / vnd Land also: Lawenburg ist ein Schloß an der Elbe / in NiederSachsen / ligt zimlich hoch auff einem Berge / an der Mechelburgischen Seite / dabey ein Stättlein im Thal / hat den Nahmen von Hertzog Heinrich dem Lawen (Löwen) welcher dieselbige Landschafft erstlich den Wendischen Völckern abgenommen. Nach ihme / hat es Bernhard / der Erste Hertzog zu Sachsen / auß dem Anhaltischen Stamm / bekommen; dessen Geschlecht / von einer besondern Lini / noch daselbst herrschet. Man nennet sie / von ihrer fürnembsten Residenz / Hertzoge zu Sachsen Lawenburg: Sie schreiben sich aber auch von Engern / vnnd Westphalen. Biß hieher Nehel. Es ist aber zu mercken / daß der obernandte Hertzog Bernhard zu Sachsen / Graff zu Anhalt / ein Sohn Alberti deß Beerens / oder Beringers / Gravens zu Ascanien / zween Söhne verlassen / Albrechten / vnnd Heinrichen. Von dem Jüngsten kommen her alle Fürsten von Anhalt: Albertus, der ältere Sohn aber / so Anno 1260. verschieden / hatte auch zween Söhn / Albrechten den Andern / von welchem die vorige alte Churfürsten zu Sachsen / biß auf Churfürst Albrechten den Dritten / vnnd letzten / zu Sachsen / sonsten den Sechsten in dieser Lini /so Anno 1422. gestorben / herkommen seyn; vnd Hertzog Hansen zu Engern / vnd Westfalen / von deme die noch lebende Hertzogen zu Sachsen Lawenburg (so ihr viel / die von Sassen / nach der Sächsischen Spraach / nennen) herstammen. Sihe oben den Eingang dieses Tractats / daselbst die jetzige Hertzogen ernant / vnd ihr Land beschrieben wird. Aber / wider auff Lawenburg zu kommen / so redet von solchem Ort / David Chytr. li. 2. Sax. p. 62. seq. also: In Orientali Albis ripa, ad Delmenoi Ostium, Duces Saxoniae veteres in Lawenburgensi arce, supra oppidum Albi ferè incumbens, edita et eminente, sedes habent. Andere sagen / es lige Lawenburg 2. Meilen von Lüneburg / vnd 6. von Hamburg / auch zum Kauffhandel / wegen deß Elbstroms / sehr wol; vnnd seye allda auch ein vornehmer Paß über die Elb / vnd habe daher / im nächsten Teutschen Krieg / viel außstehen müssen / den die Schwedischen sonderlich in acht genommen / vnd ihre Besatzung / weil das Schloß fürnemblich darzu bequem / allda gehalten. Als Käyser Friederich der Erste in Asien gezogen / [153] ist obgebachter Herzog Heinrich der Low zu Sachsen / von welchem / wie auch oben gesagt / dieses Lawenburg / oder Löwenburg / den Nahmen hat / auß seinem Exilio wider zu Lande kommen / vnnd sich dieses Lawenburgs / vnd anderer ihm entzogener Ort / Anno 1189. bemächtigt; deßwegen er dann bey deß Käysers Sohn / König Heinrichen dem Sechsten / auch in Vngnade kommen; vnd da er bey ihme außgesöhnt / ward ihme vnder anderm auch aufferlegt / daß er Lawenburg schleiffen solte / welches er aber hernach nicht gethan; vnnd ihme daher newe Feindschafft gemacht / also / daß er folgents / wie vmb andere Orth / auch vmb dieses Lawenburg wider kommen ist; ob es wol der newe Hertzog in Sachsen / obgedachter Hertzog Bernhard / Anfangs im Jahr 1192. vergebens belagert hatte. König Waldemar in Dännemarck / diß Namens der Ander / vnd Siegreiche zugenant / so Anno 1241. gestorben / als er Holstein / vnd andere Länder herumb / in seinen Gewalt gebracht / hat es für schimpflich gehalten / daß allein dieses Lawenburg / daran er sich offt gemacht / als vnüberwindlich / übergangen werden solte; daher er es belagert / vnnd endlich mit der Condition bekommen / daß er den gefangenen Graff Adolphen von Holsteins (der Lawenburg zuvor / obgedachtem Hertzog Heinrichen dem Löwen / dieses Königs Schwehern / entzogen / vnnd besessen) ledig lassen solte; so auch geschehen: Vnd hat sich der Graff in seine Graffschafft Schawenburg begeben / vnd dem König die Holsteinische Länder / neben Lawenburg / hinderlassen; wegen welches Lauenburg er / der Graff / mit obgedachtem Hertzog Bernharden zu Sachsen / ein Zeitlang zu streiten gehabt. Vnnd hat dieses Bernharden Sohn / Hertzog Albrecht der Erste zu Sachsen / hernach das Schloß Lawenburg / als gemelter König Waldemar / auß seiner dreyjährigen Gefängnuß erledigt worden / nach langwüriger Belagerung / wie auch Möllen / Ratzeburg / vnd andere Ort / so die Dänen biß daher mit Gewalt inngehabt / erobert / vnd hergegen den Königlichen Statthalter in diesen Landen / Graff Albrechten von Orlamund / der zu Swerin gefangen sasse /loß gelassen. Vnd also ist dieses Lawenburg auff die Herzogen in NiderSachsen kommen / die es noch besitzen. Lundorpius lib. 11. contin. Sleid. setzet p. 96. ein sonderbares denckwürdiges Exempel / von zweyen geitzigen Kornhandelsleuten allhie / welche / wegen ihres Geitzes vnnd Vortheils / so sie mit dem Kornkauff getriben / An 1571. von Gott / vnd der Obrigkeit hart gestrafft worden seyn. Anno 1627. hat der General Tilly Lawenburg eingenommen. Folgends ist es / wie auch hieoben angedeutet worden / in Schwedische Hand gerathen / die noch An. 1647. die Zöll allhie continuirt / vnnd vom Schiffpfundt Eysen ein halben Reichsthaler / vom Last Korn anderhalb Reichsthaler / von 1. Tonnen Saltz 12. Schilling / vnd von 1. Tonnen Häring / eben so vil / genommen haben; wie indem 5. Theil deß Theatri Europ.f. 1385. a. stehet.