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TBHB 1943-04-26

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
Autor: Hans Brass
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Titel: TBHB 1943-04-26
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Entstehungsdatum: 1943
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Originaltitel: Müritz, Ostermontag 26. April 1943.
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Quelle: Commons
Kurzbeschreibung: Ungekürzte Tagebuchaufzeichnungen vom 26. April 1943
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Einführung

Der Artikel TBHB 1943-04-26 zeigt die ungekürzten Tagebuchaufzeichnungen von Hans Brass vom 26. April 1943. Diese Aufzeichnungen erstrecken sich über zwei Seiten.

Tagebuchauszüge

[1]
Müritz, Ostermontag 26. April 1943.     

[1]      Heute ist der letzte Tag hier. Spangenberg holt uns am Nachmittag ab. Das Wetter ist kühl u. veränderlich, hoffentlich kommen wir trocken nach Ahrenshoop zurück.

     Morgens um 8 Uhr war wieder stille Messe mit Communion, um 10 Uhr Hochamt, doch ohne Predigt, mit sakramentalem Segen. – Morgens früh ging ich in Hausschuhen die Treppe hinab, glitt aus u. rutschte ganz sanft die ganze Treppe hinunter, von Stufe zu Stufe, ohne mir das Geringste getan zu haben.

     Heute um 1 Uhr soll noch der kleine Johannes Papen kommen, der mein Patenkind ist. Ich habe ihn noch nie gesehen. Er ist drei Jahre alt. Der Rektor rief mich damals an, ob ich die Patenschaft übernehmen wolle. Ich sagte zu, war aber bei der Taufe selbst nicht anwesend. Von Schw. Oberin höre ich, daß die häuslichen Verhältnisse dort nicht zum Besten stehen. Der Mann ist zwar fromm u. kommt zur Kirche u. ich kenne ihn vom Sehen, aber die Frau geht fremd u. man behauptet, daß nicht alle Kinder von diesem Vater sind. Gegenwärtig ist eine kleine Tochter hier im Hause mit Namen Maria, ein recht wildes, aber doch gutartiges Kind, das am kommenden Sonntag die Erstkommunion empfangen soll. Von Schw. Oberin höre ich, daß der Vater eine Littauerin im Hause hat, mit der er ein Verhältnis hat. Die Leute wohnen in Graal. Es ist ein Jammer, daß diese Leute Katholiken sind, wo es so wie so schon kaum Katholiken hier gibt. Auch eine andere Familie gibt es da noch. Obwohl sie nur zwei Häuser nebenan wohnt, kommt keiner von ihnen zur Kirche. Dabei war der Mann vor einigen Jahren mit mir zusammen hier im Hause bei den Exerzitien u. die Frau war oft krank u. beanspruchte dann die Schwestern mit tausend Kleinigheiten. Die Leute waren mir allerdings stets sehr unsympathisch.

Ahrenshoop, Abends

     Um 4 Uhr holte Spangenberg uns aus Müritz ab. Im letzten Teil der Fahrt, von Dierhagen an, gerieten wir in einen tollen Sturm, der rasch zunahm u. zeitweise Windstärke 7 – 8 erreichte, besonders, als wir uns grade auf der Höhe zwischen Wustrow u. Althagen befanden. Spangenberg fuhr sehr rasch, er hatte den Falben vom Bauer Nagel eingespannt, dazu sein eigenes, jüngers Pferd, – so waren wir punkt 6 Uhr bereits in Ahrenshoop. Hier kamen wir vor verschlossene Türen, [2] da Frl. v. Tigerström uns noch nicht erwartet hatte u. zu Frau Charlotte Schmitt gegangen war. Zum Glück kam sie dann bald, – auch hatte sie geheizt, worüber wir sehr froh waren. – Bei der inzwischen eingegangenen Post war ein Brief von Fritz, ferner ein Buch: Ernst Jünger, „Geheimnisse der Sprache“, als Ostergeschenk für mich, worüber ich mich besonders freute, u. dann noch ein wundervolles Engel=Buch von Lothar Schreyer. – Ferner ein Brief von Dr. Tetzlaff aus Badenweiler, der mir ein schönes Gedicht. „Stimme des Gefallenen“ von Werner Bergengruen, sandte. Bergengruen ist Konvertit. Tetzlaff schreibt mir, daß bei der völligen Vernichtung der Hedwigskirche in Berlin beim letzten Fliegerangriff seltsamerweise allein die schlanke, weiße Tabernakelsäule in der Sakramentskapelle inmitten der Ruinen völlig unversehrt geblieben ist. Er schreibt, der Herr Dr. Goebbels habe bei der Besichtigung der zerstörten Kirche gefragt, ob es eigentlich noch mehr kathol. Kirchen in Berlin gäbe. Ich kann das nicht glauben, es wäre zu dumm. – Ich hatte Dr. T. vor einiger Zeit eine Abschrift des Briefes des Kaplans u. Divisionspfarrers aus Stalingrad gesandt, er schreibt mir, daß er ihn im Gottesdienst am selben Sonntag noch vorgelesen habe. Auch habe er ihn weiter verbreitet u. der Brief sei bereits mehrfach in Predigten behandelt worden. Dasselbe schrieb mir s. Zt. Pfr. Feige aus Bln-Pankow, dem ich ebenfalls eine Abschrift gesandt hatte. –

     Der Abschied in Müritz war wieder schmerzlich u. herzlich. Die Schwestern gaben uns ein Paketchen mit, das wir zuhause öffnen sollten. Es enthielt ein buntes Körbchen, in welchem eine Kuchen=Henne auf vielen Bonbon=Eiern saß. Es war sehr niedlich.

     Von Pfr. Dobczynski bekamen wir die schöne Nachricht, daß er am Donnerstag zu uns kommen u. bei uns eine hl. Messe zelebrieren will. Das wird also wieder etwas Besonderes, ich hoffe, daß dann noch Frau Monheim hier sein wird.

     Aus der Zeitung entnahm ich, daß der Führer nun auch noch den Dr. Tiso aus der Slowakei empfangen hat. Diese diplomatischen Empfänge sind ja sehr aufsehenerregend. Ferner hörte ich das Gerücht, die Sowjet=Regierung habe ihre Verbindung mit der polnischen Emigranten=Regierung in London abgebrochen. Das wäre freilich eine Nachricht von sehr großer Bedeutung, zweifellos ein diplomatischer Sieg der Nazis, den sie durch ihre Propaganda betr. den Mord an angeblich 12000 polnischen Offizieren errungen hätte. Den Engländern dürften diese Dinge recht peinlich sein u. man kann gespannt sein, was sich weiter daraus entwickelt. Wenn es Hitler damit gelingen sollte, einen Keil in das Bündnis England – Rußland zu treiben, so wäre das freilich von großer Bedeutung. Möglicherweise benutzt England diese Gelegenheit, um sich von diesem unnatürlichen Bündnis zurückzuziehen, nachdem Rußland jetzt eine Macht entwickelt hat, die wahrscheinlich auch England selbst unheimlich zu werden beginnt. –

     Uebrigens meldete sich auch Margret mit zwei Photographien als Ostergratulantin. Die Bilder hatte Fritz gemacht, eines davon ist sehr gut, – am Strande gehend. –

     Auch mein Patenkind, den kleinen Johannes Papen, habe ich nun gesehen, ein netter, dicker, kleiner, zutraulicher Bengel. Der Vater stammt aus der Gegend von Kleve u. ist ein braver Mann, der eben mit seiner Frau Pech gehabt hat. Die Frau ist seit zwei Jahren von ihm weg u. lebt mit anderen Männern. Es ist das eine Irrung, die aus der Wurzellosigkeit u. Zerfahrenheit unserer Zeit erwachsen ist u. vielleicht kann man der Frau nicht einmal sehr große Schuld beilegen; aber der Mann ist jedenfalls trotz allem ein braver, frommer Mensch, der alles trägt mit einem demütigen Gottvertrauen. Er machte auf mich einen recht guten Eindruck.