Zum Inhalt springen

TBHB 1943-04-18

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
Autor: Hans Brass
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: TBHB 1943-04-18
Untertitel:
aus: Vorlage:none
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum: 1943
Erscheinungsdatum: Vorlage:none
Verlag: Vorlage:none
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort:
Übersetzer:
Originaltitel: Sonntag, den 18. Apr. 1943
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons
Kurzbeschreibung: Ungekürzte Tagebuchaufzeichnungen vom 18. April 1943
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


Einführung

Der Artikel TBHB 1943-04-18 zeigt die ungekürzten Tagebuchaufzeichnungen von Hans Brass vom 18. April 1943. Diese Aufzeichnungen erstrecken sich über zwei Seiten.

Tagebuchauszüge

[1]
Sonntag, den 18. Apr. 1943     
Palmsonntag.     

     Heute Morgen große Andacht gehalten. Außer Martha waren Margret mit ihrer Mutter dabei, Frl. v. Tigerström und Trude Dade. Ich habe erst eine Erklärung zur ganzen Liturgie des Palmsonntags gegeben u. dann die Texte der Palmenweihe u. der Messe gelesen. Es dauerte von 11 Uhr bis 12 Uhr. Obwohl es sehr lang war, waren doch alle sehr bei der Sache, ganz besonders Mutter Bohner, die mir von Tag zu Tag immer besser gefällt. Fritz bekommt da bestimmt eine sehr gute Frau. Frau B. war so sehr bei der Sache, daß sie, obwohl es doch so lange gedauert hatte, nachher noch lange in ihrem Stuhl sitzen blieb u. garnicht aufstehen wollte. – Für mich war es sehr anstrengend, vor allem das lange Stehen; aber ich war doch selbst so sehr dabei, daß ich manchmal, besonders beim Verlesen der Leidensgeschichte, Angst hatte, daß mir die Stimme versagen würde. Die Stelle wo es heißt. Petrus „weinte bitterlich“, ist für mich immer sehr gefährlich, denn an dieser Stelle bemerke ich immer meine Aehnlichkeit mit St. Petrus, – auch ich bin oft so feige u. charakterlos u. ich bin sicher, daß auch ich den Herrn verleugnet hätte, wenn ich an seiner Stelle gewesen wäre. –

     Gestern Abend habe ich den Kreuzweg von Reinhold Schneider vorgelesen, auch dabei waren Mutter u. Tochter B. sehr interessiert. Nachdem ich diesen Kreuzweg nun schon mehrmals vorgelesen habe, beherrsche ich ihn jetzt ganz gut, sodaß mir der Vortrag gut gelingt.

     Gestern Vormittag habe ich, nachdem ich erst den Fußboden im Seezimmer geölt habe, die Stauden eingepflanzt. Es waren hundert Stück, ziemlich anstrengend. Es sind sehr schöne Pflanzen dabei, leider nur wenig Nelken, ich hatte auf mehr gehofft. Das vorige Jahr mit seiner Feuchtigkeit war für Nelken nicht sehr gut, wahrscheinlich hatte die Gärtnerei selbst nicht mehr viel. Nachmittags waren wir bei Frau Monheim zum Kaffee, ich war aber sehr ermüdet. Nachher mußte ich die neue Pflanzung gießen, denn der Boden ist knochentrocken. Ich sprengte viele Kannen Wasser darüber u. erreichte doch keine gleichmäßige Durchfeuchtung. Hoffentlich gehen die Pflanzen trotzdem an, – aber wir brauchen dringend Regen.

     Heute Morgen 8 Uhr waren alle Männer aufgeboten, am Grenzweg einen Luftschutzgraben auszuheben. Auch ich war aufgefordert, bin aber nicht hingegangen. Solche Arbeiten kann ich mit meiner Hüfte denn doch nicht mehr leisten.

     Heute wurde durchgegeben, daß der Führer nun auch noch den Reichsverweser von Ungarn, v. Holty, empfangen hat. Es scheint doch, als ob etwas Bedeutendes im Gange wäre. Gleichzeitig wird eine starke u. nicht ungeschickte Propaganda entfaltet mit dem Mord an den polnischen Offizieren durch die Bolschewiken. Es sollen 12000 Leichen sein, die man aufgefunden hat. Es ist das natürlich ein grauenvoller Vorgang, der den Engländern sehr fatal ist, denn in England sitzen die vielen polnischen Emigranten, die auf die Russen natürlich einen Haß haben u. deren Ansprüche für die Engländer um so unangenehmer sind, als sie wegen der Polen uns den Krieg erklärt haben zu einer Zeit, als sie mit Rußland noch nicht verbündet waren. Aber unsere moralische Entrüstung [2] macht denn doch einen fatalen Eindruck, denn wenn man alle von uns hingemordeten Juden zusammenzählen würde, dann würde ihre Anzahl jene 12000 weit zurücklassen. – Auffallend ist, daß eben ein neuer Botschafter beim Vatikan ernannt worden ist: Herr v. Weitzäcker. Nachdem vor einiger Zeit auch in Italien ein neuer Botschafter u. zwar kein geringerer als der Außenminister u. Schwiegersohn des Duce, Graf Ciano ernannt worden ist, macht es doch den Eindruck, als wäre darin ein System. – Zugleich wird eine große Propaganda mit unserem neuen Panzer „Tieger“ aufgezogen. Man hat das Gefühl, als wollten wir damit bange machen u. zeigen, daß wir noch sehr stark sind u. einen Frieden nicht nötig hätten, – es soll so aussehen, als ob wir mit diesem neuen Panzer, von dem gradezu Wunderdinge erzählt werden, in der Lage wären, Rußland endgültig niederzuwerfen. Dieser neue Panzer ist übrigens auch in Afrika bereits eingesetzt. Wenn er wirklich eine solche Wunderwaffe ist, dann wollen wir hoffen, daß er den Amerikanern dort nicht in die Hände fällt u. sie ihn nachmachen.

     Der Sohn von Fischer Heinrich Meyer ist gefallen.