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TBHB 1953-06-21

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
Autor: Hans Brass
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Titel: TBHB 1953-06-21
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Entstehungsdatum: 1953
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Originaltitel: Sonntag, 21. Juni 53.
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Quelle: Commons
Kurzbeschreibung: Ungekürzte Tagebuchaufzeichnungen vom 21. Juni 1953
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Einführung

Der Artikel TBHB 1953-06-21 zeigt die ungekürzten Tagebuchaufzeichnungen von Hans Brass vom 21. Juni 1953. Diese Aufzeichnungen erstrecken sich über zwei Seiten.

Tagebuchauszüge

[1]
Sonntag, 21. Juni 53.     

[1]      Die politische Lage hat sich nicht geändert, nach wie vor gehen Patrouillen der Russen durch die Straßen, bezw. stehen Posten herum an Stellen, die ganz sinnlos zu sein scheinen. Man geht vorbei u. beachtet sie nicht. Sie geben auch keinen Anlaß zur Beachtung. Die Soldaten sehen dreckig aus, obwohl sie warscheinlich ganz sauber sind, aber ihre Uniform hat eine ausgesprochene Dreckfarbe. Da sie alle im Verhältnis zum europäischen Menschen sehr kurze Beine haben, gehen sie auch einen watschelnden Gang wie Enten, was bei den Offizieren besonders auffällt, da diese sehr weite Breaches tragen, wodurch die kurzen Beine noch kürzer erscheinen. [2] Diese Offiziere machen einen besonders üblen Eindruck.

     Gestern am Spätnachmittag besuchte uns Frl. Lachmann, die frühere Sekretärin aus dem Haus der Gesundheit, mit der Elisab. in Masserberg war. Sie wohnt am Alexanderplatz am Anfang der Stalinallee u. hat dort u. im Haus der Gesundheit die Demonstrationen viel intensiver erlebt wie wir. Sie berichtete viel Interessantes u. sagte, daß die Schießereien am Alexanderplatz auch heute noch nicht aufgehört haben. Die Russen schießen rücksichtslos auf Menschen, die sich an Fenstern oder Balkons sehen lassen, ein 10-12 jähriger Junge wurde auf diese Weise durch Kopfschuß getötet. Auch in Lichtenberg u. Weißensee soll es ähnlich sein. Während der Demonstrationen wurden viele durch Schüsse oder Knüppel Verletzte im Haus der Gesundheit behandelt, wobei die Verletzungen durch die Polizeiknüppel besonders grausam sind. –

     Heute Vormittag begleitete ich Elisabeth mit Bettinchen zum ehemaligen Monbijou=Park, bzw. zu dem, was davon übrig geblieben ist. Man hat einige große Rasenflächen sehr gut in Stand gesetzt u. einige junge Bäume neu gepflanzt, aber großenteils liegen die Trümmer des total zerstörten Schlößchens noch wüst herum. Das hat den Vorteil, daß man sich dort auf Steine setzen kann u. das Bettinchen im Sande buddeln kann. Es waren noch ein paar andere junge Väter mit ihren kleinen Kindern dort, sonst aber viele Hundebesitzer, die ihre Hunde dort herumlaufen lassen. An der Spree ist ein eifriger Badebetrieb größerer Kinder, die von Zeit zu Zeit durch Volkspolizisten vertrieben werden, aber sofort wieder da sind, sobald die Polizisten den Rücken gekehrt haben. Die Jungens klettern auf den Bogen der Stadtbahn u. springen von dort ins Wasser, in dem sie sich gemeinsam mit den Hunden tummeln. Jetzt am Nachmittag sind Elisab. u. Anni nochmals mit Bettinchen ausgegangen, ich habe gestreikt. Bettinchen hat jetzt die Wirkung der Pockenimpfung überwunden u. ist wieder ganz munter, nachdem sie einige Tage etwas quängelig gewesen war.

     Es sind keine Anzeichen vorhanden, daß der Ausnahmezustand aufgehoben wird, nur hat man die Theater u. Kinos wieder zugelassen. Die Sektorengrenzen sind immer noch gesperrt. –