Zum Inhalt springen

TBHB 1943-05-05

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
Autor: Hans Brass
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: TBHB 1943-05-05
Untertitel:
aus: Vorlage:none
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum: 1943
Erscheinungsdatum: Vorlage:none
Verlag: Vorlage:none
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort:
Übersetzer:
Originaltitel: Ahr. Mittwoch den 5. Mai 43.
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons
Kurzbeschreibung: Ungekürzte Tagebuchaufzeichnungen vom 5. Mai 1943
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


Einführung

Der Artikel TBHB 1943-05-05 zeigt die ungekürzten Tagebuchaufzeichnungen von Hans Brass vom 5. Mai 1943. Diese Aufzeichnungen erstrecken sich über zwei Seiten.

Tagebuchauszüge

[1]
Ahr. Mittwoch den 5. Mai 43.     

[1]      Gestern nachmittag Besuch Dr. Krappmann, der mir ein Buch: „Stalin", von Essad Bey, mitbrachte, welches im Jahre 1931 bei Kiepenheuer erschienen ist. Es ist eine Biographie u. – so weit ich bis jetzt darin gelesen habe, sehr interessant. – Dr. K. war etwas weniger deprimiert, als beim letzten Besuch, jedoch nicht weniger hoffnungslos. Er hat seiner vorgesetzten Stelle empfohlen, den Schieß-Kursus in eine andere Gegend zu verlegen, weil unser Teil der Ostsee zu sehr vermint ist u. man deshalb so oft nicht schießen kann, da die Scheibe, bzw. der Schlepper, Gefahr läuft, auf eine Mine zu laufen. Bei dieser Gelegenheit hörten wir, daß vor kurzer Zeit am Darsser Ort der Dampfer Gneisenau, ein Ostasienfahrer, auf eine Mine gelaufen u. gesunken ist. –

     Interessant ist, daß Marschall Mannerheim zu einem Erholungs-Urlaub in die Schweiz gefahren ist. Warum fährt er grade in die Schweiz? Vielleicht hat er nicht die Absicht, wieder nach Finnland zurückzukehren. –

     Margret fährt heute nachmittag mit Dr Wessel nach Ribnitz, von dort morgen früh nach Berlin. Sie wird dort auf Fritz warten, der am Dienstag dort eintrifft u. beide zusammen werden dann hierher fahren. Wenn nur schon diese Hochzeit vorüber wäre, die uns furchtbar viel Mühe u. Unruhe macht. Dazu kommt, daß Martha eine unbedachte Aeußerung getan hat, die Frau Bohner hörte, wodurch eine Verstimmung entstanden ist. Margret hat dann wieder sich unmutig über uns ihrer Mutter gegenüber geäußert, was wieder Frl. v. Tigerström hörte u. Martha wiedererzählte. Kurzum, es ist schwierig, die Harmlosigkeit zu bewahren u. ich mußte heute schon zum zweiten Male die Erregungen beschwichtigen u. ausgleichen. Es bleibt bei solchen Sachen natürlich immer etwas zurück. Margret möchte nun nach der Hochzeit für sich allein wirtschaften u. ich würde das auch für uns ganz angenehm finden, wenn dieser Entschluß nur nicht das Resultat heimlicher Verstimmung [2] wäre. –

Vorgestern waren Peter Erichson u. Frau Ristow bei uns u. Erichson brachte wie immer viel Anregung für die Gestaltung der Hochzeit. Wir wollen bei gutem Wetter einen kleinen Hochzeitszug durch die Straße machen, an der Grenze unseres Besitzes entlang. Erichson wird einen Kranz mit bunten Bändern machen lassen, der an einer Stange vorangetragen wird u. er wird auch dafür sorgen, daß irgend jemand auf der Ziehharmonika dazu Musik macht. – Das Wetter ist unentwegt so schön, daß man leider damit rechnen muß, daß es zur Hochzeit regnet. –

     Heute habe ich die Dahlien teilweise eingebracht.

     Nachmittags kam Erichson mit Frau Ristow nochmals u. brachte uns die ausgezeichnete Anregung, den großen Hochzeitskaffee bei Knecht zu geben. Das ist eine vorzügliche Lösung. Die Trauung findet dann um 3 Uhr bei uns in der Diele statt, wo alle Gäste versammelt sind u. wohin das Brautpaar aus dem kleinen Hause direkt durch den Garten kommt. Nach der Trauung formiert sich dann ein großer Hochzeitszug mit allen Gästen und geht zu Knecht. Auf diese Art halten wir uns das Haus frei für den Abend u. es kann in Ruhe das Abendessen vorbereitet werden. Wir sind gleich zu Frau Knecht gegangen, die sofort bereit war. Es ist das eine sehr große Erleichterung für uns. –

     In Afrika geht es langsam weiter, – aber sehr langsam, unsere Truppen wehren sich sehr tapfer. Merkwürdig ist, daß nur immer als Führer unserer Truppen v. Arnim genannt wird, – zwar nicht von uns! – aber von Rommel ist nie die Rede. Wo mag er sein? Ist er nicht mehr in Afrika?

     Laval war beim Führer. Es müssen da doch sehr wichtige Verhandlungen stattfinden.

     Interessant ist die Affäre Katyn. Es ist von uns eine Riesenpropaganda gemacht worden wegen angeblich 12000 ermordeter polnischer Offiziere. Diese Propaganda hat auch gut gewirkt u. Sowjet-Rußland hat im Verlaufe derselben mit Polen die Beziehungen abgebrochen. Nun aber sind auf Einladung des Reichsgesundheitsführers Dr. Conti Aerzte aus 12 verschiedenen Nationen in Katyn gewesen u. haben ein Protokoll veröffentlicht, das in allen Zeitungen steht. Darin heißt es, daß bis zum 30. April 900 u. einige Leichen ausgegraben worden seien. Wo sind nun die übrigen 11000 Leichen geblieben? – Darüber, u. überhaupt über diese Differenz wird kein Wort gesagt. Man kann dem deutschen Spießen, wie es scheint, alles zumuten. –

     An der Ostfront in seit Wochen Ruhe, mit Ausnahme des Brückenkopfes am Kuban, wo die Russen unentwegt angreifen. –

     Das Stalin-Buch ist ungemein interessant, besonders, wenn man diesen Menschen mit unserem Hitler vergleicht. Dort ein skrupelloser, von keinem Gefühl u. keinem spekulativen Gedanken gehemmter Bandit, – hier ein sentimentaler Spießer, der toll geworden ist u. aus dieser Tollheit heraus nicht weniger skrupellos, jedoch viel weniger ein brutaler Tatmensch wie Stalin, sondern ein gerissener Gauner, der seine Schurkereien selbst noch vor sich selber mit idealistischer Sentimentalität verkleidet.