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Topographia Saxoniae Inferioris:Hadersleben

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Topographia Germaniae
Hadersleben (heute: Haderslev)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1653, S. 109–110.
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Hadersleben / Hadersleu.

Diese Statt / so in Suder Judland / oder im Hertzogthumb Schleßwigk / an der OstSee / sieben Meilen oberhalb Flenßburg / Mitternachtwerts / gelegen / haben vnterschiedliche / als Georg Braun / im 4. Theil seines Stättbuchs / C. Ens, in delic. apodem. p. 232. seq. Petrus Bertius lib. 3. Rer. German. p. 553. Andreas Angelus, in seiner Holsteinischen Stätt-Chronick / cap. 6. Adr. Romanus, in Theatro Urbium, Joh. Isac. Pontanus in Chorogr. Daniae descript. vnd andere mehr / beschrieben / Auß denen zu ersehen / daß man nicht einig / weder woher der Nahme komme / noch wer die Statt anfänglich erbawet habe. Theils wollen / daß der Nahme noch von den Alten Harudibus, deren Ptolemaeus in Chersoneso Cimbrica gedencket / übrig seye. Andere führen jhn vom König Hothero, oder Hathero, den der 39. oder 40. Dänische König Haraldus, bey den Juthländern bekriegt / vnd vertilgt: Andere aber vom hadern / oder zancken / so etwan da im schwang gegangen / vnd gleichsam gelebt / oder gewohnt / her; vnd sagt Jonas von Elverfeld / im Buch de Statu Holsatiae, also:

Non procul à Nostris Urbs Haderslebia Terris,
Prisco rixarum nomine dicta, jacet.

Sie solle hernach Anno 1292 / von Hertzog Woldemar zu Schleßwigk / mit dem Stattrecht begabet worden seyn; wie auch solches folgende Vers anzeigen:

A Duce Woldemaro primum Haderslebia nomen
(Jutia cui quondam paruit) Urbis habet.

Es sagt aber vorgedachter Bertius, daß diese Statt noch heutigs Tags keine Mauren / Gräben / vnd Bevestungen / habe / sondern gantz offen seye; in welche man bey Tag / vnd Nacht / kommen könne / wann man nur Schiff habe; dann Sie mit Wasser vmbgeben; Es seyen da durchauß schöne weite Gassen / vnd ein grosser Marckt: Das Land herumb fruchtbar / da Brünne / vnd Gärten / auch lustige Wiesen / vnd ein sicherer Meerhafen zu finden / in welchen viel Schiff einlauffen können / vnd der sich mit einem gar weiten Busen in das Balthische Meer außschütte; da Er auch deß Königlichen Statthalters / Herrn Heinrichen von Ranzau 20. Lateinische Vers / die Er von dieser Statt gemacht hat / setzen thuet. Nicol. Helduaderus, auß diesem Lande bürtig / saget / es seye vorhin allhie ein halber Thumb gewesen / vnd werde noch der Obriste Prediger / Superintendens, Praepositus, vnd Pastor, genant; auff deren Kirchenthurn Anno 1604. ein schönes Sparwerck gemacht worden; vnd in welcher StrfftsKirchen Herr Heinrich / zugenant Rumpold / Hertzog in Schlesien / Herr zu Großglogau / Statthalter der Länder / vnd Stätte Bautzen / Görlitz / vnd Zittau / (der vom Keyser Sigismund / die Strittigkeiten zwischen König Erichen von Dennemarck / vnd den Graven zu Holstein / wegen deß Hertzogthumbs Schleßwick / beyzulegen / Anno 1423. nach Holstein / vnd Dennemarck / geschickt worden / (Sihe oben den Eingang / vnd vnten Schleßwigg /) aber in solcher Pottschafft an der Pest gestorben /) vnter einem Marmolstein / so Jhme der König auffrichten lassen / begraben ligt. Welches dann deßwegen zu mercken / weilen die Historici, so seiner gedencken / Jhn bloß Rumpoldum Hertzogen auß Schlesien nennen / vnd sein Geschlechts-Lini / vnd Hauß / nicht anzeigen; da doch selbiger Zeit viel Hertzogen in Schlesien / von vnterschiedlichen Linien gewesen / vnd Er aigentlich nicht Rumpold / sondern Heinrich geheissen hat. Ob aber wol Er / vor zu ende gebrachter Sache / diese Welt gesegnet / auch höchstgedachter Keyser Anno 1424. das besagte Hertzogthumb Schleßwigg / der Cron Dennemarck / zugesprochen; So hat gleichwoi König Erich / nach lang geführtem Krieg / sich endlich Anno 35. mit Graff Adolphen [110] von Holstein verglichen / vnd Ihme die Ort / so Er noch im Hertzogthumb Schleßwigg hatte / auff sein Leben lang / vnd zwey Jahr hernach / seinen Erben / wie auch die Insel Femeren / zusampt den Friesen / so an der Westseiten deß Jutlands wohnen / gelassen; vnterdessen aber Hadersleben / vnd die Insel Arrien / für sich behalten; wiewol folgends auch Hadersleben / vnd Arria / sich freywillig dem besagten Adolphen vntergeben; vnd hat folgends König Christoph / deß Königs Erici Nachfahr / Anno 1440. diesem Adolpho, das Hertzogthumb Sleswigg / durch Überreichung deß Hertzoglichen Banners / verliehen. Mit der Zeit bekam dieses Hadersleben / Hertzog Johannes der Elter / zu Schleßwigg / vnd Holstein / Königs Friderici I. Sohn / vnd Königs Christiani III. in Dennemarck / Bruder / der das alte Schloß dabey auff den grund abbrechen / vnd nicht weit davon ein anders bawen lassen / welches Er / nach seinem Nahmen / Hansburg genennet. Er hat auch ein schönes Schuelhauß; wie ingleichem bey dem Eingang der Statt / ein ansehenliches Spital allhie auffgerichtet / vnd den Schueldienern gute Jährliche Besoldungen verordnet; König Friederich der Ander aber / hat das Schloß mit schönen Gemachen / auch einer Capellen von Marmelstein / geziert; vnd ist noch der Zeit diese Statt dem König in Dennemarck gehörig; deren Wappen ist eine hoch erhabene Brücke / so über ein Wasser gehet. Anno 1247. in dem innerlichen Krieg / zwischen König Erichen in Dennemarck / vnd seinen Brüdern / ist Hadersleben außgebrant worden. Anno 1271. hat ein Ander Erich / zugenant König Glipping / in dem Krieg mit Hertzog Erichen zu Schleßwigk / Hadersleben in seinen Gewalt gebracht. Anno 1527. seyn allhie alle Mönch auß dem Minoriten-Closter gejagt worden. Anno 1597. hat König Christianus IV. allda sein ehelich Beylager gehalten. Anno 1627. bekamen Hadersleben die Keyserischen / so bald hernach durch Fewer schaden gelitten. Anno 1644. hat der Schwedische Feld-Marschall Herr Leonhard Torstensohn / sich allhie lang auffgehalten / als der Krieg von der Cron Schweden / wider Dennemarck / damaln fürgenommen ward / zu welcher Zeit / im Mayen / auch der berühmte Schwedische GeneralLeutenambt Stalhantsch / allda gestorben. Es hat aber Hadersleben sich den 6. Herbstmonats dieses 44. Jahrs / wieder an den Hochgedachten König Christian / auff Gnad / vnd Vngnad / ergeben. Hierauff eroberte / im Wintermonat / deß besagten 44. Jahrs / der Obriste HelmWrangel die Statt wieder auff Discretion / das oberwehnte trefflich schöne / vnd recht Königlich Schloß / Hansburg / aber / mit Gewalt; da dann die folgende Nacht ein vnversehenes Fewer außkommen; daß davon alle Häuser / vnd Gewölbe / gäntzlich abgebrant / vnd nur die blosse Mawren vom Schloß stehen blieben. Der Autor deß Fünfften Theils Theatri Europ. sagt fol. 604. a. daß die Vermuthung gewesen / es hätten die Dänen / auß Mißgunst / selbsten ein verborgen Fewer eingelegt / damit der darinn befindliche Vorrath / den Schwedischen nicht möchte zu nutz kommen.